Die Begierden zu verlieren
tut nicht einfach so passieren
Als Resultat der Antriebslosigkeit
ein Zeichen von persönlichem Leid
Kommt der Verlust aus Erkenntnis
ist es weit mehr als ein Geständnis
Es ist auch keine Verpflichtung
sondern eher eine Umschichtung
der eignen philosophischen Ansichten
Nicht mehr über andre zu richten
ist dabei nur ein Aspekt
der viele abschreckt
Doch nichts zu begehren
heißt die Wunschliste zu leeren
ohne alle Wünsche davon zu erfüllen
Es heißt sich nicht mehr zuzumüllen
Kategorie: Gedicht
Große Pause
Damit ich nicht so aufbrause
mach ich lieber große Pause
Ich schreibe nur wenig auf
meine Finger haben keinen Lauf
Auch wenn die Synapsen sich drehen
kommen keine Zeilen zum Entstehen
Was soll’s denk ich bei mir
schreib ich eben nichts hier
Ich mache lieber große Pause
und geh raus aus dem Hause
Die Viertelstunde wird mich erfrischen
So kann ich wieder Neues auftischen
lass mir fräsche Reims einfallen
ohne unsinnig zu schwallen
Doch schnell ist ein Monat vergangen
und ich habe keine Idee gefangen
Wurde mein Interesse geweckt
habe ich es dennoch gesteckt
So wurde die große Pause immer länger
ich hab wohl einfach einen Hänger
Traumlandschaften
Was ich immer wieder träume
ist dass ich etwas versäume
Jede Stunde Religionsunterricht
wohl kein schwerwiegender Verzicht
doch dann komm ich schließlich drauf
und wache schweißgebadet auf
Mein Abitur hat keine Gültigkeit
denn für Religion hatte ich nie Zeit
habe nie eine Prüfung geschrieben
und bin deshalb ohne Abschluss geblieben
Alles war nur ein dreister Betrug
Was träum ich für einen Unfug
Was will mein Unterbewußtsein sagen
tu ich mich in lichteren Momenten fragen
Wofür will es mich beim Schlafen
so unbarmherzig strafen
Soll ich die göttliche Weisheit sehen
Vielleicht ist’s Zeit mal wieder in die Kirche zu gehen
Der Tag geht
Der Tag geht
Der Sarg steht
weit offen
Jetzt hoffen
auf den Biß
darf die Miss
und ein Kuß
bleibt ein Muß
kurz davor
Singt der Chor
engelhaft
ist’s geschafft
Schon lang such ich nen Reim auf gestrandet
Ihn zu finden ist nicht schwer
doch es sollt etwas Kontext her
Bist du wieder mal gestrandet
oder tatsächlich gelandet
Das Eine klingt nach ankommen
Das Andre nach ums Leben geschwommen
Doch mancher muß erstmal stranden
um bei seinem Glück zu landen
Beides klingt nach trockner Erde
Was soll also die Beschwerde
Wieso klingt Stranden so negativ
Nach einem Moment der nicht gut lief
Er liegt wohl so nah am Versinken
deshalb verwechselt man ihn mit Ertrinken
Bist du wieder mal gestrandet
oder tatsächlich gelandet
Wirst du den Weg weitergehn
oder bleibst du wieder stehn
Doch ist man erst am Ziel
Bewegt sich der Kluge nicht mehr viel
Manche gibt’s die erst beim Stranden
ihr wahres Glück fanden
Sind sie nun erst gestrandet
und dann am gleichen Ort gelandet
Tsche-Tsche-Tsche-Tschänses
Empfindest Du Deine Karriere
zunehmend als eine Barriere
Bist du etwa schockiert
weil sie Dein Leben blockiert
Fühlst Du Dich von ihr beengt
und in Deiner Freiheit beschränkt
Merkst Du wie alle an Dir zerrn
und Dir zugleich den Weg versperrn
Willst Du wieder mehr Leben spüren
doch verzweifelst an geschlossnen Türen
Vergiss nicht wer sie verschlossen hat
Du selbst setzt Dich Schachmatt
Du musst Dich vor Dir selbst verantworten
Fang damit an Deine Position zu orten
Schalte dann einmal das Navi aus
und trau Dich aus Deinem Schneckenhaus
Du musst Deine Route selbstständig finden
Achte dabei auf Dein eigenes Empfinden
Siehst Du jetzt die wohlwollenden Gestalten
die versuchen Dich aufzuhalten
die versuchen Deinen Willen zu beugen
und Dich von Deinem (ihrem) Leben zu überzeugen
