Archive for the ‘Weinprobe’ Category

Spur der Steine

Sonntag, August 15th, 2010

Seit 2006 gibt es unter Schirmherrschaft der Gesellschaft für Rheingauer Weinkultur ein Projekt, bei dem es darum geht, die Vielfalt der hessischen Weinlagen herauszuarbeiten und dem Verbraucher die Bedeutung der unterschiedlichen Bodenformationen für den Wein nahezubringen.

Aus 5 über das ganze Rheingau verteilten Lagen mit unterschiedlichen Bodenstrukturen sowie aus dem Heppenheimer Steinkopf von der hessischen Bergstraße wurde Rieslinglesegut von der Forschungsanstalt Geisenheim unter den gleichen Bedingungen ausgebaut. Alle Weine wurden temperaturgekühlt vergoren und zu trockenen Weinen ausgebaut. So sollten die 6 Bodenformationen Quarzit, Quarzit+Schiefer, Löss, Sandlöss, Ton sowie Auensediment auf Kalkstein gut zur Geltung kommen.

Der Einfluß von Mikroklimata läßt sich dadurch zwar nicht ausgrenzen, aber dieser wird einfach mit zum Terroir gezählt. Das Projekt Terroir Hessen verkauft das Sixpack mit den verschiedenen Weinen für gerade mal 40€ und in diesem Jahr wohl leider das letzte Mal. Bei wein.pur, wo man das Sixpack wohl auch noch beziehen kann, war ich auf das Projekt aufmerksam geworden und dachte, daß sich doch daraus eine wunderbare Weinprobe organisieren ließe. Zwei Pfälzer Weine ließ ich das Bodenprofil um Rotliegendes und Granit erweitern, so daß sich ein schönes Gruppenbild ergab.

weinprobe_spur_der_steine.jpg

Neben dem sehr schön gestalteten Booklet, indem der Herausgeber Information zum Entstehen der Gesteinsformationen gab und die Bodenformationen unterschiedlichen Erdzeitaltern zuordnete, hatte ich im Vorfeld der Probe auch Informationen aus dem Weinglossar von Wein+ extrahiert, was verdeutlichte wie widersprüchlich der Einfluß der Bodenformationen in der Fachwelt gesehen wird. Von daher ist es umso wichtiger, sich ein eigenes Bild zu machen.

(1) Quarzit 2009 Lorcher Bodental-Steinberg
Die Probe begann damit am nordwestlichen Rand des Rheingaus. Laut Literatur sollten uns bei Quarzit säurearme Weine erwarten. Laut Beilage ein säurereicher, mineralischer Wein mit Graipefruit, Zitrone und Apfel.
Nase: Schwefel, faule Eier, Vanille, Stinker
Mund: kräftig, würzig, leicht salzig, mineralisch, säurearm, Vanille, rauchig
Leider nur ein sehr mäßiger Anfang

(2) Quarzit und Schiefer 2009 Rüdesheimer Drachenstein
Weiter ging es um den Rheinknick herum mit einem kurzen Abstecher in die Drosselgasse und dann den Berg hinauf. Ob der Schiefer für einen leichten eleganten Wein sorgen würde oder die Beschreibung eines blumigen, säurereichen Weins mit Maracuja, und reifen gelben Früchten zu finden sei, galt es diesmal herauszufinden.
N: Graipefruit, Schwefel (nicht so stark wie bei 1)
M: leichte Säure, mittlerer Körper, sehr würzig
Ein schwer zu beschreibender Wein. Andere fanden ihn sehr neutral. Ich fand ihn durchaus ausdrucksstark, konnte aber seine Komponenten auch nicht wirklich gut identifizieren.

(3) Löss 2009 Winkeler Hasensprung
Noch ein Stück weiter nach Osten kamen wir in die nächste Rheingauer Spitzenlage.  Die Literatur verprach einen vollmundigen eher säurearmen Wein. Das Booklet einen blumigen Wein mit verschiedenen Fruchtaromen und einer feinen Herbe.
N: Apfel, Zitrus
M: Apfel, Zitrus, Säure gut integriert und im  schönen Zusammenspiel mit der Frucht, leichte Würze
Eine deutlich andere Charakteristik als bei den vorhergegangen Weinen. Dieser Wein wirkte sehr stimmig und gefiel bis hierhin am besten

(4) Sandlöss 2009 Heppenheimer Steinkopf, Hessische Bergstraße
Jetzt machten wir einen Abstecher zu den Füßen des Odenwalds und suchten im Sand der hessischen Bergstraße nach einem eleganten säurearmen Wein, obwohl der Wein als säurereich mit filigranen Fruchtaromen angekündigt wurde.
N: sehr dezent, Vanille
M: relativ belanglos, mittelleicht, leichte Säure
Der Mann ohne Eigenschaften. Ein durchaus gut trinkbarer Wein, der bei einem spannenden Krimi aber keine Zutat liefern würde, um von dem Buch abzulenken.

(5) Ton 2009 Hattenheimer Schützenhaus
Zurück im Rheingau trafen wir auf die nächste Bodenformation. Würde es einen vollmundigen, kräftigen Wein mit guter Säure geben oder einen Wein mit komplexer Mineralität und feinem Bitterton geben?
N: blumig, Nektar
M: fruchtig, mittlere Säure, Gärkohlensäure, eher leicht, ordentliche Länge, frisch
Ein spritziger Wein für den Sommer, sehr schön zu trinken

(6) Auensediment Auf Kalk 2009 Hochheimer Hölle
Das Booklet versprach hier einen Wein mit feiner Bitternis und viel Extrakt.
N: Tabak, Vanille, blumig
M: mittelleicht, leichte Säure, leichte Frucht, sehr rund, ausgewogen, leichte Würze, Schmelz
Einstimmig der beste Wein aus der Rheingau-Kollektion. Er bestach durch seine Balance und das feine Spiel mit dem er seine Komponenten zur Geltung bringen ließ. Die Rheingauenklave am Main ging also als hessischer Sieger aus der Probe hervor.

(7) Rotliegendes 2007 Pfalz, Riesling QbA trocken, Weingut Siener
N: nasser Stein, Katzenpipi, Moos, Kräuter
M: fängt mittelleicht fruchtig an, geht in würzig, kräutrige Richtung über, mineralisches Spiel, intensiver Abgang, rauchiger Nachhall mäßiger Intensität aber mit guter Länge
Setzte für mich noch mal einen oben drauf. Mit seiner Kraft fast schon etwas extrem, aber hervorragend gelungen

(8)  Granit 2008 Rhodter Schloßberg, Pfalz, Riesling Spätlese trocken, Weingut Heußler
Die Literatur ließ mineralische und wenig säurebetonte Weine erwarten.
N: sehr dezent, nasser Stein
M: saftig, würzig, mineralisch, gute Länge, mineralischer Nachhall leicht anschwellend
Auch der zweite Pfälzer konnte sich für mich gegen die hessische Phalanx durchsetzen, blieb aber wegen des zurückhaltenden Duft minimal hinter dem Rotliegenden. Der Granit konnte ein wenig auch als Gegenentwurf gesehen werden, weil er eher eine feinere Struktur hatte.

Fazit: Es ist uns leider nur bedingt gelungen, den Einfluß der Böden auf die Weine nachzuvollziehen können. Dies erfordert wohl noch weitere intensive Studien. Zwei geschickt plazierten Pfälzern gelang es sich gegen die hessischen Weine durchzusetzen, wobei der unterschiedliche Jahrgang auch eine Rolle gespielt haben kann.

Nachbetrachtung Weinprobe Heußler

Mittwoch, August 11th, 2010

Die Probe der Heußler-Weine liegt ja jetzt schon eine Weile zurück, aber es ergab sich wieder die für mich positive Gelegenheit von Resten in den Flaschen, die ich wie schon nach der Veneto-Probe über einen längeren Zeitraum nachverkosten konnte.
heusslerweine.jpg
Bevor ich zuu den Verkostungsnotizen komme, stelle ich voran, daß ich den Literwein nicht in die Langzeitbetrachtung mit hinein genommen habe. Die Roten hatten es auch etwas schwer, weil sie nicht ganz so kühl aufbewahrt wurden wie die Weißen.

