Der Weingenießer

Die Natur wissenschaftlicher Genießer
ähnelt doch sehr der gewöhnlicher Spießer
Sie pressen den Wein in vorgefertigte Schablonen
als könnte man in einer Flasche wohnen

Schnell sieht man wie so jemand verbiestert
stößt er auf unbekannte Kombinationen
Beleidigt wird dann der unglückliche Eingießer
zählt der Wein nicht zu bekannten Epigonen

Hohe Punktzahlen werden abwertend genannt
Das merkwürdige Vokabular ist nur ihm bekannt.
So drischt er wütend auf den Tropfen ein

Nach dem Probieren ist er noch immer angespannt.
und verflucht schließlich den unseligen Wein
dabei schmeckte er eigentlich fein

Rhodter Klosterpfad Spätburgunder 2007

Der Wein trägt ein granatrotes Kleid. Zunächst rieche ich Waldbeeren, Lakritz und Kräuter. Auch nach dem Schwenken bleibt das Bukett in hoher Intensität erhalten. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Nach dem schönen Geruch habe ich ein kleines agnostisches Gebet in Richtung Bacchus, Dionysos und wens sonst noch interessieren könnte gesprochen. „Enttäusch mich nicht.“ Und siehe da, mein Gebet wurde erhört. Bacchus, Dionysos oder wer sonst auch immer schenkt mir einen Wein mit vollmundiger Frucht, einem ordentlichen Körper und einem mineralischen Nachhall, der eine gute Länge besitzt.

Für mich ist das ein Paradebeispiel für einen deutschen Spätburgunder. Eine schöner Duft, ein fruchtiger Geschmack und eine herrliche Unkompliziertheit. Ein Wein für jeden Tag und zugleich ein Wein, der aus jedem Tag einen guten Tag machen kann. Den Wein würde ich zu einem schönen Kasselerbraten empfehlen.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Klosterpfad
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 13%
Ausbau: QbA trocken – im Holzfaß gereift

Weinfest

Es ist meist kein besondrer Wein
nach dem die durstigen Kehlen schrein
Fast ist’s gleich ob weiß oder rot
Solange weiter Trockenheit droht

Hauptsache Flüssigkeit kommt rein
Auch gestreckt mit Wasser zur Not
Lecker muss das dann gar nicht sein
Zur Neutralisation gibt’s halt ne Scheibe Brot

Von geselligen Freunden auf langen Bänken eingesperrt
Während das Deo des Nachbarn die frische Luft verzehrt
Erfreut man sich am volkstümlichen Gelage

Wer sich gegen steten Nachschub nicht wehrt
Der erlebt das Ende des Fests womöglich als Blamage
Verlässt er es doch sirenenbegleitet auf einer Trage

Rhodter Schloßberg Riesling Granit 2008

Bei Granit muß ich ja sofort an den mächtigen Hermitage an der Rhone denken. Rhone und Rhodt liegt phonetisch ja auch gar nicht so weit voneinander entfernt, aber ganz so steil ist der Rhodter Schloßberg dann doch nicht, und mit der Berühmtheit ist es auch noch nicht ganz so weit. Man stelle sich nur mal vor, einen Hermitage für 8,50€ zu bekommen…

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe mit grünlichem Einschlag. Die erste Nase ist mäßig intensiv und duftet nach Pfirsich und Graipefruit. Die zweite Nase ist schwerer zu durchdringen. Sie wirkt frischer und duftet nach Stein und Moos.

Hm…, es fällt mir diesmal erstaunlich schwer, nach dem ersten Schluck ein Urteil zu fällen. Denn insgesamt wirkt der Wein ziemlich unauffällig. Bevor ich noch mehr über mein Vokabular falle, muss ich doch feststellen, daß die kräftige Säure im Wein auffällt. Dies tut sie aber keineswegs negativ. Vielmehr ist sie hervorragend eingebunden. Insgesamt wirkt der Wein extrem harmonisch und ruhig. Dieser Eindruck wird von seinem leichten Körper noch gefördert. Ich stelle fest, daß es sich lohnt, meinen Zweifeln Zeit zu geben, denn während ich über das eben Hinuntergeflossene sinniere, beginnt der mineralische Nachhall, der eine gute Länge besitzt.

