Archive for the ‘Weinmesse’ Category

Chianti Classico – German Tour 2010

Mittwoch, Juni 16th, 2010

Am Dienstag den 15.6. stellte das Konsortium des Chianti Classico seine Weine in Hamburg vor. Das Grand Elysee bot hierfür einen sehr eleganten Rahmen, in dem Weine und Besucher ein gutes Ambiente fanden.

Das Chianti Classico bezeichnet sich selbst als das Herzstück des Chiantis und stellt zunächst mal eine regionale Teileinheit des Chianti zwischen Florenz und Siena dar. Die eingetragene Rebfläche des Chianti Classico von 7.200 ha steht etwa auf einer Stufe mit der Fläche des gesamten Anbaugebiets Mosel. Mit einer jährlichen Produktion von fast 300.000 hl wissen die Erzeuger einige durstige Kehlen zu stillen.

Die Hauptrebsorte des Chiantis Classico ist der Sangiovese. Anders als beim Brunello di Montalcino muss der Wein allerdings kein rebsortenreiner Sanigovese sein, auch wenn Sangiovese mindestens 80% des Weins ausmachen. Cuvées sind im Gebiet des Chianti Classico eher die Regel. Neben heimischen Rebsorten wie Cannaiolo und Colorino kommen auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah zum Einsatz.

In Hamburg wurden Chianti Classico aus den Weinen 2008, 2007 und 2006 sowie Riservas aus den Jahren 2007, 2006 vorgestellt. Dazu gab es noch zwei Riserva aus 2005 und eine aus 2003zu verkosten. Mengenmäßig am stärksten vertreten unter den 61 Weinen waren die Chianti Classico aus 2007 und die Riserva aus 2006.

Im folgenden gehe ich nur auf die Weine ein, die mir jeweils besonders gefallen haben – probeweise diesmal ohne Punkte. Ich bin gespannt, ob sich ein Leser beschwert.

Chianti Classico 2008

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Castello de Selvole
100% Sangiovese
Nase: Cassis, Kirsche
Mund: würzig, Nuß, rund, harmonisch

Castello Vicchiomaggio – San Jacopa da Vicchiomaggi
90% Sangiovese, 5% Canaiolo, 5% Colorino
N: kräutrig, Melisse, Heidelbeere
M: feine Frucht, angenehme Tannine, gute Länge, Holz ist spürbar

Chianti Classico 2007

Borgo Salcetino
95% Sangiovese, 5% Canaiolo
N: warm, Brotrinde, Mandel
M:  saftig, sehr viel Frucht, fast süß, kräftige Tannine, erdig, sehr gute Länge

Fontodi
100% Sangiovese
N: Cassis, Nelken, Nuß, sehr eigene Würze
M: viel Kraft, Power, kräftige Tannine
wirkte eher wie eine Riserva, was unter den „normalen“ Chianti doppelt auffiel

Le Miccine
85% Sangiovese, 10% Malvasia Nera, 5% Merlot
N: Vanille, sehr eigene Würze, Himbeer, Kirsche
M: fein, rund, elegant
Für mich so etwas wie der Sieger der Herzen als sehr individueller Wein. Leider scheint es in Deutschland noch keine Bezugsquelle zu geben.

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Tenuta di Lilliano
80% Sangiovese, 20% Canaiolo und Colorino
N: Brot, Eukalyptus, Kirsche
M: rund, mittlerer Körper, ordentliche Frucht, sehr gut gemacht.

