Weintage der Südlichen Weinstraße – Tag 1

Um den von großen Teilen der Fachpresse hochgejubelten Jahrgang 2009 in Deutschland habe ich bisher einen großen Bogen gemacht, da mir die Weine bei bisherigen Verkostungen noch allesamt viel zu jung erschienen, um sie halbwegs gerecht beurteilen zu können. Vielleicht ist meine sensorische Wahrnehmung nicht ausgereift genug, um an all den fruchtigen Primäraromen vorbei zu kommen und etwas anderes als Gummibärchensirup mit Eisbonbonmischung zu erkennen.

Dennoch nehme ich an, daß die Fachpresse nicht ohne Grund so urteilt. Daher zog es mich in diesem Jahr zu meiner Lieblingsweinmesse nach Landau, genauer zu den Weintagen der Südlichen Weinstraße.
93 Winzer der Südlichen Weinstraße stellen hier ihre Weine vor. Darunter ist auch die komplette creme de la creme der Südpfalz, auch wenn die VDP-Winzer ihre Großen Gewächse aus 2009 natürlich noch nicht vorstellen konnten.
Am 1. Tag konnte ich schon umfangreiche Verkostungen vornehmen. Echte Ausfälle gab es wenige, doch von einem rundum großen Jahrgang mit reihenweise Spitzengewächsen kann ich auch nicht sprechen.
Umgehauen hat mich die Kollektion des Weinguts Wehrheim. Bisher hielt ich dieses immer für ein klein wenig überschätzt und eher auf Augenhöhe mit den sonstigen hervorragenden Birkweiler Winzern als im direkten Umkreis von dem primus inter pares Rebholz. In diesem Jahr stellt Wehrheim für mich die absolute Spitze dar, bei dem jeder Wein ein Treffer war.

(1) Riesling Rotstück trocken
N: kräutrig, Stein
M: kräftig, würzig, dicht, mineralisch 90 CP

(2)Riesling Buntsandstein trocken
N: fruchtig, Aprikose
M: mittlerer Körper, rund, fruchtig 87 CP

(3)Weißer Burgunder trocken Muschelkalk S
N: kräutrig
M: würzig, salzig, mineralisch 89 CP

(4)Weißer Burgunder trocken Birkweiler Mandelberg Großes Gewächs 2008
N: brutale Intensität, buttrig, exotische Frucht
M: dicht, salzig mineralisch, würzig 93 CP

(5)Rotwein Cuvée Carolus trocken 2005
N: Pfeffer, würzig, rauchig
M: dicht kräftig, würzig, viel Extrakt 91 CP

Auch Rebholz zeigte natürlich eine tolle Kollektion, aber nicht ganz auf diesem Niveau.
(1) Muskateller Kabinett trocken
N: Lychee, Muskatnote, Rose
M: dichte Frucht, Kräuter, cremig 88 CP

(2) Riesling Spätlese trocken vom Muschelkalk
N: fruchtig, steinig
M: mittelschwer, knackige Säure 90 CP

(3) Weißer Burgunder Spätlese trocken vom Muschelkalk
N: streng, würzig, blumig
M: cremig, ausgewogen, rund, kräutrig 87 CP

Bei Friedrich Becker habe ich heute nur die Rotweine verkostet, die aber sehr gut waren.

(1) Spätburgunder – B – 2008
N: Holunder, Kirsche, würzig
M: Bitterschokolade, fruchtig, leichte Säure 88 CP

(2) Spätburgunder Kalkgestein 2008
N: unleserlich
M: tiefgründig, dicht, extraktreich 89 CP

Der Spätburgunder S 2007 vom Weingut Bernhardt erreichte ein ähnliches Niveau.
N: sehr eigen, Waldbeere, vielschichtig, spontanvergoren(?)
M: fruchtig, rund, ausgewogen, mittelleichter Körper, noch nicht die ganz große Eleganz eines Pinots 89 CP

Der Spätburgunder 2007 von Bruno Leiner konnte mich auch überzeugen
N: würzig, erdig
M: fruchtig, dicht, würzig, erdig 88 CP

