Barbera d’Asti 2006

Der Wein trägt ein schwarzrotes Kleid. Die Farbtiefe ist sehr gut ausgeprägt. Bereits die erste Nase ist intensiv und vielschichtig. Beerenfrucht, Kräuter und Marzipan nehme ich wahr. Die zweite Nase gewinnt an Intensität. Neben Beerenfrüchten rieche ich Veilchen und etwas Rauch. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Am Auffälligsten am Wein sind die fruchtigen Noten, die ihn durch den ganzen Körper begleiten. Daß die Frucht in diesem mittelschweren bis schweren Körper so präsent sein kann, ist umso bemerkenswerter, da sie gleichzeitig nicht aufdringlich wirkt. Der Wein besitzt kräftige aber sehr runde Tannin. Aus irgendeinem von mir nicht verstandenen Grund, der nicht an Säure liegt, die man vergeblich suchen müßte, wirkt er auch recht frisch und nicht zu schwer. Der Nachhall besitzt eine sehr gute Länge.

Bei dem Wein war ich durchaus skeptisch, ob er den Eindruck bestätigen würde, den ich beim Kauf vor anderthalb Jahren hatte, oder ob ich mich selbst übers Ohr gehauen habe, doch er überzeugt mich genau wie damals als eleganter, kräftiger und fruchtiger Wein. Diesmal kommt die feine Komposition, die diese Komponenten so harmonisch in Einklang bringt, ohne dabei künstlich zu wirken, noch besser heraus. Nicht falsch verstehen. Das ist kein großer Wein, aber eine tolle Zwischenstufe zwischen einem perfekten Trinkwein und einem anspruchsvollen Spitzenwein. Zum Lammkarree.

Herkunft: Italien – Piemont – Asti
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Barbera
Erzeuger: Roberto Ferraris
Ausbau: DOC
Alkohol: 13,5%

V wie Veneto – Nachbetrachtung

Wie bereits angekündigt, hatte ich nach der Weinprobe die Gelegenheit, die Weine in den Folgetagen weiter zu verkosten, da an dem Abend nur der Soave ausgetrunken war. Dirk Würtz hatte unlängst auf seinem Blog einen sogenannten Elch-Wein-Test gemacht, als er einige Weine über 63(!) Tage hinweg verkostet hat. Ich kenne ein ähnliches Phänomen von Verkostungen bei Winzern, bei denen ich anhand Markierungen auf der Flasche oder aufgrund von ehrlicher Kommentare feststellen konnte, daß die Flasche bereits vor 18 Tagen geöffnet wurde und ich es ohne ein solches Signal nicht erkannt hätte.  Angesichts 7 offener aber nicht ausgetrunkener Weine nahm ich den Elch-Wein-Test als Vorlage, dem ein wenig nachzueifern.

Zur Erinnerung nochmal die Beurteilungen von Tag 1:

(1) Soave Classico 2008 Il Nicolaio, Rebsorte: Garganega, Erzeuger: Roncolato, Alk.: 13,5%
A: strohgelb mit grünem Einschlag
N: buttrig, blumig, Apfel
M: cremig, recht dicht, wenig Säure, leicht bitter
mein persönlicher Favorit 86 CP

Es folgte der nächste Supermarktklassiker.

(2) Bardolino Classico 09, Rebsorte: Corvina, Rondinella; Erzeuger: Costadoro; Alk.: 12,0%
A: kirschrot
N: recht dezent, Bitterschokolade, würzig Badeschaum
M: relativ leicht, deutliche Gerbsäure, Himbeere, leichter Körper und Gerbsäure wirken widersprüchlich
unspektakulär, könnte man auch im Supermarkt finden 81 CP

Wir steigerten uns zu einem Lagen-Bardolino.

(3) Bardolino Classico 08 Broi; Rebsorte: Corvina. Rondinella; Erzeuger: Costadora; Alk.: 13,0%
A: kirschrot
N: Käse, Eukalyptus, würzig
M: sehr fruchtig, sehr kräftig, Eukalyptus, saftig
Sieger der Herzen; romantischer Wein wurde gesagt 84 CP

Es folgten zwei Weine aus Venetiens Osten und der internationalen Rebsorte Merlot.

