Nahe-Reise (4 und Schluß): Rheingrafenstein

Nach der anstrengenden Radtour tags zuvor wollte ich am nächsten Tag die Muskelkraft meiner Beine anders investieren. So zog ich mir tatsächlich die Laufschuhe, um hoch zur Burgruine Rheingrafenstein zu laufen.
Es gibt von Bad Münster zwei Möglichkeiten hoch zum Rheingrafenstein zu kommen. Entweder man nimmt die Fähre und läuft dann ziemlich direkt unter dem Felsen hoch oder man läuft aus Ebernburg kommend eine weite Schleife. Selbstverständlich entschied ich mich für den zweiten Weg, denn warum einfach, wenn es auch anders geht.
Kurz nachdem ich den kleinen Nahezufluß Alsenz überquerte ging es direkt in den Berg und ich begann ordentlich zu schnaufen, während mein Pulsschlag fast augenblicklich bei 90% des Maximalpuls ankam. In gemächlichem Tempo aber doch zugleich unter voller Belastung lief ich weiter die ordentliche Steigung hoch und erfuhr zum 2. Mal binnen kurzer Zeit in welch trauriger Verfassung sich mein Körper befand. Wenigstens mußte ich diesmal nichts hochschieben, sondern konnte tatsächlich durchlaufen. Auf der Kuppe der ersten Steigung angekommen, konnte ich die Senke zwischen Rheingrafenstein und dem Hügel, auf dem ich mich befand gut erkennen.

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Und genau in diese Senke ging es nun hinein. Bin ich gut in Form, bin ich kein Freund von Bergabläufen, da ich jedes Mal die Auswirkungen auf mein Knie fürchte. Diesmal war es ein Hochgenuß mich hinunter treiben zu lassen. Unten angekommen, konnte ich kurz vor dem Einstieg in den Aufstieg noch einmal erkennen wie, steil der Rheingrafenstein hier im Wald steht und was für ein Anstieg noch folgen sollte.

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Je nach Betrachtungsweise hatte ich Glück oder Unglück. Der Weg hinauf zum Rheingrafenstein ging nach kurzer Zeit in einen Treppenweg über, und um Treppen hochzuspringen, war ich weder angetreten noch in der Form. Ich überredete meinen Körper zu einem zügigen Gehen und einer anschließenden langen Pause auf dem Rheingrafenstein, um das Panorama zu genießen.

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Bad Münster durch den Rheingrafenstein

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Blick nach Norden durch ein Burgfenster

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Blick vom Rheingrafenstein auf Nachbarfelsen, Nahe und Bad Münsters Kurpark

Was soll ich zum Rheingrafenstein selber sagen? Romantiker mögen es mir verzeihen, aber unterm Strich ist es eine Burgruine wie viele andere auch, eher eine weniger gut erhaltene. Das was beeindruckt ist der Platz der Burgruine, denn den beschwerlichen Aufstieg, den ich hatte, musste auch sämtliches Baumaterial hoch geschleppt werden. Schön am Rheingrafenstein ist eben der Stolz auf die eigene Leistung, der bei weniger Treppenstufen sicherlich größer gewesen wäre und der herrliche Blick auf die Umgebung.
Auf dem Weg zurück stellte ich fest, daß die Steigung auf dem Rückweg deutlich weniger steil als auf dem Hinweg war, was ich als sehr angenehm registrierte. Zurück im Tal lief ich noch ein wenig nach Bad Kreuznach aus, bevor ich mich frisch machte und etwas stärkte.
Da Urlaub ja nicht zum Faulenzen da ist, machte ich mich jedoch schon bald wieder zu Fuß auf den Weg nach Niederhausen, um beim Weingut Mathern Wein zu probieren:

Weißburgunder QbA trocken 2008
N: blumig, Honig
M: leichte Säure, rund, etwas cremig 82 CP

Riesling QbA trocken 2008
N: Aprikose, Graipefruit
M: schönes Frucht-Säure-Spiel, rustikal, würzig, 83 CP

Riesling v. Rotliegendem trocken 2008
N: sehr dezent
M: leicht cremig, leichte Mineralik, würzig, 84 CP

Niederhäuser Rosenberg Alte Reben Riesling trocken 2008
N: Aprikose, Maracuja
M: cremig, kräftig, leichte Würze, 86 CP

Norheimer Dellchen Riesling Spätlese trocken 2008
N: würzig, Holunder
M: kräftiges Säurespiel, Kohlensäure, 82 CP

Riesling Classic trocken 2008
N: Pfirsich, Ananas, Äpfel
M: cremig, würzig, Säure gut integriert, 84 CP

Niederhäuser Rosenheck v. Blauschiefer Riesling halbtrocken 2009
N: Eisbonbon, kräftige Frucht
M: tolle Primärfrucht, sonst nichts zu vernehmen 81 CP
frisch gefüllt, noch zu früh den Wein zu beurteilen.

Niederhäuser Rosenheck Riesling Hochgewächs halbtrocken 2007
N: reife Frucht
M: sehr würzig, dicht, Kohlensäure 85 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Spätlese 2007
N: reifes Steinobst, Botrytis
M: sehr fein, schlank, viel Frucht 90 CP

Norheimer Kirschheck Riesling Spätlese 2008
N: recht dezent, Steinobst
M: füllig, dicht, doch noch feiner als die Niederhäuser Rosenberg Spätlese 89 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Auslese 2007
N: recht dezent, Aprikose, Apfel, Blumen
M: opulente Frucht, dicht, filigran, volle Frucht 90 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Auslese HM 2005
N: feine Frucht, Birne, Botrytis
M: opulente Frucht, dicht, leicht klebrig 88 CP

Nach dieser vergnüglichen Verkostung in sehr netter Atmosphäre machte ich mich wieder auf den Weg.
Wenn aus meiner Beschreibung des ersten Tags nicht gut genug hervor gegangen ist, wie sehr mir das Bäderhaus in Bad Kreuznach gefallen hat, dem verrate ich nun, daß ich diesen Nachmittag wieder dort damit verbrachte, meinen Körper durch Schweiß zu reinigen. Eine wirklich sehr schöne Anlage, deren großes Glasdach über dem Schwimmbad beim abendlichen Gewitter besonders gut zur Geltung kam.