Eigentlich läuft doch alles gut
Sich zu verändern erfordert Mut
Für ein neues Leben
musst Du viel aufgeben
Alte Freunde werden Dich verlassen
weil sie nicht mehr zu Dir passen
Du musst ungeahnte Opfer bringen
und den inneren Schweinehund bezwingen
Die Antwort
Gegen den kritischen Intellekt
hilft sicher ein fein prickelnder Sekt
Des Geists Plagen werden ertränkt
bevor er zu stören anfängt
Intellektualität wird überbewertet
Ist’s nicht besser man bleibt geerdet
Und ist man keiner simplen Tätigkeit verbunden
ist mit etwas Alkohol schnell alles überwunden
G’rad wer sich intellektuell gebärdet
ist sehr hochgradig gefährdet
den Kontakt zur Realität zu verliern
Andre schaffen das mit Vergnügen und sechs Biern
Anstatt den eignen Geist zu fordern
tu ich lieber noch ein Getränk ordern
Du kannst nicht immer alles haben
Genieße es Dich an dem Getränk zu laben
Häufig passiert es daß der flucht
der die geistige Herausforderung sucht
Es ist wie die Anleitung unglücklich zu leben
Ist’s da nicht besser sich die Kante zu geben
Macht Intelligenz etwa verantwortlich
Verlangen wir vom Klugen sportlich
seinen Geist an die Grenzen zu zwingen
Tut mir lieber noch einen schönen Tropfen bringen
Ich hoffe, meine Leser wissen, wo der ironische Teil meiner Texte anfängt und aufhört. Allen anderen seien die folgenden Seiten wärmstens empfohlen:
http://www.kenn-dein-limit.de/
Dichten – was sonst?
Einfach nur mal kurz etwas aufschreiben
sehen wie Worte es miteinander treiben
sie sich innig miteinander verbinden
und wie selbstverständlich zueinander finden
ist als Kunst nicht besonders groß
doch manchmal ist einfach nichts los
Und gibt es keine Chance sich zu kräftigen
muß man sich doch irgendwie beschäftigen
Warum also nicht mit Worten spielen
und mit einem auf das nächste zielen
Wenn sie sich vorteilhaft begegnen
tust du sie gewissermaßen segnen
Denn ihr Treffen erzeugt Gemeinsamkeit
und vertreibt die Einsamkeit
Sie erhalten einen höheren Wert
solang der Reim sich nicht wehrt
Der frühe Ling
An einem sonnigen Tag im März
entschied Herr Ling ganz ohne Schmerz
es wär an der Zeit aus dem Haus zu gehn
um draußen mal wieder nach dem rechten zu sehn
Kaum war er draußen angekommen
fühlte er sich recht beklommen
denn er erblickte alles Grau in Grau
und bei dieser Farbe wird ihm immer mau
Herr Ling zog den Mantel noch enger
Trotz Sonne war die Kälte doch strenger
Erschrocken erblickte er traurige Gesichter
und fragte sich wie kriegt er diese wieder lichter
denn ihre Trauer war wie eine Beschwerde
also griff Herr Ling tief in die Erde
und zog ein paar Blumen an die Oberfläche
Schließlich hat dafür jeder eine Schwäche
Farbige Blüten malte er an die Bäume
damit die Menschen wieder träumen
Auf einmal hörte er wieder Lachen
sah daß seine Taten Freude machen
Zufrieden lehnte er sich zurück
und freute sich über das allgemeine Glück
Es war ihm eine Freude den Menschen so zu dienen
und doch war er fast zu spät erschienen
Das gefiel ihm natürlich nicht
und so sprach schließlich zu sich
Nächstes Jahr sollen sie nicht auf mich warten
Nächstes Jahr erschein ich früh in ihrem Garten
Länge ist kein Maß für Schönheit
Egal wie sehr ich auch dran feil
des letzten Gedichts zweiter Teil
wird dadurch nicht besser
und entwickelt sich zum ungeliebten Stresser
Auf sonnendurchflutete Altstadtgassen
krieg ich nichts Poetisches zu fassen
Der Zweifel der am Nutzen des unterbrochnen Trainings nagt
ist nichts was stilistisch hervorragt
und nichts was dich inhaltlich weiterbringt
Wie so denn dann ein akzeptables Gedicht gelingt
Vielleicht funktioniert ja Reduktion
indem ich den Leser vor dem zweiten Teil verschon
(zu spät)