Archive for the ‘Weinrallye’ Category

Weinrallye #36 Wein und Musik

Freitag, August 20th, 2010

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Wein und Musik sind das Thema der diesmaligen Weinrallye, die vom WeinReich-Blog Rheinland-Pfalz ausgerufen wurde. Als erstes denke ich dabei daran, welcher Wein zu welcher Musik getrunken wird.

Wenn ich ich an meine Lieblingsmusik denke, frage ich, welcher Wein paßt zu David Bowie? Zu diesem Chamäleon der Musikgeschichte brauche ich wohl einen wechselhaften Wein. Klingt nach Riesling. Doch wie verhindert man, daß man die falschen Seiten verbindet? Etwa ein schweres Großes Gewächs, das man beobachten und aufsaugen will, zu eingängigen Popsongs a la China Girl oder Let’s dance, die einfach nur zum Tanzen anregen und daher eher nach einem Sekt verlangen. Wie im Restaurant den Sommelier, der Wein und Essen und idealerweise auch die Kombination kennt, bedarf es auch hier einen Experten auf beiden Seiten. Den DJ?

Ich wechsle die Musik. Franz Ferdinand „The dark of the matinee“ Schottischer Wein? Besser nicht! Also ein Österreicher? Aber einer der nach Verzweiflung, Untergang und Tod schmeckt. Also einer aus dem Jahr des Glykolweinskandals. Dürfte nur noch schwer zu bekommen sein. Außerdem wird das weder dem unschuldigen Thronfolger noch der Musik gerecht. Vielleicht doch eher ein Wein, der nach Sehnsucht schmeckt. Ein restsüßer Mosel Kabinettwein?

Ich wechsle die Musik. Duffy „Mercy“. Ein gnädiger Wein? Ein Wein mit Soul? Soul ist ehrliche Musik, die pur und rein ist. Das klingt wie Muskateller, der reinste Wein. Aber Soul ist auch kratzig, rau und dunkel. Jetzt bin ich bei einem Süditaliener. Einem Negroamaro, einen Primitivo oder einen Nero d’Avola? Nero d’Avola schmeckt zu sehr nach Mafia. Ich nehme dem einfachen Primitivo.

Ich wechsle die Musik. Vielleicht sollte ich doch eher die Musik an den Wein anpassen und nicht umgekehrt.

Ich mache die nächste Flasche auf. Dazu kommt Udo Jürgens „Griechischer Wein“. Der Retsina schmeckt nach Harz und weckt die wehmütigen Erinnerungen an eine properierende Wirtschaft mit einer stabilen Währung, bevor man zur wirtschaftlichen Absicherung der Daheimgebliebenen als Gastarbeiter die Reisefreiheit der EU nutzte und bei einem einsamen Syrtaki mit der jungen Bedienung an einen ordentlichen, anständigen Rotwein von Santorin denkt.

Ich mache die nächste Flasche auf. Dazu erklingt Nancy Sinatra „Summer wine“. Verwundert blicke ich aufs Etikett und entdecke schon wieder einen Riesling mit knackiger Säure und etwas Zitrusfrucht. Vielleicht hätte ich doch eher einen Vinho verde aufmachen sollen. Andererseits sind wir wieder in der Gegend eines dahin gehauchten Souls. Ein Trollinger? Vielleicht doch ein Vernatsch? Wer bei den derzeitigen Temperaturen grillen will, sucht eher einen kräftigen aber einfachen Wein. Ein Minervois oder ein Grenache? Da komme ich zum Cotes du Rhone.

Ich mache die nächste Flasche auf. Mein Kopf nickt zu Ub40 „Red red wine“ Wer den Text genauer lauscht, wird nach Sangria und Strohhalmen verlangen, doch den Text hört man nur an Regentagen, und selbstverständlicherweise haben wir heute schon um 11 Uhr morgens 31°C. Also ein Rosé. Gekühlt oder nicht, ist fast schon egal. Ich tue sogar noch Eiswürfel ins Glas und genieße das Vibrieren des auf der Box stehenden Glases.

Ich drücke auf Repeat.