Mit das Schönste an Unsicherheit im ersten Schluck ist ja, daß diese Unsicherheit zu einem zweiten Schluck herausfordert. Und wenn man schon mal unsicher ist, sollte man an dieser Stelle unter keinen Umständen aufhören.

Nach x Schlücken konstatiere ich – ja! Das ist der Wein, um ihn nach einem harten Arbeitstag zu trinken. Dann weiß man, wieder wieso man arbeitet. Und weil der Wein nicht so teuer ist wie ein Hermitage, muß man vielleicht gar nicht so hart arbeiten… An der Rhone habe ich zwar Viognier und Marsanne kennen und schätzen gelernt; in ihren Bann haben sie mich aber nicht gezogen. Wie anders da doch dieser feine Rhodter Riesling. Im Gedanken bei den Granitfelsen des Hermitage denke ich doch: Riesling rocks.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Schloßberg
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 12,5%
Ausbau: Spätlese trocken

Rhodter Klosterpfad Weißburgunder trocken 2008

Heute versuche ich mich in der Königsdisziplin der genießenden Alkoholiker oder doch der zu alkoholisierenden Genießer? Egal: Weinverkostung nach einem anstrengenden 30km-Lauf abends um 10! JA!

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe. Einige Trubteilchen bzw. Perlen schwimmen an seiner Oberfläche. Die erste Nase besitzt eine ordentliche Intensität und duftet nach Toast und blumigen Noten. Die zweite Nase ist intensiver. Sie duftet nach Drops, Speck, und Blumen.

Der Wein besitzt eine gute Dichte und ist sehr würzig. Er wirkt sehr kräftig und leicht rauchig. Der Nachhall ist etwas streng und würzig. Er besitzt eine ordentliche Länge.

Definitiv nicht geeignet als Erfrischung nach einem langen Lauf. Dafür ist er zu schwer.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Klosterpfad
Rebsorte: Weißburgunder
Jahrgang: 2008
Erzeuger: Christian Heußler
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 13%

Leichtathletik-WM Tag 9

Ich muß gestehen, ich verspürte schon am letzten Tag der WM Katerstimmung. So schaute ich mir den Marathon der Frauen diesmal im Fernsehen an, auch da ich so mehr vom Verlauf des Rennens mitbekommen konnte als direkt an der Strecke. Mocki lief einen schönen Lauf, doch leider war sie am Anfang doch etwas zu defensiv. Sicher hätte sie auch sonst nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun gehabt, aber vielleicht hätte sie ein paar Plätze weiter vorne landen können. Wie dem auch sei, der von Rußland eröffnete Vierkampf mit China, Japan und Äthiopien, aus dem Rußland als erster mit Seitenstechen aussteigen mußte, war sehr spannend und bot viele Wechsel in der Führung. Daß die Chinesin, die als letzte attackierte, erfolgreich war, gibt Mocki in ihrer Strategie vielleicht doch recht.

Daß für Deutschland an diesem Abend nichts zu holen war, war eigentlich von Beginn an klar. Schließlich gab es auch nur noch 2 Finale mit deutscher Beteiligung. Doch das war nicht schlimm; die deutschen Athleten hatten uns in den vergangenen Tagen mit einem wahren Medaillenregen verwöhnt. Enttäuschungen gab es eigentlich keine, dafür jede Menge postiver Überraschungen.

Ich weiß nicht, woran es liegt, daß ich jetzt über so wenig von diesem Abend schreiben will. Vielleicht an der wehmütigen Stimmung, weil ich wußte, daß diese großartige Veranstaltung an diesem Abend zu Ende gehen sollte und irgendwo im Unterbewußtsein schon ahnte, daß mich am  nächsten Tag die Arbeit erwartete.

Faszinierend war der 5.000m-Lauf. Vor der WM hieß es ja noch Bekele würde nur über die 10.000m starten, doch nun war er auch über 5.000m dabei. Es überraschte, daß er sich von Anfang an sehr aktiv an der Führungsarbeit beteiligte. Noch überraschender war es, daß der Lauf trotz dessem oder sogar deswegen sehr langsam war. Bekele schien sich voll auf seinen Endspurt zu verlassen. Ob er so etwas noch einmal wagt, weiß ich nicht, denn das Duell, das ihm Bernard Lagat aus den USA bot, war grandios. Lagat hatte Bekele auf der Zielgeraden schon überholt, als dieser noch ein paar allerletzte Körner Kraft mobilisierte und Lagat niederrung. Wahrscheinlich war Bekele nach den vielen Wettkämpfen nicht mehr zu einer Topzeit in der Lage und entschied sich daher für diese Taktik. Meinen Glückwunsch dafür, daß sie aufging – wenn auch nur hauchdünn.

