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Archiv der Kategorie Motto
Trockensucht
19.5.2010 von Clemens.
Sprachlich normal gepolte Menschen gehen ja davon aus, daß das Gegenteil von trocken naß ist. Für Weintrinker ist das Gegenteil von trocken jedoch süß. Ob süß jetzt in einer Verbundenheit mit der Tatsache steht, daß für andere Alkoholabhängige das Gegenteil von trocken der Normalzustand - die Sucht - ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit abschließend beantworten. Es fällt jedoch auf, daß seit den großen Weinskandalen der 80er immer mehr Weine dem Zwang unterliegen, trocken werden zu müssen. Dafür hat der Konsument mit seiner Marktmacht aus Angst vor den krankhaft gepanschten Süßweinen gesorgt.
Die Trockensucht der Konsumenten ging soweit, daß Winzer gezwungen sind, trockene Weine zu erzeugen und trotz der geringer gewordenen Menge an süßen Weinen Schwierigkeiten haben, diese zu verkaufen. Dies finde ich sehr bedauerlich, sind süße Weine doch mit deutlich höherem Aufwand in der Produktion verbunden als trockene, so man nicht - wie beim Weinskandal - ein bißchen panscht. Die Nonchalance, mit der ein Moselwinzer mir erklärte, in 2008 keine trockenen Weine erzeugt zu haben, weil die Spontanvergärung mit den Naturhefen vorher gestoppt habe, wirkt da völlig aus der Zeit. Ein solche Verkostung läßt dann manchmal die Zeit stillstehen oder dreht sie zurück.
Wohlgemerkt eine Zeitreise, die ich gerne mache, denn das Erlebnis, dichte, ja fast ölige Wiene mit einer überbordenden Fruchtfülle zu genießen, ist für mich ein Gaumenkitzel ganz besonderer Art.
Keineswegs wünsche ich mir, daß nur süße und liebliche Weine produziert werden, aber ich glaube, daß die Trockensucht dazu führt, regional typische Weine zugunsten eines trockenen Einheitspreis zu verlieren. Die Fruchtigkeit, die Weinen von der Nahe und vom Mittelrhein zu eigen ist, kommt am Besten in restsüßen oder halbtrockenen Weinen zur Geltung. Auch um solche Weine zu verschleiern, haben Winzer die Marke feinherb erfunden, bei der ich eher an ein frischgezaptes Jever denke als an einen Wein mit mehr als 18g/l Restzucker.
Die würzigen Weine der Pfalz und Rheinhessens mögen für den trockenen Ausbau ebenso prädestiniert sein wie die Burgunderrebsorten Badens, aber ist das dann nicht auch Bestandteil ihrer regionalen Typizitäten?
Diese regionalen Typizitäten und damit die Vielfalt des Weins zu erhalten, sollte ein Anliegen von Weintrinkern sein. Die blinde Trockensucht dagegen ist geeignet, regionale Typizitäten zu zerstören.
Sprachlich normal gepolten Menschen möchte ich zum Abschluß als weiteres Mysterium der Weinsprache mitgeben, daß nicht von der Trockensucht befallene Weintrinker gerne die gut integrierte Säure in einem süßen Wein loben.
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Faszination Wein - Weinrallye #31
23.3.2010 von Clemens.
Das aktuelle Thema der Weinrallye, das Bernhard Fiedler vorgegeben hat, kann, wie er selbst in einigen Beiträgen anregend gezeigt hat, sehr vielschichtig angegangen werden.
Ich befolge die deutsche Unsitte schlechter Redner und fange ganz vorne an. Beim ersten Wein - genauer bei meinem ersten Wein und beende diese Einleitung sehr schnell, da ich mich nicht an ihn erinnern kann.
Ich überspringe einige Jahre und unzählige Woischherbscht-Schorle und komme zum ersten Wein, an den ich mich erinnern kann und dem es gelang den Virus der Vinophilie in mir zu pflanzen. Es war eine 98er Riesling Spätlese aus der Lage Norheimer Kirschheck vom Weingut Mathern. Die für die Nahe typische Frucht im Wein erlebte ich als Explosion am Gaumen. Noch übwerwältigender war die intensive fruchtbetonte Entfaltung der Aromen in meiner Nase, die von Aromen durchdrungen wurden, die nichts mit Trauben zu tun hatten, sondern eindeutig anderen Früchten zuzuordnen waren. Daß der Wein solche fremden Aromen transportieren konnte, verlieh ihm etwas Magisches. Hinzu kam die für mich bis dahin im Wein unbekannte Süße, die ihn einfach lecker schmecken ließ.
