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WineStyle Hamburg - Tag 3

Am 3. Tag der Weinmesse habe ich nicht mehr so viel verkostet. Stattdessen habe ich mehr von den angebotenen Seminaren besucht, die von Rolf Klein in lockerem Stil ohne Rechthaberei moderiert wurden.
Das Seminar „Wanted – Piratenjagd per Steckbrief: Finden Sie den richtigen Wein?“ hielt  er mit einem humorvollen Augenzwinkern, ging es hierbei doch darum, verschiedene Weinbeschreibungen von Journalisten dem passenden Wein zuzuordnen. Er nutzte dies, um sich für die manchmal etwas ausdrucksvolle Weinsprache zu werben, gab aber auch zu, daß auch Profis einen Wein selten zweimal gleich beschreiben. Wer meine Verkostungsnotizen liest, wird verstehen, daß ich Verständnis dafür habe, viele Worte für die Beschreibung eines Weins zu verwenden.

Das zweite Seminar drehte sich um Öko- oder auch Bioweine. Rolf Klein ging nur kurz auf die einzelnen Spielarten biologischen Weinbaus ein und zeigte noch einmal kurz das Hauptdilemma der biologischen Zertifizierung von Wein auf, die sich eben nur auf dem Anbau im Wingert beziehen und den Bereich des Ausbaus im Keller außen vor lassen. Ich persönlich war nur in einem Punkt mit ihm uneinig, als er den biodynamischen Weinbau als die Spitze des biologischen Weinbaus bezeichnete. Einige Punkte in der Philosophie der Biodynamiker erscheinen mir doch weit mehr Aberglaube als Glaube an die Notwendigkeit in einen vernünftigen Umgang mit der Natur. Persönlich glaube ich auch, daß biologischer Weinbau nicht unbedingt die beste oder alleinige Lösung für einen nachhaltigen Umgang mit dem Boden darstellt. Die chemische Keule, mit der lange Jahre auf Reben und Boden eingeschlagen worden hat diesen aber derart kaputt gemacht, dass die Ökobewegung eine echte Rettung für den Weinbau darstellte, weil sie auch bei denen, die sich ihr nicht verschrieben haben für ein Umdenken sorgte.

Das letzte Seminar „Schnäppchenmarkt: Unter 8 und gut gemacht“ war tendenziell weniger interessant, weil es „nur“ eine Verkostung von Weinen war. Es gab auch gut gemachte Dornfelder und Rivaner, aber echte Offenbahrungen waren für mich nicht unter den Weinen. Zu Überraschen wußte der Oveja Negra, eine Cuvee aus Riesling und Grauburgunder, der der erste brasilianische Wein war, den ich in meinem bisherigen Leben getrunken habe. Auf diesem Niveau kann man durchaus noch weitere Weine aus Brasilien trinken.

Von den bei den Ausstellern verkosteten Weinen konnten mich heute insbesondere zwei österreichische Weine vom Weingut Frauwallner aus der Südoststeiermark überzeugen.
Eruption weiß 2006 Chardonnay
N: sehr intensiv, Birne, Bortrytis, reife Frucht, filigan
M: mineralisch, fein, leichtfüßig, leichte Bortrytisnote, hoch elegant 93 CP
Eruption rot 2006
N: Kräuter, Eukalyptus, Melisse
M: sehr rund, fein, gute Dichte, harmonisch, gut ausbalanciert, mineralisch 91 CP

Chateau Peyraborn aus dem Bordeaux präsentierte ein paar sehr schöne Weine. Besonders gefiel mir der 2005er.
N: schöne kräftige Frucht
M: fleischig, saftig, volle Frucht 89 CP

Eine recht interessante Kollektion zeigte auch das Weingut Gehrig aus der nördlichen Pfalz, bei dem man sich auf Sauvignon Blanc und Merlot spezialisiert hat. Den Merlot erhält man hier auch weißgekeltert. Als ich anmerkte, daß der Merlot ja wirklich genauso farblos wie das Wasser sei, mit dem ich das Glas zuvor ausgespült hatte, lächelte der Winzer und erklärte mir, daß der Vorgängerjahrgang tatsächlich farblos gewesen sei, dieser aber eine leichte Lachsfärbung habe, da man ihn als Reaktion auf die anscheinend negative optische Wahrnehmung dann doch minimal länger auf der Maische gelassen habe. Die Lachsfärbung war übrigens tatsächlich festzustellen.

