Mangelnde Kreativität

Juli 12th, 2012

Mangelnde Kreativität
erkennt man meist zu spät
Das Abschweifen ins Banale
in immer größerer Zahle
ist vielleicht ein Zeichen
das neue Ideen blöden weichen
Immer häufiger kommt Müdigkeit
und bleibt für längere Zeit
Es bleibt Lahmes mit Sex zu würzen
und sich kopfüber in den Text zu stürzen
Und wem das zu peinlich ist
dem setzt der Verlag eine Frist

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Zeit

April 30th, 2012

Zeiten ändern sich nicht
Auch morgen schlägt’s um Zwölf Mittag
Heute in vier Jahren geht die Sonne zur gleichen Zeit auf
und heute in 104 Jahren zur gleichen Zeit unter
Zeit bleibt das was sie ist

Zeit kann mich nicht ändern
Mich ändern Erlebnisse
Mich ändern Erkenntnisse
Mich ändert mein Wille
aber nicht die Zeit

Ich kann Zeit nicht ändern
Sie bewegt sich auch ohne mich
Sie lässt sich von mir nicht anhalten
Sie lässt sich von mir auch nicht beschleunigen
denn sie existiert unabhänig von mir

Zeit ist auf niemands Seite
Wer glaubt sie spiele ihm zu
Wer glaubt das sei seine Zeit
Wer glaubt er könne mit ihr spielen
dem geht sie doch irgendwann aus

Zeiten ändern sich nicht
denn ist Zeit eine Dimension
so ist jeder denkbare Moment
nur ein scheinbar willkürlicher Moment
aus dem Möglichkeitsfeld der konstanten Skala Zeit

Österliche Hoffnung?

April 8th, 2012

Hoffnung auf den Klasseverbleib des FCK gibt es sicherlich nicht. Aber das sagen mir die Bekannten mit einer Mischung aus Genugtuung und Mitleid seit der Niederlage in Freiburg jede Woche aufs Neue. Für mich selbst ist das nichts Neues, denn ich habe den Klassenerhalt nach der Niederlage gegen Schalke abgehakt. Ich konnte einfach nicht daran glauben, dass diese Mannschaft (wieder) in die Spur findet. Damit war ich unter den Lautrer Fans sehr spät dran, denn viele hatten den FCK bereits nach dem zweiten Spieltag abgeschrieben.

Trotz des Kampfgeists und der guten aber unglücklichen Leitungen wurde ständig über das Team geschimpft. Es war bemerkenswert, wie lange das Team in diesem miserablen Stimmungsumfeld den Glauben an sich erhalten hat. Erschreckend war für mich, wie schlecht die Stimmung auf dem Betze geworden ist. Ganz, ganz selten war mal Stimmung bis unters Dach. In keinem Spiel haben wir Fans es geschafft 90 Minuten lang Gas zu geben. Teilweise waren die schwachen Auftritte des Teams immer noch besser als die Leistung der Fans. Natürlich gaben die Jungs wenig Anlass zum Feiern, doch früher war das egal. Der Betze brannte egal gegen wen, egal wie es stand und egal wie schwer sich das Team tat. Oft genug kam von den Fans der Impuls, der die Mannschaft zu Wundern anstachelte. So lahme Fans, wie wir es dieses Jahr waren, haben auch keine erfolgreiche Mannschaft verdient.

Erschreckend die Grabesstille, die über weite Teile der 2. Halbzeit gegen Schalke oder das ganze Spiel gegen Hamburg herrschte. Schlimm wie manche Fans 90 Minuten lang über die „Luftpumpen“ auf dem Platz schimpfen aber nicht einmal FCK rufen. Auf solche Fans kann der FCK verzichten, und er wird es wohl auch müssen, denn diese Schönwetterfans sind diejenigen, die in der 2. Liga nicht kommen werden. Die Frage bleibt, wer und wie viele kommen werden. So leer wie gegen den Verein aus dem Kraichgau kamen mir die Hinfahrtzüge selten vor. Von den angeblich 40.000 Zuschauer hat ein Großteil wieder nur geschimpft. 30.000 werden in der 2. Liga eine Ausnahme sein.