Daß auch das 800m-Rennen der Männer mit Mbulaeni Mulaudzi von einem südafrikanischen Mann gewonnen wurde, bot natürlich reichlich Anlaß zum Schmunzeln, wobei ich mich bei Caster Semenya für diesen unangbrachten Witz entschuldigen möchte. Es war ein spannendes Rennen, bei dem ich den Eindruck hatte, daß der stärkste Läufer, der eingeklemmte Amine Laalou, leider nicht entscheidend in den Zielsprint eingreifen konnte.

Diese Beobachtung wird beim 1.500m-Rennen der Frauen interessant. Hier möchte ich nicht in der Haut der Jury stecken. Ja, Natalia Rodriguez hat Gelete Burka umgestoßen, und jeder im Stadion hat es gesehen. Was nicht jeder erkannt hat, ist, daß Burka nicht konsequent innen lief, also eine Art Minimalschlupfloch bzw. zumindest den Anreiz zum Innenpassieren für Rodriguez bot. Wäre Burka ganz innen gelaufen, stellte sich die Frage nicht und Rodriguez gehörte, wie von einigen Zuschauern praktiziert, ausgepfiffen. Meines Erachtens trägt Burka durch den von ihr praktizierten Laufstil jedoch eine gewisse Mitschuld. Die Entscheidung zur Disqualifikation der Ersten Rodriguez halte ich jedoch für konsequent. In der Vergangenheit wurden Läufer bereits für deutlich geringeren und unabsichtlichen Körperkontakt disqualifiziert.

Die Begeisterung bei den 4*400m der Frauen wirkte diesmal etwas weniger stark, und daß obwohl ich diesmal auch aufstand – es war ja immerhin ein Finale. Zu deutlich war wohl, daß das deutsche Quartett hier nichts mit der Entscheidung zu tun hatte.

Mit den 4*400m der Männer und einem überlegenen Sieg der amerikanischen Staffel um Kerron Clement ging die WM dann für mich zu Ende. Auf die Abschlußfeier verzichtete ich dann doch, um meine Abreise etwas einfacher zu gestalten.

Es waren herrliche Tage, wunderschöne Wettkämpfe, eine friedliche und begeisternde Atmosphäre. Es gab unterhaltsame Athleten, große Kämpfe und beeindruckende Leistungen. Die Leichtathletik hat alles gezeigt, was sie zu bieten hat, und wer das neun Tage lang verfolgt hat, ist aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Gerade deshalb ist es schade, daß so wenig Besucher da waren. Gerade bei jungen Zuschauern hätte dieses Ereignis eine ungeheure Begeisterung auslösen und sie für die Leichtathletik faszinieren können. Mir hat es auf jeden Fall so gut gefallen, daß die EM 2010 in Barcelona einen sehr ernsten Gedanken wert ist, in der Hoffnung dort ebenso heitere Tage zu verbringen.