Ich muß den Veranstaltern attestieren, daß sie von Jahr zu Jahr professioneller werden. Insbesondere die Einbeziehung der Seminare in die Veranstaltung macht die WineStyle zu einer besonderen Weinmesse. Sicherlich ist die Qualität der Winzer auf der Anfang Januar von Scheuermann organisierten Messe etwas höher, doch der Charme der WineStyle liegt auch in der großen Bodenständigkeit der Aussteller. Auf jeden Fall hat mir die Messe wieder viel Spaß gemacht, und ich komme gerne im nächsten Jahr wieder.

WineStyle Hamburg - Tag 2

Heute war der 2. Tag der WineStyle in den Deichtorhallen. Das Seminar von Stuart Pigott zum Thema “Wein und Klimawandel oder: Zum Wohlsein, Kopenhagen”, war 10 Minuten vor Beginn derart überfüllt, daß ich es mir dann doch geschenkt habe und weiter verkostet habe. Ich muß dem Veranstalter aber ein Kompliment für die Seminare aussprechen. Waren diese im letzten Jahr noch versteckt in einem Hinterzimmer und eher schlecht besucht, so sind sie diesmal so präsent, daß sie eben auch von den Besuchern wahrgenommen werden.

Das Seminar von Jens Priewe zum Thema “Der Luxus des Einfachen” war eher belanglos. Priewe gab zunächst das Ziel aus, große Weine für kleines Geld zu präsentieren. Im Laufe des Seminars wurde aber deutlich, daß es ihm nicht darum ging, sondern darum welchen Luxus der Genuß einfacher Weinen mit Herz darstellt und das dieser Genuß von den Weintrinkern nicht vergessen werden sollte. Wenn ich diese Botschaft in meinem einleitenden Satz als belanglos abtue, dann wohl auch, weil sie bei mir schon längst angekommen ist und diese Weine das Gros, der auf KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de verkosteten Weine darstellen. Ich gehe davon aus, daß auch die Leser in dieser Welt leben. Ich muß Priewe jedoch leider etwas unterstützen, daß es tatsächlich notwendig ist, diese Botschaft zu verbreiten, da es Weintrinker gibt, die nur besonders teure und edle Weine trinken. Verrückterweise sind dies häufig Leute, die sich gar nicht allzu intensiv mit der Welt des Weins beschäftigen.

Da die Messe auch am Sonntag noch die Tore öffnet, kann ich anderen esuchern noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Das Weingut Loersch-Eifel stellte mir eine hervorragende Riesling-Kollektion vor. Besonders hervorheben darf ich:
Trittenheimer Apotheke, Riesling Kabinett trocken 2008
N: Graipefruit
M: Graipefruit, fruchtig, Pfirsich,sehr gut eingebundene Säure, harmonisch 87 CP
Trittenheimer Apotheke, Vogelsang Riesling trocken 2008
N: fruchtig, pflanzliche Noten
M: kräftig, feinwürzig 87 CP
Trittenheimer Apotheke, Alte Reben Riesling Auslese edelsüß 2007
N: Bortrytis, Aprikose
M: sehr dicht, gleichzeitig filigran und elegant, leichte Säure 91 CP
Trittenheimer Apotheke, Riesling Beerenauslese 2006
N: leichte Bortrytisnote, sehr dicht, cremig, elegant 91 CP

Erwähnenswert finde ich auch die Kollektion des Weingut Beiser. Ausnahmslos sehr gute Weine von weiß bis rot. Wenn ich einen Wein besonders empfehlen sollte, wäre es der 2008er Spätburgunder - S-