Weinrallye #34 Wein und Knabberei – food pairing

Dienstag, Juni 15th, 2010

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Das von Thomas ausgegebene Motto der diesmaligen Weinrallye, die vom Winzerblog.de selbst betreut wird, hat in mir die Überlegung aufgebracht, nicht an dieser Weinrallye teilzunehmen.
Leser meiner Verkostungsnotizen mag es überraschen, aber ich bin kein Spezialist darin, Wein und Essen zu kombinieren. Meine Empfehlungen eines Essens zu einem Wein haben daher meist einen intuitiven Ratecharakter. Insofern hat meine Teilnahme an dieser Weinrallye vielleicht zumindest therapeutischen Charakter, werde ich doch zu diesem Geständnis gebracht.

Ich befolge natürlich die deutsche Unsitte, ein solches Geständnis sogleich wieder zu relativieren und mich zu rechtfertigen. Meine Rechtfertigung beginnt mit dem Präzedenzfall Siebeck. Der Papst der deutschen Restaurantkritik hatte nach seiner Lieblings Wein-Essenkombination gefragt, man solle den Wein den man am liebsten trinkt zu dem Essen, das man am liebsten ißt, nehmen. (Kleiner Tipp für diejenigen, die der Recherche mehr Zeit widmen als ich: Ich meine, es war im Weingourmet vor mindestens 5 Jahren gestanden) Nachdem meine Mißachtung der besonderen Bedeutung der Kombination von Essen und Wein somit von der höchsten Instanz bestätigt wurde, kann ich mich vor diesem Gericht, bei dem es ja um die Lappalie Knabberei gegen Wein geht, beruhigt zurücklehnen.

Wer mich kennt, weiß natürlich, daß ich mich auf diesem sanften Ruhekissen nicht einfach ausruhen und meine Klappe halten kann. Ich finde, es ist stets schwer, eine gute Verbindung von Wein und Speise anzupreisen, wenn man nur eine der Komponenten kennt. Meine knappen Vorschläge am Ende einer Verkostung lassen dabei die zweite Komponente meist doch sehr im Nebulösen, so daß ich mich immer noch auf die Verteidigungslinie zurückziehen kann, bei Kritik die Zubereitung der zweiten, der flexiblen Komponente, näher zu beschreiben, so daß sie möglicherweise doch irgendwie eine reizvolle Verbindung zu dem Wein eingeht.

In der Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, daß es, wenn die Komponente des Essens fix ist, meist noch schwerer ist, den passenden Wein zu finden, denn erstens sind die landläufigen Kombinationen genau wie in meinen Empfehlungen doch arg pauschalisierend und nicht auf die konkrete Zubereitung des Essens abgestimmt und zweitens ist die zweite Komponente des Weins ein solch unvorhersehbares Mysterium, daß eine gute die Geschmacksnerven belebende Kombination ein echtes Glücksspiel ist, weswegen es durchaus ratsam ist, dem Sommelier zu vertrauen, der hoffentlich beide Komponentenkennt. Oder man hält es mit Siebeck.

Nachdem also meine Verteidigung abgeschlossen ist und ich im Zuge einer Generalamnestie davon gekommen bin, kann ich mich doch noch dem konkreten Fall und meinen Problemen damit widmen.

Thomas hat den Begriff Knabberei gebraucht, so daß ich unweigerlich an Chips, Cashews, Salzstangen und Erdnüsse denke. Den englischen Begriff „casual food“ finde ich hier sehr gelungen, handelt es sich doch um Essen, das man eher beiläufig zu sich nimmt, auch wenn es einen lange in Form von Hüftgold begleitet. Die Beiläufigkeit macht aber vor allem deutlich, daß es sich um Essen handelt, welches von den meisten nicht genossen, sondern in sich hinein gestopft wird. Der Begriff Knabberei deutet ja auch auf eine eher schnodderige bis abfällige Wertschätzung hin.

Für ein solches beiläufiges, schnodderiges Essen soll ich jetzt einen Wein finden. Der Gedanke liegt nahe dem Casual Food einen Casual Wine entgegen zu stellen. Glücklicherweise habe ich nicht nur anspruchsvolle Weine sondern auch einfache Trinkweine, doch was für einer könnte passen?

Nehmen wir Wasabi, das ich sehr gerne esse. Diese kleinen Erbsen sind von einer solchen Schärfe, daß sie fast jeden Wein erschlagen. Für Paprikachips geht ähnliches, oder sollte man hier einen Cabernet Sauvignon wegen des Paprikaduft nehmen? Diese Wahl wirkt dennoch auf natürliche Art und Weise fehl am Platz. Da paßt ein mit Cola verdünnter Amselfelder wohl doch noch besser.

