Entschuldigung 2. Teil

In den letzten Wochen bin ich leider nicht so zum Fabulieren gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Sparsamkeit meiner Worte wird in diesem Beitrag erneut einem Geiz ähneln, auch wenn die Weine, die ich im Kölner Vintage verkostete, Gedanken an Geiz schnell verschwinden lassen.

„Les Demoiselles“ Frankreich – Loire – Pouilly Fumé, 2007, mutmaßlich Sauvignon Blanc, Henri Bourgeois
Nase: Apfel, Melone, Feuerstein
Mund: gute Säurestruktur, spritzig, würzig, insgesamt ein sehr schöner Tropfen

Deutschland – Pfalz – Forster Pechstein, 2007, Riesling Großes Gewächs, Bassermann-Jordan
Nase: Reineclauden, Limetten, Tabak
Mund: schöne Dichte, angenehme Frucht und Würze; grandioser Nachhall, der die Lippen erbeben läßt ohne mit Kraft auf sie einzuwirken
Zum Meditieren oder zum Niederknien – je nach spiritueller Ausrichtung. Gläubig wird man bei so einem Wein auf jeden Fall.

Baccanera 2002

Der Wein trägt ein kirschrotes Kleid. Die Farbtiefe ist mäßig und gibt einem Purpurrot viel Platz, dessen äußerster Rand ins Orangerot übergeht. In der ersten Nase begegnen mir fruchtige Aromen, Brombeere und Cassis. Dzu kommen Noten von Vanille und Kaffee. Die Intensität ist mäßig. Sie nimmt in der zweiten Nase zu, wenn Leder und Scokoladenaromen mit der Cassisfrucht auftreten. Die Viskosität ist sehr gut ausgeprägt.

Bei dem Schluck muß ich unweigerlich an den Artikel zur letzten Flasche denken, der unlängst in wein.pur erschienen ist, denn dies ist die letzte Flasche, die ich von diesem Wein hatte. Noten von Bitterschokolade und Cassis sind es auch im Mund, die das Geschmacksbild bestimmen. Bemerkenswert ist der sehr dichte Körper des Weins. Dies gepaart mit dem runden Fließen sorgt für eine hervorragende Harmonie. Im Abgang zeigen sich die stark abgeschliffenen Tannine als immer noch kräftig, aber keineswegs ruppig.

Das ist jetzt schon ein sehr schöner Wein mit einer hohen Präsenz. Die Kraft, die er noch immer besitzt läßt ihn als einen sehr männlichen Wein erscheinen. Also ein Lammfilet in Thymianjus bitte!

Herkunft: Italien – Piemont – Langhe
Jahrgang: 2002
Rebsorte: Nebbiolo
Erzeuger: lo Zoccolaio
Ausbau: DOC
Alkohol: 13,5%

Rheinhessen Silvaner 2008

Der Wein hat einen glanzhellen, ja farblos wirkenden Ton. Anfangs duftet er ordentlich intensiv nach Hefenoten und Zitrusaromen. Nach dem Schwenken ist die Intensität ähnlich stark. Statt Hefe rieche ich jetzt Pfeffer und pflanzliche Aromen. Die Zitrusaromen sind weiter im Spiel.

Ein recht saftiger Wein fließt mir da durch den Mund. Ich nehme Apfel als fruchtige Komponente wahr, ebenso wie eine leichte Säure, etwas Pfeffer und eine nicht zu starke Würze. Der Nachhall besitzt eine gute Länge, setzt jedoch erst mit Verzögerung ein.

Das ist ein angenehmer unaufdringlicher Wein. Er ist nicht großspurig, aber auch nicht auffällig. Ein schöner Trinkwein, dafür aber mit 7,40€ fast zu teuer. Als Begrüßungsdrink zu Antipasti.

Herkunft: Deutschland – Rheinhessen
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Grüner Silvaner
Erzeuger: Keller
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: wird nachgereicht

Lamothe Bergeron 2003

Der Wein trägt ein rubinrotes Kleid. Die Farbtiefe ist gut ausgeprägt. Am Rand zeigt sich ein Kirschrot bis Purpurrot.  Die erste Nase ist von einer ordentlichen Intensität mit einer klaren Cassisnote. Auch die zweite Nase bleibt vorwiegend fruchtbetont. Die Intensität steigt weiter an und nimmt jetzt auch Kirsche in das Aromenspektrum mit auf. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Der Wein weiß durch seine Harmonie und seinen runden Körper sowie eine gute Dichte zu überzeugen. Eine lebendige Frucht ist eine der gut integrierten Komponenten. Dazu kommen schöne Kräuternoten und eine leichte Schokoladennuance. Die Tannine sind kräftig aber zugleich auch sanft. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Das ist ein echter Sonntagswein, der zu einem Hasenrücken paßt. Daß dies heute der erste Bordeuax in einer Verkostungsnotiz ist für mich schon etwas überraschend. Aber, sei es drum. Es macht mir nur deutlich, daß ich relativ konsequent den preislichen Hype der Spitzenweine als Zeichen zum Ignorieren von Bordeaux beachtet habe und dabei vielleicht zu Unrecht auch die kleineren Bordeaux miteinbezogen habe, bei denen man aber wie in jeder anderen Region auch Glück braucht. Den Lamothe Bergeron habe ich in der Vergangenheit als sehr zuverlässigen Wein kennengelernt, was er auch diesmal wieder bestätigt. Ein herrlicher Wein, um sich auf die richtig großen Bordeaux einzustimmen. Das hier ist schon sehr schön, aber doch eher exzellente Fernsehqualität, als ein grandioser Kinofilm. 15,50€ wirken noch angemessen, wenn man ein begeisterter Weintrinker ist.