Nahe-Reise (3): Der Weg ist das Ziel

Strahlender Sonnenschein erwartete mich am nächsten Tag. Ich beschloß das Angebot meines Hotels in Kooperation mit der dortigen Diakonie zu nutzen und ein Fahrrad zu mieten. Ich wollte eine Tour entlang der Nahe machen bis nach Monzingen, das zwar nicht an der Quelle der Nahe liegt, aber doch den qualitativen Weinbau an der Nahe doch mehr oder minder nach Westen hin abschließt. Dort wollte ich mir die Lage des Monzinger Halenbergs und das Weingut Emrich-Schönleber etwas genauer anschauen, die beide zu den jeweils angesehensten in Deutschland gehören und natürlich auch in einem gewissen Wechselspiel zueinander stehen.

Leider hatte die Diakonie vergessen, Fahrradschlösser mitzuliefer, so daß ich Anweisung hatte besonders aufzupassen, wenn ich das Fahrrad abstelle…

Da ich im Urlaub war, nahm ich mir fest vor von solchen kleinen Unbequemlichkeiten nicht die Laune vermiesen zu lassen und machte mich auf den Weg. Entlang der Südseite der Nahe ging es vorbei an Norheim und dessen nach Süden ausgerichteten Weinlagen Kirschheck, Dellchen und Kafels, wobei eine genaue Trennung der Lagen sich mit dem Auge nicht unbedingt identifizieren ließ. Bei Niederhausen haben die Winzer große Buchstabenschilder in die Weinberge gestellt, auf denen die Namen der Weinberge standen. Nichtweintrinker denken bei so einer Ansicht vielleicht an den Hollywood-Schriftzug, Weintrinker eher an die auf Trockenmauern aufgemalten Namen im Rhonetal, etwa am Hermitage, wobei es dort die Namen der Winzer sind, die im Weinberg von weitem her lesbar sind. Entsprechend große Trockenmauern sind an der Nahe jedoch eher selten zu finden, so daß es doch echter Buchstabenschilder bedurfte.

Kurz vor Niederhausen ist ein Sperrwerk in die Nahe gebaut, über dem man die Nahe an der Stelle überquert. Auf dem dahinter liegenden kleinen Stausee sind viele Wassersportler, insbesondere Ruderer aber auch Kajakfahrer unterwegs. Ich fuhr durch Niederhausen durch und an der berühmten Niederhäuser Hermannshöhle vorbei. Endlich mal eine Weinlage deren Name der Laie sofort nachvollziehen kann, befindet sich doch am Fuße des Weinbergs der Eingang in einen alten Stollen.

Ich fuhr am Abzweig zur Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim vorbei Richtung Oberhausen. Erneut überquerte ich die Nahe auf die Südseite. Diesmal nahm ich aber nicht irgendeinen Übergang sondern die Oberhäuser Brücke, über der sich Hermann Dönnhoffs gleichnamige Vorzeigelage befindet. Angesichts gerade dieser Brücke mußte ich auch hier nicht lange darübernachdenken, wie man dazu kam, diesen Namen für die Lage zu wählen.

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In Oberhausen kam ich endgültig vom Weg ab. Vorbei am Camping-Platz Oberhausens fuhr ich parallel zur Nahe auf einem kleinen Feldweg weiter, der sich wegen des teilweise noch feucht-nassen Wetters etwas morastig und unabhängig vom Wetter vor allem als stark ansteigend erwies. Weder war mein Rad technisch gut genug ausgestattet, um einen adäquaten ersten Gang bereitzustellen noch war ich konditionell gut genug in Schuß, um diesen Weg allzu lange zu fahren. Wer mich kennt, weiß das Aufgeben gleichwohl nicht in Frage kommt. Das Fahrrad und meine Form verfluchend, begann ich also das Rad zu schieben, da es ja nicht mehr allzu lange bergauf gehen konnte. Wer weiß, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich gewußt hätte, daß ich den Weg erst zu einem Drittel bewältigt hatte.

Ich entdeckte wieder einmal, wie vergleichsweise einfach es ist, einen Berg hochzulaufen, wenn man als Alternative ein Fahrrad und wenig geeigneten Grund oder das Schieben des Fahrrads hat. Als ich nach zwei Drittel, wie sich später heraus stellen sollte, eine mittellange Pause einlegte, konnte ich einen wunderbaren Blick über die hier oben befindlichen Wiesen und die darüber springenden Rehe genießen ebenso wie auf Schoßböckelheim. Ich genoß den Blick natürlich insbesondere auch in der Gewißheit, daß ich diesen ohne meinen Schlenker nie hätte genießen werden können.

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Und ob man es glaubt oder nicht, hier oben – keineswegs in bester Ausrichtung – befanden sich auch Reben. In einer Parzelle wurden hier oben verschiedene Reberziehungssysteme ausprobiert, etwa das doch eher ungewöhnliche Pergolasystem, das ich bis dato noch nicht bewußt in einem echten Weingarten gesehen hatte.