Tag 1:

(1) 2009 Rhodter Schloßberg Riesling QbA trocken aus der Literflasche, Alk: 12%
Nase: blumig, recht dezent, leicht kräutrig
Mund: Stachelbeer, viel Säure, Muskatnote, eher langweilig
Für einen Literwein war das absolut in Ordnung. Meine Beschreibung klingt vielleicht deswegen etwas enttäuscht, weil ich in der Vergangenheit Klasse Literweine von Heußler hatte.

(2) 2009 Rhodter Schloßberg Riesling Spätlese trocken – Roter Sandstein  Alk: 13,5%
N: Zitrus, blumig, Apfel
M: fruchtig, recht dicht, mittlere Säure, zunächst etwas alkoholbetont was die Harmonie stört, dann im zweiten Schluck salzig mineralisch
Das war schon ein sehr schöner Wein, für einige mit seiner Mineralik auch der Wein des Abends. Für mich war es kein überwältigender Riesling, auch wenn man allen Grund hat sich darüber zu freuen, einen solchen Wein für 6,50€zu bekommen.

(3) 2009 Rhodter Schloßberg Sauvignon Blanc trocken Alk: 12,0%
N: grasig, Stachelbeere, Muskat, sehr intensiv
M: rund, Stachelbeere
Leider setzt sich das sehr schöne Bukett im Mund nicht fort, wo der Wein etwas eindimensional wirkte.

(4) 2009 Rhodter Rosengarten Muskateller trocken  Alk: 12,0%
N: Rosen, tropische Frucht, Pfirsich
M: Muskat, viel Frucht, recht leicht
Das wunderschöne Bukett wurde durch den leichten unkomplizierten Geschmack schön weitergeführt. Ein Wein, der jedem gefiel, was bei Muskateller ja durchaus ungewöhnlich ist.

(5) 2009 Rosswingert Grauburgunder Spätlese trocken  Alk: 14,0%
N: würzig, kräutrig, buttrig, kräftig, blumig, sehr eigene Noten
M: Kräftig, würzig, mineralisch, leichte Säure, rauchig
Der Wein hat seinen Namen, weil die Bodenarbeiten im Wingert komplett mit Pferden durchgeführt werden. Ob das entscheidenden Einfluß auf diesen Wein hatte, kann ich nicht beurteilen. Nach Pferdeäpfeln schmeckte er jedenfalls nicht. Für mich war der Wein in seiner Opulenz und mit seinen individuellen Noten der beste Wein des Abends. Viele sahen das ganz anders.

(6) 2009 Rhodter Rosengarten Chardonnay Spätlese trocken  Alk: 13,0%
N: recht dezent, buttrig, leicht kräutrig, nasser Stein
M: cremig, mineralisch, würzig
Über diesen Wein wurde viel diskutiert. Mir hat er sehr gut gefallen. Andere bezeichneten ihn als zickig,metrosexuell und als Mittelklasseversager, der noch zu Hause wohnt (ich nehme mal an bei Mutti). Ich glaube diese Bezeichnungen gehen ein wenig dahin, daß es sich um einen Wein zwischen internationalem Stil und lokaler Note lag, was mir aber durchaus gefiel.

(7) 2008 Rhodter Klosterpfad Spätburgunder trocken  Alk: 12,5%
N: Waldbeere, Kräuter, Lakritz, typisch deutsche Pinotnase
M: relativ leicht, eher belanglos, Lakritz, Beerenfrucht, kräutri, ohne Harmonie
Leider konnte dieser Wein das schöne Burgunderbukett nicht mit einem feinen Geschmack krönen. Am Gaumen war er nicht schlecht, aber eben insgesamt doch eine Spur zu brav.

(8) 2005 Rhodter Rosengarten St. Laurent trocken – Barrique
N: Pfeffer, Kümmel, Schokolade, leicht fruchtig
M: mittelleicht, aber mit deutlichem Holzeinsatz, nicht wirklich harmonisch, leichte Tannine, etwas würzig
Bei mir lag der St. Laurent minimal vor dem Spätburgunder, aber begeistern konnte auch er mich nicht. Für die Rotweintrinker war dieser Wein aber ein schöner Abschluß.

Tag 4:

(2) Riesling Roter Sandstein
N: zu kalt für echte Aussage, Orange, pflanzliche Noten, Apfel
M: ordentliche Dichte, Säure gut integriert, leicht salzig mineralisch, kräftige Würze, durchaus filigran trotz aller Kraft

(3) Sauvignon Blanc
N: intensiv, Stachelbeere, Eisbonbon, Eukalyptus, Gras
M: ordentliche Dichte, viel Frucht, Stachelbeere, leichte Säure, Trauben

(4) Muskateller
N: intensiv, Rosen, Lychee
M: mittelleicht, rund, fruchtig, Muskat, einfach aber schön

(5) Grauburgunder
N:würzig, kräftig, warm, Pferdestall, sehr eigen
M: dicht, kräftig, würzig, erdig, schwer, mineralischer Nachhall der langsam anschwellt und eine gute Länge besitzt, Potential

(6) Chardonnay
N: sehr dezent, buttrig, blumig
M: leicht cremig, rauchig, rund, leicht mineralisch, vermittelt ein Gefühl der Wärme, obwohl er wohl zu kalt ist

(7) Spätburgunder
N: Waldbeere, Lakritz
M: fruchtig, leicht, leichte Würze

(8) St. Laurent
N: Cassis, Kirsche, Rosmarin
M: fruchtig, erstaunlich leicht, rund, feine Würze

Fazit: Alle Weine sind gut trinkbar. Schwächer zeigte sich der Muskateller, wogegen der Sauvignon, der Spätburgunder und vor allem der St. Laurent deutlich zulegten. Sieger war erneut der Grauburgunder, während der Riesling Sandstein heute auch ausgetrunken wurde.

Tag 9:

(3) Sauvignon Blanc
N: mäßig intensiv, grüne Noten, Stachelbeeren, Apfel
M: saftig, leichte Würze, Stachelbeere, insgesamt sehr eindimensional

(4) Muskateller
N: Rosen, Phsalis, Traubenzucker, Muskat, sehr intensiv
M: viel Frucht, ordentliche Dichte, leichte Muskatnote, mittlere Säure, angenehm würzig

(5) Grauburgunder
N: grasig, pflanzlich, Vanille
M: würzig, rauchig, salzig, mineralisch

(6) Chardonnay
N: Zitrus, Kräuter
M: saftig, feine Würze, mineralisch

(7) Spätburgunder
N: Kirsche, Mandel, Lavendel
M: fruchtig, mittlerer Körper, leicht adstringierend, würzig, leichte Säure

(8) St. Laurent
N: Kirsche, Vanille, Melisse
M: mittlerer Körper, Vanille, Frucht, leichte Säure

Fazit: Alle Weine waren noch trinkbar, aber alle Weine hatten auch, zum Teil deutlich, abgebaut. Alle Weine? Nein, ein einsamer Muskateller präsentierte sich in Glanzform und überstrahlte alle anderen Weine. Muskateller at its best.

Tag 15:

(3) Sauvignon
N: mäßig intensiv, Stachelbeere
M: würzig, ausgezehrt, nicht oxidiert, aber doch recht langweilig

(4) Muskateller
N: brutale Intensität, Rosen, Lychee
M: mittelleicht, fruchtig, Eisbonbon, exotische Frucht

(5) Grauburgunder
N: recht dezent, aber mit viel eigener Würze, Holz, Tabak
M: etwas voluminös, würzig, rauchig, wirkt nicht mehr frisch

(6) Chardonnay
N: Aprikose, Birne, Butter
M: mittlerer Körper, viel Frucht, leicht mineralisch, gute Harmonie, etwas salzig, gute Länge

(7) Spätburgunder
N: Kräuter, Waldbeere, Lakritz
M: ausgezehrte Frucht, unrund, rote Johannisbeere – nicht ganz reif

(8) St. Laurent
N: madeirisiert, Mandel, Rumtopf
M: Malz, oxidiert, Klebstoff

Fazit: Der Sauvignon macht jetzt keinen Spaß mehr. Der Spätburgunder hält sich auf mäßigem Niveau. Während der Grauburgunder sich dem Ende entgegen zu bewegen scheint, zeigt sich der Chardonnay erholt und auf dem gleichen Niveau des unverändert guten Muskatellers.

