Nicht einmal mehr drei Wochen bis zur Bundestagswahl. Auch wenn die ganze Stadt (Hamburg) zugepflastert mit Plakaten ist, habe ich dennoch das Gefühl noch nie so wenig interessiert an einer Bundestagswahl gewesen zu sein. Gleichzeitig habe ich das Gefühl noch nie einen so laschen Wahlkampf wie vor dieser Wahl erlebt zu haben.
Welches der beiden Gefühle, von denen mir Verhaltensforscher sicher sagen würden, daß es keine Gefühle sind, mich mehr beunruhigen sollte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das erste, ich bleibe mal beim Ausdruck Gefühl, obwohl ich eigentlich an dieser Stelle emotionslos bin, hieße, das mir unsere Demokratie scheißegal wäre. Wenn dem wirklich so wäre, würde ich mich gerne so lange verprügeln, bis ich mich der Mehrheitsmeinung meiner Fäuste gebeugt habe. Das zweite Gefühl hieße, daß die Parteien nicht daran glaubten, irgend etwas verändern zu können und sei es den Wählerwillen. Dafür würde ihnen der Arsch versohlt gehört.
Gehen wir also davon aus, daß mich beide Gefühle trügen, oder zumindest meine Interpretationen falsch sind und betreiben etwas Ursachenforschung. Was ist geschehen? Deutschland erlebte eine echte Revolution und ein historisches Ereignis, daß die Massen bewegte und vereinigte. Nein, nicht die Fußball-WM 2006. Ich spreche von der Wiedervereinigung. Bei diesen Bildern beschleicht mich übrigens immer noch eine Gänsehaut, der Drang die Tränen unterdrücken zu müssen und somit echte Gefühle. Wir erlebten eine Politik, welche die historische Chance ergriff, die ihnen durch die Revolution in der DDR gegeben wurde.
Was folgte, waren acht Jahre der Verarsche. Wir erlebten eine Politik, die sich abmühte aberwitzige Versprechen abzugeben, von denen sie (hoffentlich) wußte, daß sie nicht haltbar waren. Wir erlebten eine Politik des Stillstands mit gleichzeitigem Niedergang des neuen Teils der Republik. Die versprochenen blühenden Landschaften erscheinen auch heute noch als Hohn. Sicherlich hat sich die Infrastruktur in den neuen Bundesländern massiv verbessert, doch Teer und Asphalt waren für mich nicht unbedingt mit Kulturpflanzen verbunden, ebenso wenig wie das Unkraut, das in diversen verlassenen Dörfern und Fabrikgeländen sprießt. Man kann der damaligen Politik vielleicht noch zu Gute halten, daß sie auch an dem föderalen System unseres Landes scheiterte und das ein oder andere Reformvorhaben nicht gegen eine ideologisch noch sehr weit links eingestellte SPD unter Oskar Lafontaine durchsetzen konnte. Doch gleichzeitig bewegte sich die politische Führung um Spendenskandalkanzler Helmut Kohl… gar nicht. Eine aktive Politik fand nicht statt. Die Wähler wurden frustrierter. Weil sie sich (von allen Parteien) verarscht fühlten, weil sich nichts tat oder weil sich nur etwas zum Schlechteren tat.
Dann kam der Machtwechsel, und Rot-Grün kam an die Macht. Ich hatte in dieser Zeit tatsächlich das Gefühl, daß sich etwas tat. Die politischen Methoden waren zum Teil mehr als fragwürdig, wenn man an die im Bundesrat gekaufte Steuerreform oder an die doppelte Stimmabgabe Brandenburgs im Bundesrat oder an die Kopplung eines Kriegseinsatzes mit einer unnötigen Vertrauensfrage denkt. (Gewissen gegen Vertrauen und danach ein Gläschen Sekt auf das Vertrauen egal wie viele Soldaten sterben. Da wird mir heute noch schlecht.) Doch die Politik schien tatsächlich etwas umsetzen zu können. Als die Agenda 2010 verkündet wurde, hatte die damalige Opposition es schwer ideologische Bedenken vorzubringen, wie ihre Vorgänger, schließlich war die Agenda ihr doch sehr nahe. Was heraus kam, war eine Handvoll von Reformen, die in die richtige Richtung gingen, aber handwerklich, sprich im Detail, richtig schlecht konstruiert waren. Die Rot-Grüne Regierung verlor nicht zuletzt wegen der Agenda 2010 ihre eigene Stammbasis und auch die Wahlen.