Auch am letzten Samstag war die Stimmung lange Zeit wieder schwach. Erst nach dem Rückstand und der endgültigen Resignation der Fans kam auf einmal die ganze Kurve in der 1. Liga an und machte Stimmung. Ob Laola beim Rückstand angebracht ist oder nicht, endlich war einmal wieder Stimmung. Auch in der 2. Hälfte gab es einen solchen Moment um das 0:2 herum, als wir minutenlang „Olé rot weiß“ sangen und dabei schlicht über das Gegentor hinweg sangen. Wenn das auch wieder ein Zeichen der Resignation war, bleibt doch die Hoffnung, dass die Fans Hunger auf diese Stimmung bekommen haben und dass der Betze in der nächsten Saison wieder brennt. Wenn die Stimmung nämlich so mies bleibt, wird es auch in Liga 2 ganz schwer.

Balla Balla Balakov

März 22nd, 2012

Die Überschrift hat eigentlich nichts mit dem Text zu tun, aber sie gefiel meinen schlichten Gemüt.

Nach dem 1:3 also ungefähr der 50. Minute war ich endgültig zu der Überzeugung gelangt, dass es im Sinne des Vereins die richtige Entscheidung wäre, Marco Kurz zu entlassen. Bereits zuvor hatte er öffentlich die Bankrotterklärung einer Führungskraft gegeben und gestanden, dass er nicht mehr wisse, was er ändern solle – anstatt mit breiter Brust zu erklären, dass der eingeschlagene Weg der richtige sei und man nur Geduld haben müsse.

Stefan Kuntz Personalpolitik zur Winterpause hat Kurz sicher nicht geholfen, denn bis dahin hatte es in der Mannschaft gestimmt. Jetzt musste sie sich neu finden, was nicht gelang. Kurz Ratlosigkeit übertrug sich auf die Mannschaft, so dass das Spiel immer unansehlicher und ideenloser wurde. Zudem erwiesen mit Yahia, Wagner und Sörensen drei der fünf Neuzugänge als Totalausfälle. Da weder Kurz noch Kuntz bereit waren das einzugestehen, wurde die Mannschaft weiter belastet.

In der Hinrunde gelang es dem Team immer wieder über den Kampf ins Spiel und zu Chancen zu kommen. Ein klares Zeichen, dass Kurz die Mannschaft erreichte und erfolgreich agierte, auch wenn das nötige Glück fehlte. Das kann man in der Rückrunde leider von keinem Spiel behaupten. Zwar gelang es gegen Bremen und Gladbach den alten Kampfgeist zu reaktivieren. Die Ergebnisse waren jedoch unterm Strich gerecht. Eher war es so, dass wir gegen Augsburg und Stuttgart noch Glück hatten, mit einem Unentschieden davon zu kommen. Unterm Strich standen Katastrophenspiele gegen Köln, Bayern, Mainz sowie Schalke und in Augsburg war man nahe an so einem Spiel dran. Ich hatte den Eindruck, dass Kurz die Mannschaft nicht mehr erreichte und diese sich vor Angst vor den Gegnern in die Hosen schiss.

Die einzigen zwei Gründe, Kurz nicht bereits nach dem Spiel gegen Mainz oder jetzt nach dem Schalke-Spiel zu entlassen, waren zum Einen die finanzielle Lage des Vereins, die das nicht erlaubt und zum Andern der fehlende Glaube, dass es jemand anders gelingen könnte, das Ruder herum zu reißen.

Jetzt soll es also Balakov richten. Ob es ihm gelingt? Man sollte keine Wunder von ihm verlangen. Doch genau so ein Wunder brauchen wir, um doch noch in der 1. Liga zu bleiben. Vielleicht ist das Klügste, was er machen kann, in den nächsten acht Spielen zu schauen, wer in der Mannschaft für einen Neuaufbau geeignet ist und wer nicht.