Dies war vielleicht die eigentliche Sensation, die den Virus pflanzte. Ich trank das alkoholische Getränk nicht allein um des Rausches wegen, sondern auch wegen des Geschmacks. Jeder Schluck hatte jetzt eine neue Qualität gewonnen, da er um ein Geschmackserlebnis bereichert wurde. Die Beiläufigkeit, mit der ich als Biertrinker den Alkohol konsumierte, wurde von einer analytischen Aufmerksamkeit abgelöst, die dem Genuß des Getränks vorgeschaltet wurde.
Eine restsüße Spätlese wurde für mich also zum Einstieg in das Weinuniversum. Ich lernte, und ich trank, und ich lernte durch das Trinken. Ich lernte, wie ich die Erfahrung der sensorischen Eindrücke analytisch steueren konnte. Ich begegnete unbekannten Rebsorten, erforschte schwere Bordeauxweine, trockene Rieslinge, weiße Bukettsorten, weiße Burgunderspielarten, Weine aus Südfrankreich, herrlich unkomplizierte italienische Rotweine, Grünen Veltliner und Riesling aus Niederösterreich, Weine aus dem Rhonetal, österreichische Rotweine und entdeckte irgendwann doch die zuvor nicht geschätzten Pinot Noirs.
So wie ich irgendwann doch den Zugang zu Pinot Noir fand, finde ich auch bei den bereits bekannten Weinen immer wieder neue Facetten, lerne die Weine mir bis dato unbekannter Winzer kennen oder werde von der Entwicklung eines Weins im Keller überrascht. Dabei ist klar, daß ich so viele Ecken im Universum des Weins noch nie besucht habe.
Darin steckt für mich die Faszination Wein. Das Universum des Weins ist unendlich groß und dehnt sich aus. Wein zu erleben ist eine fortdauernde Entdeckungsreise. Egal wie alt ich werde, und egal wie viel Wein ich trinke, ich werde immer noch etwas Neues für mich entdecken. Es ist schön, daß Wein mr das Gefühl verleiht, ein Entdecker zu sein. Das Öffnen jeder Flasche gleicht einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Ist das nicht faszinierend?
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Kanadierinnen entschuldigen sich nach Jubelfeier
1.3.2010 von Clemens.
Unglaublich aber wahr. Kanadas Eishockey-Olympiasiegerinnen haben sich für ihre ausgelassenen Feiern nach dem Olympiasieg gegen die USA entschuldigt. Was ist passiert? Nein, die Kanadierinnen haben sich nicht wie so mancher Fußballprofi von den eigenen Fans dazu hinreißen lassen, Spottgesänge auf den Gegner anzustimmen.
Kanadas Eishockeyspielerinnen sind einige Minuten nach Spielende wieder auf die Eisfläche zurückgekommen und haben dort mit Champagner, Bier und Zigarren in aller Öffentlichkeit gefeiert. Dies hat den Funktionären des IOC nicht gefallen, die prompt ein Verfahren einleiteten. Den Funktionären ging es dabei nicht darum, daß einige Spielerinnen Kanadas noch nicht alt genug waren, um in der Provinz British Columbia Alkohol trinken zu dürfen. Sie sorgten sich vielmehr über das Bild, daß die Sportlerinnen abgaben und die schlechte Vorbildfunktion.
Jetzt ist es soweit gekommen, daß sich die Sportlerinnen für Ihr natürliches Verhalten entschuldigt haben. Ich vermute, daß diese Entschuldigung vor allem dazu dienen sollte, die Funktionäre milde zu stimmen und dafür zu sorgen, daß die Sportart olympisch bleibt.
Ich werde nie begreifen, wie Funktionäre auf die Idee kommen können, ihrem Sport einen Gefallen zu tun, indem sie Emotionen verbieten oder steuern. Das Faszinierende am Sport sind die Emotionen, die er hervorruft, die Freude des Siegers, die Tränen des unglücklichen Verlierers, das Mitfiebern mit dem eigenen Team, die Erleichterung nach einem um Bruchteile von Sekunden errungenen Erfolg, die Befreiung von der Anspannung die der Schlußpfiff erzeugt, das unglaubliche Glückgefühl das Ziel des beschwerlichen Wegs erreicht zu haben, den man 4 Jahre zuvor eingeschlagen hat.
