Rhodter Rosengarten Muskateller 2006

Der Wein ist glanzhell bis strohgelb. Es zeigen sich ein paar kleine Perlen an seiner Oberfläche. Die erste Nase ist bereits sehr intensiv mit einem Duft aus Rosen und Lychee. Die zweite Nase ist noch etwas intensiver mit Limettentouch.

Auch wenn der Wein die Nase sehr schmeichelt, so kann er dies am Gaumen nicht durchhalten. Er ist zwar nicht schlecht, doch Säure, Bitternis und Frucht stehen nebeneinander anstatt zusammen zu kommen.  Der Nachhall besitzt eine ordentliche Länge.

Das ist nett, aber nur aufgrund des schönen Buketts etwas Besonderes . Zu einen gebratenen Romanesco mit Speckwürfeln.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Rhodter Rosengarten
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Muskateller
Erzeuger: Christian Heußler
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12%

Winninger Röttgen Riesling 2006

Der Wein hat eine zitronengelbe Farbe. Zunächst duftet er stark nach Graipefruit. Nach dem Schwenken erweitert sich das Bukett zu einem wahren Fruchtkorb aus Graipefruit, Orange und Apfel. Der Duft wirkt dabei sehr rein und pur.

Auch am Gaumen erweist sich der Wein als sehr stark von Graipefruit geprägt. Diese intensive Frucht paßt sich gut in den kräftigen Wein ein und geht ein schönes Zusammenspiel mit der Würze ein. Der Nachhall besitzt eine ordentliche Länge.

Mein erster Eindruck war, daß es sich um einen schwer zu verstehenden Wein handelt. Daran hat sich auch nach drei Tagen Beobachtung wenig getan. Ich finde es schwer, den Wein zu durchdringen. Gleichwohl gibt es einige Komponenten, die erahnen lassen, daß es sich einen mehr als nur guten Wein handelt. Im Moment hinterläßt er allerdings nur viel Rätselraten und begründete Hoffnung darauf, daß der Wein momentan in einer Verschlußphase ist, bevor er sich auf einen sehr schönen Höhepunkt hinbegibt. Mit das Faszinierenste ist, daß er von Schluck zu Schluck unterschiedlich wirkt. Ein Wei, um ihn unter dem Mikrosko zu sezieren, auch wenn sein Erzeuger so etwas haßt.

Herkunft: Deutschland – Mosel – Winninger Röttgen
Jahrgang: 2006
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Heymann-Löwenstein
Ausbau: 1. Lage trocken
Alkohol: 13%

Maikammer Heiligenberg Riesling 2005

Der Wein ist glanzhell bis strohgelb. Es zeigen sich leichte Trubperlen an seiner Oberfläche, die später verschwinden. Bereits die erste Nase ist ziemlich intensiv. Sie duftet insbesondere fruchtig mit Pfirsichnoten. Auch in der zweiten Nase duftet der Wein nach sehr reifen Pfirsichen und etwas Graipefruit.

Am Gaumen kommt der Wein insbesondere durch seinen kräftigen Körper zur Geltung. Dazu kommt eine rauchige Würze von enormer Intensität. Das plus eine schöne Mineralität gehen in einen Nachhall mit sehr guter Länge über.

Am Anfang hatte ich nach dem Riechen schon Angst einen oxidierten Wein zu bekommen, doch dieser Wein strotzt nur so von Kraft und Vitalität. Er hat noch viel Zukunft und ist jetzt ein echter Trinkgenuß, der die Lippe leicht vibrieren läßt. Zu einem geräucherten Fisch.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Maikammer Heiligenberg
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Ullrichshof – Familie Faubel
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 12,5%

Haardter Bürgergarten Gewürztraminer Alte Reben 2004

Der Wein hat eine sehr intensive altgoldene Farbe, die schon ein wenig in Richtung Bernstein geht. Die erste Nase duftet mäßig intensiv nach Lychee. Die zweite Nase wirkt etwas schwächer. Hier geht die Frucht zugunsten von Rosenaromen zurück.

Der Wein besitzt eine gute Fülle. Während er etwas ölig durch den Mund schlackert, bietet sich genügend Zeit das tolle Zusammenspiel von Frucht und typischen würzigen Noten zu bewundern. Der Nachhall ist mit einer guten Länge ausgestattet. Allerdings muß man dem Wein auch die Zeit dafür geben, da der Nachhall zunächst recht schnell wegbricht, um sich dann auf leisen Sohlen wieder mineralisch in den Mund zurückzuschleichen. Ich meine erste Anzeichen einer Oxidation wahrzunehmen, finde diese aber noch nicht störend.