Was ich mir von Balakov erhoffe, ist, dass er etwas Spielkultur auf den Betze bringt. Dafür sind sicher nicht alle Spieler geeignet, doch um langristig bestehen zu können, langt es neben nicht nur zu kämpfen. Worauf Balakov aufbauen kann, ist die solide Defensive, denn hier hat Marco Kurz gute Arbeit geleistet und mit durchschnittlichen Spielern viel erreicht. Lange war ihm das auch offensiv gelungen, doch in der Rückrunde passte leider nichts mehr.

Auch mit einem neuen Trainer glaube ich nicht an den Klassenerhalt. Zu tief ist die Verunsicherung bei der Mannschaft. Wenn es dennoch klappen sollte, wäre das natürlich ultrageil, doch das Wesentliche ist für mich, dass ich Balakov als eine gute Lösung für den Neuaufbau – auch in Liga 2 – sehe.

Lautern – Schalke

März 19th, 2012

Um es kurz zu machen: So spielt ein Absteiger. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ich fühl keinen Puls mehr. Allenfalls Dick und Jessen haben wie Profis gespielt. Shechter hat gekämpft aber ohne Effektivität. Der Rest ist Schweigen. Dagegen hat sogar  2006 Spass gemacht.

„Meine Damen, meine Herren, liebe Neger…“

Januar 30th, 2012

Um es auf den Punkt zu bringen: Christian Wulff ist nicht der erste Bundespräsident, für den wir uns schämen müssen. Doch ähnlich, wie man vom späten Papst Johannes Paus II. nichts mehr erwarten konnte, weil er zu sehr gehandicapt von seinen Krankheiten war, so musste man auch Heinrich Lübke seine Aussetzer krankheitsbedingt entschuldigen. Das im Titel verwendete Zitat soll er übrigens nie gesagt haben, aber die große Verbreitung, die es in Deutschland gefunden hat, spricht Bände über das Verhältnis der Bundesbürger zu ihrem Präsidenten.Sie haben ihn belächelt und über ihn gelacht.

Doch seitdem hatten wir zwei sehr ordentliche Präsidenten, bevor Christian von Weizsäcker kam und Deutschland international ein Gesicht gab, das wir sehr gerne sahen, auch wenn es vielleicht nicht der schonungslosen Realität entsprach, sondern dem eigenen Idealbild. Weizsäcker konnte als Präsident auch deutliche Worte finden, wenn sie denn nötig waren. Über Weizsäckers Vergangenheit und die seiner Familie kamen während seiner Amtszeit keine skandalösen Details heraus.

Kurz nach Weizsäckers Abgang musste sein Nachfolger in übergroße Fußstapfen treten, zumal die Union sich ein unwürdiges Spiel bei der Kandidatenaufstellung lieferte. Die Erwartungen an Roman Herzog waren daher sehr gering. Doch er strafte alle Kritiker Lügen. Seine Leistung war einfach nur phänomenal. Herzog schaffte es, dem Volk aus der Seele zu sprechen. Herzog las den Bürgern die Leviten und brachte Selbstverständlichkeiten zur Sprache, die leider verloren gegangen waren. Weil Herzog unangenehme Wahrheiten aussprach, schaffte er es zu dem vielleicht beliebtesten Bundespräsidenten aller Zeiten zu werden. Es entsprach Herzogs Volksverbundenheit und Bescheidenheit, dass er zu einer zweiten Amtszeit nicht antrat. Ob es dazu nicht gekommen wäre, weil die SPD eine Mehrheit in der Bundesversammlung organisieren konnte, sei dahingestellt. Seine Beliebtheit wurde dadurch nur noch gesteigert.