Herkunft: Frankreich – Bordeaux – Haut-Medoc
Jahrgang: 2003
Rebsorte: vermutlich eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc
Erzeuger: Lamothe Bergeron
Ausbau: Cru Bourgeois AOC trocken
Alkohol: 13%

Edition Pinard de Picard Silvaner 2008

Der Wein ist glanzhell. Viele kleine und große Perlen zeigen sich an seiner Oberfläche. Die erste Nase besitzt einen intensiven pflanzlichen Duft mit Anklängen an Küchengemüse. Auch diese zweite Nase verfügt über die Intensität und den pflanzlichen Gesamteindruck mit Rosendüften und Eisbonbonnoten.

Der Wein präsentiert sich enorm würzig und saftig. Dazu kommt eine knackige Säure und erfrischende Gärkohlensäure. Im Abgang wirkt der Wein leichter, als er sich zuvor am Gaumen gezeigt hat. Der Nachhall besitzt eine mäßige Länge.

Der Wein besitzt sehr gute Anlagen, einen tollen Geruch, kann im Geschmack aber keine Richtung aufzeigen, in die er gehen will und wirkt hier etwas orientierungslos. Dennoch ein schöner Wein. Zum Linseneintopf.

Wallufer Walkenberg Spätburgunder 2006

Der Wein ist sehr hell mit einer granatroten Farbe. Die schwache Farbtiefe läßt den Wein noch heller wirken mit einem orangeroten fast wässrigem Rand. In der ersten Nase ist der Wein mehr als verhalten. Ich kann allenfalls erahnen, daß dieser schüchterne Genosse nach Lakritz und fruchtigen Aromen duften könnte. In der zweiten Nase nimmt die Intensität nur leicht zu. Neben Kirsche scheint er insbesondere pflanzliche Aromen zu besitzen. Die Viskosität ist mäßig ausgeprägt.

Der Wein präsentiert sich wie ausgewechselt. Hatte ich vor einer Woche bei einer Weinprobe einen durchaus vielschichtigen und sehr gelungenen Wein im Glas, so erscheint mir dieser jetzt eher eintönig und wenig ansprechend. Erst der mineralische Nachhall, begleitet von Schokoladenoten mag mich etwas milder zu stimmern, dennoch bleibt der Verdacht einer fehlerhaften Flasche bestehen. Der zweite Schluck weiß mich vollends zu besänftigen. Hier geht den oben geschildertem schönen Finish ein Wein mit mittelschwerem Körper voraus, der mit einem gelungenen Zusammenspiel aus Frucht und leichter Säure ein gutes Vorspiel für den Nachhall liefert und außerdem sehr seidig harmonisch durch den Mund gleitet.

Da sich der Geruch im Laufe des Abends nicht gesteigert hat, nur ein guter Wein, den man beispielsweise gegen ein Pilzrahmgericht stellen kann.

Herkunft: Deutschland – Rheingau – Wallufer Walkenberg
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Toni Jost – Hahnenhof
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13,5%

Rheinhessen Riesling Edition Pinard de Picard 2008

Der Wein besitz eine glanzhelle Farbe mit gelbem Einschlag und ein paar feinen Perlen an seiner Oberfläche. Zunächst besitzt der Wein eine gute Intensität und duftet nach pflanzlichen Aromen und Kräutern. Auch nach dem Schwenken bleibt der Duft sehr intensiv mit Tabaknoten.

Im Mund ist der Wein sehr würzig und leicht mineralisch. Er besitzt eine gute Länge, in der die mineralischen Anklänge sehr feine Musik produzieren. In der Konsistenz ist Wein mit einem mittelschweren Körper ausgestattet, wartet zugleich aber mit Saftigkeit und gut integrierter Säure auf.

Zu einem gegrillten Lachs in Meerettichsahnesauce. Das ist nicht allzu weit von der Spitze entfernt und weiß schon sich als etwas Außergewöhnliches darzustellen. Ein Wein, mit dem man nichts falsch machen kann.

Herkunft: Deutschland – Rheinhessen
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Battenfeld-Spanier
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12%

Rhodter Rosengarten Muskateller 2007

KeinAlkoholIstAuchKeineLoesung.de wird 100!