Wenn solche Emotionen freigelassen werden, freut man sich mit den feiernden Siegerinnen, sofern man nicht gerade auf der Seite des Verlierers stand, und es ist gerade die ungestüme und unbekümmerte Art das erlebte Glücksgefühl zu feiern, die dem Zuschauer die Sportler näher bringt. Gerade die Tatsache, daß Kanadas Eishockeyspielerinnen aufs Eis zurück kamen, um mit ihren Fans gemeinsam zu feiern, macht sie sympathisch.
Wer glaubt, dem Sport, einen Gefallen zu tun, indem er aufgrund puritanistischer Weltansichten oder warum auch immer, solche umgebremsten Emotionen verhindert, der vergißt, daß die Milliarden, die Zuschauer und Sponsoren für solche sportlichen Veranstaltungen ausgeben, letztendlich ausgegeben werden, weil die Sportart Emotionen zum Zuschauer transportiert und mit den beworbenen Produkten verwebt. Womöglich weiß er es auch sehr genau, und die Biermarke hatte den Nachteil kein offizieller Sponsor zu sein.
Wie dem auch sei. Ich plädiere für die Abschaffung der Gelben Karte für das Trikotausziehen nach einem Torerfolg, und erinnere die Funktionäre an das Motto dieser Website. Kein Alkohol ist auch keine Lösung.
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Das Gelage
6.2.2010 von Clemens.
So ein ordentliches Gelage
ist nichts für alle Tage
Es kostet einfach sehr viel Kraft
bis man sich durch Unmengen Essen schafft
Es schlägt gewaltig auf den Magen
und mancher öffnet gar den Kragen
Der nächst Tag ist wie gestohlen
Schließlich muß man sich erholen
Manchem geht die Erinnerung verloren
erwacht am nächsten Tag schmerzhaft neu geboren
aber was für schöne Ideen wurden gesponnen
teils sogar ganze Welten ersonnen
Herrlich schmeckte am Huhn die Marinade
und was für eine leckere Variation aus Schokolade
Doch es wurde nicht nur gierig verschlungen
Nein es wurde auch getanzt und gesungen
Wieso spürt man diese Energie
außerhalb der Gelage eigentlich nie
Manchmal muß es einfach sein
Hoch lebe der uns zusammenbringende Wein
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Fernsehempfehlung
28.1.2010 von Clemens.
Wer wie üblich am Sonntag Abend nichts anderes zu tun hat, als vor der Glotze zu sitzen, dem sei der Griff zur Flasche… äh nein zur Fernbedienung empfohlen. Nach stundelangen Zappen in bisher unbekannten Kanälbereichen findet der eifrige Zeigefinger den Sender Arte.
Dieser strahlt am Sonntag den 31.01.2010 ab 21:00 einen Themenabend aus zum Thema “Der Geist aus der Flasche“. Beginnen tut dieser Themenabend mit dem legendären Film Barfly, dessen Drehbuch von den vom Sommelier hochverehrten Charles Bukowski geschrieben wurde und in dem dessen Alter Ego Hank Chinaski die zentrale Figur ist, passenderweise auch noch von Mickey Rourke gespielt.
Also Umschalten!
Geschrieben in Fernsehen, Motto, Allgemein | Keine Kommentare »
Das Geschenk
4.1.2010 von Clemens.
Wenn an der Tür die Glocke klinget
und der Postmann ein Paketlein bringet
in dem sich eine Flasche findet
deren Korken man rasch entwindet
Ist’s als ob das Herz gespannt singet
weil sich der Körper nicht mehr schindet
und gleich neuer Wein in ihn dringet
der dafür in der Flasche schwindet
Normal ist’s daß sich so der Inhalt mindert
da man erneut nach dem Glase fingert
Schade wenn man später auf dem Fahrrad schlingert
Schade wenn dann nichts den Sturz verhindert
Dann denkt man an das was den Schmerz lindert
das schöne Erzeugnis aus dem Wingert
Bei allem Humor möchte ich auch gerne für eine Initiative werben, die für einen vernünftigen Umgang eintritt. www.vorbild-sein.de
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Frohe Weihnachten
23.12.2009 von Clemens.
KeinAlkoholIstAuchKeineLoesung wünscht allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest, das von guten Alkohol begleitet statt von schlechtem Alkohol geprägt ist.
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You’re cot and you’re hold, you’re nes and you’re yo, you’re oun and you’re it
11.11.2009 von Clemens.