Johannes Rau, als sein Nachfolger, machte nicht unbedingt einen großartigen Job. Ihm haftete aus seiner Zeit als Ministerpräsident die Flugaffäre an. Gleichzeitig entsprach es Raus Biografie, dass sein Charakter und seine Intentionen außer Frage standen. Rau war ein Politiker, der sich um die Menschen gekümmert hat und den das Schicksal der Menschen gekümmert hat. Auch als Präsident war Rau nicht perfekt. Man denke an die parteipolitisch motivierte Unterzeichnung des Zuwanderungsgesetzes. Gleichzeitig gelang es Rau für eine Normalisierung des Verhältnis zu Israel sorgen. Seine Rede vor der Knesset und sein Besuch in Yad Vashem  waren Meilensteine. Dennoch war Rau unterm Strich ein eher mediokrer Präsident.

Seine Nachfolger, Horst Köhler, war daher eine willkommene Ablösung. Anders als Roman Herzog las er nicht dem Volk die Leviten, sondern den Politikern. Die unbequeme Art mit der er auftrat, seine Sachkenntnis in Finanzfragen und seine Offenheit machten ihn zu einem Wunschpräsidenten der Deutschen. Seine Kommentare zu Kriegsgründen waren einfach untragbar. Hier gibt es auch keinen Respekt vor dem Präsidentenamt. Im Gegenteil, gerade wegen der Bedeutung des Präsidentenamts dürfen solche Äußerungen nicht akzeptiert werden. Doch eine einfache Entschuldigung, eine deutliche Klarstellung hätten mir und wahrscheinlich den meisten anderen auch gelangt. Köhler entschied sich für die Flucht. Unterm Strich blieb das Bild eines hervorragenden Bundespräsidenten mit einem unwürdigen Abgang.

Und jetzt? Christian Wulff hat als Ministerpräsident keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er mag das Image des perfekten Schwiegersohns bedient haben, aber im Prinzip wirkte er wie ein 08/15-Ministerpräsident, der am meisten durch Parteitreue auffiel, aber nicht durch persönliche Positionen. Als Bundespräsident fiel Wulff durch seine umstrittene Islam-Rede auf, doch das war auch schon alles. Über die Skandale muss ich hier nichts mehr sagen. Nur einen Schlussstrich ziehe ich noch. Wulff ist der schlechteste Bundespräsident seit Heinrich Lübke. Und der war, wie eingangs erwähnt zu entschuldigen und ließ sich doch noch zum Rücktritt bewegen. Doch wie soll man Christian Wulff entschuldigen?

Das System schlägt zurück

Januar 29th, 2012

Anfangs konnte ich noch denken, dass Christian Wulff Unrecht getan wird. Obwohl die Verheimlichung des Kredits vor dem Landtag von Anfang an bis zum Himmel gestunken hat, konnte ich noch glauben, dass er bei der Annahme des Kredits wirklich keine Hintergedanken hatte und nichts ferner von ihm lag, als dafür Vorteile zu gewähren. Es war für mich noch glaubhaft, dass es sich bei Herrn Gehrkens tatsächlich um einen väterlichen Freund handelte und nicht um einen politischen Freund. Die Mitnahme von Gehrkens auf Reisen war letztlich ein zu geringer Vorteil, als dass ich Wulff diesen vorhalten wollte.

Die Annahme des Kredits geziemt sich für einen Politiker dagegen schlicht und einfach nicht. Ja, für einen Politiker gelten andere Regeln! Ein selbstständiger Unternehmer vertritt zunächst mal die eigenen Interessen und darf dementsprechend auch Vorteile von anderen annehmen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ein Politiker vertritt dagegen die Interessen des Volks und darf sich bei der Vertretung der Interessen des Volks nicht von persönlichen Interessen oder Verpflichtungen leiten lassen. Insofern war das Kreditgeschäft ein kapitaler Fehler für einen Politiker, die Verheimlichung vorm Parlament eine Frechheit und das Rumlavieren vor der Presse ein Armutszeugnis.