Leichtathletik-WM Tag 8

Nicht deutete an diesem Tag auf den Regen des Vortag hin. Bei für die Zuschauer angenehmen Temperaturen und Sonnenschein startete der Marathon der Männer um 11:45, was für die Läufer dann natürlich schon fast zu spät war. Für mich bot es genug Zeit, um nach einem morgendlichen Lauf an die Strecke zu kommen. Ob es nun gut war, daß der Marathon komplett in der Stadt verlief und sein Ziel am Brandenburger Tor statt im Stadion hatte, oder nicht, ist eine schwierig zu beantwortende Frage.
Die vier Runden boten den Zuschauern die Gelegenheit, die Läufer häufiger hautnah zu sehen. Dies war in Göteborg aber auch möglich trotz Zielankunft im Stadion. Andererseits waren so keine Zuschauer im Stadion und dafür mehr Zuschauer an der Strecke, welche die Läufer zusammen mit den ohnehin marathonbegeisterten Berlinern anfeuern konnten. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, wie geil ein Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor ist, wobei ich mich als Deutscher dabei natürlich auch emotional stark an das Tor gebunden fühle. Für den Zuschauer von Nachteil war jedoch die geringe Anzahl an Leinwänden entlang der Strecke, so daß man den Marathon eigentlich nur am Brandenburger Tor durchgängig verfolgen konnte. Auch nervig waren die unnötig strengen Streckenposten, die ein Überqueren der Straße fast unmöglich machten, obwohl es große Zeitfenster zwischen den Läufern gab. Solche Kontrollen würde ich mir mal bei einem vollen Marathonfeld wünschen.
Mit einigen anderen stand ich an der Siegessäule und machte es mir in den, da das Feld immer weiter auseinanderriß, stetig kürzer werdenden Pausen auf dem Rasen bequem. So hatte ich zwar einen sehr faulen und beschaulichen Vormittag, erfuhr von dem Sieger Kirui aber erst aus dem Fernsehen mit deutlicher Verspätung.

Im Anschluß an den Marathon erfolgte übrigens auf der gleichen Strecke ein 10km-Rennen für Hobbyläufer, der sogenannte Champions-Run, von dessen Organisation mir Mitlaufende sehr Schlechtes berichteten. Schade eigentlich. Schließlich gibt es in Berlin wahrlich genug Know-How, um große Laufveranstaltungen zu organisieren. Mich hatte insbesondere der Preis gestört, den ich als Abzocke empfand. Den Lauf als Charity-Run zu bezeichnen, empfand ich als zusätzlichen Hohn. Von den 27€ Startgeld gingen sage und schreibe 2€ an eine Hilfsorganisation, deren guter Name damit so in den Schmutz gezogen wurde, daß ich ihn lieber nicht nennen will. Hätte der Lauf das Gleiche gekostet und wären 12€ an eine Wohltätigkeitsorganisation gegangen, wäre ich wahrscheinlich gerne gelaufen. Immerhin ist mir so das Chaos erspart geblieben.

Der Abend sollte der Abend der Verletzten werden. Doch das konnte zunächst noch niemand wissen. Zunächst sah es so aus, als sollte es vor allem der Abend werden, an dem das Olympiastadion tatsächlich nahezu vollständig gefüllt war. Aber obwohl es seit Wochen hieß, daß dieser Abend ausverkauft sei, blieben doch noch vielleicht 5.000 Plätze frei. Auf jeden Fall war es ein anderes Publikum, das mir etwas weniger Leichtathletik-versiert und etwas mehr national begeistert erschien. Natürlich wurden auch in den Vortagen, die deutschen Athleten besonders angefeuert – auch von mir – aber die Relationen zu dem Anfeuern fremder Athleten schien zu stimmen und gewährte auch diesen einen fairen Beifall für gute Leistungen sowie Unterstützung bei dem Erzielen solcher. Das Publikum war eben auch überaus sportlich. So leid es mir tut und so sehr ich damit wohl auch eine Einzelmeinung verkörpere: die 4*400-Staffel der Frauen war für mich beinahe der negative Höhepunkt. Für den Vorlauf der deutschen Staffel stand das ganze Stadion die volle Zeit. Sicher war das eine tolle, vielleicht sogar einzigartige, Stimmung, aber wenn ich das mit dem müden und nicht mal ernsthaft bemühten Applaus für den frisch gebackenen Weitsprungweltmeister Dwight Phillips vergleiche, möchte ich mich bei diesem eigentlich für das Publikum entschuldigen.