San Felice
100% Sangiovese
N: Kirsche, würzig
M: viel Frucht, Kirsche, kräftige Tannine, mittelschwer

Villa Cafaggio
100% Sangiovese
N: Nuß, Trüffel
M: ordentliche Frucht, mäßige Säure, mittelleicht, ordentliche Tannine

Chianti Classico 2006

Castello di Cacchiano
95% Sangiovese, 5% Canaiolo
N: erdig, Vanille, Veilchen
M: intensive Würze, Nuß, leichte Säure, ordentliche Tannine
definitiv eines der Highlights

Tenuta di Nozzole – Poggio Reale
100% Sangiovese
N: Frucht, Mandel
M: viel Frucht, saftig

Chianti Classico Riserva 2007

Felsina – Riserva Rancia
100% Sangiovese
N: sehr eigene Würze
M: viel Frucht, gute Dichte, Schokolade, kräftig

La Casaccia
100% Sangiovese
N: Eukalyptus, Melisse
M: viel Frucht, enorme Dichte, kräftige Tannine

Chianti Classico Riserva 2006

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Borgo Salcetino
95% Sangiovese, 5% Canaiolo
N: erdig, Brombeere, Toast
M: feine Würze, kräftig, ordentliche Frucht

Fattoria Nittardi
N: Nuß, Vanille, Veilchen
M: kräftig, dicht, würzig

Agricoltori del Chianti Geografico – Montegiachi
95% Sangiovese, 5% Colorino
N: Kirsche, Eukalyptus, Brotrinde
M: viel Frucht, leichte Säure, Tannine etwas unrund

Agriano in Chianti
90% Sangiovese, 5% Canaiolo, 5% Merlot
N: sehr eigene Würze, Malz
M: würzig, Nuß, mittlerer Körper, mäßige Länge

Tenut Bonomonte
100% Sangiovese
N: Melisse, Kirsche
M: relativ fruchtig, mittelschwerer Körper

Zusammenfassend muß ich bekennen, daß sich die vermeintlich höhere Klasse der Riservas vor mir hinter einer dicken Holzschicht verborgen hat. Am besten gefallen haben mir die Chianti Classico aus 2007. Highlights waren hier Fontodi, Le Melicce und Borgo Salcetino. Der 2006er Castello di Cacchiano und 2007er Riserva La Casaccia hatten auch ein sehr hohes Niveau, sind aber natürlich auch schon eine Spur teurer.

Insgesamt eine sehr schöne Veranstaltung, die professionell organisiert war. Die Veranstaltung war insgesamt auch deutlich besser besucht, als es sich aus meinen Fotos ergibt, die ich erst am Ende der Veranstaltung geknipst habe, als ich mich nicht mehr auf die Weine konzentrieren mußte.

Weintage der Südlichen Weinstraße – Tag 3

Sonntag, Juni 6th, 2010

Auch am Sonntag machte ich mich auf den Weg zu den Weintagen der südlichen Weinstraße. Da die Messe sonntags schon am Vormittag beginnt, empfand ich das Wetter an diesem Tag als durchaus angenehm zum Verkosten.

Das gestrige Versäumnis, einige Rote zu probieren, holte ich dann heute nach und begann bei noch milden Temperaturen doch mit den Roten, bevor ich mich an ein paar Weiße machte und zum Abschluß noch auf die Bukettsorten losging.

Mit den Roten anzufangen erwies sich jedoch nur bedingt als vorteilhaft, da einige noch ziemlich frisch aus der Kühlung kamen, in die sie notwendigerweise über Nacht von den Winzern gesteckt wurden. So kamen mir doch ein paar Rotweine mit zwei oder drei Grad zu wenig ins Glas. Beim normalen Trinken ist so etwas sehr wünschenswert, da der Wein schnell genug warm wird, aber bei einer Weinmesse steht dem Wein diese Zeit nicht zur Verfügung.

Bei den Bukettsorten scheint mir der Muskateller im Trend zu liegen. Mußte man diesen in der Vergangenheit lange suchen, um ihn dann bei einer Handvoll Erzeuger zu finden, gab es mittlerweile sehr viele Exemplare davon. Es waren nicht alles sensationelle Exemplare, aber die Renaissance der Rebsorte erfreut mich dann doch, auch wenn ich vermute, daß sie ein wenig zu Lasten anderer Bukettsorten wie Gewürztraminer und Scheurebe geht, die ich gefühlt seltener angetroffen habe.