Was die folgenden Enthüllungen offenbarten, waren drei wichtige Erkenntnisse über unseren Bundespräsidenten. Erstens, dass er keinen Respekt vor der Pressefreiheit hat, zweitens dass er eine sehr merkwürdige und übertriebene Rhetorik pflegt und drittens, dass die Annahme und Gewährung von Vorteilen bei Christian Wulff kein Einzelfall ist. Die Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit mit der Christian Wulff als gewählter Vertreter des Volks kleine Annehmlichkeiten von Interessenvertretern annimmt ist kein Zufall, sie hat System. Das System Wulff beinhaltet mächtige Freunde auch in der Industrie, mit denen er ohne seine politischen Ämter sicher nicht befreundet wäre. Das System Wulff besteht aus so vielen kleinen Gefallen, die er angenommen hat, dass es einfach nahe liegt zu glauben, dass er ebenso viele kleine Gefallen gewährt hat. Schlimm daran ist, dass es zu seinen Aufgaben als Amtsträger gehört, die Wirtschaft seines Landes zu fördern und Arbeitgeber zu unterstützen, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert werden können. Doch durch die Annahme der Gefallen wirken Gefallen seitens Wulff nicht als Wahrnehmung seiner Aufgaben als Landesvater, sondern als Zeichen der Bestechlichkeit.

Die Vielzahl der Gefallen, die Christian Wulff wie selbstverständlich angenommen hat, sorgen jetzt dafür, dass er für die Presse ein gefundenes Fressen ist. Sein langes Durchhalten sorgt nur dafür, dass die Journalisten nicht von ihm ablassen und immer mehr Peinlichkeiten des Systems Wulff zu Tage fördern. Auch wenn Christian Wulff bemitleidenswert lächerlich wirkt, so muss man dennoch kein Mitleid mit ihm haben. Er hat die Saat für den Spott, den er jetzt erntet, selbst gelegt.

Oh Captain, my Captain

Januar 25th, 2012

Oh Captain, my Captain

ich danke Dir von ganzem Herzen
Die durch Dich verursachten Schmerzen
erregen die Gemüter der Meute
Deine Existenz als Beute
erfordert viel von ihrer Zeit
und bindet ihre Aufmerksamkeit
Die von dir gefüllten Klatschspalten
tun dermaßen viel Stoff enthalten
daß die Presse weniger über mich schreibt
weil für mich kein Platz mehr bleibt
Gerade dein groteskes Versagen
kombiniert mit deinen Klagen
wirkt dermaßen unverschämt
daß sich niemand mehr über mich grämt
Während Weihnachten und Silvester es nicht schafften
daß sich meine Probleme hinfort rafften
mußtest du nur ein Schiff zerstörn
und schon wollt niemand von mir mehr Ausreden hörn

Mille Grazie Capitano

Das geht (nicht nur) in Deutschland

Januar 24th, 2012

Im ganzen Land
bin ich bekannt
Als Mann ohne Anstand
steh mit dem Rücken an der Wand
hab mich vielleicht etwas verrannt
Doch seh ich das ganz entspannt
lächle weiter sehr galant
und ein wenig arrogant
hinterlasse Glaeseker als Pfand
streu in die Augen Sand
bis sich keines mehr auf mich bannt
Würde ist doch nur Tand
Jetzt bin ich zwar verbrannt
Doch weil die Wahrheit schließlich verschwand
werd ich weiter ins Ausland gesandt
und reiche Staatsgästen die Hand
Ich liebe dieses Land

Lautern-Bremen

Januar 22nd, 2012

Es gibt ja tatsächlich noch ein paar Menschen, die sich dran erinnern, daß es mal eine Fanfreundschaft zwischen Lautern und Bremen gegeben hat, so daß es ziemlich viele Bremer Fans trotz der großen Distanz auf den Betze geschafft haben, doch den meisten war es wohl eher egal. Eher freute man sich auf die Heimkehr von Tim „Spiegel“ Wiese und diesem ein paar Sprüche mitgeben zu können. Ich sehe das eher gelassen und denke, man muß nicht jeden Gegner hassen.