(4) Piave 2008; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Tonon; Alk.: 12,5%
A: rubinrot
N: Marzipan, Kräuter, Malz
M: wirkt überaltert, Marzipan, rauchig
Verlierer des Abends 76 CP

(5) Lison Pramagiorre 07 Campo Camino; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Bosco del Merlo; Alk.: 13,0%
A: rubinrot
N: Sauerkirsche, Tinte, würzig
M: elegant, glatt, samtene Tannine aber kräftig, Bitterschokolade, schöner Körper der nichts transportiert
Ich fand den Wein gut gemacht aber ohne Inhalt oder Charme 85 CP
Aus der Runde wurde er als schwierig, kompliziert und Neurotiker bezeichnet

Zurück ging es zu einem Pizzeria-Klassiker dem Valpolicella.

(6) Valpolicella classico 2009; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara; Erzeuger: Crosarola; Alk.: 12,5%
A: dunkles rubinrot
N: Heidelbeere, Tabak
M: relativ leicht, mäßige Gerbsäure
Auch das war ein Wein, der auch dem Supermarkt hätte stammen können 82 CP
Die Runde nannte ihn zurückhaltend und sympathisch

Ein Ripasso, wie wir ihn als nächstes probieren, ist in Deutschland nicht gar so oft anzutreffen.

(7) Valpolicella Classico Superiore 2008 I Progni Ripasso; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara, Sangiovese; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 14%
A: kirsch-rubinrot
N: Kirsche, Pistazie, würzig, Eukalyptus
M: recht bitter, kräftige Tannine, Kirsche, Schokolade, langer Nachhall
nichts Besonderes 83 CP
Die Runde nannte ihn selbstsicher und sprach von einem in sich ruhenden Typen

Wir beendeten die Runde edel mit einem Amarone.

(8) Amarone della Valpolicella Classico 2005 Arano; Rebsorte: Corvina, Rondinella, CabS, Sangiovese, Croatina; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 15,4%
A: schwarzrot
N: Richtung Klebstoff (verschwindet rasch); Malz, erdig, Paprika
M: dicht, kräftig, erdig, süßlich wirkend, sehr gute Länge, Bitterschokolade
Eindeutig der vielschichtigste Wein aber immer noch nichts Besonderes 88CP
Die Gruppe sprach von einem trägen, grobschlächtigen, häuslichen Landgutsbesitzer

Sieger von Tag 1 war für mich der Soave

An Tag 2 präsentierten sich die Weine doch deutlich anders:

(2) N: Kirsche, Marmelade
M: ausgezehrt
insgesamt kein Trinkvergnügen

(3) N: Himbeer, Melisse
M: auch etwas ausgezehrt, würzig, kräutrig

(4) N: Waldbeere, leicht kräutrig
M: erdig, würzig
Was für eine Steigerung gegenüber Tag 1 84 CP

(5) N: leichte Frucht, Eukalyptus
schwächer als am ersten Tag

(6) belanglos

(7) N: Malz, Holunder
M: deutliche Säure

(8) N: Malz, Eukalyptus, Brombeere
M: dicht, erdig, Schokolade
routinierte Klasse

Sieger von Tag 2 war der unverändert starke Amarone

Tage 4 brachte wieder neue Erkenntnisse

(2) N: Kirsche, Marmelade, Kräuter
M: mäßige Frucht
Steigerung gegenüber Tag 2 82 CP

(3) N: Melisse, Schokolade, fruchtig
M: fruchtig, Schokolade, ordentlicher Körper
zurück auf das Niveau von Tag 1 84 CP

(4) N: Kirsche, Himbeere, Drops
M: sehr fruchtig, ausgewogen
Der Wein weiß immer besser zu gefallen 86 CP

(5) N: Eukalyptus, Beerenfrucht
M: würzig, dunkel, mittelschwerer Körper, schokolade
Nach wie vor kein eigener Charakter 82 CP