Statt Jamaika oder einer Ampelkoalition erlebten wir eine große Koalition. Und wieder passierte Gar nichts. Doch es kam tatsächlich zu einem Aufschwung, von dem die ganze internationale Beobachtung überzeugt ist, daß er auf die Reformen aus der Regierungszeit Schröder zurückgeht. Die CDU schien sich an nichts zu erinnern, was sie vor der Wahl gefordert hatte und machte nicht einmal den Versuch die mühsam unter der Vorgängerregierung ins Rollen gekommene Reformbewegung voranzutreiben. Die SPD agierte derweil wie ein Gummiball, hin und her gerissen zwischen Agenda 2010 und alten sozialistischen Idealen. Gleichzeitig war sie stets bemüht sich selbst zu zerfleischen, sehr zum Wohlgefallen der CDU und einer Kanzlerin, die sehr danach bestrebt war ihrem Ziehvater dem Spendenbaron oder doch besser Lügenbaron oder doch besser Mann des Ehrenworts in Behäbigkeit nachzueifern. Es ist kein Wunder, daß eine so schwache und hörbar schnarchende Regierungspartei wie die CDU neben einem so miserablen und inkonsequenten Haufen wie der SPD noch gut abschneidet. Sehr verärgert hat mich auch, daß der einzige Bereich, in dem die CDU tatsächlich etwas umgesetzt hat, der unter Ich habe niemals einen Koffer voller Geld von Frau Baumann bekommen-Schäuble ist und hier eine Haltung propagiert wird, die meines Erachtens zumindest gegen die Gedanken unser Verfassung verstößt.
Ich vermute ja doch, daß mich mit den meisten Bürgern zumindest das Gefühl der Enttäuschung über unsere Politiker verbindet. Dieses Gefühl der Enttäuschung wird beinahe zur Verzweiflung, wenn ich mir unsere Opposition anschaue. Irgendwelche wirren Köpfe (LINKE), fast genauso viel Inkonsequenz wie in der SPD gegenüber der eigenen und ansatzweise richtig wahrgenommenen Verantwortung (GRÜNE) oder eben Leute, die man ähnlich wie die CDU nicht wählen kann, wenn man noch einen Funken Anstand im Körper hat (FDP).
Dementsprechend kann ich knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl immer noch nicht überzeugt sagen Die wähle ich., und das ist bei einer so wichtigen Entscheidung, die für die nächsten 4 Jahre Bestand hat, wirklich frustrierend. Vielleicht hat das Gefühl, das vielleicht ja gar keins ist, daß es ohnehin ziemlich egal ist doch etwas Tröstliches.
Entschuldigung 1. Teil
Der ein oder andere Leser mag sich aufgrund der unbeschriebenen Tage ja Sorgen um mein Wohlbefinden gemacht haben. Vielleicht hat er sich sogar die folgenschwere Frage gestellt, ob ich es denn mehrere Tage am Stück ohne Verkostungsnotiz aushalte.
Ich bedanke mich auf jeden Fall für das Mitgefühl und kann Euch versichern, daß die Sorgen zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen unbegründet sind. Die erste Schaffenspause legte ich im österreichischem Ehrwald ein, wo ich zwar vorzüglichen Rotwein konsumierte, allerdings wie es sich gehört, ausschließlich zu Tisch. Anders als bei anderen Gelegenheiten verhielt ich mich zur Abwechslung mal zivilisiert und holte nicht mein Notizbuch hervor. Zu trinken gab es u.a. den 2006er Blaufränkisch Chevalier DAC Reserve vom Rotweingut Iby aus dem Mittelburgenland und den durchaus bekannten Arachon eine Cuvee aus Blaufränkisch, Merlot, Zweigelt und Cabernet Sauvignon. Der Chevalier war der zugänglichere der beiden Weine und damit wohl auch der für das Restaurant bessere geeignete. Der Arachon war dagegen einer jener Weine, die mit Luft zulegen und nach und nach neue Facetten offenbaren. Also auf jeden Fall ein spannender Wein, bei dem es lohnt, ihn über einen Abend zu verfolgen. Die Höhenluft setzte mir aber zu, so daß ich nicht allzu aufmerksam war. Ich hoffe, die Leser sind geneigt, mir dies zu verzeihen.