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Auf dieser Höhe war die Sonneneinstrahlung direkter als weiter unten, so daß ich mich leichter anziehen konnte, und die Wege wieder trockener und zugegebenermaßen auch weniger steil wurden. Ich konnte mich also wieder aufs Rad setzen und weiter fahren, ließ es aber locker angehen. Zu schön war es hier oben. Keine Menschenseele weit und breit, keine Motorengeräusche; nur ein paar Vögel waren zu hören und Hasen zu sehen die erstaunlich furchtfrei in kurzer Distanz zu mir gelassen über den Weg hoppelten. Oben angelangt ließ ich es mir gefallen und machte mich ganz langsam mit vielen Unterbrechungspausen auf die Fahrt hinunter, um dieses Naturidyll zu genießen. Wie ich auf Schildern lesen konnte, findet hier auch eine kontrollierte Verwilderung eines einstmals intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiets statt.

So war ich einerseits etwas enttäuscht als ich von meinem schönen Weg zurück in die Zivilisation nach Durchroth kam, andererseits aber auch erleichtert wieder eine vernünftige Straße unter den Rädern zu haben, so daß ich wieder schneller voran kommen konnte. Dies wurde dadurch unterstützt, daß die Straße von Durchroth nach dem nächsten Ort Odernheim ganz schön abschüssig ist. Nach all dem mühsamen Strampeln machte es auf der kurvigen Straße viel Spaß, das Rad laufen zu lassen und unbeschwert die Geschwindigkeit zu genießen.

Kurz nach dem Ortseingang von Odernheim schaute ich mir kurz die Ortskarte an, um zu sehen, wie ich weiter in Richtung Monzigen fahren mußte. Sofort beim Wiederanfahren fiel mir auf, daß etwas ganz und gar nicht stimmte. Ich hatte einen handfesten Platten. Aufpumpen half auch nichts. Mir wurde ganz schön mulmig bei dem Gedanken, wo ich gerade wie herunter gefahren war. Ein Glück, daß der Reifen das gerade noch ausgehalten hatte, bevor er schlapp machte. Der nächste Bahnhof war 4km entfernt, und der nächste Bus ließ noch geraume Zeit auf sich warten, so daß ich mir ein Taxi rief und mit dem das Fahrrad zuück nach Ebernburg transportierte.

Dort angekommen, folgte ich tatsächlich dem Vorschlag, mich auf das zweite Fahrrad zu setzen und mich noch einmal auf den Weg zu machen. Der Tag war schließlich noch nicht allzu weit über die Mittagszeit hinaus geschritten. Wieder ging es gegen den stetig und unbarmherzig blasenden Westwind, der die Fahrt beschwerlich machte.

Vorbei an Norheim und Niederhausen nahm ich diesmal die richtige Abzweigung und fuhr gar nicht erst über die Nahe nach Oberhausen, sondern unter der Eisenbahn hindurch den steilen Hang auf der nördlichen Seite hoch. Im Gegensatz zur südlichen Seite war der Weg hier aber eine ordentliche, asphaltierte Landstraße, was das Schieben zu einer etwas weniger schmutzigen Angelegenheit machte.

Die Landstraße fuhr direkt an der ehemaligen Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim dem heutigen Gut Hermannsberg vorbei, und da der Tag nun schon weiter voran geschritten war und die Nachmittagsöffnungszeiten bereits erreicht waren, entschloß ich mich zu einem längeren Stopp und einer Weinprobe:

Riesling Niederhäuser Hermannsberg trocken 2007
N: blumig, Holunder, Muskat
M: lebendige Säure gut integriert, frisch, ordentliche Länge 87 CP

Riesling Schloßböckelheimer Kupfergrube trocken 2008
N: dichte reife Frucht, Aprikose
M: ordentliche Säure, leichter Schmelz 85 CP

Riesling Niederhäuser Hermannshöhle feinherb 2007
N: Botrytis, Steinobst, erdig
M: eher leichter Körper, ordentliche Frucht 83CP

Riesling Schloßböckelheimer Felsenberg feinherb 2006
N: Botrytis, Reifetöne
M: deutliche Frucht, ordentliche Dichte, leicht cremig, mineralische Andeutung 86 CP

Riesling Niederhäuser Hermannsberg trocken 2008
N: schwer zu durchdringen, erdig
M: aggressive Säure, ordentlicher Körper 80CP

Riesling Traiser Bastei Spätlese 2007
N: Steinobst, Mirabelle
M: feingliedrig, schöne Süße, kraftvolle Frucht 88CP

Riesling Niederhäuser Hermannsberg Auslese 2003
N: Botrytis, deutliche Reifenoten
M: opulente Süße, reife Frucht, dicht und doch filigran 87 CP

Riesling Niederhäuser Hermannshöhle Auslese 2002
N: Zitrone, würzig, Botrytis
M: fein, dicht, kräftige Frucht, Mineralität 90CP

Riesling Schloßböckelheimer Kupfergrube Auslese 2001
N: Rosinen, Pfirsich
M: dichte, feine Süße, leicht klebrig, opulent 90CP

Frisch gestärkt ging es zurück aufs Rad und jetzt auf der anderen Seite wieder den Hermannsberg hinunter. Die Gutsverwaltung ist für Ausflügler also durchaus ein lohnenswertes Ziel. Alleine die Position des Weinguts an der Spitze der Straße ist eine willkommene Belohnung nach dem Anstieg und falls man es weiß ein guter Anreiz auf dem Weg nach oben.

Der Westwind begleitete mich aber auch nach meiner Pause mit unfreundlicher Penetranz und machte das Strampeln auf offenen Feldern zu echter körperlicher Arbeit. Odernheim und die Möglichkeit einer von der eigenen Muskelkraft angetriebenen Draisinentour ließ ich rechts liegen. Mir reichte der Drahtesel, den ich nach Kräften trat völlig aus als Fortbewegungsmitte, zumal die Draisinentour in die falsche Richtung geführt hätte.

