Auf der Mauer Riesling 2009

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Die Farbe des Weins liegt zwischen glanzhell und strohgelb. Anfangs duftet er mäßig intensiv nach Zitrusaromen. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität deutlich zu und wird vielschichtig. Etwas Vanile, eine feine Würze sowie Zitrusaromen und nasser Stein bestimmen jetzt das Bukett.

Auch am Gaumen nutzt der Wein den gesamten Raum des Spielfelds. Der Wein besitzt eine gute Dichte, die durch seine Saftigkeit noch unterstützt wird. Das Ganze spielt mit einer feiner Mineralik zusammen, so daß eine schöne Mischung aus Opulenz und Filigranität entsteht. Daneben kommt eine feine Würze ins Spiel. Das alles verbindet sich zu einer exzellenten Harmonie.

Vielleicht ist das noch kein großer Wein, aber viel fehlt nicht dazu. Man soll bei einem solchen Wein aber nicht nach dem suchen, war vielleicht noch zur Perfektion fehlt, sondern sich an dem freuen, was er ins Glas stellt. Und das ist wahnsinnig viel. Ein zurecht gehypter Wein, der außerordentlich gut gemacht ist und einen Riesenspaß macht. Es mag erstaunen, wenn ich einen sohervorragenden Wein zu einem eher einfachen Essen wie Matjessalat empfehle, aber ich glaube das könnte passen.

Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Bassermann-Jordan
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13,0%

Unterwegs verkostet

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Maikammer Heiligenberg
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Faubel
Ausbau: Kabinett trocken

Der Wein hat einen intensiven Pfirsichduft, der von leichten Zitrusnoten begleitet wird.
Am Gaumen wartet er mit einer knackigen Säure auf, die aber akzeptabel ist, da er zugleich über viel Frucht verfügt. Gärkohlensäure läßt ihn etwas prickeln. Dazu kommt ein würziger Abgang, der eine gute Länge besitzt.
Das ist ein rustikaler Wein, der als Sommerwein herrlich einsetzbar ist. Auch durch die Säure lassen sich viele Einsatzmöglichkeiten ausdenken, etwa zu Käsespätzle oder zur Vesper.

Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Scheurebe
Erzeuger: Pfeffingen
Ausbau: Spätlese trocken

Der Wein duftet nach nassem Stein und sehr würzig.
Am Gaumen zeigt er sich sehr vollmundig mit einem kräftigen Körper. Er besitzt viel Frucht und eine leichte Muskatnote. Eine feine Herbe kann nicht als feinherb bezeichnet werden, weil der Begriff dermaßen mißbraucht wurde und dies durchaus ein trockener Wein ist. Es ist nur eine leichte Säure vernehmbar. Er besitzt eine ordentliche Länge.
Das ist sicherlich der feinere der beiden Weine, auch wenn der einfache Riesling vielleicht sogar noch mehr Spaß machen kann. Diese sehr gute Spätlese könnte ich mir zu gebratenen Scampi vorstellen.

Weinrallye #36 Wein und Musik

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Wein und Musik sind das Thema der diesmaligen Weinrallye, die vom WeinReich-Blog Rheinland-Pfalz ausgerufen wurde. Als erstes denke ich dabei daran, welcher Wein zu welcher Musik getrunken wird.

Wenn ich ich an meine Lieblingsmusik denke, frage ich, welcher Wein paßt zu David Bowie? Zu diesem Chamäleon der Musikgeschichte brauche ich wohl einen wechselhaften Wein. Klingt nach Riesling. Doch wie verhindert man, daß man die falschen Seiten verbindet? Etwa ein schweres Großes Gewächs, das man beobachten und aufsaugen will, zu eingängigen Popsongs a la China Girl oder Let’s dance, die einfach nur zum Tanzen anregen und daher eher nach einem Sekt verlangen. Wie im Restaurant den Sommelier, der Wein und Essen und idealerweise auch die Kombination kennt, bedarf es auch hier einen Experten auf beiden Seiten. Den DJ?