(6) N: Nüsse, Beerenfrucht, Mandel
M: fruchtig, saftig, einfach aber ausgewogen
so sehr schön zu trinken 83 CP

(7) N: Nüsse, Melisse, würzig
M: erdig, schöne Dichte
Leider gelingt es dem Wein einfach nicht echte Klasse zu zeigen 83 CP

(8) N: animalische Noten, würzig
M: feine Frucht, schöne Dichte, fleischig, voluminös, dank Alkohol süßlich
Nach wie vor zwar sehr gut aber nicht außergewöhnlich

Heute gewinnt wieder der Amarone, wobei der Merlot aus Piave heute durch die unerwartete Qualität besonders gefällt.

Tag 6 zeigte ein neues Bild:

(2) N: Melisse, Laub, Schokolade
M: mittlerer Körper, geschliffene Tannine, leichter Oxidationsverdacht 79 CP

(3) N: feine Beerenfrucht, Drops, Holunder
M: mittlerer Körper, leichte Säure, mäßige Frucht, mäßige Tannine 82 CP

(4) N: Kirsche, Eukalyptus, Petersilie
M: mittlerer eher leichter Körper, sehr eleganter runder Körper, Frucht ist schön eingebunden, leicht erdig
Der Wein gewinnt weiter an Klasse 87 CP

(5) N: verschlossen, Kaffee, Brombeere
M: mittelschwer, leichte Frucht, rund, erdig, immer noch eher leer 83 CP

(6) N: Melisse, Marmelade
M: deutliche Säure, leichte Frucht
belanglos 79 CP

(7) N: Toast, Holz, Kaffee
M: mittlerer Körper, rund, süßlich wirkend, Pistazien, würzig
heute in Bestform, sehr interessant 85 CP

(8) N: Lebkuchen, Holz, verschlossen
M: sehr süßlich wirkend, recht dicht und konzentriert, erdig
etwas leblos 85 CP

Heutiger Sieger ist eindeutig der Merlot von Tonon, der klare Verlierer des 1. Tags. Der Bardolino Broi war jetzt auch ausgetrunken.

Tag 9 war wieder etwas anders:

(2) N: dezente Frucht, animalische Noten, Leder
M: deutliche Frucht, etwas süßlich, überreife Marmeladentöne, erdig 82 CP

(4) N: feine Beerenfrucht, Lavendel, Kräuter
M: etwas säuerlich, unausgewogen, hart, unrunde Tannine 83 CP

(5) N: kräutrif, Melisse
M: mittlerer Körper, leicht säuerlich, Gerbsäure, belanglos 78 CP

(6) N: dezenter Duft nach Kirsche aber nur erahnbar
M: Schokolade, leichte Frucht, ordnetliche Tannine, insgesamt langweilig 77 CP

(7) N: Melisse, Eukalyptus, Kümmel
M: mittelschwerer Körper, leicht süßlich 81 CP

(8) N: sehr intensiv, Mandel, Schokolade, Marzipan, Klebstoff, Gerste
M: sehr dicht, elegant, rund, fruchtig, erdig, sehr gute Länge 90 CP

Eindeutiger Sieger heute der Amarone, der jetzt wirklich Spaß macht. Interessant wie der Merlot aus Piave wieder abgebaut hat.

Tag 11 stellte immer noch 6 Weine zur Verkostung an.

(2) N: Kirsche, Mandeln, Rauch
M: leichte Säure, ausgezehrte Frucht, alkoholische Säure 81 CP

(4) N: Beerenfrucht, Vanille, Minze
M: fruchtig, mild, relativ rund 83 CP

(5) N: Minze, Rauch
M: mittelschwer, würzig, erdig 79 CP

(6) N: würzig
M: herb, kräftige Gerbsäure, würzig 80 CP

(7) N: Nüsse, würzig
M: deutliche Frucht, ordentliche Gerbsäure, leichte Säure 84 CP

(8) N: Malz, viel Frucht
M: sehr fruchtig, etwas süßlich, leichte Würze 88 CP

Der Amarone immer noch als Spitzenreiter und der Merlot erneut versteckt. Noch immer aber kaum echte Ausfälle, wobei ich einschränkend sagen muß, daß der Amarone und der Ripasso jetzt ausgetrunken wurden.