Bei Bad Sobernheim konnte ich den Barfußpfad bewundern, der ein relativ großes Areal ist, auf dem man ein Fußerlebnis der besonderen Art machen soll, in dem man über diverse Gerätschaften, speziell ausgelegte Pfade durch eine Furt die Nahe durchquert undundund… Da ich außerhalb der Saison da war, war der Pfad jedoch noch nicht in Betrieb, so daß sich z.B. nicht ohne weiteres erkennen konnte, wo sich die Furt befinden sollte. Daher konnte ich dieses für einen Läufer natürlich hochinteressante Fußerlebnis nicht mitmachen.

Bad Sobernheim bot auch eine gute Gelegenheit noch einmal im Kreis zu fahren. Der nächste Ort westlich von Bad Sobernheim ist schon Monzingen. Allerdings muß man als Radfahrer zuvor noch zweimal die Nahe überqueren, da die einzige direkte Straße von Bad Sobernheim nach Monzingen eine viel befahrene Bundestraße ist.

Eine Nahequerung später bekam ich kurz hinter Meddersheim den Monziger Halenberg in den Blick.

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Voller Erwartung fuhr ich nun nach Norden, überquerte die Nahe ein weiteres Mal und war in Monzingen. Hier mußte ich beim Weingut Emrich-Schönleber leider erfahren, daß man dort gerade keine Zeit für eine Verkostung hatte. Wäre mein Weg anders verlaufen, hätte ich sicher eine Stunde vorher angerufen und mich angemeldet, so war ich mir nicht ganz sicher inwieweit der Unwille für eine Verkostung auch am meinem Aufzug gelegen haben mag, aber ich nahm es nicht allzu schwer, sondern schaute mir kurz Monzingen an, aß eine Kleinigkeit, versuchte erfolglos einen weiteren Winzer zu erreichen, bevor ich mir die schwierige Frage stellte, ob ich wirklich den ganzen Weg zurück fahren wollte oder nicht doch lieber die Bahn nehmen sollte.

Ich entschied mich dafür den Westwind wenigstens teilweise auszunutzen und fuhr noch bis Odernheim und bestieg dort die Bahn, was den angenehmen Effekt hatte, daß ich zurück keine Anstiege zu bewältigen hatte. Beim Abendessen konnte ich mich dann über einen körperlich anstrengenden Tag freuen, der mich abseits des Plans mit schönen Erlebnissen versorgte.

Königschaffhausener Vulkanfelsen Spätburgunder 2007

Der Wein hat eine granatrote Farbe. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt und geht zum Rand in ein helles bis wässriges Rosa über. Anfangs duftet der Wein mäßig intensiv nach Waldbeeren und etwas nach Kräutern. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität des Weins deutlich zu. Das Bukett bleibt aber von der Frucht geprägt. Die Viskosität ist mäßig ausgeprägt.

Auch am Gaumen steht die Waldbeere im Vordergrund. Dazu kommt eine deutliche Säure. Eine leichte Würze und erdige Noten kommen im Geschmack vor. Der Nachhall des eher leichten Weins besitzt eine ordentliche Länge. Insgesamt fehlt dem Wein die Stimmigkeit bzw. die Harmonie. Auch die Leichtigkeit, die ihn sonst zu einem wunderbaren Trinkwein gemacht hat, suche ich vergebens.

Hier braucht es schon den dritten Schluck, um die natürliche Harmonie des einfachen Weins zu entdecken und ihn doch mit Genuß trinken zu können. So ist dann doch mehr als nur ein ordentlicher Tropfen, der sich gut zu Canneloni mit Hackfleischfüllung trinken läßt. Nicht so gut wie bei der letzten Verkostung.

Herkunft: Deutschland – Baden – Königschaffhausener Vulkanfelsen
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Winzergenossenschaft Königschaffhausen
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13%

Burgenland Blaufränkisch 2006

Der Wein hat eine kirschrote Farbe. Die Farbtiefe ist ordentlich ausgeprägt. Zum Rand hin geht die Farbe in ein beinahe wässriges Purpurrot über. Zunächst ist im sehr verschlossenen Bukett nur ein leichter Zwetschgenduft vernehmbar, und auch nach dem Schwenken bleibt der Wein sehr verschlossen. Leichte Rauchnoten sind zu riechen. Die Viskosität ist mäßig ausgeprägt.

Am Gaumen tritt der Wein sehr rund und glatt auf, was ihm eine gewisse Eleganz verleiht, was jedoch wiederum von einer alkoholischen Komponente und einer eher plumpen Brombeermarmeladenfrucht konterkariert wied. Der Nachhall besitzt eine gute Länge, in der allerdings wieder das aloholische Störfeuer brennt und mit Nougat und erdigen Noten versorgt wird.

Ein Wein, der mich ratlos zurück läßt. Nicht wirklich schlecht, aber aus seiner Eleganz heruas entspringt noch kein Charme. Ich hoffe, er ist in einer Verschlußphase und nicht bereits überaltert. Als Beilage zu Coq au vin.
Ein kleiner Nachtrag. Der Wein wußte zu überraschen. Nach einem eher vernichtenden analytischen Urteil erwies er sich doch als herrlicher und unkomplizierter Trinkwein. So etwas findet man leider nicht in den ersten ein-zwei Schlücken heraus. Das Urteil von der letzten Verkostung ist wohl eher aussagekräftig als dieses.

Herkunft: Österreich – Burgenland
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Blaufränkisch
Erzeuger: Zantho
Ausbau: trocken
Alkohol: 13%

Nahe-Reise (2): Rotenfels

Der zweite Tag war von einer Wanderung geprägt. Ich wanderte von meinem Hotel in Ebernburg nach Norheim. Hier nahm ich eine ausgiebige Besichtigung der Weinlagen Norheimer Kirschheck und Norheimer Dellchen vor. Ich sammle ja bereits seit Längerem Weine aus der Lage Kirschheck, um hier irgendwann eine Vertikalverkostung zu organisieren. Insofern war dies die willkommene Gelegenheit, die Lage zu erkunden. Auf eine ausgiebige Schilderung meiner Eindrücke verzichte ich hier und hole diese gerne zu einem späteren Zeitpunkt nach.

