Konzentration

Den Fokus nicht zu verliern
nicht nach links oder rechts zu stiern
ist wahrlich keine leichte Sache
denn es liegt zu viel in meinem Fache

Wenn die Gedanken schweifend marschiern
wenn ich denk was ich immer mache
ist es kaum logisch zu kapiern
dass ich aus dem Träumen noch aufwache

Was bringt mich dann wieder zurück
zu meinem Ausgangspunkt
Wie kommt’s dass er zu mir funkt

Egal wie ich die Ablenkung überbrück
Sicher ist dass ich bald wieder entrück
Das ist es was meine Ahnung unkt

Reden

Der Tag ist noch reichlich kurz
doch mir ist jetzt schon bang
Von fünf sind vier bestimmt zu lang
und der Inhalt ist eh schnurz

Garantiert werden sich die wiederholen
dabei sind ihre Bonmots doch gestohlen
Wenn es eigentlich nicht soviel zu sagen gibt
sollten sie aufpassen dass die Stimmung nicht kippt

Doch sie und
Wer hat sie bloß ans Pult gelassen
Kann man ihre nicht ausfaden
Zunehmend beginnt man sie zu hassen

Sie könnten ihre besser würzen
würden sie sie statt mit Zitaten schmücken
die langweilen statt zu glücken
ganz einfach etwas kürzen

Doch das Glück ist vergänglich
Spätestens nach drei ist mein Geist nicht mehr empfänglich
Würde in einer der jetzt etwas Kluges gesagt
wäre das mehr als gewagt

Wer am Ende noch punkten will
und versucht mit Neuem zu überraschen
der lügt sich beim doch in die Taschen
Er verlangt von seinen Hörern zu viel

Drei

Du bist geförmt aus zwei Bögen
aber nicht durch zwei teilbar
Weil dich die zwei etwas verstört
kommt die zwo die sich anders anhört

Paart man dich mit dir
treibt ihr es euch drehend bis zur sechs
in der du zwei Mal steckst
und ein Bogen wird zum Kreis

Nimmt man dich hoch
drehst du dich wieder rum
wobei ich ja von euch sprechen muss
denn du bist mit dir und dir ein Guss

Arbeit 1: Die Frau des Arbeiters

Hard work
Hard work

Für Deine geliebte Arbeit
hast Du natürlich wieder Zeit
Immer bist Du weg
während ich hier feststeck

Wenn sie rufen stehst Du bereit
dabei schicken sie nicht mal einen großen Scheck
Was ist also der Zweck
für unser doppeltes Leid

Du sagst ich soll nicht so viel motzen
doch ich sag Dir ich könnt kotzen
wenn ich seh wie Du Dich kaputt machst

Schlimm ist dass Du darüber lachst
Doch Du wirst auch noch glotzen
wenn Du irgendwann zusammenkrachst

Der Blick

Lass Deinen schweifen
bis sich unsere streifen
und mich Dein An umhaut
und zudem sehr erbaut

Dann möcht ich mich am liebsten kneifen
und hoff dass sich einer von uns traut
denn das wär schwer zu begreifen
wenn man sich sonst alles verbaut

Doch hoffentlich hat einer den Weit
und wenn keiner von uns schreit
dann ich Dir tief in die Augen

und bet dass Dich das aus der Starre befreit
Auf den ersten seh ich dass wir taugen
und uns gegenseitig ansaugen

Ist das Müll, oder sieht es nur so aus?

Liebst Du billigen Trash
oder schmieriges Gewäsch
Oft ist der Unterschied klein
und manchmal muss es wohl sein

Ein Klassik-Konzert ist fesch
doch wenn Irre wild schrein
bringt das manchmal mehr Cash
Das muss man wohl verzeihn

Nicht alles ist große Kunst
und findet dennoch jemands Gunst
Über Geschmack kann man nicht streiten

Das ist wohl gleich zu allen Zeiten
Mancher Konsument hat halt keinen Dunst
und mancher Schreiber lässt sich davon verleiten

Erkältet

Wenn statt mir die Nase läuft
und viel Tee den Schleim ersäuft
beginnt ein Berg Taschentücher sich aufzustürmen
während Nießen und Husten durch mich stürmen

Wenn ich auf diese Art viral gehe
und kaum noch freien Himmel sehe
weil ich das Bett nicht mehr verlasse
fürchten alle alles was ich anfasse

Wenn ich sie dennoch anstecke
und zur Strafe nicht mal verrecke
ärgern sie sich ohne Sinn
raffte es sie doch sonst auch hin

Die nächste Front

Die nächste Front
ist der Horizont
Um ihn zu überwinden
muss man sich kräftig schinden
Das gelingt nicht vielen
weshalb sie nach dem schielen
was nicht in ihr Bild passt
gerade weil es ihr Verstand nicht fasst

Die nächste Front
ist der Horizont
Hier kollidieren Welten
Sie begegnen sich in Kälten
Doch schnell heizt man sich auf
und das Unheil nimmt seinen Lauf
Am Horizont baut man eine Mauer
Sie versteift den Geist auf Dauer

Die nächste Front
ist der Horizont

Wegpunkte

Ich warte und weiß nicht worauf
ich lass den Dingen ihren Lauf
Ich verharre und es ist mir gleich
dass ich damit nichts erreich
Ich steh starr wie betäubt
warte dass mich die Muse bestäubt
doch wenn ich nicht blühe
macht sie sich auch keine Mühe

Ich weiß nicht wirklich weiter
und hab das Gefühl dass ich scheiter
Doch weiß ich nicht einmal wobei –
Verzweifelt entfährt mir ein stummer Schrei
Die Lautlosigkeit erleichtert mich
denn Ratlosigkeit verbreitet sich
Was sollte ich denn sagen
Was wollte ich denn wagen

Ich fühl mich unendlich verloren
dabei war ich doch auserkoren
Aber auserkoren wofür
Mir fehlt jedes Gespür
Ein Plan wär so wichtig
Kein Weg scheint mir richtig
Vor mir seh ich nur Sackgassen
In sie zu gehen kann ich auch lassen

In mir tuen sich Armeen bekriegen
Unter dem Schlachtfeld tut die Antwort liegen
doch ich habe große Angst vor ihr
Dabei ist das hier mein Revier
Statt auf die Antwort schau ich auf die Krieger
und warte gebannt auf die Sieger
so als ob ich mich selbst fremdbestimm
Die Situation ist wirklich schlimm

Ich müsste zu mir vordringen
Wie kann ich mich dazu nur zwingen
Doch das ist keine Frage der Disziplin
Es geht nicht darum an einem Hebel zu ziehn
Es gilt mich selbst zu erkennen
und mit mir weiter zu rennen
Ich bin sicher als Einheit sind wir schnell
dann tret ich nicht mehr auf der Stell

Alternativlos steh ich vor der Schlucht
und suche nach der Chance zur Flucht
Ich ahne es hilft eine alte Wahrheit
und ich kannte sie schon vor langer Zeit
doch mir fehlt der klare Blick –
Ich wünscht ich hätte einen Trick
um wieder klar zu sehen
Dann könnte ich beruhigt weitergehen