Bei den Rotweinen verkostete ich folgende empfehlenswerte Weine:
Weingut Gies-Düppel Spätburgunder Quarz 2008
N: würzig, feine Frucht
M: leicht, etwas erdig, kräutrig 87 CP

Weingut Münzberg Spätburgunder Spätlese trocken 2006
N: Waldbeere, Heidelbeere, leichte Würze
M: leichter Typ, mittlere Säure, ordentliche Säure, gute Ausgewogenheit 87 CP

Weingut Herbert Meßmer Cuvee aus Cabernet Sauvignon und Merlot 2007
N: Cassis, Kirsche
M: sehr rund, fruchtig, elegant, leicht erdig 87 CP

Weingut Dengler-Seyler Cuvee Autumnus 2007
N: eigene Würze, Schokolade
M: eher leicht und elegant, rund 87 CP

Weingut Pfirmann Spätburgunder Kalkgestein 2008
N: würzig, Kaffee
M: kräftige Tannine, rund, würzig, fruchtig 87 CP

Weingut Immengartenhof Spätburgunder R 2007
N: sehr eigene Würze
M: rund, fruchtig, leichte Würze 87 CP

Weingut Theo Minges
(1) Cuvee MR 2005 (CabS, Cabernet Franc, Merlot)
N: Karamell, Wachs
M: sehr elegant, rund, viel Frucht, dicht 88 CP

(2) Spätburgunder ZE 2007
N: würzig, Minze
M: kräftig, würzig, sehr rund, fruchtig, ausgewogen 88 CP

Weingut Fritz Wadle 2008 Gleiswöller Hölle Merlot
N: Minze, Beerenfrucht
M: fruchtig, rund, leicht erdig 87 CP

Vom Weingut Scholler kann ich die 2009er Riesling Spätlese trocken aus dem Rotliegenden des Birkweiler Kastanienbusch empfehlen.
N: Limone, Pfirsich
M: frisch, leicht, Säure gut eingebunden 87 CP

Das Weinhaus Aloisiushof erfreute mich sowohl mit einem Bukettwein als auch mit einem Spitzen Pinot Noir, der aus einer Kooperation mit dem Weingut Stern stammt, bei dem die beiden Winzer den Wein aus zwei unterschiedlichen Lagen gemeinsam ausbauen.
(1) Pinot noir PinoTimes 2007
N: sehr feine Würze
M: leicht, elegant, feine Würze, mineralisch 89 CP

(2) St. Martiner Baron Gewürztraminer Auslese edelsüß 2009
N: Lychee, Rosen
M: viel Frucht, Süße, schöne Dichte, frisch 88 CP

Auch das Weingut Koch, wußte mich auf beiden Gebieten zu überzeugen.
(1) Rotwein Alexander 2005 (Cuvee aus Cabernet Sauvignon + Merlot)
N: streng, Tabak, würzig
M: kräftig, gute Balance zwischen fruchtigen Noten und kräftigem Körper, ordentliche Tannine 87 CP

(2) Scheurebe Spätlese edelsüß 2009
N: blumig, Apfel
M: sehr dicht, süß, viel Frucht 87 CP

Das Highlight des Tags war der 2007er Spätburgunder Buntsandstein aus dem Birkweiler Kastanienbusch vom Weingut Siener
N: sehr feine Nase, würzig, Waldbeeren
M: sehr elegant, rund, mineralisch, harmonisch 91 CP
Das ist echter Pinot!

Kann ich noch ein Fazit ziehen, oder muß ich das sogar, damit meine Leser nicht glauben, ich würde nur aus Spaß schreiben?

Bei den von mir verkosteten Rotweinen waren sehr viele Weine dabei, die primär auf Kraft ausgelegt waren und bei derem Ausbau es für meinen Geschmack mit dem Holz übertrieben wurde.

Bei den Bukettweinen schafften es leider nur sehr wenige mich wirklich zu begeistern, aber gerade Muskateller liebe ich ja auch als einfachen Wein und nicht als Monument.
Die Kollektion von Wehrheim übertraf alles andere.