Stattdessen bin ich von dort nach Traisen und zum Traiser Rotenfels gewandert. Dazwischen liegt der Aussichtsort Bastei der mit einer kleinen Ballustrade vor dem Abgrund gesichert ist.

Der Blick von der Traiser Bastei ist einfach atemberaubend. Ich kam mir beinahe waghalsig vor, als ich die von Suzanna geliehene Kamera über die Brüstung hielt und quasi blind – schließlich wäre ich nie bescheuert genug, auch meinen Oberkörper über die Mauer zu halten – in die Tiefe zu fotografieren, um den Abgrund unter dem nahezu senkrechten Felsen auch auf den Bildern majestätisch oder aufrecht ungezähmt erscheinen zu lassen.

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Faulen Menschen sei gesagt: ja, man kommt auch mit dem Auto in die unmittelbare Nähe der Bastei. Doch ihr werdet dort oben nie das empfinden, was ich empfunden habe.

Und das ist in erster Linie Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, daß sich der mühsame Aufstieg gelohnt hat. Dankbarkeit, diesen unvergleichlichen Ausblick genießen zu dürfen. Sowie Dankbarkeit dafür, dieses Gefühl der Ergriffenheit zu erleben. Es war einfach bewegend, diesen kantigen Koloß von Rotenfels mit all seinen Bruchstellen neben sich zu sehen. Das Gefühl der Ergriffenheit wird durch ein Schwindelgefühl noch leicht verstärkt.

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Der weite Blick über mehrere Hügelketten hinweg ist es, der erst so richtig endgültig klarmacht, wie monumental und einzigartig das Rotenfelsmassiv hier an der Nahe steht.

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So nimmt es auch wenig Wunder, daß gerade hier am Fuße des Rotenfels die Nahe eine Drehung vollzieht und statt nach Osten nunmehr nach Norden fließt. Zugegebenermaßen liegt das auch an der blockierenden Wirkung des ebenfalls imposanten Rheingrafensteins im Osten, aber der Rotenfels ist dann doch so unitär, daß es zwischen ihm und dem Rheingrafenstein ein Tal als Trennung geben mußte.

Als Weintrinker blickt man vom Rotenfels mit besonderem Augenmerk auf einige Weinberge. Als bekannteste Weinlage kann hier wohl die keine 2ha große Traiser Bastei gelten, die sich am Fuße des Rotenfels auf dem weniger steilen Teilstück entlang schlängelt, bevor sich die Bundesstraße und die Nahe anschließen.

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Den Weintrinker erfüllt dieser Blick mit einer Wehmut, die weniger verklausulierte Schreiber mit „Durscht“ und Psychologen mit einem Trieb, der wahrscheinlich als Sublimat für die Gier nach Muttermilch ein Ausdruck des ödipalen Komplexes des Trinkers symbolisiert, bezeichnen. Mir gefällt Wehmut besser.

Nicht-Kletterern seien zwei Sachen verraten: Erstens, ich bin auch keiner. Zweitens, wo ein Auto hinkommt, kommt ein Fußgänger schon lange ohne Kletterausrüstung hin.

Wenn ich bedenke, was für Bilder ich gleich am ersten Tag vom Rotenfels geschossen habe und wie ich ihn egal aus welcher Perspektive des Nahetals immer beeindruckt vor Augen behielt, muß ich nun konstatieren, daß dies doch nur ein Vorspiel war gegenüber dem unmittelbaren Erlebnis Rotenfels.

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Eine kleine Weinprobe hatte ich beim Weingut Dr. Crusius in Traisen.

Traiser Riesling ZERO 2008, Alk.:12%
Nase: Pfirsich, Maracuja
Mund: relativ leicht, Hefe 80 CP

Traiser Riesling trocken 2008, Alk.:12%
N: Pfirsich, Apfel
M: Kohlensäure, Apfel, ansatzweise cremig, Schmelz 81 CP

Traiser Riesling XIII 2008 Alk.: 11,5%
N: Ananas, Apfel
M: gutes Säurespiel, schöne Frucht, relativ leicht 82 CP

Top of the Rock Riesling 2008 trocken Alk.: 12,5%
N: erdig, würzig
M: fruchtig, mild, rund, leichte Mineralik, würzig, noch nicht schwer 86 CP

Norheimer Kirschheck Riesling halbtrocken 2008
N: Gewürze, Steinobst, Mirabellen
M: schöne Frucht, annähernd dicht, leichte Mineralik 87 CP

Niederhäuser Felsensteyer Riesling trocken Großes Gewächs 2008
N: sehr eigen, erdig
M: enorme Dichte, Kraft, cremig, würzig 88 CP

Norheimer Kirschheck Riesling Spätlese 2007
N: Botrytis, Reineclauden
M: sehr dicht, vollmundig, cremig, sehr kräftige Frucht, mineralischer Nachhall 89 CP

Nahe-Reise (1): Ankunft – fast ohne Wein

Kann es etwas Spießigeres geben, als im Urlaub zu wandern? Hügel hinauf zu steigen, an Flüssen entlang zu spazieren, zwischendrin einen Abstecher zur Weinverkostung beim Winzer einzulegen und eine der vielen Kureinrichtungen zu besuchen?

Glücklicherweise ist mir dann und wann egal, was man von mir denkt, und so lautet meine Gegenfrage:
Kann es etwas Entspannenderes geben, als sich in Natur zu begeben, diese auf sich wirken zu lassen, gute Tropfen zu genießen, selbstverständlich einen als Wegzehrung für die unzähligen Genußpausen mitnehmen und die Seele baumeln lassen, während die Hitze den schwitzenden Körper reinigt?