Tag 19:

(3) Sauvignon
N: Stachelbeere, Vanille
M: leichte Würze, mittelleichter Körper, Stachelbeere

(4) Muskateller
N: sehr intensiv, Rosen, Muskat, etwas verbrauchte Würze
M: mittlerer Körper, ordentliche Würze, leichte Säure, ordentliche Frucht

(5) Grauburgunder
N: eher dezent, sehr eigene Würze
M: kräftig, würzig, rauchig

(6) Chardonnay
N: blumig, dezent
M: leicht cremig, würzig, etwas salzig, mineralisch, gute Länge

(7) Spätburgunder
N: Malz, madeirisiert, Mandel, Karamell
M: oxidiert

Fazit: Während für den sich wieder besser präsentierenden Sauvignon heute mangels Menge Schluß war, fanden die Reste des Spätburgunders ein anderes Ende. Auch der Grauburgunder zeigte sich erholt auf dem Niveau des etwas nachlassenden Muskatellers. Unverändert stark und heute Sieger war der Chardonnay.

Tag 28:

(4) Muskateller
N: Trauben, Muskat, Rosen
M: fruchtig, saftig, Muskat, Gummibärchen

(5) Grauburgunder
N: eigene Würze, Vanille, Pfeffer, Stachelbeere
M: mild, mittelschwer, Oxidationsahnung

(6) Chardonnay
N: Birne, Melone, würzig
M: cremig, würzig, rauchig und kräftig, leichte noch nicht störende Oxidationsnoten

Fazit: Der Grauburgunder hat leider wieder abgebaut, während der Muskateller und der Chardonnay sich zwar verändert hatten, was im Fall des Muskatellers aber nochmal für positiven Schwung sorgte und den Chardonnay an der Spitze hielt

Tag 46:

(4) Muskateller
N: Trauben, Rosen, Muskat
M: fruchtig, mittlerer Körper, leicht salzig

(5) Grauburgunder
N: Vanille, leichte Würze, Honigmelone
M: leichte Würze, mittelschwer, leicht salzig, mineralisch

(6) Chardonnay
N: recht verhalten, Würze, Vanille
M: würzig, rauchig, Oxidationsnoten

Fazit: Da hatte ich den Grauburgunder wohl zu früh abgeschrieben. Er zeigte heute wieder die Noten, die ihm zu Beginn so besonders haben sein lassen, wenn auch nicht mehr auf dem Niveau. Der Chardonnay hatte dagegen deutlcih abgebaut und war nur noch ein Schatten seiner selbst. Unglaublich sind jedoch die Langstreckenqualitäten des Muskatellers, von dem ich erwartet hätte, daß er als erster Wein auf der Strecke bleibt.

Weinprobe Christian Heußler

Samstag, Juni 19th, 2010

Nachdem ich im letzten Jahr über Wochen Christian Heußlers Kollektion aus 2008 verkostet hatte, habe ich mich diesmal zu einem anderen Vorgehen entschieden und eine kleine Weinprobe mit seinen Weinen veranstaltet, zu der ich gerne meine Notizen veröffentliche.

einhorn.jpg

2009 Rhodter Schloßberg Riesling QbA trocken aus der Literflasche, Alk: 12%
Nase: blumig, recht dezent, leicht kräutrig
Mund: Stachelbeer, viel Säure, Muskatnote, eher langweilig
Für einen Literwein war das absolut in Ordnung. Meine Beschreibung klingt vielleicht deswegen etwas enttäuscht, weil ich in der Vergangenheit Klasse Literweine von Heußler hatte.

2009 Rhodter Schloßberg Riesling Spätlese trocken – Roter Sandstein  Alk: 13,5%
N: Zitrus, blumig, Apfel
M: fruchtig, recht dicht, mittlere Säure, zunächst etwas alkoholbetont was die Harmonie stört, dann im zweiten Schluck salzig mineralisch
Das war schon ein sehr schöner Wein, für einige mit seiner Mineralik auch der Wein des Abends. Für mich war es kein überwältigender Riesling, auch wenn man allen Grund hat sich darüber zu freuen, einen solchen Wein für 6,50€zu bekommen.

2009 Rhodter Schloßberg Sauvignon Blanc trocken Alk: 12,0%
N: grasig, Stachelbeere, Muskat, sehr intensiv
M: rund, Stachelbeere
Leider setzt sich das sehr schöne Bukett im Mund nicht fort, wo der Wein etwas eindimensional wirkte.

2009 Rhodter Rosengarten Muskateller trocken  Alk: 12,0%
N: Rosen, tropische Frucht, Pfirsich
M: Muskat, viel Frucht, recht leicht
Das wunderschöne Bukett wurde durch den leichten unkomplizierten Geschmack schön weitergeführt. Ein Wein, der jedem gefiel, was bei Muskateller ja durchaus ungewöhnlich ist.

2009 Rosswingert Grauburgunder Spätlese trocken  Alk: 14,0%
N: würzig, kräutrig, buttrig, kräftig, blumig, sehr eigene Noten
M: Kräftig, würzig, mineralisch, leichte Säure, rauchig
Der Wein hat seinen Namen, weil die Bodenarbeiten im Wingert komplett mit Pferden durchgeführt werden. Ob das entscheidenden Einfluß auf diesen Wein hatte, kann ich nicht beurteilen. Nach Pferdeäpfeln schmeckte er jedenfalls nicht. Für mich war der Wein in seiner Opulenz und mit seinen individuellen Noten der beste Wein des Abends. Viele sahen das ganz anders.

2009 Rhodter Rosengarten Chardonnay Spätlese trocken  Alk: 13,0%
N: recht dezent, buttrig, leicht kräutrig, nasser Stein
M: cremig, mineralisch, würzig
Über diesen Wein wurde viel diskutiert. Mir hat er sehr gut gefallen. Andere bezeichneten ihn als zickig,metrosexuell und als Mittelklasseversager, der noch zu Hause wohnt (ich nehme mal an bei Mutti). Ich glaube diese Bezeichnungen gehen ein wenig dahin, daß es sich um einen Wein zwischen internationalem Stil und lokaler Note lag, was mir aber durchaus gefiel.

2008 Rhodter Klosterpfad Spätburgunder trocken  Alk: 12,5%
N: Waldbeere, Kräuter, Lakritz, typisch deutsche Pinotnase
M: relativ leicht, eher belanglos, Lakritz, Beerenfrucht, kräutri, ohne Harmonie
Leider konnte dieser Wein das schöne Burgunderbukett nicht mit einem feinen Geschmack krönen. Am Gaumen war er nicht schlecht, aber eben insgesamt doch eine Spur zu brav.

2005 Rhodter Rosengarten St. Laurent trocken – Barrique
N: Pfeffer, Kümmel, Schokolade, leicht fruchtig
M: mittelleicht, aber mit deutlichem Holzeinsatz, nicht wirklich harmonisch, leichte Tannine, etwas würzig
Bei mir lag der St. Laurent minimal vor dem Spätburgunder, aber begeistern konnte auch er mich nicht. Für die Rotweintrinker war dieser Wein aber ein schöner Abschluß.

heusslerweine.jpg

Weinseminar Burgunder-Reise

Sonntag, Mai 16th, 2010

Am vergangenen Freitag begab ich mich bei Rindchens Eppendorfer Weinkontor auf eine Burgunder-Reise. Wohlbemerkt handelte es sich um eine Burgunder und nicht um eine Burgundreise. Die Weine waren also allesamt aus Burgunderrebsorten erzeugt, kamen aber auch aus anderen Anbaugebieten.

Eine kleine Enttäuschung hatte ich beim Durchlesen der Karte. Nur ein Premier Cru und kein Grand Cru auf der Liste! Dazu noch ein Ahrwein als vermeintlich krönender Abschluß. Konnte das wirklich funktionieren? Von solchen Nebensächlichkeiten lasse ich mich aber natürlich nicht von der Hauptsache Wein abbringen und konzentrierte mich auf die ausgeschenkten Weine.

(1) Chardonnay & Spätburgunder brut 2007, Erzeuger: Peth-Wetz, Herkunft: Rheinhessen
Nase: Hefe, Apfel, leicht blumig
Mund: frisch animierend
Auch für jemand wie mich, der kein Fan prickelnder Weine ist, ein sehr schöner Sekt. Für eine fundiertere Beschreibung fehlen mir jedoch Leidenschaft und Erfahrung für Schaumweine.

