Schatz, bin ich zu dick?

Wer sich schon immer gefragt hat, ob es eine korrekte Antwort auf diese Frage gibt, dem sei gesagt: Ja, es gibt sie. Sie lautet: „Wofür?“

 

Um Heidi Klum einen Job auf dem Catwalk wegzuschnappen wahrscheinlich schon. Um in die Kleider zu passen, die du vor zehn Jahren getragen hast definitiv. Um Dich in den Sportwagen meiner Träume rein zu zwängen leider schon, was aber nicht schlimm
ist, da ich auch nicht mehr rein passe. Dafür immer noch Kleidung in Deiner Größe zu finden, langt es wohl noch. Dafür im Flugzeug nur einen Platz zu benötigen bist Du sicher nicht zu dick. Und für mich natürlich auch nicht.

 

Dass dies die korrekte Antwort ist, ist einfach zu erkennen. Bleibt nur die Frage, ob es auch die richtige Antwort ist. Und auch auf diese hypothetische Frage lautet die korrekte Antwort: „Wofür?“

Die Antwort

Gegen den kritischen Intellekt
hilft sicher ein fein prickelnder Sekt
Des Geists Plagen werden ertränkt
bevor er zu stören anfängt

Intellektualität wird überbewertet
Ist’s nicht besser man bleibt geerdet
Und ist man keiner simplen Tätigkeit verbunden
ist mit etwas Alkohol schnell alles überwunden

G’rad wer sich intellektuell gebärdet
ist sehr hochgradig gefährdet
den Kontakt zur Realität zu verliern
Andre schaffen das mit Vergnügen und sechs Biern

Anstatt den eignen Geist zu fordern
tu ich lieber noch ein Getränk ordern
Du kannst nicht immer alles haben
Genieße es Dich an dem Getränk zu laben

Häufig passiert es daß der flucht
der die geistige Herausforderung sucht
Es ist wie die Anleitung unglücklich zu leben
Ist’s da nicht besser sich die Kante zu geben

Macht Intelligenz etwa verantwortlich
Verlangen wir vom Klugen sportlich
seinen Geist an die Grenzen zu zwingen
Tut mir lieber noch einen schönen Tropfen bringen

Ich hoffe, meine Leser wissen, wo der ironische Teil meiner Texte anfängt und aufhört. Allen anderen seien die folgenden Seiten wärmstens empfohlen:

http://www.kenn-dein-limit.de/

http://www.bist-du-staerker-als-alkohol.de/

http://www.bzga.de/

Dichten – was sonst?

Einfach nur mal kurz etwas aufschreiben
sehen wie Worte es miteinander treiben
sie sich innig miteinander verbinden
und wie selbstverständlich zueinander finden
ist als Kunst nicht besonders groß
doch manchmal ist einfach nichts los
Und gibt es keine Chance sich zu kräftigen
muß man sich doch irgendwie beschäftigen
Warum also nicht mit Worten spielen
und mit einem auf das nächste zielen
Wenn sie sich vorteilhaft begegnen
tust du sie gewissermaßen segnen
Denn ihr Treffen erzeugt Gemeinsamkeit
und vertreibt die Einsamkeit
Sie erhalten einen höheren Wert
solang der Reim sich nicht wehrt

Was wenn Kate Nein sagt?

„Willst Du Kate Middleton den hier anwesenden Willy (aus Rücksicht auf die Leser von KeinAlkoholistauchkeineLoesung verzichte ich darauf 5 Minuten lang seinen vollständigen Titel zu nennen) heiraten, ihm und seiner verschrobenen Verwandtschaft damit noch endgültiger untertänigst dienen, als Du es als Bürgerin ohnehin schon zu tun verpflichtet warst, auf jegliche persönliche Interessen fortan verzichten, die nicht einzig und allein das Wohl des Königreichs und des Commonwealth fördern, Dich bedingungslos von allen Leidenschaften zugunsten eines gefühlskalten Lächelns und unterkühltem Handwinken verabschieden, mit bereitwilliger Freude den Paparazzi unserer Yellow Press jederzeit für gute und schlechte Schnappschüsse zur Verfügung stehen, Ihnen mit verlogenen Geschichten genug Futter für salbungsvolle oder schmierige Geschichten liefern und  jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft Deiner unter großen Schmerzen geborenen Kinder aufgeben?“

Was wenn Kate Nein sagt?