In diesem Urlaub suchte ich vor allem Entspannung. Die Reise in ein von ländlicher Ruhe geprägtes Weinanbaugebiet schien mir daher eine natürliche Entscheidung zu sein. Nach kürzerem Hin und Her entschied ich mich gegen die Mosel und für die Nahe. Zwar war ich in beiden Weinbaugebieten noch nicht vor Ort, aber über die Weine der Nahe habe ich zur Weinleidenschaft gefunden, so daß es mir lohnenswert schien, diesen Ursprung meiner Faszination Wein näher auf die Spur zu kommen.

Die erste böse Überraschung erlebte ich am Vortag der Reise, als ich bei der drei Wochen zuvor im Internet gebuchten Unterkunft in Traisen meine Ankunftszeit für den Folgetag bekanntgeben wollte und dort erfuhr, daß man von meiner Buchung nichts wisse. Man habe zwar irgendwie eine Anfrage der Plattform erhalten, diese aber abgelehnt und jetzt auch kein Zimmer zur Verfügung. Den Betreibern der Internetplattform sagten sie dagegen, sie hätten nie eine Anfrage erhalten…

Eine böse Beschwerde E-Mail später begab ich mich auf die Suche nach einer alternativen Unterkunft. Interessanterweise hatte laut Internet mein ursprünglich gebuchtes Gasthaus immer noch ein freies Zimmer…

Einen hektischen Anruf bei der nächsten Unterkunft später hatte ich ein Zimmer in Bad Münster reserviert. Die Anreise zum Hotel Burgblick verlief reibungslos, und bezüglich des Blicks verspricht der Name des Hotels wirklich nicht zu viel, wie das aus meinem Fenster geschossene Photo in Richtung Ebernburg beweist.

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Am Abend erkundete ich noch ein wenig die Umgebung, wobei natürlich das Rotenfelsmassiv besonders beeindruckte und die Gegend trotz der Ebernburg klar dominiert.

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Der nächste Tag war der Sonntag. Da die allermeisten Winzer ebenso wie normale Geschäfte am Sonntag keine Kunden empfangen, mußte ich ein Alternativprogramm wählen. Dies fiel nicht weiter schwer.

Ich begann damit Bad Münster zu erkunden. Es wurde mir deutlich, wie sehr der Ort von seiner Umgebung abhängig ist. Bad Münster selbst ist nicht sonderlich schön. Es gibt keine besonders schöne Altstadt oder eindrucksvolle Kirchen. Auch der Kurgarten wirkt eher kümmerlich. Schön ist es dagegen entlang der Nahe zu spazieren die steilen Felsen zur Ruine Rheingrafenstein hinauf zu blicken. Was mich etwas überraschte war, wie wenig der Ort den Fluß touristisch nutzt. Wer das geschäftige Treiben aus Boppard am Rhein kennt, wo sich ein Andenkenladen ans nächste Café reiht, versteht was ich meine. Hier war ich zwar außerhalb der Saison vor Ort, doch ich sah keine Cafés oder sonstige auf Besucher ausgelegte Geschäfte am Ufer, und das obwohl die Häuser direkt an der Uferstraße stehen.

Nach der Erkundung der Stadt machte ich auch einen Spaziergang hoch zur Ebernburg der Heimat von Franz von Sickingen dem Verfechter der Freiheit des Glaubens. Die Burg wurde 1697 geschliffen und anschließend 1849 wieder aufgebaut. Von hier hatte man einen schönen Blick hinüber zum Rheingrafenstein.

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Am Nachmittag nahm ich den Bus gen Bad Kreuznach. Die kurze Entfernung ist binnen 10 Minuten zurück gelegt. Von der Stadt her ist Bad Kreuznach her etwas interessanter als Bad Münster am Stein, aber auch keine atemberaubende Schönheit. Bekannt sind natürlich die Brückenhäuser, die wirklich etwas her machen. Traurigerweise stehen all die Brückenhäuser derzeit leer, so daß sie doch erheblich an Charme einbüßen.

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Entlang der häßlich renovierten Burg, auf die ein völlig unpassender 80er Jahre Aufbau für ein Hotel gesetzt wurde, führt ein Panoramaweg, der eine schöne Aussicht auf das Kurviertel von Bad Kreuznach und die hier vergleichsweise breite Nahe bietet. Der Berg ist ein schöner ruhiger Ort, der an einem Tag außerhalb der Saison auch nicht überlaufen war.

Ich nutzte den Nachmittag jedoch auch für einen ausgiebigen Besuch des Bäderhauses gegenüber des imposanten Kurhauses. Hier genoß ich die Vielzahl der Saunen und Dampfbäder. Das Bäderhaus bietet wirklich eine vorzügliche Saunalandschaft in einem eindrucksvollen Gebäude. Schön ist auch das Glasdach über dem Schwimmbad, auch wenn es an diesem Tag leider nicht geregnet hat. Ein perfekter Ort, um sich auszuruhen und sich zu entspannen, der mir so wohlgetan hat, daß ich zum Abschluß meiner Reise noch einmal dort vorbei schaute.

Wein habe ich an dem Tag übrigens auch noch getrunken.