Vom Weingut Kranz-Junk kann ich einen edelsüßen empfehlen.
Brauneberger Juffer-Sonnenuhr riesling Auslese 2006
N: Bortrytis, Aprikose
M: extreme Dichte, fruchtig, massiv 88 CP

Die beiden Tage konnte ich im Übrigen dank Freikarten vom Österreichischen Weinhandel Roswitha Kappner aus Hamburg besuchen. Vier Winzer, deren Weine sie verkauft, waren auf der Messe.
Als echte Granate erwies sich ein Wein von Hannes Sabathi
Sauvignon Blanc Reserve trocken 2006
N: sehr fein und vielschichtig, Bortrytis, Banane
M: dicht, kräftig, würzig, mineralisch 92 CP

Ein von mir sehr geschätztes Weingut ist das Weingut Eugen Philippi. Hier hat man das Kunststück fertig gebracht in 2008 keinen einzigen trockenen Wein zu produzieren, nachdem in 2007 noch restlos trockene Diabetikerweine erzeugt wurden. Grund hierfür ist eine extreme Zurückhaltung, was Eingriffe im Keller anbelangt. Das Hefen je nach Jahrgang so extrem unterschiedlich sein können hat mich dann doch überrascht, aber bei der Spontanvergärung geht man halt gewisse Risiken ein, und wenn man dann auch nicht in den Gärprozess eingreifen will, kommen eben feinherbe und restsüße Wein heraus. Wenn man wie ich gerne restsüße trinkt, muß das ja kein Schaden sein. Die Weine haben mir denn auch wieder sehr gut gefallen.
Mehringer Blattenberg Riesling Spätlese 2008
N: Zitrus, Graipefruit
M: schöne Dichte und doch filigran, sehr feine Frucht, Säure gut eingebunden 90 CP

Abschließend empfehlen kann ich noch das Weingut Graf von Kanitz, die u.a. eine Auslese aus dem großen Jahrgang 1976 vorstellten. Bei solch alten Weinen kann auch ich nur Michael Broadbent sinngemäß zitieren “.. da gibt es keine guten und schlechten Weine mehr, sondern nur noch gute und schlechte Flaschen.”Ich hatte Glück und erwischte eine ordentliche Flasche, aus der mir ein lebendiger, dank seiner Säure sogar frisch wirkender Wein ausgeschenkt wurde. Allerdings war am Gaumen nicht mehr so viel Frucht erkennbar und er wirkte doch etwas fad.

Auch der zweite Tag bot mir sehr interessante Weine und Gespräche, so daß ich gerne auch am Sonntag zu den Deichtorhallen marschiere, auch wenn es noch mehr schneien sollte.

WineStyle Hamburg - Tag 1

Der erste Tag der WineStyle in den Deichtorhallen ist vorüber, und ich kann ein paar kurze Berichte geben. Die Messe erscheint mir in diesem Jahr sehr professionell organisiert zu sein. Die geräumigen Deichtorhallen lassen viel Platz zum Manövrieren trotz knapp hundert Ständen. Es stehen ausreichend Spucknäpfe zur Verfügung, und man kommt sich selten in die Quere.

Es ist sicher nicht die crème de la crème der Winzer, die hier anwesend sind, dafür kann man sich auf eine schöne Entdeckungsreise begeben und dabei günstige Gelegenheiten entdecken.

Fündig wurde ich heute insbesondere beim Weingut Kranz Junk, das mich mit Mosel-typischen Rieslingen restlos überzeugte. Besonders hervorheben kann ich hier die Brauneberger Juffer Spätlese feinherb aus 2008, die für mich bisher den überzeugensten Wein darstellte.
N: fein, vielschichtig würzig
M: sehr schöne Frucht, cremig, dicht 89 CP

Das zweite Weingut, das mich überzeugte war das Weingut Gabel. Die Gründe hierfür sind ähnliche wie bei Kranz Junk. Familie Gabel erzeugt ehrliche echt Pfälzer Weine. Bei diesen kernig, knackigen Weinen fühle ich mich der Heimat nicht so fern.