Das Weingut Siener hatte bei den Weißen mit dem Riesling Taschberg als auch bei den Roten mit dem Spätburgunder Buntsandstein exzellente Vertreter am Stand, die an Wehrheims Spitze herankam.

Bewertungen sind blöde! Sie mögen der Orientierung dienen, schaffen das aber nicht, weil meine Geschmacksnerven nur ungenügend darauf eingestellt sind ein Klassifikationsraster über jeden Wein zu legen. Abgesehen davon kann eine solche Messe keineswegs überall vergleichbare Bedingungen bieten. Z.B. waren im großen Saal des alten Kaufhaus die Temperaturen deutlich höher und einmal hatte ich vor dem Chardonnay einen Riesling im Glas und das andere Mal einen Grauburgunder undundund.

Beim Besuch von Weinmessen geht es mir aber nicht ums Punkten. Viel wichtiger ist mir Eindrücke zu sammeln. Ich will Entdeckungen machen, den Jahrgang kennen lernen, Trends identifizieren und schöne Kollektionen aufspüren. Auch wenn ich dann bereits nach dem ersten Tag jammere, wie anstrengend es ist, 70 Weine an einem Tag zu verkosten und das Pensum am zweiten und dritten Tag tatsächlich beinahe halte, machen mir solche Veranstaltungen schlichtweg Spaß.

Und das ist das wichtigste, was man bei solchen Weinmessen bedenken sollte. Man sollte Spaß haben. Darum geht es beim Wein. Der Wein ist ein berauschendes Getränk, dessen Genuß Spaß machen soll. Wenn man sich zum 43. Riesling zwingen muß und die Zähne aufgrund der Säure bereits schmerzen, ist das ein guter Grund, dem 42. keinen 43. folgen zu lassen.

Damit man mich jetzt nich falsch versteht und mir den Titel des Blogs vorhält. Spaß heißt nicht eine halbe Stund nach Öffnung der Messe besoffen durch den Saal zu schreien. Aber bei jeder halbsterilen Verkostung, sollte man sich vors Auge führen, was für ein Spaß es wäre, diesen Wein jetzt nicht nur zu analysieren sondern ihn auch zu trinken. Das langt.

Weintage der Südlichen Weinstraße – Tag 2

Sonntag, Juni 6th, 2010

Der zweite Tag der Weintage der südlichen Weinstraße zeichnete sich zunächst einmal durch einen weiteren Anstieg der Termperaturen aus, was für eine etwas stickige Luft sorgte, obwohl wirklich jedes Fenster geöffnet wurde. Die Vielzahl der Besucher sorgte für ein Gedränge, das vom Erfolg der Veranstaltung zeugt.

Heute schien mir das Publikum etwas fachkundiger – zumindest wurden die Spucknäpfe heute häufiger benutzt. Interessant finde ich das Auftreten der Winzer, die Weinmesse in erster Linie als Präsentation nutzen und erst in zweiter Linie als Verkaufsveranstaltung. Zumindest gab es wenig aufdringliche Lockangebote. Das ist bei anderen Messen ganz anders.

Ich mußte heute wieder einmal feststellen, daß Verkosten doch ein anstrengendes Vergnügen ist. Das Pensum vom Vortag habe ich nicht ganz gehalten. Insbesondere habe ich am Ende des Tags den Schwenk auf Rotweine nicht mehr geschafft. 60 probierte Weine boten aber doch die Gelegenheit, jetzt die ein oder andere Empfehlung auszusprechen.

Besonders überzeugend waren die Kollektionen von Heußler, Pfirmann, Siegrist, Kleinmann und dem Aloisiushof

Heußler
Rhodter Rosengarten Chardonnay Spätlese trocken
N: dezent blumig
M: cremig, kräutrig, dicht, mineralisch 88 CP

Roßwingert Grauburgunder Spätlese trocken
N: eher dezent, Birne, Nuß
M: dicht, cremig, würzig, herb 87 CP

Rhodter Schloßberg Riesling Spätlese trocken Granit
N: dezent, blumig
M: kräutrig, mineralisch, leichte Säure 88 CP