Beim Weingut Kranz hatte ich heute nur die Weißen probiert
(1) Riesling Kalmit Spätlese trocken 2008
N: Fruchtkorb mit u.a. Pfirsich
M: gut integrierte Säure, fein fruchtig, leichter Schmelz 87 CP

(2) Silvaner trocken
N: Milch, Aprikose, sehr eigen
M: fruchtig, leicht, frisch, leicht mineralisch 87 CP

Bei Theo Minges gefiel mir neben der charmanten Betreuung insbesondere die trockene Riesling Buntsandstein Spätlese
N: Apfel, Pfirsich
M: Mittelleicht, kräutrig, würzig, Schmelz 87 CP

Beim Weingut Immengarten Hof hatten es mir zwei Riesling Spätlesen angetan
(1) Buntsandstein trocken
N: Zitrusnoten
M: Schmelz, gut integrierte Säure 87 CP

(2) Kiessand trocken
N: sehr eigen, würzig
M: dicht, würzig, mineralisch 90 CP

Beim Standnachbarn Christian Heußler hatte ich heute nur den Muskateller probiert.
N: Lychee, Rosen
M: fruchtig, fleischig, cremig 88 CP

Vom Weingut Gies-Düppel gefielen mir besonders

(1) Riesling Rotliegendes trocken
N: Zitrus, Kräuter
M: würzig, leichte Säure, kräftig 87 CP

(2) Birkweiler Kastanienbusch Weißer Burgunder trocken
N: blumig, würzig
M: kräftig, würzig, mineralisch 89 CP

Das Weingut Siener zeigte auch zwei Klasse Weine
(1) Riesling trocken vom Buntsandstein
N: Zitrus, Stein
M: deutliche Säure, würzig, leicht 87 CP

(2) Birkweiler Kastanienbusch Riesling trocken Taschberg 2008
N: intensiv, Botrytis, steinig
M: intensive Kräuterwürze, mineralisch, vielleicht noch kein großes Kino aber mindestens ein Arthouse-Film 91 CP

Sicher ist es noch zu früh für ein Fazit, doch es fiel mir auf, daß einige Winzer zu sehr fruchtbetonten Weinen zurückgekehrt sind, was zwar ganz nette Weine ergibt, aber jetzt keine echten individuellen Highlight produziert. Die von mir vorgestellten Weine stellen entweder extrem gute Weine der fruchtigen Art oder die richtig gelungenen Ausnahmen dar.

Natürlich kann ich bei einer so großen Messe nie gerecht bewerten. Immer entgehen mir Feinheiten, die mir beim zweiten oder dritten Schluck auffallen würden, doch dies hieße die Menge der verkosteten radikal zu reduzieren und statt am Ende noch ohne Kurven zum Bahnhof zu laufen kopfvor die Treppe herunter zu fallen. Auch glaube ich, daß ich in der Menge mehr entdecken kann, als daß ich übersehe.

Ich freue mich auf jeden Fall auf Tag 2.

Chateau Anglès 2006

Der Wein trägt ein rubinrotes Kleid. Die Farbtiefe ist gut ausgeprägt. Die erste Nase ist mäßig intensiv. Sie verbreitet den Duft von Beerenfrüchten und Pfeffer. In der zweiten Nase nimmt die Intensität weiter zu. Ein leichter Touch Vanille gesellt sich zu den Beeren. Die Viskosität ist sehr gut ausgeprägt.

Der Wein besitzt einen mittelleichten Körper, ist aber von samtener Struktur, so daß er sehr gefällig durch den Mund fließt. Eine leichte Bitternote begleitet ihn die ganze Zeit. Dazu kommt eine schöne Fruchtnote.

Das ist ein sehr solider Wein, der gut zu trinken ist. Er stellt aber keine Ansprüche an den Trinker. Zur Pasta a Rabbiata.

Herkunft: Frankreich – Languedoc – Coteaux du Languedoc
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Syrah, Grenache, Mourvèdre
Erzeuger: Chateau Anglès
Ausbau: AOC
Alkohol: 13,5%

Chateau Nicot 2005

Der Wein hat eine kirschrote Farbe. Die Farbtiefe ist gut ausgeprägt und gibt einem knappen purpurroten Rand Platz. Anfangs duftet der Wein durchaus intensiv nach Sauerkirsche und Leder. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Das Bukett ist jetzt sehr fruchtig und duftet nach Brombeeren und Kirsche. Dazu kommen Vanille und etwas Pfeffer. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Am Gaumen ist der Wein relativ belanglos. Er wirkt vergleichsweise sauer. Dazu kommen leicht bittere Noten. Der Körper ist eher mittelleicht, und der Nachhall besitzt eine ordentlich bis gute Länge.