Riesling trocken 2008, von A. Finkenauer
A: Grüner Einschlag
N: Zunächst Zitrus und Limette dann eher Limette und Minze. Ein Caipirinha-Gefühl kommt auf.
M: deutliche Säure, die aber gut eingebunden ist, Apfelnote, sehr frisch und knackig, auf eine angenehme Art rustikal
Der Wein ist gut zu trinken. Seine lebhafte Säure macht ihn zu einem guten Gegenpart zu fetten Gerichten. Warum nicht zum Saumagen. 82 CP

Riesling trocken 2008, vom Weingut Korell
N: erst Apfel und Zimt dann verschwindet die Zimtnote und es kommen grasige Töne hinzu
M: sauberer, runder Wein, besitzt eine ordentliche Säure, Apfel, eintönig
Der Wein wirkt fast zu sauber. Bei einem einfachen Wein paßt diese klinische Sauberkeit nicht so gut. Er wirkt dadurch langweilig. Zu einem Thunfischsalat. 79 CP

Le Galion des Crêtes 2001

Der Wein trägt ein dunkles rubinrotes Kleid. Die Farbtiefe ist gut ausgeprägt. Zum Rand hin geht die Farbe in ein Kirschrot über. Die erste Nase ist ordentlich ausgeprägt. Ein deutlicher Johannisbeerton ist zu erkennen. Die zweite Nase legt deutlich an Intensität zu. Barriquearomen von Holz und Karamell kommen jetzt zu den fruchtigen Aromen hinzu. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Der Wein besitzt einen mittelschweren Körper. Einerseits ist er sehr fruchtig. Andererseits zeigt er eine enorme Kraft und erdige Noten. Cassis, Eukalyptus und Nußnoten führen beinahe zu einer Geschmacksexplosion, die von etwas Bitterschokolade im Nachhall noch gefördert wird. Die Tannine sind immer noch sehr kräftig, und der Nachhall besitzt eine sehr gute Länge.

Ich glaube diesen Wein erlebe ich auf einem grandiosen Höhepunkt. Daß der Wein diesen nach 9 Jahren erreicht, muß als zusätzliche Qualität betrachtet werden. Dem Wein kann ich fast so etwas wie aristokratische Klasse andichten, auch wenn das Weingut weit davon entfernt ist, dem Weinadel anzugehören. Leider meine letzte Flasche, aber was für eine.

Herkunft: Frankreich – Rhone – Costieres de Nimes
Jahrgang: 2001
Rebsorte: Syrah und ein wenig Grenache
Erzeuger: Chateau Amphoux
Ausbau: AOC, Barrique
Alkohol: 14%

Winninger Röttgen Riesling 2005

Der Wein hat eine strohgelbe bis goldgelbe Farbe. Anfangs duftet der Wein sehr verhalten. Es läßt sich ein Hauch Zitronenmelisse erahnen. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität deutlich zu. Neben erdig mineralischen Aromen kommen hier auch Graipefruitnoten vor. Das verbindet sich zu einem sehr individuellen Bukett.

Auch am Gaumen ist das ein ganz individueller Wein. Er verfügt über einen mittelschweren Körper. Würzige Noten und eine deutliche Mineralik nehmen diesen Körper voll ein. Dazu kommt ein sehr saftiger Charakter. Auch der sehr lange Nachhall nimmt die mineralischen Elemente auf.

Das ist ein außergewöhnlicher Tropfen. Seine erdig, würzige Prägung ist etwas Besonderes. Ein Wein, über den ich nicht so viele Worte verliere, sondern ihn einfach nur genieße. Zum Kaminfeuer. Er erscheint mir deutlich besser als der 2006er.

Herkunft: Deutschland – Mosel – Winninger Röttgen
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Heymann-Löwenstein
Ausbau: 1. Lage trocken
Alkohol: 12,5%

Woran denkst Du gerade?

Wer weiß, wie viele Männer schon von dieser scheinbar harmlosen Frage aus der Fassung gebracht und zu einem lakonischen „Nichts.“ gezwungen wurden? Die lieben Frauen, die diese Frage wahrscheinlich wirklich ohne böse Absicht gestellt haben, schwanken aufgrund dieser Antwort ja zwischen zwei zweifelslos deprimierenden Interpretationen. Entweder sie beschäftigen sich gerade mit einem grenzdebilen Volltrottel, der nicht denkt, oder sie werden gerade angelogen, und welchen Grund außer Untreue könnte der Mann haben sie anzulügen.

Die erste Interpretation ist selbstverständlich in den allermeisten Fällen falsch, und schlimmer noch sie ist auch falsch gedacht. Würde der Mann es tatsächlich schaffen, an Nichts zu denken, sollte die Frau ihn eher aufgrund seiner Weisheit und seiner Fähigkeit zur Spontanmeditation bewundern, was auch wirklich bewundernswert wäre, gelingt ihm dies doch neben einer aus vielerlei Gründen ablenkenden Frau. Aber natürlich trifft auch dies in den allermeisten Fällen nicht zu. Vielmehr ist die zweite Interpretation in den allermeisten Fällen richtig, aber…

Aber, und dies erfordert einfach einen neuen Satz, damit das aber großgeschrieben werden kann, der daraus gezogene Schluß ist in den meisten Fällen falsch. Untreue Gedanken durchlaufen das Männerhirn meist nicht in Anwesenheit der eigenen Frau. Wozu auch? Um kurz in die Anthropologie abzuschweifen, die Garantie zur Fortpflanzung hat der Mann ja gerade an seiner Seite, es besteht also in diesem Moment kein akuter Bedarf  einer anderen Frau nachzujagen.

Der Grund, wieso der Mann ein ausweichendes „Nichts.“ hervorlügt, ist vielmehr der, daß die Gedanken, die in diesem Moment durch seinen Schädel huschen zu peinlich sind, um sie auszusprechen und schon gar nicht vor einer Frau. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht eine selbstverständlich unvollständige und beliebig erweiterbare Liste zu beginnen, damit bei Euch, liebe Frauen, bei dem nächsten „Nichts.“ nicht die Alarmglocken schrillen.