Die Welt ist nicht einfach. Manchmal muß man die Welt einfach machen auch wenn es einem schwer fällt und manchmal muß man die Welt schwer machen, damit man es leichter hat.
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zur Ode an die Schamlosigkeit
7.11.2009 von Clemens.
Ich muß gestehen, daß mich die überwältigende Resonanz auf den lyrischen Tiefpunkt von KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de doch etwas schockiert hat. Die lethargische Bereitschaft diesen doppelten Tiefschlag hinzunehmen und kein Zeichen des Protests zu senden, den Ringrichter nicht dazu auffordern, den Kampf abzubrechen oder wenigstens die unfairen Methoden zu unterbinden, ist aber ein Zeichen dafür, daß die Mission der Website auf den richtigen Weg ist und echte Erfolge feiert, falls man, wie ich, annimmt, daß die Beiträge nur deshalb keine Verstörung bei den Lesern hervorgerufen haben, weil diese gerade unter massivem alkoholischen Einfluß standen und daher von der Poesie und dem melodiösen Klang der letzten zwei Beiträge so ergriffen wurden, daß sich Sprachlosigkeit ihrer bemächtigte.
Selbstverständlich habe ich eine andere Meinung. Dieser katastrophale Humbug hat es nur deshalb durch die nicht vorhandene Qualitätssicherung von KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de geschafft, weil dieser Sprachstil m.E. das kindliche Gemüt der Läufer sehr gut wiedergibt, bei denen ja bekanntlicherweise die Sauerstoffversorgung des Gehirns im Zuge der langen Läufe auf eine gefährlich geringe Menge absinkt. Damit passen sie aber natürlich hervorragend in die Zielgruppe dieser Website. Wenn das Hirn schon nicht mehr richtig durchblutet wird, kann man die ohnehin nicht mehr benötigten Gehirnzellen ja auch durch ein bißchen Alkohol gleich abtöten.
Die Entstehungsgeschichte der beiden Beiträge muß konstatieren, daß zwischen den Beiträgen einige Monate liegen und der zweite Beitrag zuerst entstanden. Dem Schreiben des ersten Beitrags, lag jedoch das Erinnern an die Schwierigkeiten beim zweiten Beitrag zugrunde, dessen Veröffentlichung bis dahin von der ruinösen Qualität unterbunden wurde. Aber wie heißt es doch so schön. “Schlecht und schlecht gesellt sich recht.” Insofern brach der erste Beitrag die Mauer der Scham, die mich noch davor behütete, den zweiten zu veröffentlichen.
Neben dem Ziel ein neues Minimalziel an poetischer Qualität auf KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de zu definieren hatte ich noch ein zweites heheres Ziel. Es ging darum, einer Band zu huldigen, die wie keine zweite das Motto dieser Website lebt und ehrt. Auch außerhalb ihrer dionysischen Texte lassen sie keinen Zweifel, welchen Stellenwert sie dem Alkohol zukommen lassen. Dem aufmerksamen Leser ist sicher nicht entgangen, daß die letzten beiden Titel Zitate aus dem Song Mama’s Boy der legendären Bloodhound Gang sind. Eine Band, bei der kein Bierglas gefüllt stehen gelassen wird, eine Band, die sich keinen Weinkeller anlegt, weil er ohnehin nach einer Nacht leer wäre, eine Band, für die der Anblick gefüllter Whiskeyflaschen ein Augenleiden erzeugt, eine Band, bei der einem echten Trinker, das Herz höher schlägt, eine Band, der Geschmack, Manieren oder Anstand fremd sind, eine Band, die eine Beleidigung für jeden ernsthaften Musiker darstellt, eine Band, die einen Stammplatz an der Theke von KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de verdient.
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Die Macht des Weins
24.10.2009 von Clemens.
Läßt du den Korken erstmal ploppen
kannst du ihn nicht wieder stoppen
Ist er erstmal freigelassen
läßt er sich nicht wieder fassen
Dann will niemand das Glas droppen
dann füllen sich zur Not auch die Tassen
Auch als gewaltiger Schoppen
begeistert er dann alle Massen
Magisch lenkt er sich ins Glas
und tut als ob er da schon drin saß
Du hast keine Chance ihn aufzuhalten
Mehr als Genuß ist er auch Spaß
Er glättet auch hartknäckige Falten
und erheitert misanthropische Gestalten
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Motto, Allgemein, Dies & Das | Keine Kommentare »