Werden alle Blumen des Vereinigten Königreichs auf einmal anfangen zu welken? Werden die Straßen Londons von einem Tränenstrom überflutet, so daß das Abwassersystem einen Kollaps erleidet? Wird die alte Queen wieder lachen können? Wird Willy ein neues Opfer finden? Wird Charles doch noch König? Wird der Geist von Lady Di aus dem Grab aufsteigen und Kate dorthin mitnehmen? Wird ein nicht mehr endendes Unwetter über England herziehen und es mit 666 Tagen Regen strafen? Wie wird die britische Presse mit Kate umgehen? Wird Ihr irgendjemand verzeihen? Ihre eigenen Eltern vielleicht? Und ist Sie vielleicht trotzdem besser dran, wenn Sie Nein sagt?

Fragen über Fragen. Ich weiß nur eins. Ich werde mir nächste Woche mit Sicherheit nicht die Hochzeit zweier mir vollkommen unbekannter Menschen anschauen.

Zu schnell

Nein, es geht nicht um einen Bericht meiner letzten erotischen Eskapaden, sondern natürlich ums Laufen. Ziel meines zweiten Wettkampfs in diesem Jahr war es, mein anvisiertes MRT (Marathon-Renn-Tempo) über die halbe Strecke kontrolliert durchzulaufen. Also kein echter Wettkampf, sondern nur das Ausnutzen guter organisatorischer Bedingungen wie einer abgemessenen Strecke und der Tempokontrolle nach jedem gelaufenen Kilometer.

Das Streckenprofil des Halbmarathons des TSG Kaiserslautern mutet denn auch von zwei kleineren Anstiegen relativ eben an. Doch eigentlich hätte ich mir denken können, daß ein Lauf um den Betzenberg herum sich eher dem Tabellenplatzverlauf des FCK anpaßt und ein Hoch und Runter wiederspiegelt.

Nachdem die ersten 5km also von einer ordentlichen Steigung und einem deutlichen Gefälle geprägt waren – mit daraus resultierenden Zeiten von 4:36min auf dem 1. und 3:48min bei km 4 und 5 – kam der erste flache Kilometer. Als an dessem Ende glatte 4min standen, nahm ich raus und lief bis km 11 tatsächlich relativ konstant 4:15min. Kilometer 11 war jedoch schon wieder mit einer deutlichen Steigung verbunden und die km davor laut verfeinertem Streckenprofil zumindest auch leicht ansteigend. Gefühlt waren es die einzigen flachen, denn ab km11 ging es gefühlt nur noch bergab (auch wenn das Streckenprofil anderes sagt). Da ich aber bergab einfach nur runterrolle, war die zweite Hälfte des Laufs keine gute Gelegenheit, um das MRT zu trainieren.

Nach 1:26:43 war ich im Ziel damit kein bißchen schlauer. Weder war es mir gelungen, das Ziel des Laufs zu erreichen und ein Tempogefühl für mein MRT zu gewinnen. Noch hatte ich eine echte Standortbestimmung hingelegt, aus der ich auf das beim Marathon mögliche schließen könnte. Dennoch ein schöner Lauf durch den Pfälzer Wald auf großteils asphaltierten Wegen. Vom vielen Bergablaufen tuen mir jetzt allerdings die Waden weh. Aber ich bin mir sicher, der FCK wird nicht mehr so weit nach unten laufen.

Der frühe Ling

An einem sonnigen Tag im März
entschied Herr Ling ganz ohne Schmerz
es wär an der Zeit aus dem Haus zu gehn
um draußen mal wieder nach dem rechten zu sehn

Kaum war er draußen angekommen
fühlte er sich recht beklommen
denn er erblickte alles Grau in Grau
und bei dieser Farbe wird ihm immer mau
Herr Ling zog den Mantel noch enger
Trotz Sonne war die Kälte doch strenger

Erschrocken erblickte er traurige Gesichter
und fragte sich wie kriegt er diese wieder lichter
denn ihre Trauer war wie eine Beschwerde
also griff Herr Ling tief in die Erde
und zog ein paar Blumen an die Oberfläche
Schließlich hat dafür jeder eine Schwäche
Farbige Blüten malte er an die Bäume
damit die Menschen wieder träumen

Auf einmal hörte er wieder Lachen
sah daß seine Taten Freude machen
Zufrieden lehnte er sich zurück
und freute sich über das allgemeine Glück
Es war ihm eine Freude den Menschen so zu dienen
und doch war er fast zu spät erschienen
Das gefiel ihm natürlich nicht
und so sprach schließlich zu sich
Nächstes Jahr sollen sie nicht auf mich warten
Nächstes Jahr erschein ich früh in ihrem Garten

Länge ist kein Maß für Schönheit

Egal wie sehr ich auch dran feil
des letzten Gedichts zweiter Teil
wird dadurch nicht besser
und entwickelt sich zum ungeliebten Stresser
Auf sonnendurchflutete Altstadtgassen
krieg ich nichts Poetisches zu fassen
Der Zweifel der am Nutzen des unterbrochnen Trainings nagt
ist nichts was stilistisch hervorragt
und nichts was dich inhaltlich weiterbringt
Wie so denn dann ein akzeptables Gedicht gelingt
Vielleicht funktioniert ja Reduktion
indem ich den Leser vor dem zweiten Teil verschon
(zu spät)