Pfirmann
Riesling Kalkmergel trocken
N: Melone, Honig
M: fruchtig, cremig, leichte Säure 87 CP

Wollmesheimer Mütterle Riesling trocken
N: eher dezent, kräutrig
M: feinfruchtig, cremig 88 CP

Wollmesheimer Mütterle Riesling trocken R
N: noch ziemlich verschlossen
M: cremig, fruchtig, dicht, extraktreich 89 CP

Siegrist
Riesling Heidenbäumel** Spätlese trocken
N:würzig
M: feinfruchtig, Schmelz, mineralisch 87 CP

Chardonnay Spätlese trocken 2007
N: Butter, Brotrinde
M: würzig, rauchig, cremig, mineralisch 90 CP

Ökonomierat Kleinmann
Birkweiler Kastanienbusch Riesling PURIST Spätlese trocken
N: Hefe, Zitrus
M: Zitrus, deutliche Säure, leichte mineralische Töne 87+ CP
erst vor 3 Wochen abgefüllt, was man auch spüren konnte

Birkweiler Mandelberg Weißburgunder SIGNATUR Spätlese trocken
N: erst dezent, dann auftauend, sehr blumig
M: dicht, rund, kräftig, mineralisch 88 CP

Aloisiushof
Weißer Burgunder trocken
N: blumig, Apfel
M: mittelleicht, würzig, mineralisch 88 CP

St. Martiner Kirchberg Riesling Spätlese trocken Ambrosia
N: Zitrusnoten, fruchtig
M: kräftig, würzig, mineralisch 89 CP

Sehr gute Weine gab es auch bei Rolf- und Tina Pfaffmann, Dengler-Seyler, Herbert Meßmer, Borell-Diehl, Münzberg

Rolf + Tina Pfaffmann
Frankweiler Kalkgrube Riesling ü40 trocken
N: sehr intensiv, blumig
M: dicht, cremig, würzig 88 CP

Frankweiler Kalkgrube Riesling No 9
N: blumig, Aprikose
M: fruchtig, rund, mild 87 CP

Dengler-Seyler

DerDenglerSeyler Riesling trocken
N: Kräuterwürze
M: gut eingebundene Säure, würzig 87 CP

Herbert Meßmer

Riesling Schiefer Kabinett trocken
N: Zitrus, Papaya
M: ordentliche Säure, feine Frucht, rustikal, Schmelz 87 CP

Borell-Diehl
Hainfelder Kapelle Riesling Kabinett trocken Alte Reben
N: blumig, ungewohnte Würze
M: fruchtig, Graipefruit, Maracuja 88 CP

Münzberg

Riesling Spätlese trocken
N: sehr eigene Würze, Stinker
M: schlank, ordentliche Säure 88 CP

Chardonnay Spätlese trocken 2008
N: blumig, Wachs
M: würzig, alkoholisch, salzig 87 CP

Welchen Wert solche kurzen Verkostungsnotizen, bei denen der Schreiber nicht einmal in der Lage ist, ganze Sätze zu formulieren, mag jeder für sich entscheiden. Als Archiv und zur Orientierung sind solche Momenteindrücke manchmal durchaus interessant, auch wenn sie kein natürlich kein echtes Bild von einem Wein machen können.

Weintage der Südlichen Weinstraße – Tag 1

Freitag, Juni 4th, 2010

Um den von großen Teilen der Fachpresse hochgejubelten Jahrgang 2009 in Deutschland habe ich bisher einen großen Bogen gemacht, da mir die Weine bei bisherigen Verkostungen noch allesamt viel zu jung erschienen, um sie halbwegs gerecht beurteilen zu können. Vielleicht ist meine sensorische Wahrnehmung nicht ausgereift genug, um an all den fruchtigen Primäraromen vorbei zu kommen und etwas anderes als Gummibärchensirup mit Eisbonbonmischung zu erkennen.