Für ein anderes Weingut, das meinem Heimatort sogar noch näher ist, gilt dies nur bedingt. Auch wenn man beim Weingut Hollerith den Pfälzer Idiom nicht leugnen kann, so verstehe ich nicht den Tamtam, den die Herren veranstalten. Was der Besucher hier in den nächsten Tagen erleben kann, ist eine geile Show, aber gerade bei den teuren Barriqueweinen, kann ich einen solchen Hype ehrlich gesagt nicht verstehen. Sicher sind das gute Weine, aber diese Qualität gibt es anderswo auch ohne Show.

Empfehlen kann ich z.B. das Weingut Göhring aus Flörsheim-Dalsheim mit der Burgunder-Cuvee Adamah oder dem Muskateller.

Beim Weingut Schwahn-Fehlinger gefiel mir der “Alter Wingert” Riesling sehr gut. Vielles Vignes auf rheinhessisch sozusagen.

Dem Weingut Brügel gelang es, mich mit sehr guten Spätlesen aus Silvaner und Riesling zu überraschen.

Ich hoffe, ich konnte den Lesern etwas Appetit für die restlichen zwei Tage der WineStyle machen. Hervorzuheben ist auch, daß die Seminare im Eintrittsgeld inbegriffen sind und morgen mit Stuart Pigott und Jens Priewe sehr bekannte Weinexperten die Leitung eines solchen Seminars übernehmen. Für Tips von anderen Besuchern bin ich natürlich dankbar.

Hamburger Weinmesse im Interconti

Ganz abgesagt wurde die Hamburger Weinmesse dann doch nicht. Ein Dutzend Aussteller tat sich zusammen, um in der Lounge des Hotel Intercontinental ihre Weine zu präsentieren. Eintritt kostet das Ganze jetzt nicht mehr, aber leider ist auch viel Durchschnittsware dabei.

Empfehlenswert sind das Weingut Bergdolt Reif & Nett, Chateau Val Beylie. Am Stand von WineLink gab es einige Rotweine aus Frankreich zu trinken. Wer den schwachen Euro etwas unterstützen will, für den bietet die Cava Weinhandlung ein schönes Angebot an guten griechischen Weinen.

Das Beste ist dann aber doch der schöne Blick über die vereiste Alster.

Hamburger Weinmesse abgesagt?

Von Pinot Gris habe ich per Mail die Information erhalten, daß die morgen beginnende Hamburger Weinmesse vom Veranstalter abgesagt worden ist. Auf der Homepage der Weinmesse ist darauf noch kein Hinweis zu finden. Allerdings gehe ich davon aus, daß ein Aussteller wie Pinot Gris vor den Besuchern über die Absage informiert wird.

Ich finde das sehr betrüblich und nicht nur weil ich zwei Freikarten für die Messe hatte. Jede Chance, neuen Wein kennen zu lernen, nehme ich gerne an. Und wenn Hamburg um eine solche Gelegenheit ärmer wird, ist das einfach schade. Als ich vor ein paar Wochen das erste Mal auf die Homepage der Weinmesse schaute, war das Ausstellerverzeichnis noch nahezu leer, aber danach füllte es sich peu à peu. Sollte die Absage jetzt deshalb erfolgt sein, weil die kritische Masse an Ausstellern aus Sicht des Veranstalters nicht erreicht wurde, muß sich dieser wohl auch an die eigene Nase fassen, denn bereits im Vorfeld äußerten sich langjährige Aussteller so, daß sie erst sehr spät von der Messe erfahren hatten und diese nur schwer planen konnten.

Daß jetzt eine dermaßen unkoordinierte Absage erfolgt, würde ins Bild passen. Vielleicht war auch die Angst zu groß, daß morgen nicht genügend Leute vor den Messehallen stehen.