Der Wein ist noch immer in sehr guter Form, auch wenn er in der Paradisziplin des Gewürztraminers dem unvergleichlich intensiven Bukett doch deutliche Abnutzungserscheinungen zeigt. Dafür ist er am Gaumen ein toller Weißwein, der insbesondere durch seine Fülle beeindruckt. Das ist nicht jedermanns Wein. Viele wird die Fülle stören, viele werden sich an der trockenen Würze des Gewürztraminers stören, aber mir gefällts. Zum Safranrisotto.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Haardter Bürgergarten
Jahrgang: 2004
Rebsorte: Gewürztraminer
Erzeuger: Weingut Weegmüller
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 13,5%

Kiedricher Gräfenberg Riesling 2007

Der Wein ist glanzhell. Die erste Nase riecht nach nassem Stein. Dazu kommt eine fruchtige Apfel-Aprikosennote. Die zweite Nase ist fast noch verhaltener. Hier treten Die fruchtigen Elemente des Buketts weiter zurück und geben kräutrigen Aromen Raum.

Im Mund ist der Wein sehr fruchtig. Neben Aprikose erkenne ich auch Apfel und Feigennoten. Dazu kommt eine kräftige Säure und eine leichte Würze. Der Nachhall besitzt eine gute leicht salzige Länge. Der Wein läßt die Säure etwas zu sehr zur Entfaltung kommen und wirkt dadurch nicht gerade harmonisch.

Insgesamt ein guter Wein, aber nichts was ich kistenweise einlagern wollte. Zu einem Brathendl mit Pommes.

Herkunft: Deutschland – Rheingau – Kiedricher Gräfenberg
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Speicher-Schuth
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 13%

Forster und andere Ungeheuer

Unlängst begeisterte mich ein Forster Ungeheuer so sehr, daß ich dies als Auftrag zu einer Mission empfand, mich wieder mehr mit den Weinen der Mittelhaardt zu beschäftigen, nachdem ich zuletzt doch eher in den Gefilden der Südpfalz nach edlen Tropfen suchte.

Die Platzhirsche in der Mittelhaardt sind sicherlich neben dem Weingut Mosbacher die drei Bs; Buhl, Bürklin-Wolf und Bassermann-Jordan, wobei von letzterem das grandiose Große Gewächs stammte, daß mir einen bacchantischen Hochgenuß bereitete. Neben diesen großen Weingütern gibt es auch das Weingut Heinrich Spindler, das sich beharrlich gegen die Aufnahme in den VDP wehrt, aber Weine erzeugt, die sich vor denen der Platzhirsche nicht verstecken müssen.

Von diesem Weingut ließ ich mir ein Paket mit Weinen zukommen, die dann in einer geselligen Runde probiert wurden. Anbei meine Notizen zu den Weinen:

(1) Riesling Kabinett trocken 2008, Liter-Flasche, Alk.: 11,5%
Nase: Zitrus, Tabak, leicht floral
Mund: leichte Gärkohlensäure, deutliche knackige Säure, herb, fruchtig
Aus der Runde wurde „Schorlewein“ gerufen, was positiv gemeint war. Auch in meinen Augen ein Klasse Literwein, der als Sommerwein perfekt geeignet ist, auch ohne Zugabe von Wasser. Ein unkomplizierter, rustikaler Wein für jeden Tag. 83CP

(2) Riesling Kabinett trocken 2008, „Philosophie“, Alk.: 12%
Nase: recht verhaltene leicht florale Eindrücke
Mund: Säure ist ordentlich eingebunden, sehr fruchtiger Wein
Im Vergleich zu (1) ist dies der filigranere Wein, und er ist auch fruchtbetonter. Aufgrund des sehr dezenten Geruchs bei der Philosophie würde ich aber doch bei (1) zulangen. 82CP

(3) Rhodter Schloßberg Riesling trocken 2007, Liter-Flasche, Weingut Heußler, Alk.: 12%
Nase: Karamell, Aprikose, Rose
Mund: leichte Säure, etwas salzig, sehr rund, ordentliche Dichte, Graipefruit
Diesen Pirat aus der Südpfalz hatte ich eingebracht, weil der Wein weg mußte. Dafür präsentierte er sich in richtig guter Verfassung, auch wenn deutlich wurde, daß er nicht mehr lange Zeit hat, was auch die Nachverkostung ergab. 83CP