(2) Weißburgunder trocken 2008, E: Bergdolt-Reif & Nett, H: Pfalz
N: sehr intensiv, fruchtig, blumig, leicht steinig, Honigmelone
M: sehr fruchtig, cremig, mild, leicht mineralisch, gute Länge im Nachhall 87 CP

Mit so etwas hätte ich als Startwein nicht gerechnet. Der Weißburgunder hing die Latte für die folgenden Weine schon ziemlich hoch.

(3) Auxey duresses blanc 2006, E: Domaine Taupenot-merme, H: Burgund – Auxey duresse, Rebsorte: Chardonnay
N: Vanille, Karamell, leicht blumig, laktische Noten
M: relativ dicht, cremig, rauchige Noten, Brotrinde, erdig, laktische Noten 89 CP

Vielleicht etwas zu sehr vom Barrique geprägt für meinen Geschmack, aber hoch interessant und hervorragend gemacht.

(4) Grillenhügel 2006, E: Johanneshof Reinisch, H: Österreich – Thermenregion, R: Pinot Noir
N: kräutrig, Waldbeere, leicht Vanille
M: relativ leichter Körper, der aber gut gefüllt ist; sehr rund, harmonisch, würzig, erdig 91 CP

Das war dann ein wirklich toller Einstieg in die Welt des Pinot Noir, an dem es nichts auszusetzen ab.

(5) Morey saint denis Premier cru la riotte 2005, E: Domaine Taupemot-merme, H: Burgund – Morey St. Denis, R: Pinot Noir
N: kräutrig, viel Kirsche, erdig, Tabak, Kaffee
M: mittelschwer, kräftig, extraktreich, rund, geschliffene Tannine, würzig, sehr gute Länge, erdig 93 CP

Der Premier Cru erwies sich damit schon als ein echter Markstein und als einer der besten Weine, die ich in diesem Jahr  getrunken habe. Der Ladenpreis von 56€ spricht dann auch ein deutliches Wort.

(6) Spätburgunder Alte Reben 2006, E: Jean Stodden, H: Ahr
N: Brombeere, Rauch, Lavendel, Klebstoff
M: leichte Säure, dicht, würzig, viel Frucht, guter Körper, kommt im 2. Schluck, leicht alkoholisch, sehr gute Länge 91 CP

Der Ahrwein war tendenziell, der am wenigsten elegante und harmonische Wein der 3 Pinot Noirs, beeindruckte jedoch mit Kraft. Insgeamt eine tolle Reihe von Pinot Noirs, bei der die unterschiedlichen Stile hochwertiger Pinots von leicht bis kräftig deutlich heraus kamen.

Während die Gespräche der fachkundigen Gruppe sich vom Wein abwandten und der richtigen Vorbereitung von Hummer zuwandten (Hummerkopf in kochendes Wasser halten), wurde aus dem Weinladen Nachschub geholt, für den ich nicht mal quengeln mußte.

(7) Corton Rognet 2005 Grand Cru, E: Domaine Taupenot-merme, H: Burgund – Corton, R: Pinot Noir
N: sehr würzig, etwas kräutrig, sehr vielschichtig, extrem fein, Tabak, Vanille
M: relativ leichter Körper, gute Länge, sehr rund, elegant, erdiger Nachhall, fruchtig 94 CP

Dieses Bukett müßte man in Flaschen verpacken und als Parfum verkaufen.
Als Kontrastpunkt kam zum Abschluß Bordeaux ins Glas.

(8) Brane-Cantenac 2004, E: Brane-Cantenac, H: Bordeaux – Margaux, R: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc
N: Vanille, Kaffee, Cassis, leicht Paprika
M: rund, kräftig, starke Tannine, würzig, Kaffee 90 CP

Gegen die große Konkurrenz aus Burgund fiel es dem hervorragenden Wein dann doch schwer zu bestehen.

Eine sehr schöne Probe, deren Preis von 40€ angesichts der Qualität der Weine und des schönen Bufetts sehr fair kalkuliert war.

Weinprobetrinken Toskana

Samstag, Mai 15th, 2010

Neulich in der U-Bahn wurde ich Zeuge eines Gesprächs, in dem sich 3 Jugendliche über die Dinge des täglichen Lebens unterhielten, ihr nächstes Pokalspiel, wie cool es doch wäre, mal Kockboxen zu trainieren und wie schade, daß sie das Bein dafür nicht hoch genug kriegen würden. Den Mädels wäre das bei anderen Körperteilen wohl weniger schnuppe, aber der eigentliche Brüller kam erst, als sie sich verabreden wollten und einer meinte, sie sollten sich nächsten Donnerstag treffen, da ja dann Feiertag sei. Darauf entspannte sich folgender Wortwechsel:

„Feiertag. Echt, ist da Feiertag Digga?“

„Ja, Mann da ist Vatertag.“

„Krass. Ist Vatertag  immer Feiertag?“

„Keine Ahnung.“

„Hä, ist Muttertag dann auch immer Feiertag?“

Noch heute beglückwünsche ich mich für meine Reaktionsschnelligkeit, in diesem Augenblick schnell genug die Hand vor den Mund bekommen zu haben, um  das natürliche Losprusten zu verhindern und das unvermeidliche Grinsen hinter der Hand zu verbergen.

Wie dem auch sei, der kommende Donnerstag ist Vergangenheit, und ich habe Christi Himmelfahrt zwar nicht mit einem gut mit Alkohol gefüllten Bollerwagen, aber mit einer kleinen Weinprobe verbracht. Schon in der Vergangenheit hatte ich von der Weinbar St. Pauli gelesen und sie als eher unkomplizierte Weinbar abgetan, die man bei Gelegenheit mal aufsuchen könnte.

Die Gelegenheit ergab sich durch das Weinprobetrinken Toskana, bei dem ich 6 Weine aus der Toskana für den Schnäppchenpreis von 5€ vorgesetzt bekam. Die Weinbar liegt am Neuen Kamp in Sichtweite zur Gästekurve des Millerntorstadions, insofern ein guter Anlaufpunkt für eines der zwei Auswärtsspiele vor meiner Haustür, zumal es auf der Karte auch Pfälzer Weine gab.

Der Eindruck einer unkomplizierten Weinbar bewahrheitete sich vor Ort. Eine einfache Einrichtung, keine echte Küche; hier stehen Wein und der soziale Treffpunkt imZentrum. Die Weine sind im offenen Ausschank in 0,1l Gläsern zu beziehen, und es wird kein Wert darauf gelegt, irgendwelche Namen auf der Karte zu hinterlassen, wobei man sich trotzdem über einen Pinot Noir von Christmann freuen kann.

Die von mir zuvor aufgeworfene Verbindung zum Fußball kommt auch in den Bildern an der Wand zu Tage, und einer der Betreiber machte auch keinen Hehl daraus, dem Kern der Pauli-Fans anzugehören.

Aber es geht hier ja nicht um Ambiente, Fußball, Pauli oder den FCK sondern um Alkohol, dem ich mich in den folgenden Verkostungsnotizen jetzt wieder zuwende.

(1) Vernaccia di San Gimignano DOC 2008 Azienda Agricola Canneta
Nase: intensive Muskatnote, etwas Rhabarber
Mund: leichte Säure, etwas herb, Graipefruit 80 CP

(2) Contessa di Radda Chianti Classico DOC 2003 Agricoltori del Geografico, 95% Sangiovese, 5% Canaiolo
N: Pflaume, Melisse
M: relativ dicht, kräutrig, etwas Schokolade, gute Länge 83 CP

(3) Sassabruna Rocca di Montemassi 2004 Castello d’Alba Sangiovese
N: Vanille, dezente Kirsche, feine Würze
M: sehr rund, kräftig, Kirsche, geschliffene aber kräftige Tannine, sehr gute Länge, würzig 86 CP

(4) Villa die Capezzane Carmignano 2003 Tenuta di Capezzano 80% Sangiovese, 20% Cabernet Sauvignon
N: recht dezent, Schokolade, Cassis
M: deutliche Frucht, rund, leichte Säure, ordentliche Länge 81 CP

(5) Panzanello Chianti Classico Riserva 2003 Azienda Agricola Panzanello Sangiovese angereichert mit Merlot und CabS
N: eher dezent, fruchtig, würzig
M: sehr schöne Dichte, intensive Frucht, fast süßlich, extraktreich, etwas alkoholisch, kräftig 88 CP

(6) Vino Nobile di Montepulciano DOCG 2004 Azienda Agricola Poliziano 80% Prugnolo Gentile angereichert mit Merlot, Canaiolo und Colorino
N: recht dezent, Schokolade, würzig
M: dicht kräftig, süßliche Frucht, rund, Schokolade, gute Länge 89 CP

Das war nicht der erste Wein, den ich von Poliziano getrunken habe, und so richtig begeistert hat mich noch keiner davon, auch wenn dieser unzweifelhaft sehr gut gemacht ist und ein sehr harmonisches Geschmacksbild bietet. Heimlicher Sieger des Probetrinkens war für mich aber der Sassabruna (3), der für seinen Preis ein sehr schönes Genußerlebnis bietet.