Bericht vom Hamburger Weinsalon

Wie vor ein paar Tagen angekündigt, fand an diesem Wochenende der von Mario Scheuermann veranstaltete 25. Hamburger Wein Salon statt.

Die Rückkehr der Weinmesse in den ehemaligen Börsensaal der Hammelskammer hat sich gelohnt, da es hier doch geräumiger ist. Wie immer waren sehr interessante Winzer vor Ort, die ihre Weine zur Probe anboten.

104 Weine später, von denen ich zu 94 auch noch lesbare Notizen habe, muß ich konstatieren, daß der ganz große Kracher nach oben diesmal gefehlt hat. Das Niveau war aber, wie  von mir vorab vermutet, dennoch sehr hoch, und es gibt doch einige Weine, die ich als äußerst gelungen empfehlen will. Viele andere haben sicher auch ein großes Lob verdient, aber wenn ich über jeden der Weine meine Notizen abtippen würde, hätten die gerade wieder aufgetauten Hände sichlich bald einen Schreibkrampf.

Die Kollektion des Weinguts Albert Kallfelz von der Mosel war durch die Bank sehr gelungen.
Die 2008er Riesling Auslese aus den Terrassen des Merler Königslay ist für mich dennoch herauszuheben.
Nase: Graipefruit, Rheineclauden, Fruchtkorb; Mund: edle Süße, schöne Dichte, feine Frucht 92 CP

Die Weine von Chat Sauvage haben in diesem Jahr bei mir nicht ganz so grandios abgeschnitten, wie im Vorjahr. Da dies aber im Wesentlichen an dem sehr verschlossenen Bukett der Weine lag, das sich mit Zeit und anderen Gläsern sicher stärker öffnen wird,der Geschmack aber schon wieder phänomenal war, möchte ich die Weine uneingeschränkt empfehlen.
2007 Assmannhausen Höllenberg Pinot Noir Spätlese Gold
N: ultra dezent; M: fruchtig, konzentriert, Lakritz, gute Würze, kräftige Tannine 89++CP
2006 Rüdesheim Drachenstein Pinot Noir Spätlese
N: leichte Fruchtnoten; M: würzi, feine Frucht, große Eleganz 89+CP

Schloß Schönborn präsentierte ein hervorragendes Erstes Gewächs
2008 Hattenheim Pfaffenberg Riesling Erstes Gewächs
N: erdig, würzig; M: kräftig, würzig, vielschichtig, harmonisch, 91CP

Der zweitbeste trockene Weißwein, den ich verkostet habe, kam vom Weingut “zur Schwane”.Während ich beim Ersten Gewächs von Schloß Schönborn noch viel Potential sehe, glaube ich jedoch, daß dieser Silvaner bereits jetzt auf dem Optimum ist und deshalb so gut abschnitt.
2008 Volkach Ratsherr Silvaner No. 1
N: würzig, Frucht; M: kräftig, cremig, Schmelz, würzig 90CP

Sehr gut gefallen haben mir auch im Gegensatz zu den weißen Weinen die Spätburgunder vom Weingut Schwarzer Adler
2007 Spätburgunder Selection
N: vielschichtige Würznoten; M: sehr schön, erdig 90 CP
2007 Spätburgunder Selection S
N: würzig, Waldbeere; M: Schokolade, Kaffee, würzig, dicht 90CP

Besonders hervorzuheben sind auch die Weine der Königsmühle. Diese erweisen sich als absolut eigenständige und auch eigenwillige Weine, deren Entwicklung sicher interessant zu beobachten sein wird.