Ich wechsle die Musik. Franz Ferdinand „The dark of the matinee“ Schottischer Wein? Besser nicht! Also ein Österreicher? Aber einer der nach Verzweiflung, Untergang und Tod schmeckt. Also einer aus dem Jahr des Glykolweinskandals. Dürfte nur noch schwer zu bekommen sein. Außerdem wird das weder dem unschuldigen Thronfolger noch der Musik gerecht. Vielleicht doch eher ein Wein, der nach Sehnsucht schmeckt. Ein restsüßer Mosel Kabinettwein?

Ich wechsle die Musik. Duffy „Mercy“. Ein gnädiger Wein? Ein Wein mit Soul? Soul ist ehrliche Musik, die pur und rein ist. Das klingt wie Muskateller, der reinste Wein. Aber Soul ist auch kratzig, rau und dunkel. Jetzt bin ich bei einem Süditaliener. Einem Negroamaro, einen Primitivo oder einen Nero d’Avola? Nero d’Avola schmeckt zu sehr nach Mafia. Ich nehme dem einfachen Primitivo.

Ich wechsle die Musik. Vielleicht sollte ich doch eher die Musik an den Wein anpassen und nicht umgekehrt.

Ich mache die nächste Flasche auf. Dazu kommt Udo Jürgens „Griechischer Wein“. Der Retsina schmeckt nach Harz und weckt die wehmütigen Erinnerungen an eine properierende Wirtschaft mit einer stabilen Währung, bevor man zur wirtschaftlichen Absicherung der Daheimgebliebenen als Gastarbeiter die Reisefreiheit der EU nutzte und bei einem einsamen Syrtaki mit der jungen Bedienung an einen ordentlichen, anständigen Rotwein von Santorin denkt.

Ich mache die nächste Flasche auf. Dazu erklingt Nancy Sinatra „Summer wine“. Verwundert blicke ich aufs Etikett und entdecke schon wieder einen Riesling mit knackiger Säure und etwas Zitrusfrucht. Vielleicht hätte ich doch eher einen Vinho verde aufmachen sollen. Andererseits sind wir wieder in der Gegend eines dahin gehauchten Souls. Ein Trollinger? Vielleicht doch ein Vernatsch? Wer bei den derzeitigen Temperaturen grillen will, sucht eher einen kräftigen aber einfachen Wein. Ein Minervois oder ein Grenache? Da komme ich zum Cotes du Rhone.

Ich mache die nächste Flasche auf. Mein Kopf nickt zu Ub40 „Red red wine“ Wer den Text genauer lauscht, wird nach Sangria und Strohhalmen verlangen, doch den Text hört man nur an Regentagen, und selbstverständlicherweise haben wir heute schon um 11 Uhr morgens 31°C. Also ein Rosé. Gekühlt oder nicht, ist fast schon egal. Ich tue sogar noch Eiswürfel ins Glas und genieße das Vibrieren des auf der Box stehenden Glases.

Ich drücke auf Repeat.

Ungsteiner Weilberg Riesling 2007

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Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Einige winzige Perlen zeigen sich an seiner Oberfläche. Die erste Nase wechselt merkwürdig zwischen intensiv und verhalten. Ausdrucksvolle Tabak- und Kräuternoten kommen, verlieren sich aber auch schnell in der Nase. Die zweite Nase ist intensiv und von kräftigen Noten geprägt. Tabak, Mineralik und etwas Graipefruit sind zu erkennen.

Geschmacklich fällt vor allem auf, wie schwer und dicht der Wein wirkt. In dem schweren Körper gehen die diffizilen Geschmackskomponenten fast etwas unter. Die kräftige Würze kann bestehen, aber die leichte Säure läßt sich nur schwer identifizieren. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Ich muß gestehen, es fällt mir schwer, die Größe dieses Gewächses zu erkennen. Der Geruch ist toll und wirkt sehr erforschenswert, aber der Geschmack bietet abseits der Kraft eher ein Bild der Beliebigkeit um es bösartig zu übertreiben. Auf jeden Fall ein sehr guter Wein, aber eigentlich zu wenig für ein großes Gewächs. Zum gegrillten Längsfisch.