Wettkampf des Abends war für mich aber weder der 4*400m-Vorlauf noch das Weitsprungfinale sondern der Hammerwurf der Frauen. Anita Wlodarczyk muß es mir verzeihen, daß ich zuerst von der sensationellen Leistung von Betty Heidler schwärme. Sie bot einen wahnsinnigen Wettkampf. Sie fing mit einer Superweite von knapp über 75m an und steigerte sich mit jedem weiteren Wurf bis zur persönlichen Bestweite und neuem deutschen Rekord von 77,12m. Nur ein Wurf von ihr fiel aus der Reihe und blieb knapp unter 75m. Die Größe dieser Leistung wird deutlich, wenn man bedenkt, daß Heidler sich mit jedem ihrer 5 Würfe über 75m die Goldmedaille verdient hätte…, ja wenn nicht die Polin Anita Wlodarczyk in dem einzigen Nicht-Heidler-Wurf des Abends über 75m einen neuen Weltrekord aufgestellt hätte. Abgerundet wurde das Hammerwerfen von einem tollen 4. Platz der zweiten Deutschen Kathrin Klaas, die sich nur knapp geschlagen geben mußte. Fairerweise muß ich betonen, daß der Polin sicher noch weitere gute Würfe zuzutrauen gewesen wären, hätte sie sich nicht bei den Jubelsprüngen über den Weltrekord ihren Knöchel verstaucht. So mußte sie auf weitere Würfe verzichten und bewies aber Humor als sie zur Kür des 6. Versuchs antrat und den Hammer spielerisch aus dem Stand etwa 30m weit warf. Dies war also der erste Teil des Abends der Verletzten.

Der Abend der Verletzten sollte sich beim 4*100m Staffellauf fortsetzen. Die US-Amerikanerinnen sollten diesmal einen besonders schmerzhaften Wechsel erleben. Als die 3. Läuferin Muna Lee den Stab entgegennahm, spürte sie eine üble Verletzung und sprang humpelnd in Richtung Bande. Diesmal waren Sanitäter zur Stelle und mußten sie minutenlang behandeln. Die Staffelläuferinnen bewiesen dabei einen tollen Teamgeist und wichen nicht von ihrer verletzten Kameradin und begleiteten sie auch ins Stadioninnere. Da boten US-Staffeln in der Vergangenheit schon Gelegenheiten für andere Bilder. Als die drei Unverletzten kurz darauf zurück kommen mußten, verabschiedeten sie sich winkend und lächelnd vom Publikum. So sehen die Sieger der Herzen aus.
Durch den Ausfall der US-Staffel konnte die deutsche Staffel sensationell Bronze gewinnen. Für dieses Finale stand ich auch gerne auf. Verena Sailer stürzte dabei ins Ziel und zog sich schwere Schürfwunden zu, so daß sie die Ehrenrunde und die verdienten Standing Ovations mit einem schmerzverzerrtem Lächeln genießen mußte. So viel zum 2. Teil des Abends der Verletzten.

Der dritte Teil des Abends der Verletzten war der Stabhochsprung. Sowohl beim Hochsprung als auch beim Stabhochsprung konnten wir in den vergangenen Tagen Favoriten beim Pokern sehen, die daran teilweise scheiterten. Als Steven Hooker verkündete, erst bei 5,80m einzusteigen, war jedoch klar, daß er mit einem anderen Blatt pokerte als Elena Isinbaeva oder Ariane Friedrich. Hooker hatte Nichts in der Hand und setzte alles auf dieses miese Blatt. Es war nicht überraschend sondern folgerichtig, daß Hooker angesichts der erfolgreichen Konkurrenz seinen Einstieg sogar noch einmal hinaus schob. Die Frage war einfach nur, wieviele Sprünge Hookers schmerzender Körper ihm erlauben würde. Er wußte, daß ihm ein Sprung zum Sieg reichen mußte, und so war es weiterhin konsequent, als der Franzose Mesnil 5,85m übersprang seine zwei verbleibenden Versuche nach 5,90m zu verschieben. Als Hooker dann tatsächlich 5,90m im 1. überquerte, ging ein Raunen durch die Menge. Hooker selbst konnte seinen Triumph nicht fassen und schien fast schuldbewußt, als er den Franzosen Mesnil und Lavillenie gratulierte. Sein Trainer vergrub lange Zeit ungläubig das Gesicht in den Händen. Ein toller Erfolg für den sympathischen Australier.

