Spargelwein

Am heutigen Freitag bot das EuroWeinkantor eine Weinprobe zum Thema Spargelwein an. Die 29 angebotenen Weine habe ich zwar nicht alle verkostet, aber doch eine ganz ordentliche Auswahl. Zugegebenermaßen habe ich mir nicht überlegt, ob der Wein zu Spargel paßt. Eine Diskussion hierzu gab, daß es eine nicht unbedingt bekannte aber doch sehr reizvolle Kombination sein kann, Süßweine mit Spargel zu verbinden. Der Süßwein einen schönen Kontrastpunkt zum manchmal bitteren Spargel und einer fetteren Bearnaisesauce sein.

Besonders aufgefallen sind mir folgende Weine:
(1) Herkunft: Franken, Jahrgang: 2007, Rebsorte: Müller Thurgau, Erzeuger: Rudolf Fürst, Ausbau: QbA trocken
Nase: sehr intensiv, blumig, Muskat, Birne
Mund: ordentlicher Körper, leichte Säure, Schmelz
wahrscheinlich der beste Müller-Thurgau, den ich je getrunken habe. Erstaunlich, daß der Wein schon 3 Jahre auf dem Buckel hat. Blind hätte ich erwartet, daß er frisch aus dem Stahltank kommt 86 CP

(2) H: Mosel, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, Ausbau: QbA trocken
N: Feuerstein, würzig
M: ordentlicher Körper, würzig, leichte Mineralik im langen Nachhall
Ein Wein, der Geduld verdient, und langsam kommt 85 CP

(3) H: Rheinhessen, J: 2008, R: Riesling, E: Dr. Köhler, A: QbA trocken
N: verschlossen, würzig
M: relativ dicht, würzig, cremig, mineralisch
Ein Wein mit Potential, dem ich mit etwas längerer Offenzeit noch mehr zutraue 84 CP

(4) H: Rhone, J: 2009, R: Roussane/Grenache Blanc/Viognier, E: L’Ermitage, A: trocken Bezeichnung: Chateau L’Ermitage Tradition
N: sehr intensiv, blumig, fruchtig
M: feine Würze, leichter Körper, etwas Säure
durchaus vielschichtig und hoch interessant 85 CP

(5) H: Loire – Vouvray, J: 2008, R: Chenin Blanc, E: Domaine Bourillon Dorleans, A: AOC, B: Vielles Vignes
N: verspielt, Wachs, leichte Frucht
M: sehr dicht, viel Extrakt, sehr ausgewogen, feine Frucht
Das ist schon ein sehr schöner Wein mit guter Klasse 89 CP

(6) H: Mosel – Brauneberg, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, A: Kabinett trocken
N: Graipefruit, nasse Steine, Botrytis
M: schönes Frucht-Säure-Spiel, eher leichter Körper
grundsolider Riesling 86 CP

(7) H: Mosel – Brauneberger Juffer, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, A: QbA trocken
N: würzig, steinig
M: kräftig, mittelschwerer Körper, mineralisch würzig
sher schöner gut komponierter Riesling 89 CP

(8) H: Mosel – Trittenheimer Apotheke, J: 2008, R: Riesling, E: Ansgar Clüsserath, A: Kabinett
N: Aprikose
M: dicht, mittelschwerer Körper, Botrytis, fruchtig 85 CP

aus der U-Bahn

arbeitest selten verbissen
fühlst dich hin und her gerissen
Noch während Ideen ineinander fließen
tut schon die nächste aus dem Boden sprießen
Keine kann sich festsetzen
da sie sich zu sehr hetzen

Kein Plan kann fertig ausreifen
weil Gedanken schnell abschweifen
Teamwork wird zur Tugend
da der Geist der Jugend
sich schnell wieder abwendet
und nichts allein vollendet

In der U-Bahn

müssen uns permanent beschäftigen
geben Geist keine Chance zu kräftigen
müssen uns permanent unterhalten
nicht gewillt abzuschalten
müssen uns permanent ablenken
wollen nicht Aufmerksamkeit verschenken

verschlucken Verben und Konjunktionen
die Stimme zu schonen
sehen keine stehende Alte
wechseln mechanisch an Halte
hören keine Durchsagen
bleiben zu lange im Wagen

Norheimer Kirschheck Riesling 2001

Der Wein ist schon eine Stufe dunkler als goldgelb. Die erste Nase ist bereits durchaus intensiv. Neben Karamell rieche ich Kräuter und Steinobst. In der zweiten Nase nimmt die Intensität weiter zu. Botrytis, Pfirsich und Karamell bestimmen jetzt das Bukett.