Gehen wir dann doch lieber zu Cashews und Salzstangen. Beide betonen den salzigen Geschmack. Wäre das nicht die Gelegenheit für einen mineralischen Riesling? Aber ein mineralischer Riesling kann wohl nicht mehr als Casual Wine bezeichnet werden. Und wenn sich außerdem die salzigen Noten gegenseitig hochschaukeln, braucht man wahrscheinlich direkt im Anschluß eine Flasche Wasser, um den Durst zu löschen.

Gnädigerweise hatte Thomas das Thema ja weit gefaßt und auch Antipasti zugelassen. Wäre das nicht die Gelegenheit für einen mittelschweren Rotwein aus Italien? Aber nachdem ich heute auf einer Chianti Classico Verkostung bin, werde ich abends wahrscheinlich Lust auf etwas ganz anderes haben.

Es ist wie verhext. Ich komme zu keinem brauchbaren Ergebnis. Gespannt auf das, was die anderen aus dem Thema machen, werde ich heute einstweilen zum Bier greifen. Oder ich halte es mit Siebeck.

Weinrallye #33 Weine aus Aromarebsorten

Samstag, Mai 22nd, 2010

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Vinissimus gab das Thema zur 33. Weinrallye vor – aromatische Weine. Welche dies sein könnten, schlug er gleich in der Ankündigung vor.

Bei einer Auswahl zwischen Scheurebe, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Muskateller werden manche wohl abwinken und ein Bier ordern. Ich sehe das ganz anders. Gerade für Neulinge, die erst beginnen, die weite Weinwelt zu erforschen, bieten diese Weine erste Erfolgserlebnisse. Ihr intensives Bukett ermöglicht eine einprägsame Weinerfahrung und man lernt schnell, solche Weine zu identifizieren.

Doch es ist nicht allein die Freude, einen guten Bekannten wieder zu treffen, die den Reiz dieser Weine ausmacht. Bei diesen Rebsorten wird die Nase wirklich mit der Wahrnehmung sensationeller Aromen belohnt, denen sich häufig genug auch ein schöner Geschmack anschließt.

Daher war es für mich eher die Qual der Wahl, die schönste zu identifizieren. Wer meine bisherigen Verkostungen durchliest wird wenig verwundert sein, daß meine Wahl auf den Muskateller fiel. Neben der beeindruckenden Intensität der Aromen ist es bei dieser Rebsorte das Gefühl, einen traubigen Wein zu trinken. Gefällt mir sonst die Vielfalt in der Weinwelt und die Vielschichtigkeit an Weinen, ist es beim Muskateller genau das Gegenteil. Ich habe das Gefühl zurück geführt zu werden und einen puren Wein zu trinken. Daher möchte ich die Rebsorte Muskateller wirklich nicht missen. Auch wenn ich 99 von 100 mal einen Riesling dem Muskateller vorziehe, würde ich im Zweifelsfall wenn ich nur noch Weine einer Rebsorte trinken dürfte mich gegen Riesling und für Muskateller entscheiden. Auch wenn mir damit manches Große Gewächs entgehen würde, hätte ich zumindest immer das Gefühl einen Wein aus Trauben zu trinken.

Zur Verkostung kamen daher heute zwei Muskateller
(1)
Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Muskateller (hatte ich das nicht schon angekündigt)
Erzeuger: Bergdolt Reif & Nett
Ausbau: trocken
Alkohol: 11,5%

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe. Zunächst duftet er sehr intensiv nach Rosen und Lychee. Man könnte ihn also durchaus noch mit einem Gewürztraminer verwechseln. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Neben Traubenzucker kommt auch eine Muskatnote im jetzt unverwechselbaren Bukett vor.

Der Wein ist sehr fruchtig. Der relativ leichte Körper sorgt ebenso wie die Säure dafür, daß die lockere Art eines Muskatellers gut heraus kommt. Ebenso bringt eine Muskatnote im mittellangen Nachhall viel Typizität hervor.

Ein sehr gefälliger Wein, aber ein eher einfacher Wein, was mir aber am Muskateller ja besonders gefällt.

(2)
Herkunft: Österreich – Südsteiermark
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Gelber Muskateller (also nichts anderes als bei 1)
Erzeuger: Walter Skoff
Ausbau: trocken
Alkohol: 12%

Der Wein hat eine strohgelbe Farbe. Die erste Nase ist noch eher dezent mit grasigen Aromen. Die zweite Nase zeigt ein deutlich intensiveres Bukett. Eine leichte Rosennote sowie Pfirsicharomen und steinige Anklänge bestimmen jetzt das Aromenspiel.