(4) Forster Pechstein, Riesling Spätlese trocken 2008, Alk.: 13%
Nase: Birne, Feige, Rauch
Mund: sehr herb, würzig, mineralisch
Der Einstieg in die Lagenweine war zugleich ein spürbarer Anstieg des ohnehin schon hohen Qualitätsniveaus. 88CP

(5) Forster Ungeheuer, Riesling Spätlese trocken 2008, Alk.: 13%
Nase: Kräuterwürze, Tabak, leicht floral
Mund: sehr kräftig, beinahe barocke Opulenz, würzig, leicht salzig, sehr gute Länge, echtes Kraftpaket, mineralisch
Das war jetzt ein richtiges Highlight, für das alleine schon sich die Probe gelohnt hat. Ich mag solche kräftigen zupackenden Weißweine, die einen so schnell nicht mehr loslassen. Der Wein traf genau meinen Stil. 91 CP

(6) Forster Kirchenstück, Riesling Spätlese trocken 2008, Alk.: 13,5%
Nase: Feige, Maracuja, Graipefruit
Mund: feine leichte Mineralik, salzig, sehr intensive fruchtige Noten, rund, harmonisch, gute Länge
Den Wein mit dem zuvor verkosteten Ungeheuer zu vergleichen, fällt richtig schwer, weil es 2 gegensätzliche Weintypen sind. Dies ist der filigranere, fruchtigere Wein, während das Ungeheuer kräftig und fruchtig ist. Ich stelle es mir sehr spannend vor, die Entwicklung der beiden Weine zu beobachten, wobei das Kirchenstück jetzt schon geordneter erscheint als das derzeit noch ungestüme Ungeheuer. Die Reihenfolge war für das Kirchenstück etwas unfair, da es einem solchen Wein nach einem zuvor sehr kräftigen Wein natürlich schwer fällt. 90 CP

(7) Forster Ungeheuer, Riesling Auslese 2005, Alk.: 8,5%
Nase: Honig, Aprikose
Mund: sehr dicht, ölig, extreme Süße, extraktreich, gute Länge
Ein feiner Abschluß, zu dem die mitgebrachten selbstgebacken Plätzchen sehr gut paßten. Wieder einmal stellte ich fest, wie polarisierend Süßwein ist und wie schwer zu beschreiben ist, was seine Aura ausmacht. 89 CP

Für mich war dies eine sehr schöne Probe, die durch eine beeindruckende Kollektion aus dem Hause Spindler und die netten Gäste ermöglicht wurde. Bereits die einfachen Weine wußten vollends zu überzeugen. An der Mittelhaardt produzieren eben nicht nur die Platzhirsche gute Weine.
Der Jahrgang 2008 verdient sicher mehr Beachtung, als ich ihm bisher geschenkt habe, auch wenn er es nach den grandiosen 2007ern einfach schwer hat.

Ob sich auf den vom Hoffotografen (endlich paßt es mal das Wort mit f zu schreiben) geschossenen Bildern, die im Titel versprochenen weiteren Ungeheuer verbergen, mag ich noch nicht beurteilen, werde dies aber gerne zur gegebenen Zeit nachreichen.

Wehlener Sonnenuhr Riesling 2005

Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Es zeigen sich viele kleine Perlen am Glasrand. Die erste Nase ist durchaus intensiv. Neben einer feinen Kräuterwürze, rieche ich fruchtige Noten. Die zweite Nase ist fast etwas weniger präsent. Die von mir zunächst gerochene Frucht wirkt jetzt mehr wie eine Kombination aus Reineclauden und Bortrytis.

Der Wein besitzt eine gute Dichte. Neben der Dichte und süßlichen Fruchtnoten fällt als erstes eine leichte Kohlensäure auf, die schnell in den Hintergrund tritt und deswegen die Harmonie nicht wirklich stört. Förderlich für die Harmonie ist dagegen die sehr gut integrierte Säure. Der Nachhall besitzt aber nur eine mäßige Länge, weswegen der Wein keinen bleibenden Eindruck hinterläßt.