Am Münchner Flughafen checkte ich vor der Rückreise ins norddeutsche Küstenvorland, gemeinhin auch Hamburg genannt, noch im Dallmayr Café ein. Feinschmecker und Weintrinker wissen, daß es hier nicht nur Kaffee gibt sondern auch:
Chablis Domaine Chèvre 2006
Strohgelbe Farbe, Birne, Wachs, blumig
Sehr ungewohnt: fruchtig, leichte Säure, frisch, schwacher Schmelz, gute Länge, leicht mineralischer Nachhall.
nicht unbedingt Chablis-typisch, aber sehr gefällig
Escherdorfer Lump Sivaner Kabinett trocken, 2007
Strohgelbe Farbe, sehr fruchtig, leichtes Pfefferl
Saftig, leichte Säure, fruchtbetont, geradlinig
netter Wein, aber doch ziemlich belanglos, zum Durchschnittskrimi am Abend, falls man den Fernseher partout nicht abschalten kann.
Der zweite Schluck besitzt doch etwas mehr Rasse und Würze. So verträgt er auch die Chips zum Krimi.
Wenn die Angaben zur Wiedererkennung der Weine nicht wirklich ausreichen, so liegt das nicht an meinen Bemühungen sämtliche vorhandenen Informationen von den Karten aufzuschreiben.
Pfalz Riesling 2008
Der Wein ist glanzhell. Einige Perlen zeigen sich an seiner Oberfläche. Die erste Nase duftet nach Zitrone und etwas würzig. In der zweiten Nase kommen Graipefruit und erdige Noten zum Vorschein.
Am Gaumen ist der Wein eine gelungene Kombination aus Säure, Würze und Frucht. Das ist kein großes Kunstwerk, aber weit mehr als eine solide Arbeit.
Vielleicht sind es gerade diese Basisweine – wie auch der Riesling Kabinett, an denen sich der hervorragende Winzer zeigt. Diese exzellente Handwerksleistung zu einem derart geringen Preis von 3,40/l erzeugen zu können, verdient allerhöchsten Respekt.
Der Wein macht viel Spaß und Vergnügen. Wer anderer Ansicht ist, lese bitte noch einmal über sich unter der Überschrift der Weingenießer. Einen schöneren Basisriesling kann ich mir kaum vorstellen. Ein Wein für jede Gelegenheit.
Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 12%
Ausbau: QbA trocken
Rhodter Klosterpfad Spätburgunder 2007
Nein, das ist nicht schon wieder der gleiche Wein. Gemäß Preisliste möchte ich ihn als den großen Bruder vorstellen, den der Winzer in einer kleineren Zelle, nämlich einem Barrique eingesperrt hat. (mutmaßlich 225l, so exakt ist Definition des Begriffs nicht) Weniger Platz heißt mehr Holz, heißt mehr Kosten, heißt höherer Preis. Ich bin gespannt, ob er den Aufschlag von 3,40 dann auch im Geschmack rechtfertigt. Man will ja annehmen, daß der große Bruder aus seiner Zelle entlassen einen enormen Freiheits- und Mitteilungsdrang verspürt und jetzt all das nachholt, was er in den Jahren der Haft nicht tun konnte. Wobei mancher aus dem Knast arg verbittert oder gar gebrochen wieder kommt…
Der große Bruder trägt natürlich kein Kleid, sondern eine Robe im feinstrichterlichen Kirschrot. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt. Zunächst duftet er erdig, würzig und nach Schokolade. Nachdem ihn die ungewohnte Freiheit etwas durchgeschüttelt hat, kommen auch Pfeffer- und Lebkuchennoten zum Vorschein. Die Viskosität ist ordentlich ausgeprägt.
Der große Bruder geht noch etwas schüchtern mit der neuen Freiheit um. Offensichtlich weiß er noch nicht, in welche Richtung er sich bewegen soll. Die magere Kost hat ihn Kraft gekostet und ihm einen leichten Körper verpaßt. Dies kontrastiert mit der Würze und den schokoladigen Noten sowie eine Wärme, die ich nicht anders als alkoholisch beschreiben kann, auch wenn der Alkohol sonst nicht groß raus kommt. Auch die bittere Gerbsäure harmoniert nicht wirklich mit dem Körper. Sehr fein ist jedoch der samtene Nachhall, der eine sehr gute Länge besitzt.