Dennoch nehme ich an, daß die Fachpresse nicht ohne Grund so urteilt. Daher zog es mich in diesem Jahr zu meiner Lieblingsweinmesse nach Landau, genauer zu den Weintagen der Südlichen Weinstraße.
93 Winzer der Südlichen Weinstraße stellen hier ihre Weine vor. Darunter ist auch die komplette creme de la creme der Südpfalz, auch wenn die VDP-Winzer ihre Großen Gewächse aus 2009 natürlich noch nicht vorstellen konnten.
Am 1. Tag konnte ich schon umfangreiche Verkostungen vornehmen. Echte Ausfälle gab es wenige, doch von einem rundum großen Jahrgang mit reihenweise Spitzengewächsen kann ich auch nicht sprechen.
Umgehauen hat mich die Kollektion des Weinguts Wehrheim. Bisher hielt ich dieses immer für ein klein wenig überschätzt und eher auf Augenhöhe mit den sonstigen hervorragenden Birkweiler Winzern als im direkten Umkreis von dem primus inter pares Rebholz. In diesem Jahr stellt Wehrheim für mich die absolute Spitze dar, bei dem jeder Wein ein Treffer war.

(1) Riesling Rotstück trocken
N: kräutrig, Stein
M: kräftig, würzig, dicht, mineralisch 90 CP

(2)Riesling Buntsandstein trocken
N: fruchtig, Aprikose
M: mittlerer Körper, rund, fruchtig 87 CP

(3)Weißer Burgunder trocken Muschelkalk S
N: kräutrig
M: würzig, salzig, mineralisch 89 CP

(4)Weißer Burgunder trocken Birkweiler Mandelberg Großes Gewächs 2008
N: brutale Intensität, buttrig, exotische Frucht
M: dicht, salzig mineralisch, würzig 93 CP

(5)Rotwein Cuvée Carolus trocken 2005
N: Pfeffer, würzig, rauchig
M: dicht kräftig, würzig, viel Extrakt 91 CP

Auch Rebholz zeigte natürlich eine tolle Kollektion, aber nicht ganz auf diesem Niveau.
(1) Muskateller Kabinett trocken
N: Lychee, Muskatnote, Rose
M: dichte Frucht, Kräuter, cremig 88 CP

(2) Riesling Spätlese trocken vom Muschelkalk
N: fruchtig, steinig
M: mittelschwer, knackige Säure 90 CP

(3) Weißer Burgunder Spätlese trocken vom Muschelkalk
N: streng, würzig, blumig
M: cremig, ausgewogen, rund, kräutrig 87 CP

Bei Friedrich Becker habe ich heute nur die Rotweine verkostet, die aber sehr gut waren.

(1) Spätburgunder – B – 2008
N: Holunder, Kirsche, würzig
M: Bitterschokolade, fruchtig, leichte Säure 88 CP

(2) Spätburgunder Kalkgestein 2008
N: unleserlich
M: tiefgründig, dicht, extraktreich 89 CP

Der Spätburgunder S 2007 vom Weingut Bernhardt erreichte ein ähnliches Niveau.
N: sehr eigen, Waldbeere, vielschichtig, spontanvergoren(?)
M: fruchtig, rund, ausgewogen, mittelleichter Körper, noch nicht die ganz große Eleganz eines Pinots 89 CP

Der Spätburgunder 2007 von Bruno Leiner konnte mich auch überzeugen
N: würzig, erdig
M: fruchtig, dicht, würzig, erdig 88 CP

Beim Weingut Kranz hatte ich heute nur die Weißen probiert
(1) Riesling Kalmit Spätlese trocken 2008
N: Fruchtkorb mit u.a. Pfirsich
M: gut integrierte Säure, fein fruchtig, leichter Schmelz 87 CP

(2) Silvaner trocken
N: Milch, Aprikose, sehr eigen
M: fruchtig, leicht, frisch, leicht mineralisch 87 CP

Bei Theo Minges gefiel mir neben der charmanten Betreuung insbesondere die trockene Riesling Buntsandstein Spätlese
N: Apfel, Pfirsich
M: Mittelleicht, kräutrig, würzig, Schmelz 87 CP