Am Gaumen zeigt sich der Wein sehr fruchtig und von einer saftigen Konsisten. Ein Geschmack nach Trauben wird von würzigen Noten und einer leichten Muskatnote begleitet. Der Nachhall besitzt eine gute Länge.

Häufig ist bei Muskatellern ja ein Bruch zwischen betörendem Bukett und sehr eigenwilligem Geschmack festzustellen. Hier topt der Geschmack den Geruch. Ein ganz feiner Wein, den ich mir gut zum gegrillten Fisch vorstellen kann.

Weinrallye #32: Pinot Noir – Spätburgunder

Sonntag, April 18th, 2010

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Für die 32. Weinrallye hat Iris vom Weingut Lisson das Thema Pinot Noir ausgerufen, worüber ich gerne schreibe.

Pinot und ich – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Als ich mit dem Weintrinken begann, war ich von Beginn weg an der Vielfalt des Weins interessiert. Sowohl trockenen als auch süßen oder aromatischen Weißen gelang es, sich bei mir einzuschmeicheln.

Beim Rotwein waren es dagegen ausschließlich die schweren kraftvollen Tropfen aus Bordeaux, Südfrankreich oder der neuen Welt.

Wenn es hie und da gelang, einen Burgunder zu Einsteigerpreisen zu bekommen, erwiesen sich die Weine meist als langweilige, eindimensionale und viel zu leichte Weine. Ich schlug das Buch Pinot also immer auf den falschen Seiten auf und ließ es daher meist geschlossen. Dies wurde auch dadurch begünstigt, daß der deutsche Pinot wahrlich kein toller Wein war.

Das Umdenken begann 2008 auf einem großen Treffen des Weinforums von Wein+. Hier hatte ich die Chance einige der Großen Gewächse der Ahr zu trinken und landete auf den richtigen Seiten des Buchs. Pinot sprach zu mir und erzählte mir wunderschöne Geschichten voller Komplexität und Eleganz. Ich entdeckte, daß sein leichter Körper eine ideale Gestalt bot, um diese Geschichten zu transportieren.

Als Wermutstropfen blieb der Preis, denn 60€ für solche Weine zu zahlen, ist für mich dann doch ein Zeichen von Dekadenz, der ich mich nur ungern schuldig mache.

Gleichwohl war ich nicht mehr in der Lage, Pinot seine Qualität abzusprechen, und ich war auch überzeugt davon, daß Pinot eine Rebsorte ist, die unvergleichbare Weine in einer ganz eigenen Gewichtsklasse hervorbringt.

So begann ich mich doch etwas näher mit Pinot zu beschäftigen. Auch abseits der absoluten Spitzenklasse ließen sich hier Weine finden, die etwas von der Eleganz und Komplexität des Pinots verrieten. Und es ließen sich auch in Deutschland Weine im Einstiegspreissegment finden, die mir als einfache aber zugleich herrliche Trinkweine klarmachten, was für unterschiedliche Weine Pinot hervorbringen kann.

Mittlerweile trinke ich sehr gerne Pinot, bin mir aber nach wie vor nicht sicher, ob Pinot nicht ein Wein für erfahrene Weintrinker ist, die seine Eigenschaften zu würdigen wissen. Vielleicht kann man sich auch nur dann in Pinot auf den ersten Blick verlieben, wenn man ein Anhänger von Statussymbolen ist.

Folgender Wein taugt sicher nichts als Statussymbol, war aber auch schon nicht beim Discounter zu bekommen.

Herkunft: Frankreich – Burgund – Rully
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Pinot Noir, was sonst?
Erzeuger: Jaffelin
Ausbau: AOC
Alkohol: 13%

Der Wein trägt ein purpurrotes Kleid. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt und läßt einem breiten granatroten Rand Platz. In der ersten Nase ist der Wein sehr verhalten und weckt allenfalls Erinnerungen an Kräuter. In der zweiten Nase steigert sich die Intensität deutlich. Brombeere, Hagebutte und Nelken bestimmen das Bukett. Ich meine auch etwas Lavendel zu erahnen. Die Viskosität ist mäßig ausgeprägt.

Auch am Gaumen findet sich die Brombeere wieder. Sie fügt sich in einen fleischigen, eher schweren Körper ein. Der Wein hat relativ starke Tannine und einen leicht würzigen Geschmack. Der Nachhall besitzt eine gute Länge mit erdigen Noten.