Der Wein besitzt eine sehr gute Dichte. Auch am Gaumen verfügt er über eine schöne Mischung aus Pfirsich und Botrytis. Er ist keineswegs klebrig; stattdessen nimmt ihm eine leichte Säure die epische Schwere. Dazu zeigt sich eine ganz leichte Mineralik. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Der Wein läßt mich zwar nicht ausflippen, verursacht aber doch ein sehr schönes Genußerlebnis, zumal dies genau meine Art Wein ist. Als Kontratpunkt zu Pasta in Gorgonzolasauce.

Herkunft: Deutschland – Nahe – Norheimer Kirschheck
Jahrgang: 2001
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Mathern
Ausbau: Auslese edelsüß
Alkohol: 8,5%

V wie Veneto

Das Veneto, bekannt und berüchtigt für Supermarktklassiker wie Bardolino und Soave, ist eine vielschichtige Weinregion, die mit dem Amarone de Valpolicella auch einen der italienischen Nobelweine beherbergt. Ein örtlicher Weinladen stellte in einer Aktion Weine aus dem Veneto vor, so daß sich mir die Gelegenheit bot, eine kleine Verkostung mit Freunden zu organisieren, um die Region etwas kennen zu lernen und dabei auch die Vielfalt zu berücksichtigen.

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Los ging es mit einem Soave.

(1) Soave Classico 2008 Il Nicolaio, Rebsorte: Garganega, Erzeuger: Roncolato, Alk.: 13,5%
A: strohgelb mit grünem Einschlag
N: buttrig, blumig, Apfel
M: cremig, recht dicht, wenig Säure, leicht bitter
mein persönlicher Favorit 86 CP

Es folgte der nächste Supermarktklassiker.

(2) Bardolino Classico 09, Rebsorte: Corvina, Rondinella; Erzeuger: Costadoro; Alk.: 12,0%
A: kirschrot
N: recht dezent, Bitterschokolade, würzig Badeschaum
M: relativ leicht, deutliche Gerbsäure, Himbeere, leichter Körper und Gerbsäure wirken widersprüchlich
unspektakulär, könnte man auch im Supermarkt finden 81 CP

Wir steigerten uns zu einem Lagen-Bardolino.

(3) Bardolino Classico 08 Broi; Rebsorte: Corvina. Rondinella; Erzeuger: Costadora; Alk.: 13,0%
A: kirschrot
N: Käse, Eukalyptus, würzig
M: sehr fruchtig, sehr kräftig, Eukalyptus, saftig
Sieger der Herzen; romantischer Wein wurde gesagt 84 CP

Es folgten zwei Weine aus Venetiens Osten und der internationalen Rebsorte Merlot.

(4) Piave 2008; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Tonon; Alk.: 12,5%
A: rubinrot
N: Marzipan, Kräuter, Malz
M: wirkt überaltert, Marzipan, rauchig
Verlierer des Abends 76 CP

(5) Lison Pramagiorre 07 Campo Camino; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Bosco del Merlo; Alk.: 13,0%
A: rubinrot
N: Sauerkirsche, Tinte, würzig
M: elegant, glatt, samtene Tannine aber kräftig, Bitterschokolade, schöner Körper der nichts transportiert
Ich fand den Wein gut gemacht aber ohne Inhalt oder Charme 85 CP
Aus der Runde wurde er als schwierig, kompliziert und Neurotiker bezeichnet

Zurück ging es zu einem Pizzeria-Klassiker dem Valpolicella.

(6) Valpolicella classico 2009; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara; Erzeuger: Crosarola; Alk.: 12,5%
A: dunkles rubinrot
N: Heidelbeere, Tabak
M: relativ leicht, mäßige Gerbsäure
Auch das war ein Wein, der auch dem Supermarkt hätte stammen können 82 CP
Die Runde nannte ihn zurückhaltend und sympathisch

Ein Ripasso, wie wir ihn als nächstes probieren, ist in Deutschland nicht gar so oft anzutreffen.

(7) Valpolicella Classico Superiore 2008 I Progni Ripasso; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara, Sangiovese; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 14%
A: kirsch-rubinrot
N: Kirsche, Pistazie, würzig, Eukalyptus
M: recht bitter, kräftige Tannine, Kirsche, Schokolade, langer Nachhall
nichts Besonderes 83 CP
Die Runde nannte ihn selbstsicher und sprach von einem in sich ruhenden Typen

Wir beendeten die Runde edel mit einem Amarone.