Die große Leithaberg-Horizontale habe ich nur zum Teil mitgemacht. Das hohe Niveau der von mir verkosteten 3 Weine läßt die Vermutung bestehen, hier unter Umständen an der falschen Stelle auf einen Schluck verzichtet zu haben.
Der 2007 Blaufränkisch von Hans & Anita Nittnaus verdient auf jeden Fall allerhöchstes Lob.
N: leichte Würze, schöne Frucht; M: sehr konzentrierte Frucht, dicht, elegant 91CP

Pian dell’Orino wurde vom Veranstalter mit dem Rotweinpreis der Veranstaltung ausgezeichnet. Mir gefiel ein anderer Wein des toskanischen Weinguts deutlich besser.
2004 Brunello di Montalcino Riserva
N: Strauß von Küchenkräutern; M: sehr elegant, rund, kräftig, Kräuter, Kirsche 91CP

Von Vasco Sassetti schafft es ein zweiter Brunello auf die Liste der von mir besonders zu empfehlenden Weine
2004 Brunello di Montalcino Riserva
N: kräutrig, sehr vielschichtig; M: noch verschlossen, dicht, kräftig, würzig, feine Frucht, kräftige Tannine 90+CP

Die letzte Empfehlung von Weinen, die bei mir 90 Punkte und mehr bekommen haben, geht an das Weingut La Capannelle
2004 Solare IGT
N: steinig, würzig M: viel Frucht, rund, harmonisch, kräftige Tannine 91 CP

Wie eingangs angedeutet, kann ich zu 10 der 104 Weine keine vernünftigen Notizen vorweisen, dies liegt aber keineswegs an einer im Laufe der zwei Tage unleserlich gewordenen Handschrift, sondern schlicht und einfach daran, daß hie und da meine Konzentration durch das Anpreisen der Weine durch das Standpersonal gestört wurde, so daß die Notizen unvollständig oder nicht vorhanden sind. Erinnert sich etwa noch jemand daran, was für einen Fisch er bei Aal-Kai erworben hat?

Eine Zusammenstellung der Berichte befindet sich beim Drinktank.

Stadion Hammer Park gesperrt

Fundierter und weniger aussschweifend hat Christoph das Thema beschrieben.

Leichtathletikstadien gehören in Deutschland zu einer aussterbenden Art. Als Fan des FCK habe ich mich ja auch immer über die einmalige Athmosphäre des Stadions gefreut. Ähnlich wird es in Hamburg den Fans von St. Pauli ergangen sein. Doch beide sowohl der Betze’ als auch das Millerntorstadion wurden ursprünglich als originäre Fußballstadien gebaut. Das unterscheidet sie von vielen Stadien in Deutschland, die im Zuge von Umbaumaßnahmen seit den 90ern zu Fußballstadien umgebaut wurden.

Das Hamburger Volksparkstadion (heute SOFFIN-Arena) gehört zu den Stadien, die mit der Umbenennung in eine Arena sich gleichzeitig von dem direkten Wettkampf zwischen einzelnen Athleten verabschiedeten und sich zu rein kommerziellen Unterhaltungstempeln wandelten, in denen sich das Leben nur noch um den Ball dreht. Diese steuerfinanzierte Subventionsmaßnahme zur Monopolisierung des Fußballs in großen Stadien wird von allen Bürgern, die Steuern zahlen, finanziert, selbst von denen, die weder Sport treiben noch sich dafür interessieren. Als Leichtathlet empfand ich echte Wehmut als dem ehemaligen Stuttgarter Neckarstadion, immerhin Austragungsort einer der besten Leichtathletik-WMs aller Zeiten sowie von Leichtathletik EM und 3 Leichtathletik-Weltfinalen, die Laufbahn auf Drängen von Daimler und dem Vfb gestrichen wurde und daß, wo das Stuttgarter Leichtathletikpublikum den Ruf hatte, besonders begeisterungsfähig und sachverständig zu sein. Viele andere Laufbahnen, Diskus - und Weitsprunganlagen verschwanden unbemerkt aus dem Frankfurter Waldstadion ebenso wie die Hochsprungmatten aus dem Niedersachsenstadion in Hannover. Selbst das Olympiastadion in München stand in Gefahr, die Leichtathletik ebenso wie seinen Status als Ikone der Architektur zu verlieren und konnte die Leichtathletik nur deshalb retten, weil es stattdessen die nirgendwo sonst so arroganten Fußballer verlor.