Sehr gut an der Probe gefallen hat mir, daß es eine Probe mit gereiften Weinen und nicht eine Probe der aktuell frisch auf die Flasche gezogenen Tropfen war. Auf alle Fälle ist das Weinprobetrinken eine empfehlenswerte Veranstaltung, die meist am 2. Donnerstag des Monats stattfindet.

V wie Veneto – Nachbetrachtung

Sonntag, Mai 2nd, 2010

Wie bereits angekündigt, hatte ich nach der Weinprobe die Gelegenheit, die Weine in den Folgetagen weiter zu verkosten, da an dem Abend nur der Soave ausgetrunken war. Dirk Würtz hatte unlängst auf seinem Blog einen sogenannten Elch-Wein-Test gemacht, als er einige Weine über 63(!) Tage hinweg verkostet hat. Ich kenne ein ähnliches Phänomen von Verkostungen bei Winzern, bei denen ich anhand Markierungen auf der Flasche oder aufgrund von ehrlicher Kommentare feststellen konnte, daß die Flasche bereits vor 18 Tagen geöffnet wurde und ich es ohne ein solches Signal nicht erkannt hätte.  Angesichts 7 offener aber nicht ausgetrunkener Weine nahm ich den Elch-Wein-Test als Vorlage, dem ein wenig nachzueifern.

Zur Erinnerung nochmal die Beurteilungen von Tag 1:

(1) Soave Classico 2008 Il Nicolaio, Rebsorte: Garganega, Erzeuger: Roncolato, Alk.: 13,5%
A: strohgelb mit grünem Einschlag
N: buttrig, blumig, Apfel
M: cremig, recht dicht, wenig Säure, leicht bitter
mein persönlicher Favorit 86 CP

Es folgte der nächste Supermarktklassiker.

(2) Bardolino Classico 09, Rebsorte: Corvina, Rondinella; Erzeuger: Costadoro; Alk.: 12,0%
A: kirschrot
N: recht dezent, Bitterschokolade, würzig Badeschaum
M: relativ leicht, deutliche Gerbsäure, Himbeere, leichter Körper und Gerbsäure wirken widersprüchlich
unspektakulär, könnte man auch im Supermarkt finden 81 CP

Wir steigerten uns zu einem Lagen-Bardolino.

(3) Bardolino Classico 08 Broi; Rebsorte: Corvina. Rondinella; Erzeuger: Costadora; Alk.: 13,0%
A: kirschrot
N: Käse, Eukalyptus, würzig
M: sehr fruchtig, sehr kräftig, Eukalyptus, saftig
Sieger der Herzen; romantischer Wein wurde gesagt 84 CP

Es folgten zwei Weine aus Venetiens Osten und der internationalen Rebsorte Merlot.

(4) Piave 2008; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Tonon; Alk.: 12,5%
A: rubinrot
N: Marzipan, Kräuter, Malz
M: wirkt überaltert, Marzipan, rauchig
Verlierer des Abends 76 CP

(5) Lison Pramagiorre 07 Campo Camino; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Bosco del Merlo; Alk.: 13,0%
A: rubinrot
N: Sauerkirsche, Tinte, würzig
M: elegant, glatt, samtene Tannine aber kräftig, Bitterschokolade, schöner Körper der nichts transportiert
Ich fand den Wein gut gemacht aber ohne Inhalt oder Charme 85 CP
Aus der Runde wurde er als schwierig, kompliziert und Neurotiker bezeichnet

Zurück ging es zu einem Pizzeria-Klassiker dem Valpolicella.

(6) Valpolicella classico 2009; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara; Erzeuger: Crosarola; Alk.: 12,5%
A: dunkles rubinrot
N: Heidelbeere, Tabak
M: relativ leicht, mäßige Gerbsäure
Auch das war ein Wein, der auch dem Supermarkt hätte stammen können 82 CP
Die Runde nannte ihn zurückhaltend und sympathisch

Ein Ripasso, wie wir ihn als nächstes probieren, ist in Deutschland nicht gar so oft anzutreffen.

(7) Valpolicella Classico Superiore 2008 I Progni Ripasso; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara, Sangiovese; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 14%
A: kirsch-rubinrot
N: Kirsche, Pistazie, würzig, Eukalyptus
M: recht bitter, kräftige Tannine, Kirsche, Schokolade, langer Nachhall
nichts Besonderes 83 CP
Die Runde nannte ihn selbstsicher und sprach von einem in sich ruhenden Typen

Wir beendeten die Runde edel mit einem Amarone.

(8) Amarone della Valpolicella Classico 2005 Arano; Rebsorte: Corvina, Rondinella, CabS, Sangiovese, Croatina; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 15,4%
A: schwarzrot
N: Richtung Klebstoff (verschwindet rasch); Malz, erdig, Paprika
M: dicht, kräftig, erdig, süßlich wirkend, sehr gute Länge, Bitterschokolade
Eindeutig der vielschichtigste Wein aber immer noch nichts Besonderes 88CP
Die Gruppe sprach von einem trägen, grobschlächtigen, häuslichen Landgutsbesitzer

Sieger von Tag 1 war für mich der Soave

An Tag 2 präsentierten sich die Weine doch deutlich anders:

(2) N: Kirsche, Marmelade
M: ausgezehrt
insgesamt kein Trinkvergnügen

(3) N: Himbeer, Melisse
M: auch etwas ausgezehrt, würzig, kräutrig

(4) N: Waldbeere, leicht kräutrig
M: erdig, würzig
Was für eine Steigerung gegenüber Tag 1 84 CP

(5) N: leichte Frucht, Eukalyptus
schwächer als am ersten Tag

(6) belanglos

(7) N: Malz, Holunder
M: deutliche Säure

(8) N: Malz, Eukalyptus, Brombeere
M: dicht, erdig, Schokolade
routinierte Klasse

Sieger von Tag 2 war der unverändert starke Amarone

Tage 4 brachte wieder neue Erkenntnisse

(2) N: Kirsche, Marmelade, Kräuter
M: mäßige Frucht
Steigerung gegenüber Tag 2 82 CP

(3) N: Melisse, Schokolade, fruchtig
M: fruchtig, Schokolade, ordentlicher Körper
zurück auf das Niveau von Tag 1 84 CP

(4) N: Kirsche, Himbeere, Drops
M: sehr fruchtig, ausgewogen
Der Wein weiß immer besser zu gefallen 86 CP

(5) N: Eukalyptus, Beerenfrucht
M: würzig, dunkel, mittelschwerer Körper, schokolade
Nach wie vor kein eigener Charakter 82 CP

(6) N: Nüsse, Beerenfrucht, Mandel
M: fruchtig, saftig, einfach aber ausgewogen
so sehr schön zu trinken 83 CP

(7) N: Nüsse, Melisse, würzig
M: erdig, schöne Dichte
Leider gelingt es dem Wein einfach nicht echte Klasse zu zeigen 83 CP

(8) N: animalische Noten, würzig
M: feine Frucht, schöne Dichte, fleischig, voluminös, dank Alkohol süßlich
Nach wie vor zwar sehr gut aber nicht außergewöhnlich

Heute gewinnt wieder der Amarone, wobei der Merlot aus Piave heute durch die unerwartete Qualität besonders gefällt.