(8) Amarone della Valpolicella Classico 2005 Arano; Rebsorte: Corvina, Rondinella, CabS, Sangiovese, Croatina; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 15,4%
A: schwarzrot
N: Richtung Klebstoff (verschwindet rasch); Malz, erdig, Paprika
M: dicht, kräftig, erdig, süßlich wirkend, sehr gute Länge, Bitterschokolade
Eindeutig der vielschichtigste Wein aber immer noch nichts Besonderes 88CP
Die Gruppe sprach von einem trägen, grobschlächtigen, häuslichen Landgutsbesitzer

Da nur der Soave an dem Abend geleert wurde, konnte ich die Weine mit teils überraschenden Ergebnissen in den Folgetagen weiterverkosten. Dazu bald mehr…

Weinrallye #32: Pinot Noir – Spätburgunder

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Für die 32. Weinrallye hat Iris vom Weingut Lisson das Thema Pinot Noir ausgerufen, worüber ich gerne schreibe.

Pinot und ich – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Als ich mit dem Weintrinken begann, war ich von Beginn weg an der Vielfalt des Weins interessiert. Sowohl trockenen als auch süßen oder aromatischen Weißen gelang es, sich bei mir einzuschmeicheln.

Beim Rotwein waren es dagegen ausschließlich die schweren kraftvollen Tropfen aus Bordeaux, Südfrankreich oder der neuen Welt.

Wenn es hie und da gelang, einen Burgunder zu Einsteigerpreisen zu bekommen, erwiesen sich die Weine meist als langweilige, eindimensionale und viel zu leichte Weine. Ich schlug das Buch Pinot also immer auf den falschen Seiten auf und ließ es daher meist geschlossen. Dies wurde auch dadurch begünstigt, daß der deutsche Pinot wahrlich kein toller Wein war.

Das Umdenken begann 2008 auf einem großen Treffen des Weinforums von Wein+. Hier hatte ich die Chance einige der Großen Gewächse der Ahr zu trinken und landete auf den richtigen Seiten des Buchs. Pinot sprach zu mir und erzählte mir wunderschöne Geschichten voller Komplexität und Eleganz. Ich entdeckte, daß sein leichter Körper eine ideale Gestalt bot, um diese Geschichten zu transportieren.

Als Wermutstropfen blieb der Preis, denn 60€ für solche Weine zu zahlen, ist für mich dann doch ein Zeichen von Dekadenz, der ich mich nur ungern schuldig mache.

Gleichwohl war ich nicht mehr in der Lage, Pinot seine Qualität abzusprechen, und ich war auch überzeugt davon, daß Pinot eine Rebsorte ist, die unvergleichbare Weine in einer ganz eigenen Gewichtsklasse hervorbringt.

So begann ich mich doch etwas näher mit Pinot zu beschäftigen. Auch abseits der absoluten Spitzenklasse ließen sich hier Weine finden, die etwas von der Eleganz und Komplexität des Pinots verrieten. Und es ließen sich auch in Deutschland Weine im Einstiegspreissegment finden, die mir als einfache aber zugleich herrliche Trinkweine klarmachten, was für unterschiedliche Weine Pinot hervorbringen kann.

Mittlerweile trinke ich sehr gerne Pinot, bin mir aber nach wie vor nicht sicher, ob Pinot nicht ein Wein für erfahrene Weintrinker ist, die seine Eigenschaften zu würdigen wissen. Vielleicht kann man sich auch nur dann in Pinot auf den ersten Blick verlieben, wenn man ein Anhänger von Statussymbolen ist.

Folgender Wein taugt sicher nichts als Statussymbol, war aber auch schon nicht beim Discounter zu bekommen.

Herkunft: Frankreich – Burgund – Rully
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Pinot Noir, was sonst?
Erzeuger: Jaffelin
Ausbau: AOC
Alkohol: 13%

Der Wein trägt ein purpurrotes Kleid. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt und läßt einem breiten granatroten Rand Platz. In der ersten Nase ist der Wein sehr verhalten und weckt allenfalls Erinnerungen an Kräuter. In der zweiten Nase steigert sich die Intensität deutlich. Brombeere, Hagebutte und Nelken bestimmen das Bukett. Ich meine auch etwas Lavendel zu erahnen. Die Viskosität ist mäßig ausgeprägt.