An Tag 16 hatte ich nur noch 4 Weine zu verkosten.

(2) N: Lebkuchen
M: leichter Essigstich, etwas schal 76 CP

(4) N: Holunder, Kirsche, Lavendel
M: leichte Frucht, relativ leicht, etwas kräutrig 84 CP

(5) N: Kräuter, Melisse
M: kräutrig, rund, aber leer 81 CP

(6) N: Kirsche, Rauch, Mandeln
M: bitter, rund, erdig 78 CP

An diesem Tag war der einzige noch mit Genuß trinkbare Wein der Merlot aus Piave. Leider muß ich mangels Masse den Versuch an diesem Tag einstellen, wobei ich gestehen muß, daß sich meine Weine nicht so gut gehalten haben wie bei Dirk Würtz. Das Ergebnis zeigt jedoch ein ähnliches Gesamtbild. Die Weine halten sich deutlich länger, alsich es erwarten hätte können. Besonders interessant war natürlich auch der Wandelprozeß des Merlot aus Piave. Es bleibt wohl der Allgemeinplatz den ich am Wein und am Leben am meisten schätze. Ich weiß, daß ich nichts weiß.

La Coulee d’Argent Vieilles Vignes 2008

Der Wein ist glanzhell mit blassem grünen Einschlag. Der Wein ist zunächst noch zu kalt, so daß der allererste Geruchseindruck zu schwach ist. Zwei Minuten später sind grüne würzige Noten vernehmbar. Nach dem Schwenken kommt ein intensiver mineralischer Duft begleitet von Steinobstanklängen.

Mit einem vollen Körper rollt der Wein durch den Mun. Eine leichte Saftigkeit nimmt ihm die Strenge, die er mit seiner rauhen Mineralik transportiert. Dazu kommt ein leichter Zitruseinschlag, bevor der ordentlich lange Nachhall einsetzt.

Ein mineralischer Kraftprotz mit viel Qualität. Als Begleiter von Spargel mit Schinken in Butter-Basilikum-Sauce leider nur mäßig geeignet.

Herkunft: Frankreich – Loire – Vouvray
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Chenin Blanc
Erzeuger: Domaine Bourillon Dorleans
Ausbau: AOC
Alkohol: 13%

Open Cellar: Rhone-Weine

Am vergangenen Donnerstag fand eine Weinverkostung im Weinrestaurant Kleinhuis statt. Genauer gesagt im stilvollen Ambiente des Weinkellers des Restaurants, so daß der Name passend ist. Am großen Holztisch konnten hier 7 Weinliebhaber Auge, Nase und Zunge einigen Weinen der Rhone widmen. Moderiert wurde das ganze von Jan Lipka vom Restaurant und Gregor Zahnow vom Weinhandel Oxhoft.

Die Athmosphäre war sehr entspannt und locker. Folgende Weine aus dem Rhone-Tal wurden von uns verkostet:

(1) La Vielle Ferme blanc 2009; Herkunft: Cotes du Luberon; Rebsorten: Grenache blanc, Bourboulenc, Ugni Blanc, Roussanne; Erzeuger: Perrin et Fils
N: Birne, Melone, leicht grasig
M: nussig, feine Würze, mäßige Länge, Melone, leicht cremig
schöner Alltagswein, guter Essensbegleiter 82 CP

(2) blanc 2008; H: Crozes Hermitage; R: Marsanne, Roussanne; E: Cave de Tain
N: eher dezent, pflanzlich, grasig
M: leichte Säure, nicht ganz ausgewogen 80 CP