Tag 6 zeigte ein neues Bild:

(2) N: Melisse, Laub, Schokolade
M: mittlerer Körper, geschliffene Tannine, leichter Oxidationsverdacht 79 CP

(3) N: feine Beerenfrucht, Drops, Holunder
M: mittlerer Körper, leichte Säure, mäßige Frucht, mäßige Tannine 82 CP

(4) N: Kirsche, Eukalyptus, Petersilie
M: mittlerer eher leichter Körper, sehr eleganter runder Körper, Frucht ist schön eingebunden, leicht erdig
Der Wein gewinnt weiter an Klasse 87 CP

(5) N: verschlossen, Kaffee, Brombeere
M: mittelschwer, leichte Frucht, rund, erdig, immer noch eher leer 83 CP

(6) N: Melisse, Marmelade
M: deutliche Säure, leichte Frucht
belanglos 79 CP

(7) N: Toast, Holz, Kaffee
M: mittlerer Körper, rund, süßlich wirkend, Pistazien, würzig
heute in Bestform, sehr interessant 85 CP

(8) N: Lebkuchen, Holz, verschlossen
M: sehr süßlich wirkend, recht dicht und konzentriert, erdig
etwas leblos 85 CP

Heutiger Sieger ist eindeutig der Merlot von Tonon, der klare Verlierer des 1. Tags. Der Bardolino Broi war jetzt auch ausgetrunken.

Tag 9 war wieder etwas anders:

(2) N: dezente Frucht, animalische Noten, Leder
M: deutliche Frucht, etwas süßlich, überreife Marmeladentöne, erdig 82 CP

(4) N: feine Beerenfrucht, Lavendel, Kräuter
M: etwas säuerlich, unausgewogen, hart, unrunde Tannine 83 CP

(5) N: kräutrif, Melisse
M: mittlerer Körper, leicht säuerlich, Gerbsäure, belanglos 78 CP

(6) N: dezenter Duft nach Kirsche aber nur erahnbar
M: Schokolade, leichte Frucht, ordnetliche Tannine, insgesamt langweilig 77 CP

(7) N: Melisse, Eukalyptus, Kümmel
M: mittelschwerer Körper, leicht süßlich 81 CP

(8) N: sehr intensiv, Mandel, Schokolade, Marzipan, Klebstoff, Gerste
M: sehr dicht, elegant, rund, fruchtig, erdig, sehr gute Länge 90 CP

Eindeutiger Sieger heute der Amarone, der jetzt wirklich Spaß macht. Interessant wie der Merlot aus Piave wieder abgebaut hat.

Tag 11 stellte immer noch 6 Weine zur Verkostung an.

(2) N: Kirsche, Mandeln, Rauch
M: leichte Säure, ausgezehrte Frucht, alkoholische Säure 81 CP

(4) N: Beerenfrucht, Vanille, Minze
M: fruchtig, mild, relativ rund 83 CP

(5) N: Minze, Rauch
M: mittelschwer, würzig, erdig 79 CP

(6) N: würzig
M: herb, kräftige Gerbsäure, würzig 80 CP

(7) N: Nüsse, würzig
M: deutliche Frucht, ordentliche Gerbsäure, leichte Säure 84 CP

(8) N: Malz, viel Frucht
M: sehr fruchtig, etwas süßlich, leichte Würze 88 CP

Der Amarone immer noch als Spitzenreiter und der Merlot erneut versteckt. Noch immer aber kaum echte Ausfälle, wobei ich einschränkend sagen muß, daß der Amarone und der Ripasso jetzt ausgetrunken wurden.

An Tag 16 hatte ich nur noch 4 Weine zu verkosten.

(2) N: Lebkuchen
M: leichter Essigstich, etwas schal 76 CP

(4) N: Holunder, Kirsche, Lavendel
M: leichte Frucht, relativ leicht, etwas kräutrig 84 CP

(5) N: Kräuter, Melisse
M: kräutrig, rund, aber leer 81 CP

(6) N: Kirsche, Rauch, Mandeln
M: bitter, rund, erdig 78 CP

An diesem Tag war der einzige noch mit Genuß trinkbare Wein der Merlot aus Piave. Leider muß ich mangels Masse den Versuch an diesem Tag einstellen, wobei ich gestehen muß, daß sich meine Weine nicht so gut gehalten haben wie bei Dirk Würtz. Das Ergebnis zeigt jedoch ein ähnliches Gesamtbild. Die Weine halten sich deutlich länger, alsich es erwarten hätte können. Besonders interessant war natürlich auch der Wandelprozeß des Merlot aus Piave. Es bleibt wohl der Allgemeinplatz den ich am Wein und am Leben am meisten schätze. Ich weiß, daß ich nichts weiß.

Open Cellar: Rhone-Weine

Freitag, April 30th, 2010

Am vergangenen Donnerstag fand eine Weinverkostung im Weinrestaurant Kleinhuis statt. Genauer gesagt im stilvollen Ambiente des Weinkellers des Restaurants, so daß der Name passend ist. Am großen Holztisch konnten hier 7 Weinliebhaber Auge, Nase und Zunge einigen Weinen der Rhone widmen. Moderiert wurde das ganze von Jan Lipka vom Restaurant und Gregor Zahnow vom Weinhandel Oxhoft.

Die Athmosphäre war sehr entspannt und locker. Folgende Weine aus dem Rhone-Tal wurden von uns verkostet:

(1) La Vielle Ferme blanc 2009; Herkunft: Cotes du Luberon; Rebsorten: Grenache blanc, Bourboulenc, Ugni Blanc, Roussanne; Erzeuger: Perrin et Fils
N: Birne, Melone, leicht grasig
M: nussig, feine Würze, mäßige Länge, Melone, leicht cremig
schöner Alltagswein, guter Essensbegleiter 82 CP

(2) blanc 2008; H: Crozes Hermitage; R: Marsanne, Roussanne; E: Cave de Tain
N: eher dezent, pflanzlich, grasig
M: leichte Säure, nicht ganz ausgewogen 80 CP

(3) Coudoulet de Beaucastel blanc 2007; H: Cotes du Rhone; R: Grenache blanc, Roussanne, Boueboulenc, E: Chateau Beaucastel
N: Honig, Wachs, Blume, feine Würze
M: cremig, gute Dichte, leicht erdig, etwas salzig, ausgewogen rund
sehr feiner edler Weißwein, definitiv etwas Besonderes 88 CP

(4) Tradition rosé 2009; H: Coteaux du Tricastin; R: Grenache, Syrah, Cinsault; E: Domaine Saint Luc
N: helle Beerenfrüchte
M: leichter Körper, Erdbeerfrucht, leichte Würze 81 CP

(5) La Vieille Ferme rouge 2009; H:Cotes du Ventoux; R: Grenache, Syrah, Carignan, Cinsault; E: Perrin et Fils
N: sehr fruchtig, Kirsche, Pfeffer
M: schwerer Körper, deutliche Tannine, ordentliche Würze, recht rund
einfacher aber ordentlicher Wein 83 CP

(6) Cuvee Emiliane 2006; H: Coteaux du Tricastin; R: Grenache, Syrah; E: Domaine Saint Luc
N: Veilchen, blumig
M: mittelschwer, eher eintönig, rund, leichte Tannine
nicht mein Fall 81 CP

(7) Rouge 2006; H: Crozes Hermitage; R: Syrah; E: Cave de Tain
N: Pfeffer, würzig
M: Kirsche, leichte Säure, starke Tannine, leicht erdig
Sehr schöner, gut gemachter Wein 85 CP

(8) Le Privilege ds Vignerons 2007; H: Cotes du Rhone; R: Grenache, Syrah, Mourvedre; E: Vignerons de Charactere
N: Pfeffer, Paprika, Kirsche
M: sehr rund, ausgewogen, Pfeffer, sehr feine Würze
das war ein Wein nach meinem Geschmack; ein Wein, der gleich zum nächsten Glas animiert 87 CP

(9) 2006 H: Chateau-Neuf-du-Pape; R: ?; E: Domaine la Boutiniere
N: sehr würzig, vielschichtig, Pfeffer, Kardamon, animalisch
M: sehr schwer, Schokolade, sehr bitter
schon sehr guter Stoff, aber da fehlte noch das letzte bißchen 88 CP

(10) Grand Reserve Vieilles Vignes 2006; H: C9dP; R: ?; E: Domaine la Boutiniere
N: feine Frucht, würzig, Holunder, Vanille
M: sehr kräftig, würzig, langer Nachhall, rund, bitter, alkoholisch
Das war jetzt wirklich ausgezeichnet, der Alkohol kam vielleicht eine Spur zu deutlich heraus 90 CP