Während das Stadionrund immer mehr zu einem Arenenrechteck wird und bald nur noch das Berliner Olympiastadion als großes Leichtathletikstadion in Deutschland zur Verfügung steht, schreitet der Abbau der Leichtathletikplätze auch im Kleinen immer weiter voran.

Das Stadion am Hammer Park, einer der wenigen verbliebenen Leichtathletikstützpunkte in Hamburg, ist jetzt auch bedroht. Weil die Stadt Hamburg die Trainingsanlage nicht mit den notwendigen Ressourcen ausstattet, ist eine fachgerechte Betreuung und Wartung der Anlage derzeit nicht gegeben. Daß die technischen Mittel zum Räumen der Bahn ebenso wie ein Platzwart vorhanden sind, ist für die Stadt kein Anlaß die Leichtathletikanlagen zu räumen und den Leichtathleten ein Training wie bspw. in der Jahn-Kampfbahn zu ermöglichen. Auch die Dusch- und Umkleidemöglichkeiten stehen der Leichtathletik nicht zur Verfügung. Nachdem die Stadt zunächst eine unbürokratische Verbesserung in Aussicht gestellt hatte, erfolgte jetzt mit der offiziellen Sperrung ein Zementieren des bisher nur schlecht organisierten Status Quo. Wohin das führen soll, ist zunächst noch unklar.

Wenn man all das bedenkt, was der Leichtathletik in den letzten Jahren widerfahren ist, liegt die Befürchtung nahe, daß die Stadt Hamburg das, was sie mit dem Raubbau der Leichtathletikanlagen des Volksparkstadions begonnen hat, am Hammer Park fortsetzen will und einen klitzekleinen Teil der beim Volkparkstadion zu Lasten der Leichtathletik verprassten Steuergelder erneut auf Kosten der Leichtathletik einsparen will.

Besonders schade empfinde ich das dies in einem Moment passiert, wo die Leichtathletik einen zusätzlichen Aufwind erfahren hat. Im TH Eilbeck, welcher bisher auf der Anlage am Hammer Park trainieren konnte, steigen bspw. die Zahlen der Mitglieder der Leichtathletik seit Jahren an. Daß gerade die Leichtathletik eine gute Sportart ist, um den Körper ganzheitlich zu trainieren und viel für die Sportlichkeit von Kindern und Jugendlichen tut, interessiert die Stadt dabei anscheinend ebenso wenig, wie die eindeutig positiven Auswirkungen auf die Gesundheit und die Vielzahl an Läufern in Hamburg.

Aus dem immer noch verschneiten Exil - 2

Das weiche und doch gemeine Gelblicht
ist der Hinweis auf die Abendschicht
Wie tut man diese Zeit verfluchen
Wie tun einen die Flaggen versuchen

Wär nicht die ein oder andre Pflicht
wollte man eine Kreuzfahrt buchen
um der Schiffe Heimat zu besuchen
Wie schwer fällt der Verzicht

Wie viel besser wird es dort wohl sein
Was ist die Welt dort doch pur und rein
Wie stark tut einen die Sonne erwärmen

Man gerät schon ein wenig ins Schwärmen
und fühlt das Leben ist doch fein
während Kräne und Container lärmen

25. Weinsalon Hamburg

Allen Hamburgern wärmstens empfehlen möchte ich den 25. Hamburger Wein Salon. Mario Scheuermann, Betreiber des Blogs drinktank und des Forums talk-about-wine veranstaltet den Hamburger Wein Salon am 16.1. von 12-19 Uhr und am 17.1 von 11-18 Uhr.

Qualitativ ist der Wein Salon die beste Weinmesse, die ich in den letzten zwei Jahren in Hamburg besucht habe. Auch der Rahmen ist jedes Jahr stilsicher gewählt gewesen. Dieses Jahr findet der Wein Salon wieder im Börsensaal der Handelskammer am Adolphplatz 1 statt. Das Gebäude, das man aus der U-Bahn sieht, wenn man von Rathaus zum Rödingsmarkt fährt und beim Verlassen des Tunnels nach hinten blickt.