(3) Coudoulet de Beaucastel blanc 2007; H: Cotes du Rhone; R: Grenache blanc, Roussanne, Boueboulenc, E: Chateau Beaucastel
N: Honig, Wachs, Blume, feine Würze
M: cremig, gute Dichte, leicht erdig, etwas salzig, ausgewogen rund
sehr feiner edler Weißwein, definitiv etwas Besonderes 88 CP

(4) Tradition rosé 2009; H: Coteaux du Tricastin; R: Grenache, Syrah, Cinsault; E: Domaine Saint Luc
N: helle Beerenfrüchte
M: leichter Körper, Erdbeerfrucht, leichte Würze 81 CP

(5) La Vieille Ferme rouge 2009; H:Cotes du Ventoux; R: Grenache, Syrah, Carignan, Cinsault; E: Perrin et Fils
N: sehr fruchtig, Kirsche, Pfeffer
M: schwerer Körper, deutliche Tannine, ordentliche Würze, recht rund
einfacher aber ordentlicher Wein 83 CP

(6) Cuvee Emiliane 2006; H: Coteaux du Tricastin; R: Grenache, Syrah; E: Domaine Saint Luc
N: Veilchen, blumig
M: mittelschwer, eher eintönig, rund, leichte Tannine
nicht mein Fall 81 CP

(7) Rouge 2006; H: Crozes Hermitage; R: Syrah; E: Cave de Tain
N: Pfeffer, würzig
M: Kirsche, leichte Säure, starke Tannine, leicht erdig
Sehr schöner, gut gemachter Wein 85 CP

(8) Le Privilege ds Vignerons 2007; H: Cotes du Rhone; R: Grenache, Syrah, Mourvedre; E: Vignerons de Charactere
N: Pfeffer, Paprika, Kirsche
M: sehr rund, ausgewogen, Pfeffer, sehr feine Würze
das war ein Wein nach meinem Geschmack; ein Wein, der gleich zum nächsten Glas animiert 87 CP

(9) 2006 H: Chateau-Neuf-du-Pape; R: ?; E: Domaine la Boutiniere
N: sehr würzig, vielschichtig, Pfeffer, Kardamon, animalisch
M: sehr schwer, Schokolade, sehr bitter
schon sehr guter Stoff, aber da fehlte noch das letzte bißchen 88 CP

(10) Grand Reserve Vieilles Vignes 2006; H: C9dP; R: ?; E: Domaine la Boutiniere
N: feine Frucht, würzig, Holunder, Vanille
M: sehr kräftig, würzig, langer Nachhall, rund, bitter, alkoholisch
Das war jetzt wirklich ausgezeichnet, der Alkohol kam vielleicht eine Spur zu deutlich heraus 90 CP

(11) La Gille 2006; H: Gigondas; R: Grenache, Syrah; E: Chateau de Beaucastel
N: Beerenfrucht, Lakritz, Leder
M: alkoholisch, kräftig, viel Frucht, leichte Tannine
Sehr guter Wein, kam aber nicht ganz an den vorigen Wein heran 89 CP

(12) Codoulet de Beaucastel Rouge 2007; R: ?; E: Chateau de Beaucastel
N: sehr würzig, Pfeffer, Tabak
M: fruchtig, Lakritz, relativ rund, ordentliche Würze
Nicht ganz auf dem Niveau der vorigen Weine 87 CP

Die Weinprobe hat viel Spaß gemacht. Sieger waren für mich der außergewöhnliche Coudoulet blanc und der große Chateau-Neuf. Da wir nicht blind verkostet haben, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich nicht zum Teil von den Eindrücken einer Rhone-Reise in 2008 beeinflussen habe lassen, da einige Teilnehmer die Weine auch deutlich anders beurteilt haben. Damals waren die Besucher bei der örtlichen Genossenschaft der AOC Coteaux du Tricastin und der Cave de Tain tendenziell die Tiefpunkte der Weinverkostungen, wobei man in der Cave de la Suzienne damals einen wahnsinnigen Aufwand für uns betrieben hat. Beaucastel war dagegen schon damals ein Highlight, obwohl dort wie auch hier die Cuvee Jacque Perrin leider nicht zu verkosten war. Um mit diesem langen Abschweifen den Leser hoffentlich möglichst von der zuvor getroffenen Aussage abgelenkt zu haben, will ich noch einmal kurz hervorheben, daß bei den meisten nicht der große Chateau-Neuf-du-Pape sondern der Gigondas Sieger des Abends war und die Cuvee Emiliane deutlich besser abgeschnitten hat.