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Ungsteiner Weilberg
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Weingut Pfeffingen
Ausbau: Qba trocken – Großes Gewächs
Alkohol: 13,5%

Westhofener Kirchspiel Gewürztraminer 2007

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Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Ein paar kleine Trubperlen lösen sich sehr schnell auf. Die erste Nase ist intensiv. Prägend ist vor allem eine Lycheenote. Daneben kommen ein Rosenaroma und eine leichte Würze ins Spiel. Die zweite Nase gewinnt zusätzlich an Intensität. Neben Lychee rieche ich jetzt auch Ananas.

Am Gaumen fällt insbesondere eine deutliche Bitternis auf. Er hat einen mittelschweren Körper. Frucht und Säure sind eher zurückhaltend. Dafür wirkt der Wein sehr würzig. Der Nachhall besitzt eine sehr gute Länge. Ein angenehmes Prickeln erinnert mich doch eher an Mineralik als an Kohlensäure.

Die Bitternis verleiht dem Wein etwas Medizinales. Positiv an dem Wein fallen seine Vielschichtigkeit und sein Duft auf. Aber er wirkt nicht vollständig harmonisch. Das Medizinale wirkt sogar störend. Zu einer Quiche Lorraine.

Herkunft: Deutschland – Rheinhessen – Westhofener Kirchspiel
Jahrgang: 2007
Rebsorte: Gewürztraminer
Erzeuger: Weingut Hirschhof
Ausbau: Kabinett trocken
Alkohol: 12,5%

Hafenklang und harte Küsse

Das Schiff tutete erneut. Paul wußte, was das Zeichen zu bedeuten hatte. Es war Zeit. Er löste sich leicht aus der Umarmung, um Krista in die Augen zu schaun. Während sie die Hände an seiner Taille ließ, hielt er ihre kräftigen Oberarme.

Paul war leicht überrascht, so etwas wie Wehmut aus ihren Augen zu lesen. Er hatte gedacht, daß es für sie leichter wäre. Schließlich war er es gewesen, der sich vollkommen auf sie eingelassen hatte, sich ihr bedingungslos untergeordnet und all ihre Launen ertragen hatte. Empfand sie am Ende mehr für ihn? Merkwürdigerweise war er davon ausgegangen, für sie nur Manövriermasse gewesen zu sein, die man bei Bedarf einfach austauscht. Gerade diese Labilität ihrer Beziehung hatte ihn auch die extremen Spiele mitmachen lassen, um sie wie einen perfekten Sommertag bis zum Sonnenuntergang auszukosten.

„Nicht weinen, Gefreiter Habermann.“

Paul wußte nicht, warum ihm beim Klang von Kristas barscher Stimme gerade jetzt die Frage durch den Kopf schoß, ob es seine Vorliebe für dominante Charaktere war, die ihn zum Bund getrieben hatte. Er erinnerte sich an Kommentare seiner Mitschüler, die verweigerten, weil sie sich nicht den ganzen Tag Befehle entgegen brüllen lassen wollten. Ihn hatte das nicht gestört.

Weder er noch Krista hatten es an die große Glocke gehängt, daß sie zusammen waren, aber vollkommen verheimlichen ließ sich das natürlich nicht. Paul mußte sich viel Häme und anzügliche Sprüche gefallen lassen, doch er tat, als würde er das ignorieren.

Wahrscheinlich war das die einzige Art und Weise, mit so etwas umzugehen. Er hatte in der Zeitung von einem Schulausflug gelesen, bei dem sich ältere Schüler an den Jüngeren vergangen hatten, und er war sich bewußt, daß auf seiner Stirn in ganz großen Lettern „Opfer“ geschrieben stand. Diese Gefahr war jetzt immerhin überstanden. Seine vermeintlichen Kumpane hatten einfach zu viel Angst vor Krista gehabt.

Paul meinte auch jetzt ihre gaffenden Blicke auf sie gerichtet zu spüren, doch es war ihm egal. So schnell würde er keinen von denen wiedersehen. Jetzt konnte ihm nichts mehr passieren. Er nahm Krista die Mütze vom Kopf und strich ihr sanft über ihre blonden Haare. Sie lächelte schwach.