Selbstverständlich bin ich mir der Tragweite bewußt. Es ist nur natürlich und dem Ziel der Website gerecht, daß der 100. Beitrag auf Ihr eine Weinverkostung ist. Also immer her mit dem Stoff. Ja schließt ihn mir an die Vene an… Ahhhh. Kann ich noch einmal kurz daran riechen? Ohhhh…. Ist das ein Muskateller? Alles zurück auf Anfang. Wir nehmen doch den Weg zurück in die Zivilisation.

Im Glas begegnet mir ein glanzheller Wein mit einem leicht grünlichen Einschlag. Es zeigen sich eingige leichte Perlen an seiner Oberfläche. Die erste Nase duftet relativ intensiv mit deutlichen Rosenaromen. Die zweite Nase ist noch intensiver mit einem klaren Rosenduft. der von einer leichten Muskatnote begleitet wird.

Das ist ein sehr schöner Tropfen. Ein mittelschwerer Körper gleitet cremig durch den Mund. Neben einer spürbaren, gut integrierten Säure ist auch eine leichte Muskatnote vernehmbar. Der Nachhall besitzt eine mäßige Länge.

Auf eine einsame Insel würde ich ja Muskatellerrebstöcke mitnehmen, weil aus dieser Traube ein Wein gewonnen wird, der einfach nach Trauben schmeckt. Wein pur sozusagen. Eine andere noch schönere Hymne lieferte Béla Hamvas in seiner wunderbaren Philosophie des Weins. „Der Gastgeber führt gerade entscheidende Besprechungen mit dem Rat der Alten, den drei betagtesten und erfahrensten Trinkern. Die Sache ist nicht einfach. Mit welchem Wein sollen sie beginnen? Mit dem dünnsten säuerlichen Heurigen, das ist der Normalfall. Ein alter Brauch von dem kaum abgewichen werden kann. Der vorjährige Muskateller sei bestens gelungen, meint der eine Alte. Der steige zu Kopf, sagt der andere. Die Frauen verlören zu schnell den Verstand, ist die Ansicht des Gastgebers. Das kann nie früh genug passieren, wendet der weisete ein. Sie gehen in den Keller und ziehen Muskateller…“ Von daher erübrigen sich weitere Gebrauchshinweise meinerseits für diesen Wein wohl.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Rosengarten
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Muskateller
Erzeuger: Christian Heußler
Ausbau: Qba trocken
Alkohol: 11,5%

il vino dal tralcetto 2007

Der Wein trägt ein kirschrote Farbe. Die Farbtiefe ist gut ausgeprägt und geht in einen purpurroten Rand über. Die erste Nase ist bereits ziemlich intensiv mit fruchtigen Aromen, Veilchen und Vanille. Die zweite Nase ist noch ein Stück intensiver. Neben Brombeere finde ich jetzt zusätzlich auch Pfeffer. Die Viskosität ist gut ausgeprägt.

Am Gaumen ist der Wein zunächst fruchtig. Dabei besitzt er eine gute Dichte. Auch Noten von Bitterschokolade und würzige Noten spielen auf der Zunge mit.

Ein schöner durchaus komplexer Wein. Jetzt noch nichts ganz Großes, aber durchaus etwas, womit man sich den ganzen Abend beschäftigen kann. Zu einem Hackbraten.

Herkunft: Italien – Abruzzen – Montepulciano d’Abruzzo
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Montepulciano
Erzeuger: Ciccio Zaccagnini
Ausbau: DOC trocken
Alkohol: 12,5%

Königschaffhausener Vulkanfelsen Spätburgunder 2007

Der Wein trägt ein ziegelrotes Kleid. Die mäßige Farbtiefe unterstützt den Eindruck eines sehr hellen Weins. In der ersten Nase rieche ich Bitterschokolade, Kräuter und einen Hauch Waldbeere. Die zweite Nase vermittelt keinen wesentlich anderen Eindruck. Die Frucht wirkt jetzt etwas präsenter. Dafür ist die Schokoladennote weiger stark vorhanden. Die Viskosität ist ordentlich ausgeprägt.

Auf der Zunge präsentiert sich der Wein sehr fruchtig mit einer deutlich vernehmbaren Säure. Er wirkt sehr saftig. Dies fügt sich sehr rund und harmonisch in einen eher leichten Körper ein. Eine leichte Würze und etwas Kohlensäure ergänzen die zuvor genannten Komponenten und sorgen für einen angenehmen Nachhall, der eine ordentliche Länge besitzt.

Elegant wäre wohl zu viel gesagt. Aber gut gekleidet ohne modischen Faux-pas ist dieser Wein auf alle Fälle. Die lässige Art mit der dieser Pinot den Mundraum erobert, gefällt mir sehr gut. Ein sehr guter Basis Pinot Noir, den ich zu gebratenem Zander mit Pfeffersauce  probieren werde.

Herkunft: Deutschland – Baden – Königschaffhausener Vulkanfelsen
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Winzergenossenschaft Königschaffhausen
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13%