Für die Probe im Kleinhuis inklusive eines kleinen Buffets, war ein kleiner Beitrag von 18,50€ fällig. Hervorzuheben ist, daß die Open Cellar Veranstaltungen auch bei minimalen Teilnehmerzahler stattfinden. Ein Gast berichtete, schon in trautem Viererkreis verkostet zu haben.

Eine schöne Weinprobenreihe, die wöchentlich stattfindet.

L’Ermitage Tradition 2009

Der Wein ist glanzhell mit grünem Einschlag. Es zeigen sich ein paar kleine Tropfen. Die erste Nase ist sehr intensiv und fruchtgeprägt. Trauben und Birnen strömen jugendlich forsch in die Nase. Die zweite Nase ist fast etwas weniger intensiv. Birne, Ananas und blumige Aromen bestimmen das Bukett.

Auch am Gaumen zeigt der Wein eine deutliche Birnenfrucht. Er besitzt einen mittelschweren, leicht cremigen Körper. Die Frische, die er ausstrahlt, kommt nicht von Säure, sondern von der Frucht und seiner einfachen Machart, die sich auch im eher kurzen Nachhall zeigt.

Ein herrlich unkomplizierter Wein, der jung zu trinken ist. Als Sommerwein kann er sehr gut passen. Warum also nicht zu einem Kartoffelsalat.

Herkunft: Frankreich – Rhone – Costieres de Nimes
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Roussanne (60%), Grenache Blanc (20%), Viognier (20%)
Erzeuger: L’Ermitage
Ausbau: AOC
Alkohol:13%

Les Cailloux 2003

Der Wein trägt ein purpurrotes Kleid. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt, so daß doch einiges an Platz für den ziegelroten Rand bleibt. Die erste Nase ist auch nur mäßig intensiv. Neben Lebkuchennoten stelle ich auch Aromen fest, die einen Oxidationsverdacht in mir säen. In der zweiten Nase nimmt die Intensität zu. Der Oxidationsverdacht schwindet. Balsamikum und weitere Geürze stecken im Bukett. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Am Gaumen wirkt der Wein schon ziemlich ausgezehrt. Der Alkohol kommt deutlich heraus. Dazu zeigen sich erdige Noten. Der Nachhall besitzt eine gute Länge. Die Frucht ist weitgehend verschwunden. Der Ausgewogenheit des Weins tut das keinen Abbruch.

Die Harmonie und der erdige Nachhall geben dem Wein echten Charakter, auch wenn er sein Alter nicht verschweigt. Es ist schwer für diesen Wein ein passendes Essen zu finden, das seine leisen Noten nicht übertönt. Am besten zu einem nicht allzu intensiven Käse. Vieles von der letzten Verkostung finde ich bestätigt. Frucht habe ich aber keine mehr gefunden. Zeit zum Wegtrinken.

Herkunft: Frankreich – Rhone – Cotes du Rhone Villages
Jahrgang: 2003
Rebsorte: rote, wahrscheinlich ein Gemisch aus Grenache, Mourvedre, Syrah und sonstigen
Erzeuger: Domaine Rabasse Charavin
Ausbau: AOC
Alkohol: 14,5%

Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder 2004

Der Wein ist recht hell mit einer granatroten Farbe und einer mäßigen Farbtiefe, die ins Ziegelrot übergeht. Zunächst duftet der Wein mäßig intensiv nach fruchtigen Beerenaromen. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität deutlich zu. sie bleibt fruchtig, aber dazu kommen würzige Aromen und Lakritznoten. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Am Gaumen fällt der Wein durchaus fruchtig aus. Es bedarf des zweiten Schlucks, um mich von der ausgewogenen Harmonie des Weins zu überzeugen. Ein mittelschwerer Wein mit Saftigkeit, der gleichzeitig unkompliziert und locker durch den Mund rollt, bevor ein leicht bitterer Abgang den würzigen Nachhall einleitet, der eine sehr gute Länge besitzt.