„Es ist Zeit.“

Paul zögerte. Zum ersten Mal meinte er etwas Unsicherheit in ihrer Stimme zu hören. Er konnte kaum glauben, wie schwer ihr der Abschied fiel. Wie hatte er es nur geschafft, eine so tiefe Beziehung zu ihr aufzubaun? Was machte ihn für sie so attraktiv? Lag es an seinem ungekünsteteln Respekt und seinem bedingungslosen Gehorsam? Das wäre wohl zu wenig gewesen. Schließlich hatte Krista durchaus Spaß daran, Leute zu etwas zu zwingen und grausam zu sein. Vielleicht lag es daran, daß er in ihr nicht nur die brutale Bestie sondern auch die bildhübsche Frau sah und daher keine Angst vor ihr hatte.

Was sollte er jetzt nur ohne sie machen? Sie würden für eine längere Zeit getrennt sein. Das Schiff würde erst in zwei Monaten wieder anlegen und das auch noch in Santiago de Chile. In der Zwischenzeit konnte so viel passieren, daß es besser war, sich dort nicht zu verabreden. Ob sie sich dann überhaupt noch an ihn erinnern würde?

Krista schien sich wieder gefaßt zu haben. Sie löste sich vollständig aus der Umarmung und setzte sich die Mütze wieder auf. Nur kurz mußte sie die Lippen noch einmal zusammenpressen, bevor sie wieder endgültig die alte Krista war.

„Es ist Zeit. Verabschiede dich.“

Paul schwang sich mit der Linken den Seesack über die Schulter, nahm Haltung an und salutierte.

Etwas enttäuscht, daß von ihr keine Reaktion kam, drehte er sich um und ging auf die Gangway zu. Er war keine drei Schritte gegangen, als er Krista hörte.

„So verabschiedet man sich doch nicht.“

Als er dich umdrehte, war sie ihm auch schon entgegen gekommen und küßte ihn lange mit entschiedener Härte. Als sie die Hände von seiner Schulter und seinem Po nahm, lächelte sie ihn noch einmal an und gewährte ihm einen Blick auf ihre in dieser Sekunde vollkommene Schönheit.

Von Glück beseelt setzte Paul seinen Weg fort. Er schaute nicht mehr zurück. Es war klar, daß dies ein finaler Abschied war. Zurück an Land ließ er  am Pier seinen Sack fallen und umarmte seine dort wartenden Eltern, die ihn etwas verdutzt anblickten.

Spur der Steine

Seit 2006 gibt es unter Schirmherrschaft der Gesellschaft für Rheingauer Weinkultur ein Projekt, bei dem es darum geht, die Vielfalt der hessischen Weinlagen herauszuarbeiten und dem Verbraucher die Bedeutung der unterschiedlichen Bodenformationen für den Wein nahezubringen.

Aus 5 über das ganze Rheingau verteilten Lagen mit unterschiedlichen Bodenstrukturen sowie aus dem Heppenheimer Steinkopf von der hessischen Bergstraße wurde Rieslinglesegut von der Forschungsanstalt Geisenheim unter den gleichen Bedingungen ausgebaut. Alle Weine wurden temperaturgekühlt vergoren und zu trockenen Weinen ausgebaut. So sollten die 6 Bodenformationen Quarzit, Quarzit+Schiefer, Löss, Sandlöss, Ton sowie Auensediment auf Kalkstein gut zur Geltung kommen.

Der Einfluß von Mikroklimata läßt sich dadurch zwar nicht ausgrenzen, aber dieser wird einfach mit zum Terroir gezählt. Das Projekt Terroir Hessen verkauft das Sixpack mit den verschiedenen Weinen für gerade mal 40€ und in diesem Jahr wohl leider das letzte Mal. Bei wein.pur, wo man das Sixpack wohl auch noch beziehen kann, war ich auf das Projekt aufmerksam geworden und dachte, daß sich doch daraus eine wunderbare Weinprobe organisieren ließe. Zwei Pfälzer Weine ließ ich das Bodenprofil um Rotliegendes und Granit erweitern, so daß sich ein schönes Gruppenbild ergab.

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Neben dem sehr schön gestalteten Booklet, indem der Herausgeber Information zum Entstehen der Gesteinsformationen gab und die Bodenformationen unterschiedlichen Erdzeitaltern zuordnete, hatte ich im Vorfeld der Probe auch Informationen aus dem Weinglossar von Wein+ extrahiert, was verdeutlichte wie widersprüchlich der Einfluß der Bodenformationen in der Fachwelt gesehen wird. Von daher ist es umso wichtiger, sich ein eigenes Bild zu machen.