Auch am Gaumen findet sich die Brombeere wieder. Sie fügt sich in einen fleischigen, eher schweren Körper ein. Der Wein hat relativ starke Tannine und einen leicht würzigen Geschmack. Der Nachhall besitzt eine gute Länge mit erdigen Noten.

Die Eleganz, die ich dem Pinot zuvor zugeschrieben habe, finde ich in diesem Pinot leider nicht. Dennoch ein guter und durchaus vielschichtiger Wein. Zur gebratenen Entenbrust.

Weinliteratur

Das Schreiben übers Trinken
füllt viele dicke Schinken
Was gibt es alles da zu sagen
Antworten auf nie gestellte Fragen

Wann darf ein Wein wertvoll stinken
Welcher Wein an welchen Tagen
Die Schreiber tun den Leser linken
und das will ich beklagen

Nehmt die Schreiber in Sippenhaft
Wein ist keine Wissenschaft
Wolken tun die Reben gießen

Diese tun selbständig sprießen
und produzieren einen edlen Saft
Den gilt es zu genießen

Weinproben

Die eigne Anwesenheit bei Proben
dient nicht dazu den Wein zu loben
Da mag der Grand Cru noch so gut schmecken
Man sitzt hier aus wissenschaftlichen Zwecken
Zunächst ist es Pflicht ihn zu untersuchen
und über zu starke Barriquenoten zu fluchen
Hab ich den Wein einmal nicht ausgespuckt
hab ich mich ganz sicher nur verschluckt
Natürlich muß man mich nicht zweimal bitten
den Rest im Glas in den Eimer zu schütten
Wie gern würd ich den Wein wohl genießen
wenn mich nur die Konventionen ließen

Bopparder Hamm Mandelstein Riesling 2003

Der Wein hat eine goldgelbe Farbe. An seiner Oberfläche zeigen sich einige kleine und großePerlen. Anfangs duftet der Wein ziemlich intensiv, wobei eine Firne deutlich überwiegt. Daneben steckt etwas Aprikose im Bukett. Nach dem Schwenken geht die Firne zurück, so daß der Wein jetzt nach Aprikosen und Äpfeln duftet.

Auch am Gaumen kann der Wein sein Alter nicht verbergen. Es erinnert beinahe schon an eine leichte Oxidation, was da im herben Abgang mitschwingt. Der 2. Schluck wirkt dann doch sympathischer. Die Süße fügt sich in reife Frucht ein. Die Altersnoten erinnern jetzt eher an würzige Karamellnoten.

Nach etwas Zögern komme ich dann doch dazu, den Wein als sehr gut zu bezeichnen, auch wenn ich ihn schon in deutlich besserer Verfassung erlebt habe. Auch der Kunststoffkorken regt zu einem baldigen Verzehr an. Zum Aprikosenkuchen.

Herkunft: Deutschland – Mittelrhein – Bopparder Hamm Mandelstein
Jahrgang: 2003
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: August Perll
Ausbau: Spätlese restsüß
Alkohol: 9,5%

Nahe Riesling Classic 2008

Häufig wird ja von den Urlaubsweinen berichtet, die daheim längst nicht so gut geschmeckt haben wie vor Ort. Ich mache die Probe aufs Exempel.

Der Wein ist glanzhell mit grünem Einschlag. Die erste Nase ist durchaus intensiv mit blumigen Noten. In der zweiten Nase kommen Zitrusaromen und etwas Muskat vor.

Die Säure ist gut in den Wein eingebunden, was ihn frisch aber eben nicht sauer erscheinen läßt. Neben dem Apfelgeschmack kommt eine deutliche Muskatnote vor. Der Nachhall besitzt eine mäßige Länge

Ein einfacher, rustikaler Wein, den man gut zur Vesper trinken kann. Nichts Großes, und leider sehe ich ihn auch deutlich schwächer als vor Ort (hier nur 80CP für Zahlenfetischisten). Der positive Befund kann jedoch keineswegs als Beweis für die Richtigkeit der eingangs wiedergegebenen Behauptung gelten, sondern nur als positive Stichprobe. Gleichwohl will ich gar nicht leugnen, daß einem mancher Wein in einer angenehmen, unbeschwerten Atmosphäre besser gefällt als im Alltag.

Herkunft: Deutschland – Nahe
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Mathern
Ausbau: Classic trocken
Alkohol: 11,5%