Was soll ich sagen. Ich komme mit dem kleinen Bruder besser zurecht, dessen stürmische und unkomplizierte Art einfach sofort eingängig ist und den Trinker für ihn einnimmt. Es kommt hinzu, daß der große Bruder nicht den Eindruck erweckt, als würde er noch viele Geheimnisse vor dem Trinker für intimere Stunden zurückhalten. Dennoch ist auch der große Bruder ein sehr guter Wein, in der Nase sogar der attraktivere, den man durchaus einmal zu dunkler Schokolade probieren kann.
Nachträglich kann ich hinzu fügen, daß der große Bruder im Laufe des Abends noch auftaute und durchaus gesprächig wurde.
Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Klosterpfad
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Spätburgunder (Pinot Noir)
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 14%
Ausbau: QbA trocken Barrique
Der Weingenießer
Die Natur wissenschaftlicher Genießer
ähnelt doch sehr der gewöhnlicher Spießer
Sie pressen den Wein in vorgefertigte Schablonen
als könnte man in einer Flasche wohnen
Schnell sieht man wie so jemand verbiestert
stößt er auf unbekannte Kombinationen
Beleidigt wird dann der unglückliche Eingießer
zählt der Wein nicht zu bekannten Epigonen
Hohe Punktzahlen werden abwertend genannt
Das merkwürdige Vokabular ist nur ihm bekannt.
So drischt er wütend auf den Tropfen ein
Nach dem Probieren ist er noch immer angespannt.
und verflucht schließlich den unseligen Wein
dabei schmeckte er eigentlich fein
Rhodter Klosterpfad Spätburgunder 2007
Der Wein trägt ein granatrotes Kleid. Zunächst rieche ich Waldbeeren, Lakritz und Kräuter. Auch nach dem Schwenken bleibt das Bukett in hoher Intensität erhalten. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.
Nach dem schönen Geruch habe ich ein kleines agnostisches Gebet in Richtung Bacchus, Dionysos und wens sonst noch interessieren könnte gesprochen. „Enttäusch mich nicht.“ Und siehe da, mein Gebet wurde erhört. Bacchus, Dionysos oder wer sonst auch immer schenkt mir einen Wein mit vollmundiger Frucht, einem ordentlichen Körper und einem mineralischen Nachhall, der eine gute Länge besitzt.
Für mich ist das ein Paradebeispiel für einen deutschen Spätburgunder. Eine schöner Duft, ein fruchtiger Geschmack und eine herrliche Unkompliziertheit. Ein Wein für jeden Tag und zugleich ein Wein, der aus jedem Tag einen guten Tag machen kann. Den Wein würde ich zu einem schönen Kasselerbraten empfehlen.
Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Klosterpfad
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 13%
Ausbau: QbA trocken – im Holzfaß gereift
Weinfest
Es ist meist kein besondrer Wein
nach dem die durstigen Kehlen schrein
Fast ists gleich ob weiß oder rot
Solange weiter Trockenheit droht
Hauptsache Flüssigkeit kommt rein
Auch gestreckt mit Wasser zur Not
Lecker muss das dann gar nicht sein
Zur Neutralisation gibts halt ne Scheibe Brot
Von geselligen Freunden auf langen Bänken eingesperrt
Während das Deo des Nachbarn die frische Luft verzehrt
Erfreut man sich am volkstümlichen Gelage
Wer sich gegen steten Nachschub nicht wehrt
Der erlebt das Ende des Fests womöglich als Blamage
Verlässt er es doch sirenenbegleitet auf einer Trage
Rhodter Schloßberg Riesling Granit 2008
Bei Granit muß ich ja sofort an den mächtigen Hermitage an der Rhone denken. Rhone und Rhodt liegt phonetisch ja auch gar nicht so weit voneinander entfernt, aber ganz so steil ist der Rhodter Schloßberg dann doch nicht, und mit der Berühmtheit ist es auch noch nicht ganz so weit. Man stelle sich nur mal vor, einen Hermitage für 8,50 zu bekommen…
Der Wein hat eine glanzhelle Farbe mit grünlichem Einschlag. Die erste Nase ist mäßig intensiv und duftet nach Pfirsich und Graipefruit. Die zweite Nase ist schwerer zu durchdringen. Sie wirkt frischer und duftet nach Stein und Moos.