Kurz vor der Rückrunde haben wir uns von den Bremern ja noch Sandro Wagner ausgeliehen, was auf mich ein wenig den Eindruck einer Panikaktion machte, nach dem Motto: „Wir holen jeden Stürmer, den wir kriegen und finanzieren können – selbst wenn wir wissen, dass er im Abschluss eine Pfeife ist.“  Schon bemerkenswert, daß im Kader von Lautern jetzt nominell 9 Stürmer stehen – genauso viele wie in der Abwehr und zwei mehr als im Mittelfeld, nachdem Bilek und Walch abgegeben wurden. Vielleicht setzt der Trainer ja bald auf ein 4-3-3. Wagner, der m. E. bei Bremen nicht den Eindruck erweckt hatte, eine Verstärkung sein zu können, sollte aber nicht gegen Werder spielen. Das wurde vorher vereinbart. Dafür überraschte Marco Kurz mit der Aufstellung von Jan Simunek und Jakub Swierczok und einem 4-4-2. Draußen bleiben mußten, der bei den Fans m. E. zu Unrecht unbeliebte, Olli Kirch sowie Amedick und Abel.

Simunek strahlte sehr viel Sicherheit aus. Sowohl in der Spielübersicht, die ihn immer an der richtigen Stelle sein ließ, als auch in der Ballannahme und im Paßspiel, was bei unseren Verteidigern ja leider keine Selbstverständlichkeit ist. Auch Rodnei und Florian Dick zeigten souveräne Partien in der Defensive.  Von Dick war wie gewohnt in der Offensive nicht so wahnsinnig viel zu sehen, aber mehr als zu Beginn der Saison. Schwachpunkt in der Abwehr war Bugera, der seinen Gegenspielern zu viel Raum ließ und sie nicht energisch genug attackierte. Die meisten erfolgreichen Bremer Angriffe kamen daher über seine Seite oder die Mitte. Auch nach vorne war sein Aufbauspiel nicht überzeugend. Aber da bildete er leider keine Ausnahme. Viel zu häufig wurden die Bälle planlos nach vorne geschlagen, wo sie meist sofort verloren wurden oder beim Gegner landeten.

Wenn das Spiel über die Mitte aufgebaut wurde – meist mit einem hohen Ball auf Kouemaha – ging eigentlich gar nichts. Dennoch konnte Lautern in der 1. Halbzeit ein paar Mal über die Flügel nach vorne spielen. Das lag insbesondere an der quirligen Spielweise von Swierczok, der Bälle behauptete, ordentlich weiterleitete und Zweikämpfe auf eine Art gewann, die an den wuseligen „Jimmy“ Hoffer erinnerte. Dennoch ging die 1. Halbzeit ganz klar an Werder. Lauterns Angriffe basierten auf dem Prinzip Zufall und waren eine eher schlechtere Leistung, während Werder flüssig kombinierte und die Räume geschickt nutzte. Es war allerdings dem Mittelfeld anzukreiden, dass Werder so viele Räume hatte und die Abwehr viel zu häufig in 1:1-Situationen gehen musste. Insbesondere Christian Tiffert bot wieder einmal eine mäßige Leistung und schien nach hinten häufig zu fehlen. So kam Werder zu einigen guten und gefährlichen Chancen inklusive einem Pfostentreffer nach (unberechtigter) Ecke. Was aus der Kurve nicht zu erkennen war, war dass dabei Kouemaha Prödl abgeräumt hatte. Dass es dafür keinen Elfer gab, war Glück. Nach Chancen war das ganze vielleicht halbwegs ausgeglichen, doch Bremen zeigte die deutlich reifere Spielanlage und war auch defensiv geschickter darin, die Räume eng zu machen, was gut klappte, da Lautern nach vorne zu planlos agierte. Fortounis und Sahan blieben relativ unauffällig, machten aber zumindest ihre Defensivhausaufgaben. Was in der 1. Halbzeit auch auffiel, war der Einfluss des Winds, der viele Bälle verwehte, so daß es bei hohen Bällen schwer war, Genauigkeit in den Paß reinzukriegen. Kevin Trapp schaffte es in der 1. Halbzeit, unglaubliche drei Abwürfe für seine Mitspieler unerreichbar ins Aus zu bringen. Wiese sollte dies in der 2. Halbzeit auch noch gelingen.