Der Wein vereint die zwei Pinotwelten. Einerseits die einfache unkomplizierte Süffigkeit und andererseits die elegante Komplexität. Die Vereinigung glückt, weil er sich in keine der beiden Welten zu tief hinein begibt. Sehr gut gelungen und gereift. Zum Hirschgulasch.

Herkunft: Deutschland – Rheingau – Assmannshäuser Höllenberg
Jahrgang: 2004
Rebsorte: Pinot Noir
Erzeuger: Klaus König
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13,5%

Birkweiler Kastanienbusch Taschberg Riesling 2006

Der Wein ist glanzhell bis strohgelb. Ganz leichte Perlen sind zu sehen. Anfangs duftet der Wein mäßig intensiv mit Zitrusanklängen. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität etwas zu. Neben Limettenaromen kommen würzige Noten und Tabak im Bukett vor.

Am Gaumen zeigt der Wein viel Kraft in seinem mittelschweren Körper. Dazu kommt eine leichte Saftigkeit. In diese Saftigkeit fügen sich eine zupackende Mineralik und eine brachiale Würze. der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Das ist ein Kraftprotz von Riesling, der aber nicht durch Alkohol erschlägt, sondern mit seiner Mineralik zupackt. So grandios solch ein monderner Riesling wirkt, so schwer ist es für ihn ein passendes Essen zu finden, weil die gängigen Paarungen die auf die Säure und die Frucht des Rieslings abegestimmt sind nicht passen. Als Pfälzer Note in einer Aufstiegsfeier macht er sich auf alle Fälle gut. Vielleicht auch zu einem Thunfischsteak in Safransauce.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Birkweiler Kastanienbusch
Jahrgang: 2006 (eigentlich ein Horrorjahrgang in der Pfalz)
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Siener (der in 2006 durchwegs gute Weine erzeugt hat)
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13%

Ausnahmezustand

Die Rückkehr zur Normalität kann nur über den Ausnahmezustand erreicht werden. Dieser ist heute erreicht, und jetzt wird gefeiert, bevor ab der nächsten Saison wieder Normalität herrscht und Lautern wieder erstklassig spielt. Die restlichen zwei Wochen der Zweitligatristesse werden jetzt eine einzige Party!

Liebe Lautern-Fans; macht’s wie ich, und laßt das Auto stehn!

Niederhäuser Hermannsberg Riesling 2007

Der Wein ist glanzhell mit eher grünem Einschlag. Am Glasrand sind einige kleine Perlen zu sehen. Die erste Nase ist bereits recht intensiv mit Kräuterwürze und einem Duft nach nassem Stein. Die zweite Nase gewinnt an Intensität. Zu den bereits vorhandenen Noten kommen Graipefruit und Hefenoten hinzu.

Der Wein besitzt einen eher mittelleichten aber sehr saftigen Körper. Die kräftige Säure ist gut integriert und gibt dem Wein Frische. Außerdem sorgt sie dafür, daß der Wein auffällig aber nicht aufdringlich auftritt. Noch wirkungsvoller als die Säure ist die kräftige Mineralität, die dem Wein eine Menge Charakter verleiht. Der Nachhall besitzt eine hervorragende Länge.

Vielleicht ist das noch nicht Riesling at its best, aber es ist Riesling pur. Preislich handelt es sich um einen Einstiegswein des Guts. In dieser Klasse ist es mit das Beste, was ich trinken durfte und der Gegenbeweis, daß Urlaubsweine zu Hause sogar noch besser schmecken können als im Urlaub. Zum Manchego-Käse. Absolute Kaufempfehlung.

Herkunft: Deutschland – Nahe – Niederhäuser Hermannsberg
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12,0%