Hm…, es fällt mir diesmal erstaunlich schwer, nach dem ersten Schluck ein Urteil zu fällen. Denn insgesamt wirkt der Wein ziemlich unauffällig. Bevor ich noch mehr über mein Vokabular falle, muss ich doch feststellen, daß die kräftige Säure im Wein auffällt. Dies tut sie aber keineswegs negativ. Vielmehr ist sie hervorragend eingebunden. Insgesamt wirkt der Wein extrem harmonisch und ruhig. Dieser Eindruck wird von seinem leichten Körper noch gefördert. Ich stelle fest, daß es sich lohnt, meinen Zweifeln Zeit zu geben, denn während ich über das eben Hinuntergeflossene sinniere, beginnt der mineralische Nachhall, der eine gute Länge besitzt.
Mit das Schönste an Unsicherheit im ersten Schluck ist ja, daß diese Unsicherheit zu einem zweiten Schluck herausfordert. Und wenn man schon mal unsicher ist, sollte man an dieser Stelle unter keinen Umständen aufhören.
Nach x Schlücken konstatiere ich – ja! Das ist der Wein, um ihn nach einem harten Arbeitstag zu trinken. Dann weiß man, wieder wieso man arbeitet. Und weil der Wein nicht so teuer ist wie ein Hermitage, muß man vielleicht gar nicht so hart arbeiten… An der Rhone habe ich zwar Viognier und Marsanne kennen und schätzen gelernt; in ihren Bann haben sie mich aber nicht gezogen. Wie anders da doch dieser feine Rhodter Riesling. Im Gedanken bei den Granitfelsen des Hermitage denke ich doch: Riesling rocks.
Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Schloßberg
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Christian Heußler
Alkohol: 12,5%
Ausbau: Spätlese trocken
Rhodter Klosterpfad Weißburgunder trocken 2008
Heute versuche ich mich in der Königsdisziplin der genießenden Alkoholiker oder doch der zu alkoholisierenden Genießer? Egal: Weinverkostung nach einem anstrengenden 30km-Lauf abends um 10! JA!
Der Wein hat eine glanzhelle Farbe. Einige Trubteilchen bzw. Perlen schwimmen an seiner Oberfläche. Die erste Nase besitzt eine ordentliche Intensität und duftet nach Toast und blumigen Noten. Die zweite Nase ist intensiver. Sie duftet nach Drops, Speck, und Blumen.
Der Wein besitzt eine gute Dichte und ist sehr würzig. Er wirkt sehr kräftig und leicht rauchig. Der Nachhall ist etwas streng und würzig. Er besitzt eine ordentliche Länge.
Definitiv nicht geeignet als Erfrischung nach einem langen Lauf. Dafür ist er zu schwer.
Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Klosterpfad
Rebsorte: Weißburgunder
Jahrgang: 2008
Erzeuger: Christian Heußler
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 13%
Leichtathletik-WM Tag 9
Ich muß gestehen, ich verspürte schon am letzten Tag der WM Katerstimmung. So schaute ich mir den Marathon der Frauen diesmal im Fernsehen an, auch da ich so mehr vom Verlauf des Rennens mitbekommen konnte als direkt an der Strecke. Mocki lief einen schönen Lauf, doch leider war sie am Anfang doch etwas zu defensiv. Sicher hätte sie auch sonst nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun gehabt, aber vielleicht hätte sie ein paar Plätze weiter vorne landen können. Wie dem auch sei, der von Rußland eröffnete Vierkampf mit China, Japan und Äthiopien, aus dem Rußland als erster mit Seitenstechen aussteigen mußte, war sehr spannend und bot viele Wechsel in der Führung. Daß die Chinesin, die als letzte attackierte, erfolgreich war, gibt Mocki in ihrer Strategie vielleicht doch recht.
Daß für Deutschland an diesem Abend nichts zu holen war, war eigentlich von Beginn an klar. Schließlich gab es auch nur noch 2 Finale mit deutscher Beteiligung. Doch das war nicht schlimm; die deutschen Athleten hatten uns in den vergangenen Tagen mit einem wahren Medaillenregen verwöhnt. Enttäuschungen gab es eigentlich keine, dafür jede Menge postiver Überraschungen.