Nach der Halbzeit wirkte Lautern wie verwandelt. Was zuvor an Spielwitz mangelte wurde jetzt durch Kampfgeist und Aggressivität sowie schnellem Spiel wett gemacht. Das war immer noch nicht die große Spielkunst, aber es machte wieder Spaß zuzusehen. Dabei gelang es lange Zeit, Werder in der eigenen Hälfte festzusetzen, so dass Werder nur sporadisch nach vorne kam. In dieser Phase traf de Wit mit schönem Schuß nur die Latte. Diese Überlegenheit endete mit der Auswechslung von Fortounis und der Hereinnahme von Nicolai Jörgensen. Was ein logischer Wechsel gewesen sein mag, erwies sich als schlecht, denn Jörgensen zeigte in der letzten halben Stunde keine brauchbare Aktion. Schwache Pässe und ein mangelhaftes Zweikampfverhalten prägten seine Leistung. Er erwischte einen gebrauchten Tag und präsentierte sich als Totalausfall. In dieser Zeit gab es auch eine Schrecksekunde, als Simunek behandelt werden mußte, und es zunächst so aussah, als könne er nicht weiterspielen. Erinnerungen an sein erstes Spiel für den FCK im Pokal gegen Bielefeld kamen hoch. Dennoch gelang es, nachdem Werder 10 gute Minuten hatte, wieder das Heft in die Hand zu nehmen und die Schlußphase der Partie zu bestimmen. In der Nachspielzeit erspielte sich Swierczok mit einer Drehung noch einmal eine tolle Chance, doch sein Chance ging wie viele andere Zentimeter vorbei.

Als Fan war es mal wieder schwer zu ertragen, wie viele Gelegenheiten vergeben wurden. Eines wurde klar: warum Dorge Kouemaha momentan nicht beim Afrika-Cup ist. O.K., Kamerun ist auch nicht qualifiziert, aber mit der von ihm gezeigten Leistung wäre es für den FCK kein Verlust gewesen, wenn er abwesend in Afrika geweilt hätte. Warum Kurz nicht Nemec eingewechselt hat, bleibt für mich ein Rätsel. Ich bin beileibe kein Nemec-Fan, stecke ihn eher in die Kategorie Anti-Fußballer, doch er weiß einen Ball zu behaupten, gerade wenn er hoch angespielt wird, und er hat die Spielübersicht, um vernünftige Pässe zu spielen. Zwei Eigenschaften, die Kouemaha völlig abgingen, und große Torgefahr strahlen leider beide nicht aus. Daß der Tausch mit Jörgensen nicht funktioniert hat, kann ich bei dieser einen Partie noch als Pech werten und hoffe, daß es kein Zeichen für die Zukunft ist. Viel Mut machte dagegen der agile Swierczok, der sehr engagiert und aggressiv spielte und sich seine Chancen erarbeitete. Was mich auch sehr erfreut hat, war die gute Stimmung bei uns Fans. Es wurde deutlich weniger gegrantelt als zuletzt. Auch wenn ich selbst wegen einem verschleimten Hals diesmal nicht laut sein konnte, fand ich doch das weit mehr gesungen wurde, als zuletzt. Das wir das durchhalten, wird für die nächsten Partien noch wichtig. Erfreulich war auch die Leistung von Kevin Trapp, der m.E. sein bestes Spiel der Saison zeigte und das trotz schlechter Abwürfe. Was sich Marco Kurz für die Zukunft auch einmal überlegen sollte ist, Christian Tiffert eine Pause zu geben. Er erinnert mit nichts an seine gute und unglaublich effektive Vorsaison. Man kann ihn ja in Schutz nehmen und sagen, ihm fehle Lakic als Anspielstation, doch es muß einmal in dieser Deutlichkeit gesagt werden. Seine Flanken sind diese Saison einfach Scheiße. Die würden auch ein Gomez oder Huntelaar nicht reinmachen.