Ein schöner, sehr feiner Wein, der sehr gut gemacht ist, dem es aber zugleich etwas an Komplexität fehlt, um von mir in den Himmel gelobt zu werden. Als Essensbegleiter kann ich mir den Wein dagegen sehr gut vorstellen, z.B. zu einer karamelliserten Banane.

Herkunft: Deutschland – Mosel – Wehlener Sonnenuhr
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Wegeler
Ausbau: Spätlese restsüß
Alkohol: 8,5%

Mosel Terrassen Riesling Spätlese 2007

Der Wein ist glanzhell mit schwachem gelben Einschlag. Minimale Perlen zeigen sich in ihm. Zunächst duftet er ordentlich intensiv nach Gemüse, Graipefruit und etwas Feuerstein. Nach dem Schwenken nimmt der Duft weiter zu. Zitrus, Graipefruit und Kräuter bestimmen das Bukett.

Er verfügt am Gaumen über eine gesunde Säure. Dazu kommt eine feine Kräuterwürze. Er wirkt sehr saftig und verfügt über eine schöne Zitrusfrucht. Der Nachhall besitzt eine gute Länge und eine leichte Mineralik.

Ein schöner, etwas verspielter Wein, der durch seine pflanzlichen Noten Komplexität und Klasse mitbringt. Zu einem Safranrisotto.

Herkunft: Deutschland – Mosel – Mehringer Blattenberg
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Eugen Philippi
Ausbau: Spätlese trocken
Alkohol: 10,5%

Grauburgunder Kaiserstuhl 2008

Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Die erste Nase besitzt eine mäßige Intensität. Sie duftet nach Steinobst und erdigen Noten. In der zweiten Nase verschwindet die würzig-erdige Komponente, die zunächst mein erster Geruchseindruck war. Dafür tritt die Fruch jetzt mit mehr Intensität auf. Zitrusfrüchte und Aprikosen kann ich erschnuppern. Dazu kommt eine leicht kräutrige Note.

Am Gaumen präsentiert sich der Wein mit einem mittelschweren Körper nach dem Geruch überraschend kräftig. Eine angenehme Würze verleiht ihm einen erdigen Charakter, die mit einer leicht salzigen Mineralik im Abgang und Nachhall einhergeht. Der Nachhall besitzt eine ordentliche Länge. Als Kontrastpunkte dient eine etwas aggressive Säure, die von der Zitrusfrucht eher noch unterstützt wird.

Nach dem Riechen dachte ich ja bereits, daß dies nicht gerade ein typischer Burgunder ist. Im Geschmack besitzt er durchaus Anklänge eines burgundischen Weißweins (wobei Grauburgunder bzw. Pinot Gris im Burgund gar nicht angebaut wird) überdeckt diese jedoch mit einer typisch deutschen Note. Soviel Säure und Zitrusfrucht sucht man sonst in Burgundern eher vergeblich. Auf seine Art und Weise ist dies ein vielschichtiger Wein mit weitaus mehr Komplexität als man für diesen Preis erwarten kann. Wer aber einen Grauburgunder erwartet, liegt hier falsch. Zu Pasta alla rabiata.

Herkunft: Deutschland – Baden – Kaiserstuhl
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Grauburgunder
Erzeuger: Holger Koch
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12%

Potate! Riesling 2008

Der Wein besitzt eine glanzhelle Farbe. Zunächst offenbart der Wein einen intensiven pflanzlichen Duft. Nach dem Schwenken wirkt der Duft heller und vielschichtiger. Die dunklen Tabaknoten treten in den Hintergund und machen Platz für Limettenaromen und andere Zitrusfrüchte.

Der Wein besitzt einen mittleren Körper. Die Säure ist ordentlich ausgeprägt. Dazu kommt eine enorme Mineralik, die im langen Nachhall sehr lange anhält. Daneben sorgen Graipefruitnoten und würzige Elemente für einen hohen Trinkgenuß.

Verglichen mit dem Wein von Battenfeld-Spanier erscheint mir dieser etwas weniger mächtig, dafür aber etwas vielschichtiger. Von der Machart her hat mir der Battenfeld-Spanier besser gefallen, auch wenn dieser hier vielleicht etwas komplexer ist. Zu einem Curry-Reis-Gericht.

Der Erzeuger führt übrigens einen eigenen Blog.

Herkunft: Deutschland – Rheinhessen
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Dirk Würtz
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: