Lautern-Augsburg

Das ist ja gerade mal noch so gut gegangen, mag man sich denken, angesichts Shechters Ausgleich in der 80. Minute, doch natürlich hatten wir Fans vor der Partie gegen den Aufsteiger einen Heimsieg erhofft oder fast schon erwartet.

Natürlich darf man einen Gegner nicht unterschätzen, und in der Bundesliga gibt es genauso wenig einfache Gegner wie in Länderspielen, doch die Partie hatte einige besorgniserregende Momente zu bieten, die fürchten lassen, daß Lautern zu einem einfachen Gegner in der Bundesliga werden könnte.

Aus meiner Sicht war das Unentschieden unterm Strich ein gerechtes Ergebnis, denn auf beiden Seiten wurde eine Vielzahl an Chancen vergeben. Höchst erfreulich war, daß sich Lautern – sonst eher eine spielschwache Mannschaft – seine Chancen selbst erarbeitete. Doch auf der anderen Seite bekam Augsburg viele Chancen auf dem Silbertablett serviert, weil sich die Lauterer Abwehr einen bösen Lapsus nach dem anderen leistete. Dass Rodnei in der Vorwärtsbewegung ausrutschte und aus diesem Ballverlust das 0:1 entstand, kann man vielleicht noch tatsächlich als Ausrutscher interpretieren. Doch leider lagen Lauterns  Probleme tiefer als in der falschen Stollenwahl von Rodnei.

Da war zum Einen das schwache Aufbauspiel der Abwehr in der 1. Halbzeit. Vor dem  Rückstand spielte Lautern sehr souverän und ließ den Ball über mehr als 20 Positionen laufen. Das war zwar noch nicht überaus effektiv, aber ein solches Spiel erfordert Geduld – das ist bei Barcelona nicht anders. Lauterns Paßspiel war natürlich nicht so elegant und zielsicher wie bei Barcelona. So gab es deutlich mehr Rückpässe ins zentrale Mittelfeld, aber insgesamt gelang es Augsburg einzuschnüren und den Ball zu kontrollieren. Doch nach dem 0:1 hatte man das Gefühl, dass der Ball die eigene Abwehr gar nicht mehr nach vorne verließ. Als über längere Zeit nicht erkennbar war, daß die Abwehr die Intention hatte, den Ball ins Mittelfeld zu spielen, kippte dann auch die Stimmung, und die Mannschaft musste sich berechtigte Pfiffe gefallen lassen. So sehr ich auch ein Freund davon bin, das Team über die gesamte Spielzeit zu unterstützen, so sehr hatte ich in diesen Momenten das Gefühl, daß die Mannschaft einen Weckruf brauchte. Und besser der kommt von den Fans als von dem Gegner.

Und dieser hatte neben dem 0:1 leider noch viele weitere Chancen für einen zweiten Weckruf. Dabei resultierten die Konterchancen Augsburgs einzig und allein aus Unzulänglichkeiten Lauterns. Einfachste Fehlpässe der Lautrer Abwehr im initialen Spielaufbau luden die Augsburger ebenso zu weiteren Toren ein wie große Probleme in der Ballannahme und gefährliche Dribblings als letzter Mann. Besonders negativ dabei fiel Matze Abel auf, dessen Grobmotorik erschwerend hinzu kam, sobald ein Augsburger den direkten Zweikampf gegen ihn suchte. Rodnei war kaum besser. Doch während er sonst durch eine extreme defensive Zweikampfstärke auffällt, war diese gegen Augsburg allenfalls solide, zumal er echte Probleme mit seinem Schuhwerk zu haben schien. Lange habe ich mich gefragt, wieso Marco Kurz an Leon Jessen festhält, der selten gute Flanken hervorbringt und auch nicht sonderlich zweikampfstark ist. Am Sonntag wurde mir klar, dass er der einzige Lautrer Abwehrspieler ist, bei dem man nicht die Luft anhalten muss, wenn er den Ball annimmt. Viel gebracht hat er für das Spiel aber nicht. Insbesonderein der Offensive konnte er keine positiven Akzente setzen. Eher setzte er Ilicevic und Shechter mit ungenauen oder unangebrachten Anspielen unter Druck. Florian Dick blieb im Großen und Ganzen unauffällig, aber ich fürchte dies liegt auch an einem schlechten Stellungsspiel seinerseits, denn die meisten Augsburger Konter kamen über seine Seite. Nicht umsonst hatte mit dem Ex-Lautrer Axel Bellinghausen Dicks Gegenspieler die meisten Ballkontakte bei Augsburg. Doch Dick sehe ich noch eher als solide an. In der gegnerischen Hälfte war er zumindest in Halbzeit 2 präsenter als Jessen und eher in der Lage Mittelfeld und Sturm mit Bällen zu versorgen. Flanken waren aber auch von ihm nicht zu sehen und daß er defensiv einige Male nicht am Platz war, lag wohl auch daran, daß seine Mitspieler die Bälle zu leicht verloren. Marco Kurz sollte die Abwehr in der kommenden Woche Ballstoppen und Passen üben lassen. Nach den Leistungen von Abel würde ich auch nicht verstehen, wenn Amedick weiter auf der Reservebank sitzen muss. Er hat eine Chance verdient. Als er sich zu viele Fehler leistete, kam Abel, jetzt ist es umgekehrt.

Das Mittelfeld stand auf dem Platz. Doch was ist darüber zu sagen? Ivo Ilicevic fiel zunächst wegen seiner orangenen Schuhe auf, doch er war auch sonst einer der quirligsten Spieler, der mit Ballsicherheit und Passgenauigkeit auffiel, jedoch kaum direkte Vorlagen lieferte. Sehr schade, dass er in der zweiten Halbzeit aus bester Schußposition einen miserablen Pass in den leeren Raum ablieferte, den nur Augsburgs Torwart Jentsch erreichen konnte. Tiffert und Petsos boten defensiv ordentliche Leistungen, denn Augsburg war in seinen Kontern meist so schnell, dass sie gar nicht eingreifen konnten. Ansonsten ließen sie nichts zu. Von Petsos war im Großen und Ganzen nichts zu sehen, während Tiffert sich bemühte, sich ins Angriffsspiel einzuschalten, dabei aber letztlich glücklos blieb. Olcay Sahan bot dagegen eine schwache Leistung. Seine Pässe fanden selten einen Abnehmer, und die Bälle verlor er leider auch viel zu schnell. Nach zwei vertanen Chancen in Folge sollte Kurz ihm Bedenkzeit auf der Bank schenken.

Im Sturm ist dagegen positiv festzuhalten, dass Kurz auf zwei Stürmer setzte. Shechter und Sukuta-Pasu hielten dabei ein Plädoyer für das 4-4-2-System. Sonst bin ich in der Frage 4-5-1 oder 4-4-2 eher leidenschaftslos, hier überzeugten mich die beiden Angreifer. Mit viel Bewegung machten sie das Lautrer Offensivspiel sehr flexibel. Die Ballsicherheit des quirligen Shechter, der zugleich sehr uneigennützig den Blick für seine Kameraden hatte, war dabei das Beste am ganzen Spiel. Zugleich war ich dankbar, dass Shechter beim Ausgleich doch einmal die eigene Chance suchte. So kann Shechter uns noch eine Menge Spaß machen. Ein wenig erinnerten seine offensiven Zweikämpfe an Jimmy Hoffer, wenn dieser mit einer Mischung aus Durchtanken und Durchschlupfen sich durch die Abwehr mogelte, doch Shechter ist flexibler und sich nicht zu schade das Spiel in die Breite zu ziehen, indem er auf den Außenpositionen aushilft. Mancher mag das kritisieren, wenn ein Stürmer nicht in der Mitte ist, doch Shechter hat nicht die Lufthoheit eines Lakic. Er ist ein andrer Spielertyp. Mit seiner Größe ist Sukuta-Pasu eher ein Typ um hohe Bälle zu behaupten, doch er wurde selten entsprechend angespielt. Positiv fiel mir an ihm neben seiner Beweglichkeit auch die Ruhe und Abgebrühtheit vor dem Tor auf, die er trotz seiner Jugend bereits spüren ließ, wenn er nicht den überhasteten Abschluss suchte, sondern Geduld bewies und dann das Pech hatte, dass für den geschlagenen Torwart ein Mitspieler auf der Linie rettete.

Offensiv gab es also durchaus Positives zu sehen, doch unsere Abwehr wird mich diese Saison noch einige Nerven kosten. Ich befürchte, daß ein erfolgreiches Konzept gegen Lautern ist, die Abwehr unter Druck zu setzen – Fehler macht die schon von alleine. Doch bereits jetzt schwarz zu malen, hieße mit dem Kämpfen erst gar nicht anzufangen. Und gekämpft haben unsere Jungs in der zweiten Halbzeit, wofür sie zu Recht belohnt wurden und echte Betze-Atmosphäre in die Kurve zurückbrachten. Daß der Nichtabstieg diese Saison das einzige Ziel sein kann, war ohnehin klar. Also: der erste Punkt von 40.

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