Für mich gab es einen weiteren Magic Moment an diesem Abend, der das Besondere an Leichtathletik-Weltmeisterschaften beinhaltete. Binnen zwei Minuten warf die Polin Anita Wlodarczyk Weltrekord, stand der Weitspringer Dwight Phillips als Weltmeister fest und gingen die 5.000m Läuferinnen in die letzte Runde, an deren Ende die Kenianerin Vivian Cheruiyot triumphieren sollte. Diese Überschneidung, ja gar das Überschlagen der Ereignisse, war ganz typisch für diese WM, bei dem einem keine Sekunde langweilig war und man immer wieder vom nächsten Ergebnis überrascht wurde. So ging es auch der Wetrekordlerin Anita Wlodarczyk, die nur mit Mühe von den Streckenposten davon abgehalten werden konnte, mitten im Finale des 5.000m Laufs die innere Laufbahn zu überqueren.

Rhodter Schloßberg Riesling Bundsandstein 2008

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Der Wein hat eine glanzhelle bis strohgelbe Farbe. An seiner Oberfläche zeigen sich sehr feine Perlen. Zunächst duftet er mäßig intensiv intensiv nach Pfirsich und leicht nach Hefe. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität zu.  Jetzt riecht der Wein erdiger mit einem Birnenton.

Das ist jetzt schon sehr schön. Der Wein besitzt einen eher leichten Körper, versteht es aber trotzdem, einer deutlichen Würze standzuhalten. Dies macht er mit einer spielerischen Leichtigkeit, die sehr angenehm ist. Die Säure ist vorhanden, wenn auch nur mäßig. Sie versteht sich gut mit einem leichten Schmelz. Der Nachhall besitzt eine gute Länge, die von einem angenehme Prickeln geprägt ist, das auf Kohlensäure hindeutet.

Die Leichtigkeit des alkoholschwachen Weins verlockt, den Wein als Sommerwein einzusetzen. Durch seine Würze kann er eben auch bei einem kleinen Barbecue verwendet werden. Die Harmonie des Weins weiß auch zu gefallen. Der Wein macht allerdings den Eindruck, als sollte er jung getrunken werden.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Schloßberg
Rebsorte: Riesling
Jahrgang: 2008
Erzeuger: Christian Heußler
Ausbau: Riesling Spätlese trocken
Alkohol: 12%

Leichtathletik-WM Tag 7

Wie der Vortag, war auch der Freitag sehr vom Wetter geprägt. Morgens wurde ich von einem extremen Gewitter geweckt, bei dem die Blitze in der direkten Umgebung einschlugen. Der gleichzeitige Niederschlag war dann sehr stark, so daß selbst der ausgetrocknete Boden die Feuchtigkeit nicht vollständig aufsaugen wollte.

Ich verzichtete darauf, mir die 50km der Geher anzuschauen, und beschloß lieber selbst laufen zu gehen. Das Wetter war am späten Vormittag so schwül, daß mein Netzhemd bereits nach 10 Minuten am Körper klebte und ich so stark geschwitzt habe, wie zuletzt in der Sauna. Dennoch war dies mein erster Lauf seit der Verletzung, den ich der Kategorie Ausdauer zuordnen kann. Nach 25km in gut 2 Stunden hatte ich fast das Gefühl, daß eine gewisse Normalität im Laufen zurückkommt.

Ich kam ins Stadion, als die erste Qualifikationsgruppe der Speerwerfer zu Ende ging. Ich konnte einen kurzen Schauer über dem Rasen niedergehen sehen, der aber nur ein Vorspiel sein sollte. Nachdem die zweite Gruppe der Speerwerfer sich eingeworfen hatten und die Hochspringer zum Aufwärmen in Stadion gekommen, fing ein langanhaltender heftiger Regen an. Das Programm ging zunächst weiter. Die Hochspringer verkrochen sich unter kleinen Schirmen, während der Anlauf der Speerwerfer immer rutschiger wurde. Die Weitspringerinnen hatten verhältnismäßig Glück, da ihre Anlage durch die Dachkonstruktion geschützter war. Nach zwei Durchgängen wurde die Qualifikation der Hochspringer unterbrochen, während die Hochspringer schon längst wieder in den Katakomben verschwunden waren. Nur die Weitspringerinnen mußten ihren Wettkampf durchziehen.

Nachdem auch die Weitspringerinnen vom Wetter erlöst wurden, indem sie ihre Qualifikation beendeten, kam es zu einer langen Pause und einer deutlichen Verschiebung des Zeitplans. An derem Ende bemühten sich die Helfer die Hochsprung- und Speerwurfanläufe trocken zu kriegen.

