Fingerübung-0816

Bitte gib mir nur ein Wort
und ich starte genau dort
und führ es immer weiter fort
Klingt das langweilig wie Sport

Viel mehr ist es auch nicht
Wie ich führ dich hinters Licht
Manchmal entwickelt sich so eine neue Schicht
und dein Wort bekommt ein neues Gesicht

Klingt das etwa vermessen
oder hast du dein Wort schon vergessen
Ich hab es unheimlich schnell aufgegessen
um nicht zu sagen beiläufig gefressen

So tu ich die Wörter verschlingen
und ohne sie dazu zwingen
beginnen sie auf einmal zu singen
weil sie einfach nur gut klingen

Also bitte gib mir nur ein Wort
Ich versprech es kommt auch nicht zum Mord
Dein Wort bleibt bei mir an Bord
und endet als Beute in meinem Hort

0815-Fingerübung

Verdammt was is das Mädel heiß
dumm nur daß es jeder hier weiß
Wie komm ich bloß an sie ran
und zieh sie in meinen Bann

Klar is daß ich bei ihr anbeiß
doch wie werd ich für sie der Mann
Leider ist’s hier nich grad leis
so daß man sich kaum verstehn kann

Bei dem Lärm hilft nur Brüllen
Keine Chance sie mit Text zuzumüllen
Wie also komm ich bei ihr zum Ziel

Blöd daß auf mein charmantes Spiel
leider noch keine echt hereinfiel
Am Ende bleibt doch nur sie abzufüllen

Koi

Isch han koi Lust
isch han koi Bock
isch han koi Karpfen
in meinem Garten
Teich
denn ich bin
reich

Isch han koi Karpfen
koi Karpfen
koi Karpfen
in meinem Garten
Teich
und hoffe daß er
laicht
weil mein Reichtum mir nich
reicht

Isch han koi Lust
isch han koi Bock
isch han koi Karpfen

Unpräzise Hacker

Wieso ist der vom CCC analysierte „Bundes-Trojaner“ eigentlich ein Trojaner? Sicher hat sich dieser Begriff in der Computer-Terminologie entsprechend eingenistet, so dass die Verantwortung für den Namen nicht beim CCC liegt oder beim bayerischen Innenministerium – der hinterhältige Einsatz dagegen schon.

Politiker, denen political correctness zweimal wichtiger als die Verfassung ist, werden sich wahrscheinlich am Begriff hinterhältig stören. Doch wenn wir die Herkunft des Namens analysieren, wird deutlich, dass Hinterhältigkeit in der Natur des Trojaners liegt. Schließlich zieht der Name eine Analogie zum Trojanischen Pferd, in dem sich nach Odysseus Idee die Griechen nach Troja einschlichen, was wohl ohne Frage als hinterhältig bezeichnet werden kann. Falls irgendein Politiker dies bestreitet möge er mir bitte erklären, was Odysseus damit anderes gemacht hat, als einen Hinterhalt für die Trojaner zu legen.

Im Sinne der historical correctness oder der literarischen correctness – je nachdem ob man die Ilias als historischen Bericht oder als Poesie einstuft – ist die Bezeichnung Trojaner also eindeutig falsch. Schließlich war das trojanische Pferd kein Trojaner, sondern ein Werk der sie belagernden Achaier. Unter diesem Begriff wird die Gesamtheit der Griechen in Homers Werk genannt. Das Volk ihres Anführers Agamemnon sind die Mykener. Zum Wohle aller Klugscheißer dieser Welt sollte man daher von einem Bundes-Achaier oder einem Bundes-Mykener sprechen. Wenn man dagegen den Namen auf den listigen Odysseus zurückführt, was ja wiederum zu einem Viren konzipierenden Hacker passen würde, und das Spionageprogramm nach seinem Volk benennen, wäre es natürlich der Bundes-Ithaker.

Frei von Begierde

Die Begierden zu verlieren
tut nicht einfach so passieren
Als Resultat der Antriebslosigkeit
ein Zeichen von persönlichem Leid
Kommt der Verlust aus Erkenntnis
ist es weit mehr als ein Geständnis
Es ist auch keine Verpflichtung
sondern eher eine Umschichtung
der eignen philosophischen Ansichten
Nicht mehr über andre zu richten
ist dabei nur ein Aspekt
der viele abschreckt
Doch nichts zu begehren
heißt die Wunschliste zu leeren
ohne alle Wünsche davon zu erfüllen
Es heißt sich nicht mehr zuzumüllen

Große Pause

Damit ich nicht so aufbrause
mach ich lieber große Pause
Ich schreibe nur wenig auf
meine Finger haben keinen Lauf
Auch wenn die Synapsen sich drehen
kommen keine Zeilen zum Entstehen
Was soll’s denk ich bei mir
schreib ich eben nichts hier
Ich mache lieber große Pause
und geh raus aus dem Hause
Die Viertelstunde wird mich erfrischen

So kann ich wieder Neues auftischen

lass mir fräsche Reims einfallen

ohne unsinnig zu schwallen

Doch schnell ist ein Monat vergangen

und ich habe keine Idee gefangen

Wurde mein Interesse geweckt
habe ich es dennoch gesteckt

So wurde die große Pause immer länger
ich hab wohl einfach einen Hänger

Tsche-Tsche-Tsche-Tschänses

Empfindest Du Deine Karriere
zunehmend als eine Barriere
Bist du etwa schockiert
weil sie Dein Leben blockiert
Fühlst Du Dich von ihr beengt
und in Deiner Freiheit beschränkt

 

Merkst Du wie alle an Dir zerrn
und Dir zugleich den Weg versperrn
Willst Du wieder mehr Leben spüren
doch verzweifelst an geschlossnen Türen
Vergiss nicht wer sie verschlossen hat
Du selbst setzt Dich Schachmatt

Du musst Dich vor Dir selbst verantworten
Fang damit an Deine Position zu orten
Schalte dann einmal das Navi aus
und trau Dich aus Deinem Schneckenhaus
Du musst Deine Route selbstständig finden
Achte dabei auf Dein eigenes Empfinden

 

Siehst Du jetzt die wohlwollenden Gestalten
die versuchen Dich aufzuhalten
die versuchen Deinen Willen zu beugen
und Dich von Deinem (ihrem) Leben zu überzeugen
Eigentlich läuft doch alles gut
Sich zu verändern erfordert Mut

 

Für ein neues Leben
musst Du viel aufgeben
Alte Freunde werden Dich verlassen
weil sie nicht mehr zu Dir passen
Du musst ungeahnte Opfer bringen
und den inneren Schweinehund bezwingen

Schatz, bin ich zu dick?

Wer sich schon immer gefragt hat, ob es eine korrekte Antwort auf diese Frage gibt, dem sei gesagt: Ja, es gibt sie. Sie lautet: „Wofür?“

 

Um Heidi Klum einen Job auf dem Catwalk wegzuschnappen wahrscheinlich schon. Um in die Kleider zu passen, die du vor zehn Jahren getragen hast definitiv. Um Dich in den Sportwagen meiner Träume rein zu zwängen leider schon, was aber nicht schlimm
ist, da ich auch nicht mehr rein passe. Dafür immer noch Kleidung in Deiner Größe zu finden, langt es wohl noch. Dafür im Flugzeug nur einen Platz zu benötigen bist Du sicher nicht zu dick. Und für mich natürlich auch nicht.

 

Dass dies die korrekte Antwort ist, ist einfach zu erkennen. Bleibt nur die Frage, ob es auch die richtige Antwort ist. Und auch auf diese hypothetische Frage lautet die korrekte Antwort: „Wofür?“