Tokio Life

Was für ein Gefühl ist es, in Tokio unter die Dusche zu gehen? Der von vermeintlichen „Angsthasen“ ausgehende Gestank erscheint doch als die geringste Sorge. Wie ist es, bei Regen sich nicht um die Frisur sondern um die eigene Gesundheit zu sorgen? Kann oder will sich jemand ausmalen, wie eine Metropole wie Tokio plötzlich menschenleer vor sich hin vegetiert, weil wir doch kein Glück haben und sie nicht verschont wird? 250 km Entfernung sind ein kosmischer Witz im Kampf gegen die Natur.

Das Erdbeben und der Tsunami haben die Macht und die Gewalt der Natur aufs Deutlichste gezeigt, doch jetzt sind es solche Banalitäten wie Wind und Regen, die Strömung des Flusses, die Millionen Menschen bedrohen. Ich finde es beklemmend zu sehen, wie die kurz-, mittel- oder langfristig tödliche Bedrohung der Radioaktivität in den Alltag von Millionen Menschen einzieht. Wie kann man die Gefühle der Menschen beschreiben, die damit leben müssen? Werden sie von der Angst gelähmt? Was treibt sie an, weiter zu machen und nicht aufzugeben, wo Flucht doch ein natürlicher Reflex zu sein scheint?

Schrecklich muss die Ungewißheit sein, die von der unüberschaubaren Lage im AKW Fukushima ausgeht. Nicht zu wissen, wie schlimm die Lage wirklich ist und welche Gefahren bei einer falschen oder sogar bei der richtigen Windrichtung auf einen lauern, scheint ein normales, unbeschwertes Leben nahezu unmöglich zu machen. Die Gefahr, die über allen schwebt,  erscheint nur schwer erträglich. Die Katastrophe, die Japan immer noch heimsucht, versetzt das Land in einen emotionalen Ausnahmezustand.

Die Bedrohung, die über den Japanern schwebt, kann ich immer noch nicht begreifen. Sie läßt mich sprach- und fassungslos bleiben. Es ist schwer zu verstehen, wie wir unser normales Leben weiter führen, während die radioaktive Gefahr immer noch Millionen Menschen bedroht.

Warum ich beim Laufen häufiger anhalte

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Die rosa gefärbten Bäume
erzeugen Mandelblütenträume
Ohne Erschöpfung um Atem zu ringen
und sich zu einer bewegenden Pause zu zwingen

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kommst du dem Ziel näher als du denkst
auch wenn du keine Schritte dorthin lenkst

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denn du lässt den Frühling durch dich fließen
und reduzierst dich aufs genießen

Sprachlos – Ratlos

Manche Ereignisse lassen einen ratlos zurück. Der Schrecken, den unfaßbare Ereignisse wie das Erdbebendesaster in Japan hinterlassen, macht manchen sprachlos. Andere leider nicht. Sie finden eine Sprache, die inadäquat ist, weil sie entweder vorschnell schwafeln, ohne tatsächlich etwas zu wissen, oder weil sie das dortige Unglück zu instrumentalisieren versuchen. In beiden Fällen ist es besser, sprachlos zu bleiben.

Gerade in dieser Situation fühle ich auf mulmige Art und Weise an meinen Leitspruch von Sokrates erinnert: „Ich weiß, daß ich nichts weiß“. Gerne ergänze ich diesen Satz mit: „und ich gehe davon aus, daß das auch für alle anderen gilt“. Sicher gibt es Experten, die die Situation deutlich besser als ich und viele andere einschätzen können, doch ich fürchte, daß niemand, auch vor Ort, weiß, wie kritisch die Situation des Unglücks wirklich ist.

Was ich jedoch bis zu einem gewissen Grad verwerflich finde und weswegen ich lieber sprachlos bleibe, ist die Geschwindigkeit, mit der wir uns von dem Leid, der Gefahr und den Sorgen der japanischen Bevölkerung entfernen und stattdessen versuchen, Projektionen in unsere eigene momentan nicht akut bedrohte Gesellschaft zu treffen.

Ich will keineswegs, eine grundsätzliche Diskussion über die atomare Energieversorgung verbieten, doch sind meine Gedanken und mein Mitgefühl bei den akut bedrohten Japanern. Ich wünsche Ihnen, daß das atomare Desaster so glimpflich abläuft, wie es irgend möglich ist und daß die Menschen in Japan nicht noch mehr unerträgliches Leid erfahren. Bezüglich allem anderen bleibe ich lieber sprachlos.