Ich weiß nicht, woran es liegt, daß ich jetzt über so wenig von diesem Abend schreiben will. Vielleicht an der wehmütigen Stimmung, weil ich wußte, daß diese großartige Veranstaltung an diesem Abend zu Ende gehen sollte und irgendwo im Unterbewußtsein schon ahnte, daß mich am nächsten Tag die Arbeit erwartete.
Faszinierend war der 5.000m-Lauf. Vor der WM hieß es ja noch Bekele würde nur über die 10.000m starten, doch nun war er auch über 5.000m dabei. Es überraschte, daß er sich von Anfang an sehr aktiv an der Führungsarbeit beteiligte. Noch überraschender war es, daß der Lauf trotz dessem oder sogar deswegen sehr langsam war. Bekele schien sich voll auf seinen Endspurt zu verlassen. Ob er so etwas noch einmal wagt, weiß ich nicht, denn das Duell, das ihm Bernard Lagat aus den USA bot, war grandios. Lagat hatte Bekele auf der Zielgeraden schon überholt, als dieser noch ein paar allerletzte Körner Kraft mobilisierte und Lagat niederrung. Wahrscheinlich war Bekele nach den vielen Wettkämpfen nicht mehr zu einer Topzeit in der Lage und entschied sich daher für diese Taktik. Meinen Glückwunsch dafür, daß sie aufging – wenn auch nur hauchdünn.
Daß auch das 800m-Rennen der Männer mit Mbulaeni Mulaudzi von einem südafrikanischen Mann gewonnen wurde, bot natürlich reichlich Anlaß zum Schmunzeln, wobei ich mich bei Caster Semenya für diesen unangbrachten Witz entschuldigen möchte. Es war ein spannendes Rennen, bei dem ich den Eindruck hatte, daß der stärkste Läufer, der eingeklemmte Amine Laalou, leider nicht entscheidend in den Zielsprint eingreifen konnte.
Diese Beobachtung wird beim 1.500m-Rennen der Frauen interessant. Hier möchte ich nicht in der Haut der Jury stecken. Ja, Natalia Rodriguez hat Gelete Burka umgestoßen, und jeder im Stadion hat es gesehen. Was nicht jeder erkannt hat, ist, daß Burka nicht konsequent innen lief, also eine Art Minimalschlupfloch bzw. zumindest den Anreiz zum Innenpassieren für Rodriguez bot. Wäre Burka ganz innen gelaufen, stellte sich die Frage nicht und Rodriguez gehörte, wie von einigen Zuschauern praktiziert, ausgepfiffen. Meines Erachtens trägt Burka durch den von ihr praktizierten Laufstil jedoch eine gewisse Mitschuld. Die Entscheidung zur Disqualifikation der Ersten Rodriguez halte ich jedoch für konsequent. In der Vergangenheit wurden Läufer bereits für deutlich geringeren und unabsichtlichen Körperkontakt disqualifiziert.
Die Begeisterung bei den 4*400m der Frauen wirkte diesmal etwas weniger stark, und daß obwohl ich diesmal auch aufstand – es war ja immerhin ein Finale. Zu deutlich war wohl, daß das deutsche Quartett hier nichts mit der Entscheidung zu tun hatte.
Mit den 4*400m der Männer und einem überlegenen Sieg der amerikanischen Staffel um Kerron Clement ging die WM dann für mich zu Ende. Auf die Abschlußfeier verzichtete ich dann doch, um meine Abreise etwas einfacher zu gestalten.
Es waren herrliche Tage, wunderschöne Wettkämpfe, eine friedliche und begeisternde Atmosphäre. Es gab unterhaltsame Athleten, große Kämpfe und beeindruckende Leistungen. Die Leichtathletik hat alles gezeigt, was sie zu bieten hat, und wer das neun Tage lang verfolgt hat, ist aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Gerade deshalb ist es schade, daß so wenig Besucher da waren. Gerade bei jungen Zuschauern hätte dieses Ereignis eine ungeheure Begeisterung auslösen und sie für die Leichtathletik faszinieren können. Mir hat es auf jeden Fall so gut gefallen, daß die EM 2010 in Barcelona einen sehr ernsten Gedanken wert ist, in der Hoffnung dort ebenso heitere Tage zu verbringen.