Bei den Laufbahnen war nun zu beobachten, daß die äußeren Bahnen trockener waren als die inneren, was uns für das auf Bahn 8 startende DLV-Quartett über 100m optimistisch stimmte. Der Optimismus war jedoch leider nicht gerechtfertigt, da der zweite Wechsel nicht klappte. Der dritte deutsche Läufer war einfach zu früh losgelaufen.

Die Veranstalter bemühten sich jetzt, die Laufwettbewerbe möglichst zügig durchzukriegen. Der interessanteste Wettbewerb war aber natürlich der Hochsprung, der viel Dramatik bot. Der deutsche Raul Spank zeigte dabei einen tollen Wettkampf. Für mich war die Staffelung der Höhen nicht ganz nachvollziehbar. Bei 2,18m zu starten fand ich ganz schön defensiv, so daß die Steigerung auf 2,23m durchaus zu verstehen war. Danach aber bei derart widrigen äußeren Bedingungen die Latte erneut um 5cm höher zu legen, war sehr überraschend. Es kam dann auch zu dem Kuriosum, daß alle zwölf noch im Wettbewerb befindlichen Springer im 1. Versuch die 2,28m rissen und es insgesamt nur vier über diese Höhe schafften. Daß mit der nächsten Höhe von 2,32m erneut eine deutliche Steigerung der Höhe vorgenommen wurde, war bemerkenswert. Der kuriose Wettkampf ging weiter, da alle vier diese Höhe schafften. Daß die Latte nun auf 2,35m gelegt wurde, war jetzt zu erwarten und entsprach auch eher den Abständen, die ich vermutet hätte. Leider scheiterten alle vier an der Höhe. Das Publikum zeichnete sich bei diesem Wettbewerb aber aus. Seine Stimmung war von der Regenpause nicht eingetrübt worden, und es feierte alle Hochspringer. Für Raul Spank muß es eine Gänsehautathmosphäre gewesen sein. Doch das Publikum feuerte auch seinen ärgsten Konkurrenten um die Bronzemedaille, den Polen Sylwester Bednarek unvermindert an. Von einer deutsch-polnischen Rivalität wollte das Publikum also offensichtlich nichts wissen. Ein sehr versöhnlich Abschluß war, daß sich beide am Ende die Bronzemedaille teilten. Daß sich die beiden sofort nach Bedanareks letztem Versuch umarmten, bot die Gelegenheit für eines der schönsten Bilder der WM.

Für schöne Bilder sorgte auch Usain Bolt. Auch wenn ich meine Meinung über ihn nicht revidieren will, kann ich doch auch ein paar positive Sachen über ihn sagen. Bevor die Abendveranstaltung begann, alberte er mit dem Maskottchen Berlino herum, um für Stimmung im Stadion zu sorgen. Anschließend nahm er sich sehr ausführlich Zeit für die Autogrammwünsche seiner Fans und unterbrach das Schreiben der Autogramme erst aus Respekt vor den Geehrten bei der ersten Siegerehrung des Tages. Bei allem, was ich von Usain Bolt halte, komme ich trotzdem nicht umhin, dieses Verhalten tatsächlich als vorbildlich zu bezeichnen, insbesondere für einen Superstar am Tag seines Geburtstags.

Silvaner Saale-Unstrut 2008

Der Wein iat recht würzig, zugleich für einen Silvaner aber auch ausgesprochen fruchtig. Insbesondere Apfelnoten bestimmen das Bukett, aber auch Bohnen lassen sich erahnen.

Auch im Mund ist der Wein sehr fruchtig und schmeckt nach Apfel und Reineclauden. Dazu kommt ein bitterwürziger sehr eigener Ton, der schwer zu beschreiben ist. Der Wein besitzt eine gute Dicht. Die Länge des Nachhall ist jedoch eher mäßig.

Ein sehr eigener Wein, der nicht gerade Silvanertypisch, aber doch sehr interessant im positiven Sinn ist. Für so einen individuellen Wein ist es schwer, einen Essenspartner zu finden. Vielleicht ein Pilzrisotto?

Herkunft: Saale-Unstrut
Rebsorte: Silvaner
Jahrgang: 2008
Erzeuger: Bernard Pawis
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 11,5 %