Die Eleganz, die ich dem Pinot zuvor zugeschrieben habe, finde ich in diesem Pinot leider nicht. Dennoch ein guter und durchaus vielschichtiger Wein. Zur gebratenen Entenbrust.

Faszination Wein – Weinrallye #31

Dienstag, März 23rd, 2010

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Das aktuelle Thema der Weinrallye, das Bernhard Fiedler vorgegeben hat, kann, wie er selbst in einigen Beiträgen anregend gezeigt hat, sehr vielschichtig angegangen werden.

Ich befolge die deutsche Unsitte schlechter Redner und fange ganz vorne an. Beim ersten Wein – genauer bei meinem ersten Wein und beende diese Einleitung sehr schnell, da ich mich nicht an ihn erinnern kann.

Ich überspringe einige Jahre und unzählige Woischherbscht-Schorle und komme zum ersten Wein, an den ich mich erinnern kann und dem es gelang den Virus der Vinophilie in mir zu pflanzen. Es war eine 98er Riesling Spätlese aus der Lage Norheimer Kirschheck vom Weingut Mathern. Die für die Nahe typische Frucht im Wein erlebte ich als Explosion am Gaumen. Noch übwerwältigender war die intensive fruchtbetonte Entfaltung der Aromen in meiner Nase, die von Aromen durchdrungen wurden, die nichts mit Trauben zu tun hatten, sondern eindeutig anderen Früchten zuzuordnen waren. Daß der Wein solche fremden Aromen transportieren konnte, verlieh ihm etwas Magisches. Hinzu kam die für mich bis dahin im Wein unbekannte Süße, die ihn einfach lecker schmecken ließ.

Dies war vielleicht die eigentliche Sensation, die den Virus pflanzte. Ich trank das alkoholische Getränk nicht allein um des Rausches wegen, sondern auch wegen des Geschmacks. Jeder Schluck hatte jetzt eine neue Qualität gewonnen, da er um ein Geschmackserlebnis bereichert wurde. Die Beiläufigkeit, mit der ich als Biertrinker den Alkohol konsumierte, wurde von einer analytischen Aufmerksamkeit abgelöst, die dem Genuß des Getränks vorgeschaltet wurde.

Eine restsüße Spätlese wurde für mich also zum Einstieg in das Weinuniversum. Ich lernte, und ich trank, und ich lernte durch das Trinken. Ich lernte, wie ich die Erfahrung der sensorischen Eindrücke analytisch steueren konnte. Ich begegnete unbekannten Rebsorten, erforschte schwere Bordeauxweine, trockene Rieslinge, weiße Bukettsorten, weiße Burgunderspielarten, Weine aus Südfrankreich, herrlich unkomplizierte italienische Rotweine, Grünen Veltliner und Riesling aus Niederösterreich, Weine aus dem Rhonetal, österreichische Rotweine und entdeckte irgendwann doch die zuvor nicht geschätzten Pinot Noirs.

So wie ich irgendwann doch den Zugang zu Pinot Noir fand, finde ich auch bei den bereits bekannten Weinen immer wieder neue Facetten, lerne die Weine mir bis dato unbekannter Winzer kennen oder werde von der Entwicklung eines Weins im Keller überrascht. Dabei ist klar, daß ich so viele Ecken im Universum des Weins noch nie besucht habe.

Darin steckt für mich die Faszination Wein. Das Universum des Weins ist unendlich groß und dehnt sich aus. Wein zu erleben ist eine fortdauernde Entdeckungsreise. Egal wie alt ich werde, und egal wie viel Wein ich trinke, ich werde immer noch etwas Neues für mich entdecken. Es ist schön, daß Wein mr das Gefühl verleiht, ein Entdecker zu sein. Das Öffnen jeder Flasche gleicht einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Ist das nicht faszinierend?

Weinrallye #31 Faszination Wein

Donnerstag, März 4th, 2010

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Bernhard Fiedler hat als Motto für die 31. Weinrallye das Thema „Faszination Wein“ ausgegeben. Wie ich finde, ein sehr spannendes Thema, bei dem man hunderte von Seiten mit Beiträgen unterschiedlichster Richtung füllen kann. Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht, in welche Richtung ein Beitrag von mir gehen könnte und werde dementsprechend am 23.3. auch etwas hier verfassen.