(11) La Gille 2006; H: Gigondas; R: Grenache, Syrah; E: Chateau de Beaucastel
N: Beerenfrucht, Lakritz, Leder
M: alkoholisch, kräftig, viel Frucht, leichte Tannine
Sehr guter Wein, kam aber nicht ganz an den vorigen Wein heran 89 CP

(12) Codoulet de Beaucastel Rouge 2007; R: ?; E: Chateau de Beaucastel
N: sehr würzig, Pfeffer, Tabak
M: fruchtig, Lakritz, relativ rund, ordentliche Würze
Nicht ganz auf dem Niveau der vorigen Weine 87 CP

Die Weinprobe hat viel Spaß gemacht. Sieger waren für mich der außergewöhnliche Coudoulet blanc und der große Chateau-Neuf. Da wir nicht blind verkostet haben, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich nicht zum Teil von den Eindrücken einer Rhone-Reise in 2008 beeinflussen habe lassen, da einige Teilnehmer die Weine auch deutlich anders beurteilt haben. Damals waren die Besucher bei der örtlichen Genossenschaft der AOC Coteaux du Tricastin und der Cave de Tain tendenziell die Tiefpunkte der Weinverkostungen, wobei man in der Cave de la Suzienne damals einen wahnsinnigen Aufwand für uns betrieben hat. Beaucastel war dagegen schon damals ein Highlight, obwohl dort wie auch hier die Cuvee Jacque Perrin leider nicht zu verkosten war. Um mit diesem langen Abschweifen den Leser hoffentlich möglichst von der zuvor getroffenen Aussage abgelenkt zu haben, will ich noch einmal kurz hervorheben, daß bei den meisten nicht der große Chateau-Neuf-du-Pape sondern der Gigondas Sieger des Abends war und die Cuvee Emiliane deutlich besser abgeschnitten hat.

Für die Probe im Kleinhuis inklusive eines kleinen Buffets, war ein kleiner Beitrag von 18,50€ fällig. Hervorzuheben ist, daß die Open Cellar Veranstaltungen auch bei minimalen Teilnehmerzahler stattfinden. Ein Gast berichtete, schon in trautem Viererkreis verkostet zu haben.

Eine schöne Weinprobenreihe, die wöchentlich stattfindet.

Spargelwein

Freitag, April 23rd, 2010

Am heutigen Freitag bot das EuroWeinkantor eine Weinprobe zum Thema Spargelwein an. Die 29 angebotenen Weine habe ich zwar nicht alle verkostet, aber doch eine ganz ordentliche Auswahl. Zugegebenermaßen habe ich mir nicht überlegt, ob der Wein zu Spargel paßt. Eine Diskussion hierzu gab, daß es eine nicht unbedingt bekannte aber doch sehr reizvolle Kombination sein kann, Süßweine mit Spargel zu verbinden. Der Süßwein einen schönen Kontrastpunkt zum manchmal bitteren Spargel und einer fetteren Bearnaisesauce sein.

Besonders aufgefallen sind mir folgende Weine:
(1) Herkunft: Franken, Jahrgang: 2007, Rebsorte: Müller Thurgau, Erzeuger: Rudolf Fürst, Ausbau: QbA trocken
Nase: sehr intensiv, blumig, Muskat, Birne
Mund: ordentlicher Körper, leichte Säure, Schmelz
wahrscheinlich der beste Müller-Thurgau, den ich je getrunken habe. Erstaunlich, daß der Wein schon 3 Jahre auf dem Buckel hat. Blind hätte ich erwartet, daß er frisch aus dem Stahltank kommt 86 CP

(2) H: Mosel, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, Ausbau: QbA trocken
N: Feuerstein, würzig
M: ordentlicher Körper, würzig, leichte Mineralik im langen Nachhall
Ein Wein, der Geduld verdient, und langsam kommt 85 CP

(3) H: Rheinhessen, J: 2008, R: Riesling, E: Dr. Köhler, A: QbA trocken
N: verschlossen, würzig
M: relativ dicht, würzig, cremig, mineralisch
Ein Wein mit Potential, dem ich mit etwas längerer Offenzeit noch mehr zutraue 84 CP

(4) H: Rhone, J: 2009, R: Roussane/Grenache Blanc/Viognier, E: L’Ermitage, A: trocken Bezeichnung: Chateau L’Ermitage Tradition
N: sehr intensiv, blumig, fruchtig
M: feine Würze, leichter Körper, etwas Säure
durchaus vielschichtig und hoch interessant 85 CP

(5) H: Loire – Vouvray, J: 2008, R: Chenin Blanc, E: Domaine Bourillon Dorleans, A: AOC, B: Vielles Vignes
N: verspielt, Wachs, leichte Frucht
M: sehr dicht, viel Extrakt, sehr ausgewogen, feine Frucht
Das ist schon ein sehr schöner Wein mit guter Klasse 89 CP

(6) H: Mosel – Brauneberg, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, A: Kabinett trocken
N: Graipefruit, nasse Steine, Botrytis
M: schönes Frucht-Säure-Spiel, eher leichter Körper
grundsolider Riesling 86 CP

(7) H: Mosel – Brauneberger Juffer, J: 2008, R: Riesling, E: Fritz Haag, A: QbA trocken
N: würzig, steinig
M: kräftig, mittelschwerer Körper, mineralisch würzig
sher schöner gut komponierter Riesling 89 CP

(8) H: Mosel – Trittenheimer Apotheke, J: 2008, R: Riesling, E: Ansgar Clüsserath, A: Kabinett
N: Aprikose
M: dicht, mittelschwerer Körper, Botrytis, fruchtig 85 CP

V wie Veneto

Montag, April 19th, 2010

Das Veneto, bekannt und berüchtigt für Supermarktklassiker wie Bardolino und Soave, ist eine vielschichtige Weinregion, die mit dem Amarone de Valpolicella auch einen der italienischen Nobelweine beherbergt. Ein örtlicher Weinladen stellte in einer Aktion Weine aus dem Veneto vor, so daß sich mir die Gelegenheit bot, eine kleine Verkostung mit Freunden zu organisieren, um die Region etwas kennen zu lernen und dabei auch die Vielfalt zu berücksichtigen.

veneto.JPG

Los ging es mit einem Soave.

(1) Soave Classico 2008 Il Nicolaio, Rebsorte: Garganega, Erzeuger: Roncolato, Alk.: 13,5%
A: strohgelb mit grünem Einschlag
N: buttrig, blumig, Apfel
M: cremig, recht dicht, wenig Säure, leicht bitter
mein persönlicher Favorit 86 CP

Es folgte der nächste Supermarktklassiker.

(2) Bardolino Classico 09, Rebsorte: Corvina, Rondinella; Erzeuger: Costadoro; Alk.: 12,0%
A: kirschrot
N: recht dezent, Bitterschokolade, würzig Badeschaum
M: relativ leicht, deutliche Gerbsäure, Himbeere, leichter Körper und Gerbsäure wirken widersprüchlich
unspektakulär, könnte man auch im Supermarkt finden 81 CP

Wir steigerten uns zu einem Lagen-Bardolino.

(3) Bardolino Classico 08 Broi; Rebsorte: Corvina. Rondinella; Erzeuger: Costadora; Alk.: 13,0%
A: kirschrot
N: Käse, Eukalyptus, würzig
M: sehr fruchtig, sehr kräftig, Eukalyptus, saftig
Sieger der Herzen; romantischer Wein wurde gesagt 84 CP

Es folgten zwei Weine aus Venetiens Osten und der internationalen Rebsorte Merlot.

(4) Piave 2008; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Tonon; Alk.: 12,5%
A: rubinrot
N: Marzipan, Kräuter, Malz
M: wirkt überaltert, Marzipan, rauchig
Verlierer des Abends 76 CP

(5) Lison Pramagiorre 07 Campo Camino; Rebsorte: Merlot; Erzeuger: Bosco del Merlo; Alk.: 13,0%
A: rubinrot
N: Sauerkirsche, Tinte, würzig
M: elegant, glatt, samtene Tannine aber kräftig, Bitterschokolade, schöner Körper der nichts transportiert
Ich fand den Wein gut gemacht aber ohne Inhalt oder Charme 85 CP
Aus der Runde wurde er als schwierig, kompliziert und Neurotiker bezeichnet

Zurück ging es zu einem Pizzeria-Klassiker dem Valpolicella.