Insgesamt fehlt es dem Wein sowohl an Ausgewogenheit als auch an Ausdrucksstärke, so daß der Wein keinen besonderen Wert hat. Er läßt sich aber durchaus ordentlich trinken. Zum Rindergulasch.

Herkunft: Frankreich – Bordeaux
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Merlot
Erzeuger: Chateau Nicot
Ausbau: AOC
Alkohol: 12,5%

Chateau la font du loup 2005

Der Wein trägt ein kirschrotes Kleid. Die Farbtiefe ist ordentlich ausgeprägt und gibt einem purpurroten Rand mit lila Touch Raum. Die erste Nase ist mäßig intensiv und läßt insbesondere Himbeeraromen zu Tage kommen. In der zweiten Nase nimmt die Intensität etwas zu. Ein Hauch Minze sowie Tabaknoten lassen sich nun neben der Himbeere erahne. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Der Wein besitzt einen schönen ausgewogenen Geschmack. Die Frucht wirkt sehr frisch und kommt zur Geltung, weil sie von einem eher mittelleichten Körper nicht erschlagen wird. Eine leichte Würze sorgt für einen schönen Kontrast zu der fruchtigen Leichtigkeit.

Das ist ein einfacher, unkomplizierter Trinkwein, der dabei aber ein hohes Trinkvergnügen verbreitet. Zur Pizza Mozzarella.

Herkunft: Frankreich – Bordeaux – Cotes de Castillon
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc
Erzeuger: Chateau la font du loup
Ausbau: AOC
Alkohol: 13%

Durbacher Plauelrain Riesling SL 2004

Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Zunächst offenbart der Duft Aromen von Steinobst sowie grüne pflanzliche Noten. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Das Bukett bleibt aber insgesamt schwer zu druchdringen. Meiner Wahrnehmung nach werden die pflanzlichen Noten jetzt von einem Steinduft ergänzt.

Am Gaumen erweist sich der Wein als ein kräftiger Vertreter mit Ecken und Kanten. Er besitzt eine gute Dichte, in der sich Kräuterwürze und Saftigkeit gut einfügen. Doch was den Wein eigentlich ausmacht, ist die intensive Mineralik, die sich auch durch salzige Noten ausdrückt. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Daß dies ein Klassewein ist, steht für mich außer Frage. Weit mehr frage ich mich, ob die 6 Jahre ihm gut getan haben. Zumindest haben sie ihm wohl nicht schlecht getan. Die Tiefgründigkeit und die Mineralik geben ein deutliches Qualitätsurteil ab, daß der Wein nicht mit Altersnoten zu kämpfen hat. Im Vergleich zur letzten Verkostung scheinen mir die fruchtigen Noten noch weiter in den Hintergrund getreten zu sein. Mit seiner Mineralik weiß er diese Lücke aber gut zu füllen. Ich glaube, es kann sehr interessant werden, mit der letzten Flasche noch etwas zu warten.

Herkunft: Deutschland – Baden – Durbacher Plauelrain
Jahrgang: 2004
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Andreas Laible (sen. hinzuzufügen wird angesichts der Erfolge der Söhne immer wichtiger)
Ausbau: Spätlese trocken SL = Selektion Laible
Alkohol: 13%

Cabernet Sauvignon 2005

Der Wein hat eine tiefdunkle schwarzrote Farbe. Die Farbtiefe ist sehr gut ausgeprägt und gibt nur einem schmalen deutlich helleren braunroten Rand Platz. Der Wein riecht von Beginn an sehr intensiv nach Kirsche, Cassis und Leder. Nach dem Schwenken gesellen sich Brotrinde, Paprika und Pfeffer zu Kirsche und Leder. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Der Wein beginnt den Mundraum mit runder Kirschfrucht zu durchspülen. Dieser Eindruck wird jedoch schnell von einer Mischung aus Bitterschokolade und Minze abgelöst, die mich zwischen Schokokuchen und Zähneputzen etwas ratlos zurückläßt, bevor im Abgang die bitteren Noten in Form der etwas spitzen Tannine das Zepter in die Hand nehmen und den Nachhall über seine gute Länge hinweg prägen.