Weinlokal Lutter & Wegner

In der Nähe des Fischhafens mit wunderbarem Elbblick liegt das Restaurant Lutter & Wegner. Unterhalb des Restaurants befindet sich die Weinhandlung des Hauses inklusive Weinlokal. Hier ist der Blick auf die Elbe nur durch die Glastüre und nicht von allen Plätzen gegeben. Doch wer schaut schon gerne auf den Ausgang, wenn sich an den Wänden edle Weine stapeln. Das Ambiente im Weinlokal ist modern gehalten mit zwei kleinen Sitzecken, einer Bar und vielen kleinen Tischen. Es wirkt wie eine Mischung aus Bistro, Lounge und Weinhandlung.

Die Speisekarte ist weniger umfangreich als im Restaurant und bietet keine Menus. Dafür gibt es zwei Seiten mit offenen Weinen für um die 5€, geschätzte 25 Positionen, die eine sehr ordentliche Qualität bieten.

Meine Erwartungen wurden von dem Weinlokal bei weitem übertroffen. Ein prompter zuvorkommender, aber nicht aufdringlicher Service ergänzte sich mit gut temperierten Weinen.
Dazu kamen die Speisen, die vollends zu überzeugen wußten. Als Vorspeise hatte ich einen kleinen Salat gewählt. Als mir dieser serviert wurde fürchtete ich falsch verstanden geworden zu sein, denn die Portion war großzügig. Diese Großzügigkeit ergänzte sich durch die vielen Pinienkerne und die Qualität des verwendeten Essigs.

Als Einstiegswein gab es bei mir:
Riesling Gelblack trocken 2008, Schloß Johannisberg, Rheingau
Nase: Zunächst sehr sauer wirkender Eindruck mit Apfel und Birnennoten; nach dem Schwenken Melone und Limette
Mund: Stahlig, sehr klar und stringent, unauffällig guter Wein der direkten Zugang zuläßt, zwischen Apfelfrucht findet sich gut eingebundene Säure; ordentliche Länge

Als Hauptgang hatte ich einen Sauerbraten vom Ochsen mit Kartoffelpüree, Wirsing und Rotkohl. Auch hier besaß die Portion eine Größe, die für normale Menschen sehr geeignet ist und nicht die Ausrede der modernen Küche suchte. Das ist umso erstaunlicher, als die Zubereitung perfekt gelungen war. Jede Beilage war auf dem Punkt. Dazu kam die exzellente Qualität des butterzarten Bratens. Das Essen war ein so famoser Genuß, so daß der Wein hier wirklich nur einen begleitenden Part übernehmen konnte.

Spätburgunder trocken 2008, Franz Keller, Baden
Nase: Waldbeere, Minze
Mund: saftig, fruchtig, leicht erdig, feine Würze
ein sehr feiner einfacher Spätburgunder, der sich die Höchstnote für einen einfachen Wein verdient und das Essen sehr gut begleitete

Das Weinlokal kann ich allen nur wärmstens empfehlen, wobei natürlich interessant, was für eine Qualität das Restaurant in seinen Menus da noch on top setzt.

Einziger Wermutstropfen waren die fehlenden Jahrgangsanganben auf der Karte der offenen Weine. Ich empfinde das gerade bei einem Weinlokal noch immer als Selbstverständlichkeit, selbst wenn im Ausschank ein neuer Jahrgang die letzten Flaschen des alten Jahrgangs fließend ablöst. Von diesem groben Foul habe ich mir jedoch den Genuß sehr guter Weine und hervorragenden Essens nicht vermiesen lassen.

Der zweite potentielle Wermutstropfen, daß es sich um ein Raucherlokal handelt, wird von der sehr guten Belüftung wettgemacht.