(6) Valpolicella classico 2009; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara; Erzeuger: Crosarola; Alk.: 12,5%
A: dunkles rubinrot
N: Heidelbeere, Tabak
M: relativ leicht, mäßige Gerbsäure
Auch das war ein Wein, der auch dem Supermarkt hätte stammen können 82 CP
Die Runde nannte ihn zurückhaltend und sympathisch

Ein Ripasso, wie wir ihn als nächstes probieren, ist in Deutschland nicht gar so oft anzutreffen.

(7) Valpolicella Classico Superiore 2008 I Progni Ripasso; Rebsorte: Corvina, Rondinella, Molinara, Sangiovese; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 14%
A: kirsch-rubinrot
N: Kirsche, Pistazie, würzig, Eukalyptus
M: recht bitter, kräftige Tannine, Kirsche, Schokolade, langer Nachhall
nichts Besonderes 83 CP
Die Runde nannte ihn selbstsicher und sprach von einem in sich ruhenden Typen

Wir beendeten die Runde edel mit einem Amarone.

(8) Amarone della Valpolicella Classico 2005 Arano; Rebsorte: Corvina, Rondinella, CabS, Sangiovese, Croatina; Erzeuger: Le Salette; Alk.: 15,4%
A: schwarzrot
N: Richtung Klebstoff (verschwindet rasch); Malz, erdig, Paprika
M: dicht, kräftig, erdig, süßlich wirkend, sehr gute Länge, Bitterschokolade
Eindeutig der vielschichtigste Wein aber immer noch nichts Besonderes 88CP
Die Gruppe sprach von einem trägen, grobschlächtigen, häuslichen Landgutsbesitzer

Da nur der Soave an dem Abend geleert wurde, konnte ich die Weine mit teils überraschenden Ergebnissen in den Folgetagen weiterverkosten. Dazu bald mehr…

Nahe-Reise (4 und Schluß): Rheingrafenstein

Dienstag, April 13th, 2010

Nach der anstrengenden Radtour tags zuvor wollte ich am nächsten Tag die Muskelkraft meiner Beine anders investieren. So zog ich mir tatsächlich die Laufschuhe, um hoch zur Burgruine Rheingrafenstein zu laufen.
Es gibt von Bad Münster zwei Möglichkeiten hoch zum Rheingrafenstein zu kommen. Entweder man nimmt die Fähre und läuft dann ziemlich direkt unter dem Felsen hoch oder man läuft aus Ebernburg kommend eine weite Schleife. Selbstverständlich entschied ich mich für den zweiten Weg, denn warum einfach, wenn es auch anders geht.
Kurz nachdem ich den kleinen Nahezufluß Alsenz überquerte ging es direkt in den Berg und ich begann ordentlich zu schnaufen, während mein Pulsschlag fast augenblicklich bei 90% des Maximalpuls ankam. In gemächlichem Tempo aber doch zugleich unter voller Belastung lief ich weiter die ordentliche Steigung hoch und erfuhr zum 2. Mal binnen kurzer Zeit in welch trauriger Verfassung sich mein Körper befand. Wenigstens mußte ich diesmal nichts hochschieben, sondern konnte tatsächlich durchlaufen. Auf der Kuppe der ersten Steigung angekommen, konnte ich die Senke zwischen Rheingrafenstein und dem Hügel, auf dem ich mich befand gut erkennen.

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Und genau in diese Senke ging es nun hinein. Bin ich gut in Form, bin ich kein Freund von Bergabläufen, da ich jedes Mal die Auswirkungen auf mein Knie fürchte. Diesmal war es ein Hochgenuß mich hinunter treiben zu lassen. Unten angekommen, konnte ich kurz vor dem Einstieg in den Aufstieg noch einmal erkennen wie, steil der Rheingrafenstein hier im Wald steht und was für ein Anstieg noch folgen sollte.

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Je nach Betrachtungsweise hatte ich Glück oder Unglück. Der Weg hinauf zum Rheingrafenstein ging nach kurzer Zeit in einen Treppenweg über, und um Treppen hochzuspringen, war ich weder angetreten noch in der Form. Ich überredete meinen Körper zu einem zügigen Gehen und einer anschließenden langen Pause auf dem Rheingrafenstein, um das Panorama zu genießen.

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Bad Münster durch den Rheingrafenstein

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Blick nach Norden durch ein Burgfenster

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Blick vom Rheingrafenstein auf Nachbarfelsen, Nahe und Bad Münsters Kurpark

Was soll ich zum Rheingrafenstein selber sagen? Romantiker mögen es mir verzeihen, aber unterm Strich ist es eine Burgruine wie viele andere auch, eher eine weniger gut erhaltene. Das was beeindruckt ist der Platz der Burgruine, denn den beschwerlichen Aufstieg, den ich hatte, musste auch sämtliches Baumaterial hoch geschleppt werden. Schön am Rheingrafenstein ist eben der Stolz auf die eigene Leistung, der bei weniger Treppenstufen sicherlich größer gewesen wäre und der herrliche Blick auf die Umgebung.
Auf dem Weg zurück stellte ich fest, daß die Steigung auf dem Rückweg deutlich weniger steil als auf dem Hinweg war, was ich als sehr angenehm registrierte. Zurück im Tal lief ich noch ein wenig nach Bad Kreuznach aus, bevor ich mich frisch machte und etwas stärkte.
Da Urlaub ja nicht zum Faulenzen da ist, machte ich mich jedoch schon bald wieder zu Fuß auf den Weg nach Niederhausen, um beim Weingut Mathern Wein zu probieren:

Weißburgunder QbA trocken 2008
N: blumig, Honig
M: leichte Säure, rund, etwas cremig 82 CP

Riesling QbA trocken 2008
N: Aprikose, Graipefruit
M: schönes Frucht-Säure-Spiel, rustikal, würzig, 83 CP

Riesling v. Rotliegendem trocken 2008
N: sehr dezent
M: leicht cremig, leichte Mineralik, würzig, 84 CP

Niederhäuser Rosenberg Alte Reben Riesling trocken 2008
N: Aprikose, Maracuja
M: cremig, kräftig, leichte Würze, 86 CP

Norheimer Dellchen Riesling Spätlese trocken 2008
N: würzig, Holunder
M: kräftiges Säurespiel, Kohlensäure, 82 CP

Riesling Classic trocken 2008
N: Pfirsich, Ananas, Äpfel
M: cremig, würzig, Säure gut integriert, 84 CP

Niederhäuser Rosenheck v. Blauschiefer Riesling halbtrocken 2009
N: Eisbonbon, kräftige Frucht
M: tolle Primärfrucht, sonst nichts zu vernehmen 81 CP
frisch gefüllt, noch zu früh den Wein zu beurteilen.

Niederhäuser Rosenheck Riesling Hochgewächs halbtrocken 2007
N: reife Frucht
M: sehr würzig, dicht, Kohlensäure 85 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Spätlese 2007
N: reifes Steinobst, Botrytis
M: sehr fein, schlank, viel Frucht 90 CP

Norheimer Kirschheck Riesling Spätlese 2008
N: recht dezent, Steinobst
M: füllig, dicht, doch noch feiner als die Niederhäuser Rosenberg Spätlese 89 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Auslese 2007
N: recht dezent, Aprikose, Apfel, Blumen
M: opulente Frucht, dicht, filigran, volle Frucht 90 CP

Niederhäuser Rosenberg Riesling Auslese HM 2005
N: feine Frucht, Birne, Botrytis
M: opulente Frucht, dicht, leicht klebrig 88 CP

Nach dieser vergnüglichen Verkostung in sehr netter Atmosphäre machte ich mich wieder auf den Weg.
Wenn aus meiner Beschreibung des ersten Tags nicht gut genug hervor gegangen ist, wie sehr mir das Bäderhaus in Bad Kreuznach gefallen hat, dem verrate ich nun, daß ich diesen Nachmittag wieder dort damit verbrachte, meinen Körper durch Schweiß zu reinigen. Eine wirklich sehr schöne Anlage, deren großes Glasdach über dem Schwimmbad beim abendlichen Gewitter besonders gut zur Geltung kam.