Meine Beschreibung läßt das Urteil bereits erahnen. Zu unausgewogen und zu sehr auf Kraft ausgelegt. Dennoch ist das ein guter Wein, der durch sein Bukett zu überzeugen weiß. Zum gut durchgebratenen Rinderhüftsteak in Kräutersauce.
Am zweiten Tag leider völlig ungenießbar und nur noch ein Fall für den Abguß.

Herkunft: Frankreich – (Rhone)
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Cabernet Sauvignon
Erzeuger: Domaine de la Citadelle
Ausbau: trocken, Vin de Pays de Vaucluse
Alkohol: 14%

Pegovino 2006

Der Wein trägt ein rubinrotes Kleid. Die Farbtiefe ist sehr gut ausgeprägt. Am Rand hin geht der Wein in eine lila Färbung über. Die erste Nase duftet intensiv nach Heidelbeere und Brombeere. Die zweite Nase ist etwas weniger von Frucht geprägt und bringt dafür einen Pfefferduft mit. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Im Geschmack besitzt der Wein eine sehr fruchtige Seite, die dank der großen Dichte noch intensiver wirkt. Die Dichte kommt etwas überraschend, weil der Körper des Weins eher mittelschwer ist. Geschliffene aber durchaus kräftige Tannine runden das harmonische Gesamtbild ab und begleiten den gesamten Nachhall über seine sehr gute Länge.

Manchmal gelingt es auch einem einfachen Landwein echten Genuß zu verbreiten. Wenn die Domaine Pegau einen Landwein erzeigt, kann man sich natürlich fragen, ob die Bezeichnung einfach wirklich angebracht ist. Bei so großen Weingütern blitzt das Qualitätsstreben dann eben auch im Landwein durch, der möglicherweise nur knapp außerhalb der Appelationsgrenzen liegt. Die Rebsorten dürften zumindest nicht der Grund für die Bezeichnung sein. Ein professionell zubereiteter Wein mit viel Kraft. Wenn ich individuellem Charme vermisse, komme ich dennoch nicht umhin, die Leistung der Winzer zu würdigen und empfehle den Wein dann auch zum Kaninchenrücken.

Herkunft: Frankreich – (Rhone)
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Grenache, Syrah
Erzeuger: Domaine du Pegau
Ausbau: Vin de pays d’oc
Alkohol: 13,5%

La Larme d’or Chablis 2008

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe. In der ersten Nase stecken kräutrige Aromen und etwas Limone. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität noch einmal deutlich zu. Steinige Noten und etwas Tabak kann ich jetzt erschnuppern.

Am Gaumen fällt zunächst die leicht aggressive Säure auf. Der Körper ist eher leicht. Dafür finde ich in dem Wein eine Kräuterwürze und etwas Salz.

Es sind zwei Sachen, die mir an diesem Wein nicht gefallen. Zum einen fehlt dem Wein die Harmonie, die durchaus schönen Einzelwahrnehmungen in ein Gesamtbild zu setzen. Zum anderen läßt sich in ihm nichts von einem Chardonnay erahnen. Das ist dennoch ein ordentlich bis guter Wein. Für den Geschmackstest eines Supermarktweins keine schlechte Sache, aber mit 6,99€ habe ich mich sicherlich auch schon in die obere Supermarktpreisklasse begeben.

Herkunft: Frankreich – Burgund – Chablis
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Chardonnay
Erzeuger: Jean Louis Quinson
Ausbau:  AOC
Alkohol: 12%

Weinrallye #33 Weine aus Aromarebsorten

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Vinissimus gab das Thema zur 33. Weinrallye vor – aromatische Weine. Welche dies sein könnten, schlug er gleich in der Ankündigung vor.