(1) Quarzit 2009 Lorcher Bodental-Steinberg
Die Probe begann damit am nordwestlichen Rand des Rheingaus. Laut Literatur sollten uns bei Quarzit säurearme Weine erwarten. Laut Beilage ein säurereicher, mineralischer Wein mit Graipefruit, Zitrone und Apfel.
Nase: Schwefel, faule Eier, Vanille, Stinker
Mund: kräftig, würzig, leicht salzig, mineralisch, säurearm, Vanille, rauchig
Leider nur ein sehr mäßiger Anfang

(2) Quarzit und Schiefer 2009 Rüdesheimer Drachenstein
Weiter ging es um den Rheinknick herum mit einem kurzen Abstecher in die Drosselgasse und dann den Berg hinauf. Ob der Schiefer für einen leichten eleganten Wein sorgen würde oder die Beschreibung eines blumigen, säurereichen Weins mit Maracuja, und reifen gelben Früchten zu finden sei, galt es diesmal herauszufinden.
N: Graipefruit, Schwefel (nicht so stark wie bei 1)
M: leichte Säure, mittlerer Körper, sehr würzig
Ein schwer zu beschreibender Wein. Andere fanden ihn sehr neutral. Ich fand ihn durchaus ausdrucksstark, konnte aber seine Komponenten auch nicht wirklich gut identifizieren.

(3) Löss 2009 Winkeler Hasensprung
Noch ein Stück weiter nach Osten kamen wir in die nächste Rheingauer Spitzenlage.  Die Literatur verprach einen vollmundigen eher säurearmen Wein. Das Booklet einen blumigen Wein mit verschiedenen Fruchtaromen und einer feinen Herbe.
N: Apfel, Zitrus
M: Apfel, Zitrus, Säure gut integriert und im  schönen Zusammenspiel mit der Frucht, leichte Würze
Eine deutlich andere Charakteristik als bei den vorhergegangen Weinen. Dieser Wein wirkte sehr stimmig und gefiel bis hierhin am besten

(4) Sandlöss 2009 Heppenheimer Steinkopf, Hessische Bergstraße
Jetzt machten wir einen Abstecher zu den Füßen des Odenwalds und suchten im Sand der hessischen Bergstraße nach einem eleganten säurearmen Wein, obwohl der Wein als säurereich mit filigranen Fruchtaromen angekündigt wurde.
N: sehr dezent, Vanille
M: relativ belanglos, mittelleicht, leichte Säure
Der Mann ohne Eigenschaften. Ein durchaus gut trinkbarer Wein, der bei einem spannenden Krimi aber keine Zutat liefern würde, um von dem Buch abzulenken.

(5) Ton 2009 Hattenheimer Schützenhaus
Zurück im Rheingau trafen wir auf die nächste Bodenformation. Würde es einen vollmundigen, kräftigen Wein mit guter Säure geben oder einen Wein mit komplexer Mineralität und feinem Bitterton geben?
N: blumig, Nektar
M: fruchtig, mittlere Säure, Gärkohlensäure, eher leicht, ordentliche Länge, frisch
Ein spritziger Wein für den Sommer, sehr schön zu trinken

(6) Auensediment Auf Kalk 2009 Hochheimer Hölle
Das Booklet versprach hier einen Wein mit feiner Bitternis und viel Extrakt.
N: Tabak, Vanille, blumig
M: mittelleicht, leichte Säure, leichte Frucht, sehr rund, ausgewogen, leichte Würze, Schmelz
Einstimmig der beste Wein aus der Rheingau-Kollektion. Er bestach durch seine Balance und das feine Spiel mit dem er seine Komponenten zur Geltung bringen ließ. Die Rheingauenklave am Main ging also als hessischer Sieger aus der Probe hervor.