– Ob Schumi morgen in Japan gewinnt?
– Wie krieg ich den Chef davon überzeugt, die Abmahnung zurückzunehmen?
– Ob sie es merkt, wenn ich heute um drei aufstehe, um mir das Rennen anzusehen?
– Wovon soll ich eigentlich die nächste Miete zahlen?
– Sollte ich sie doch fragen, ob sie auf Analsex steht?
– Wie schaffe ich es, daß ich um drei aufwache, ohne den Wecker zu stellen?
– Was kann ich dagegen tun, daß ich am Montag wieder im Büro einschlafe?
– Vielleicht könnte ich ihr nachher ein Schlafmittel in den Drink mischen…
– Eigentlich darf ich mich nur nicht wieder vom Chef beim Schlafen erwischen lassen…
– Sie guckt schon wieder so komisch…
– War es wirklich klug von Schumi zurückzukehren?
– Und wie krieg ich sie jetzt ins Bett?
– Dieser elende Manfred hat tatsächlich ein Bier mehr als ich getrunken.
– Das Auto gefällt mir.
– Hoffentlich fliegen die Bayern nachher raus. Dann können wir anstoßen.
– Ob ich mir die Beförderung vermasselt habe?
– …

Wie Ihr seht, liebe Frauen, alles kein Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen. Euer Mann ist zwar peinlich, aber zum Glück weiß er das sogar manchmal und hält lieber sein Maul.

Liebe Männer, nicht alle Frauen werden diesen Beitrag lesen! Und es besteht die Gefahr, daß gerade Eure Frau eine ist, die diesen Beitrag nicht gelesen hat und nach Eurem „Nichts.“ sich lauter unnötige oder berechtigte Sorgen macht und am nächsten Tag einen Privatdetektiv auf Euch ansetzt. Wenn Ihr das nicht wollt, solltet Ihr Euch ein paar Alternativantworten überlegen. Selbstverständlich kommen die aus der obigen Liste nicht in Frage, aber vielleicht:

– An dich Schatz. Ich denke immer an dich. /*Achtung diese Antwort ist gefährlich, sie fordert ein „Woran genau?“ geradezu heraus. Also gut eine Ergänzung überlegen, z.B. */
– Das Kleid/die Bluse/ die Jacke/ die Frisur steht dir besonders gut.
– An die Arbeit. /*Achtung auch diese Antwort erfordert eine Ergänzung, z.B. */
– Kollege Schmitt/Meier/Müller ist wirklich ein Arsch.
– Der Wein vorhin war wirklich gut. Was war das doch gleich für einer?
– Das Essen hat herrlich geschmeckt. Besonders die zerkochten Nudeln hast du gut hingekriegt.
– Ist deine Schwester eigentlich wieder schwanger? Ich finde sie hat (ganz schön) zugelegt.
– Ich mache mir Sorgen um Marc-Kevin. Meinst du, er ist schwul?
– Ich denke einfach nur was für ein herrlicher Abend das ist.
– Ich denke, wie schön es ist, daß wir mal wieder zu zweit sind.
Für besonders Wagemutige:
– Ich glaube, deine Mutter mag mich nicht /*Achtung, diese Antwort ist mit sehr hoher Streitwahrscheinlichkeit verbunden*/
– Die Kleine da vorne hat einen süßen Arsch /*Manche Frauen belohnen einem ja solche Ehrlichkeit, auch wenn sie gelogen ist*/
– Ich überlege mir heut Nacht das Formel 1 Rennen anzuschaun.

Falls jetzt jemand unter Euch ist, der berechtigte Gewissensbisse hat, seine Frau oder Freundin anzulügen, möchte ich diesen daran erinnern, daß auch das „Nichts.“ eine Lüge war, um den tatsächlichen Gedanken aus Liste 1 auszuweichen. Nichts anderes ist das Ausweichmanöver mit den Antworten aus Liste 2, nur daß die Frau weniger beunruhigt oder verärgert über diese Lüge ist als über das „Nichts.“.

Liebe Frauen. Wahrscheinlich habt Ihr schon längst vor diesem Beitrag gemerkt, daß das „Nichts.“ nichts Schlimmes bedeutet, und Ihr Euch dann beruhigt zurücklehnen könnt. Vielleicht ist es aber eine noch bessere Alternative auf das „Woran denkst Du gerade?“zu verzichten. Ich verstehe natürlich, daß ihr die Aussicht auf ewige Stille nicht berauschend empfindet, und stelle Euch gerne einige alternative Fragen, mit denen Ihr Euren Mann weniger zu einem gesprächsabwürgenden „Nichts“ zwingt:

– Wie läufts eigentlich bei der Arbeit?
– Bist du nicht auch stolz darauf, wie schön Marc-Kevin malt?
– Gefällt dir das Kleid/die Bluse/die Jacke?
– Tut mir leid, daß das Formel 1 Rennen heute Nacht so spät läuft.
– Hat der Wein nicht toll geschmeckt? Was war das doch gleich noch für einer?
– Ist der Abend nicht herrlich?
– Hoffentlich fliegen die Bayern nachher raus. Dann können wir anstoßen.
– Ist es nicht schön, daß wir endlich mal wieder zu zweit sind?
– Was war denn das für ein Brief von deiner Firma?
– War es wirklich klug von Schumi zurückzukehren?

Auf Titel verschwend ich keinen Gedanken

Die Sonne erwärmt dein geschlossenes Augenlicht
Der Wind streicht dein ruhendes Gesicht
Vögel zwitschern durch die Stille
und irgendwo zirpt eine Grille

Die Gedanken hören auf zu kreisen
oder dich in eine Richtung zu weisen
Sie haben sich zur Ruhe gelegt
damit sich in dir nichts bewegt

So wird dir innerer Frieden
in diesem Augenblick beschieden
Du mußt dafür nichts weiter tun
als in dir selbst zu ruhn

Selten tut dies vollständig gelingen
weil dich Ablenkungen bezwingen
Deswegen solltest du den Moment genießen
bevor wieder neue Gedanken durch dich fließen