Bei einer Auswahl zwischen Scheurebe, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Muskateller werden manche wohl abwinken und ein Bier ordern. Ich sehe das ganz anders. Gerade für Neulinge, die erst beginnen, die weite Weinwelt zu erforschen, bieten diese Weine erste Erfolgserlebnisse. Ihr intensives Bukett ermöglicht eine einprägsame Weinerfahrung und man lernt schnell, solche Weine zu identifizieren.

Doch es ist nicht allein die Freude, einen guten Bekannten wieder zu treffen, die den Reiz dieser Weine ausmacht. Bei diesen Rebsorten wird die Nase wirklich mit der Wahrnehmung sensationeller Aromen belohnt, denen sich häufig genug auch ein schöner Geschmack anschließt.

Daher war es für mich eher die Qual der Wahl, die schönste zu identifizieren. Wer meine bisherigen Verkostungen durchliest wird wenig verwundert sein, daß meine Wahl auf den Muskateller fiel. Neben der beeindruckenden Intensität der Aromen ist es bei dieser Rebsorte das Gefühl, einen traubigen Wein zu trinken. Gefällt mir sonst die Vielfalt in der Weinwelt und die Vielschichtigkeit an Weinen, ist es beim Muskateller genau das Gegenteil. Ich habe das Gefühl zurück geführt zu werden und einen puren Wein zu trinken. Daher möchte ich die Rebsorte Muskateller wirklich nicht missen. Auch wenn ich 99 von 100 mal einen Riesling dem Muskateller vorziehe, würde ich im Zweifelsfall wenn ich nur noch Weine einer Rebsorte trinken dürfte mich gegen Riesling und für Muskateller entscheiden. Auch wenn mir damit manches Große Gewächs entgehen würde, hätte ich zumindest immer das Gefühl einen Wein aus Trauben zu trinken.

Zur Verkostung kamen daher heute zwei Muskateller
(1)
Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Muskateller (hatte ich das nicht schon angekündigt)
Erzeuger: Bergdolt Reif & Nett
Ausbau: trocken
Alkohol: 11,5%

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe. Zunächst duftet er sehr intensiv nach Rosen und Lychee. Man könnte ihn also durchaus noch mit einem Gewürztraminer verwechseln. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Neben Traubenzucker kommt auch eine Muskatnote im jetzt unverwechselbaren Bukett vor.

Der Wein ist sehr fruchtig. Der relativ leichte Körper sorgt ebenso wie die Säure dafür, daß die lockere Art eines Muskatellers gut heraus kommt. Ebenso bringt eine Muskatnote im mittellangen Nachhall viel Typizität hervor.

Ein sehr gefälliger Wein, aber ein eher einfacher Wein, was mir aber am Muskateller ja besonders gefällt.

(2)
Herkunft: Österreich – Südsteiermark
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Gelber Muskateller (also nichts anderes als bei 1)
Erzeuger: Walter Skoff
Ausbau: trocken
Alkohol: 12%

Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Die erste Nase ist noch eher dezent mit grasigen Aromen. Die zweite Nase zeigt ein deutlich intensiveres Bukett. Eine leichte Rosennote sowie Pfirsicharomen und steinige Anklänge bestimmen jetzt das Aromenspiel.

Am Gaumen zeigt sich der Wein sehr fruchtig und von einer saftigen Konsisten. Ein Geschmack nach Trauben wird von würzigen Noten und einer leichten Muskatnote begleitet. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Häufig ist bei Muskatellern ja ein Bruch zwischen betörendem Bukett und sehr eigenwilligem Geschmack festzustellen. Hier topt der Geschmack den Geruch. Ein ganz feiner Wein, den ich mir gut zum gegrillten Fisch vorstellen kann.

Drum prüfe wer sie ewig bindet

Wird die Suche nach dem fehlenden Wort
erst einmal zum Ausdauersport
passiert es schnell daß man sich verwählt
weil nur noch das Ankommen zählt

Ist die Inspiration erst einmal fort
werden Worte zwangsvermählt
denn es gibt kein Gefühl mehr an diesem Ort
und es ist egal wie sehr der Reim sich quält

Kann man sich in der Ehe nicht leiden
läßt man sich einfach wieder scheiden
doch ein schlechter Reim läßt sich nicht teilen

Es hilft auch nichts ihn modisch aufzustylen
Die Wörter müssen weiter leiden
Man kann sie nicht mehr heilen