(7) Rotliegendes 2007 Pfalz, Riesling QbA trocken, Weingut Siener
N: nasser Stein, Katzenpipi, Moos, Kräuter
M: fängt mittelleicht fruchtig an, geht in würzig, kräutrige Richtung über, mineralisches Spiel, intensiver Abgang, rauchiger Nachhall mäßiger Intensität aber mit guter Länge
Setzte für mich noch mal einen oben drauf. Mit seiner Kraft fast schon etwas extrem, aber hervorragend gelungen

(8)  Granit 2008 Rhodter Schloßberg, Pfalz, Riesling Spätlese trocken, Weingut Heußler
Die Literatur ließ mineralische und wenig säurebetonte Weine erwarten.
N: sehr dezent, nasser Stein
M: saftig, würzig, mineralisch, gute Länge, mineralischer Nachhall leicht anschwellend
Auch der zweite Pfälzer konnte sich für mich gegen die hessische Phalanx durchsetzen, blieb aber wegen des zurückhaltenden Duft minimal hinter dem Rotliegenden. Der Granit konnte ein wenig auch als Gegenentwurf gesehen werden, weil er eher eine feinere Struktur hatte.

Fazit: Es ist uns leider nur bedingt gelungen, den Einfluß der Böden auf die Weine nachzuvollziehen können. Dies erfordert wohl noch weitere intensive Studien. Zwei geschickt plazierten Pfälzern gelang es sich gegen die hessischen Weine durchzusetzen, wobei der unterschiedliche Jahrgang auch eine Rolle gespielt haben kann.

Von der handwerklichen Unfähigkeit

Manchmal ist’s grotesk jemand zuzuschaun
wie er versucht einen Liegestuhl aufzubaun
Seine Dreiecke sind nicht stabil
Fast wirkt’s als hätte er kein Ziel

Nichts scheint bei ihm hinzuhaun
Bei diesem eigenwilligen Arbeitsstil
ist’s kein Wunder daß er durch den Stuhl fiel
Es wär besser er tät sich wenigstens traun

jemand um gnädige Hilfe zu fragen
die ihm könnt die leichte Lösung sagen
doch sein Stolz tut ihn dran hindern

Schließlich gelingt der Aufbau sogar Kindern
Ja man muß ihm schon aktiv Hilfe vorschlagen
um seine Probleme mit dem Stuhl zu mindern

Quarzit Riesling 2009

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Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Anfangs ist der Wein von ordentlicher Intensität. Er duftet nach Kräutern und Limonen. Auch nach dem Schwenken bleibt der kräutrige Duft erhalten. Die Intensität nimmt deutlich zu. Dazu kommt eine leichte Tabaknote.

Der Wein besitzt einen mittelschweren Körper. Die Säure ist gut integriert, aber relativ verhalten. Er hat einen rauchigen, kräftigen Charakter. Der Nachhall besitzt eine ausgezeichnete Länge. Grandios ist die prickelnde Mineralik, die sich durch den ganzen Mundraum durchzieht.

Nachdem ich es bereits in der Beschreibung an wertenden Loben nicht mangeln habe lassen, muß ich einschränkend hinzufügen, daß dies ein Wein ist, bei dem der zweite Schluck doch etwas abfällt. Was dem Wein zur Spitzenklasse fehlt, ist insbesondere die Vielschichtigkeit. Charakterstark ist er auf alle Fälle, auch wenn seine Eindringlichkeit eben nach dem Öffnen doch nachläßt. Er besitzt eine enorme Kraft. Ein sehr guter Wein, der mir gut zum gebratenen Steinbeißer mit Zitronensauce geschmeckt hat.

Herkunft: Deutschland – Rheingau
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: P. J. Kühn
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12,0%

Falsches Lachen

Dein falsches Lachen macht dich nicht schön, doch es zeigt dein Bemühen zu gefallen. Der glucksende nachhallslose Klang verrät nicht, ob du gerade glücklich bist. Ist es ein zwanghafter Trieb, der dich versuchen läßt für gute Stimmung zu sorgen? Der mechanische Automatismus, der dich diese Laute ausstoßen läßt, bewirkt eine seltsam leblose Heiterkeit.

Wie viel trostloser wäre es, wenn du und all die andern ihre wohlwollenden Bemühungen einstellten und darauf verzichteten, armen unkomischen Seelen ein Quäntchen Zuspruch zu schenken?