Beim Weingut Immengarten Hof hatten es mir zwei Riesling Spätlesen angetan
(1) Buntsandstein trocken
N: Zitrusnoten
M: Schmelz, gut integrierte Säure 87 CP

(2) Kiessand trocken
N: sehr eigen, würzig
M: dicht, würzig, mineralisch 90 CP

Beim Standnachbarn Christian Heußler hatte ich heute nur den Muskateller probiert.
N: Lychee, Rosen
M: fruchtig, fleischig, cremig 88 CP

Vom Weingut Gies-Düppel gefielen mir besonders

(1) Riesling Rotliegendes trocken
N: Zitrus, Kräuter
M: würzig, leichte Säure, kräftig 87 CP

(2) Birkweiler Kastanienbusch Weißer Burgunder trocken
N: blumig, würzig
M: kräftig, würzig, mineralisch 89 CP

Das Weingut Siener zeigte auch zwei Klasse Weine
(1) Riesling trocken vom Buntsandstein
N: Zitrus, Stein
M: deutliche Säure, würzig, leicht 87 CP

(2) Birkweiler Kastanienbusch Riesling trocken Taschberg 2008
N: intensiv, Botrytis, steinig
M: intensive Kräuterwürze, mineralisch, vielleicht noch kein großes Kino aber mindestens ein Arthouse-Film 91 CP

Sicher ist es noch zu früh für ein Fazit, doch es fiel mir auf, daß einige Winzer zu sehr fruchtbetonten Weinen zurückgekehrt sind, was zwar ganz nette Weine ergibt, aber jetzt keine echten individuellen Highlight produziert. Die von mir vorgestellten Weine stellen entweder extrem gute Weine der fruchtigen Art oder die richtig gelungenen Ausnahmen dar.

Natürlich kann ich bei einer so großen Messe nie gerecht bewerten. Immer entgehen mir Feinheiten, die mir beim zweiten oder dritten Schluck auffallen würden, doch dies hieße die Menge der verkosteten radikal zu reduzieren und statt am Ende noch ohne Kurven zum Bahnhof zu laufen kopfvor die Treppe herunter zu fallen. Auch glaube ich, daß ich in der Menge mehr entdecken kann, als daß ich übersehe.

Ich freue mich auf jeden Fall auf Tag 2.

Rheinhessenwein

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Am letzten Montag stellten im Hamburger Chilehaus einige rheinhessische Winzer ihre Weine vor. Da der Publikumsteil erst um 18 Uhr begann und ich einen Anschlußtermin hatte, konnte ich leider nur eine Stunde verkosten, so daß es mir nicht gelang ein wirklich umfassendes Bild zu gewinnen.

Der Tatsache geschuldet, daß mein Keller übervoll mit Rieslingweinen gefüllt ist, nutzte ich die Chance, die Rheinhessen mit seiner Rebsortenvielfalt bietet und konzentrierte mich auf weiße Burgundersorten und Silvaner. Auch wenn ich den Eindrücken von solchen Weinproben immer etwas skeptisch gegenüber stehe, da man einen Wein bereits nach einem Schluck beurteilt und weder etwas von seiner Entwicklung im Glas erfährt noch ihm die Chance des zweiten Schlucks gewährt, bin ich mir diesmal besonders unsicher. Und das liegt daran, daß ich fürchte, daß mir die eigenen Geschmacksnerven an diesem Tag einen Streich gespielt haben. Am Anfang erschienen mir fast sämtliche Weine sehr herb und eintönig. Später wurde das besser, so daß ich doch ein paar Empfehlungen geben kann.

Das Weingut Bettenheimer überzeugte mit einer sehr gelungenen Kollektion

Sylvaner trocken 2009 Selection Rheinhessen Appenheimer Eselspfad
N: feines Bukett, kräutrig, blumig, leichte Zitrusnoten
M: verschlossen, mineralisch, würzig 88 CP

Chardonnay trocken 2009 Ingelheim
N: blumig, Birne
M: cremig, buttrig, feiner Schmelz, schöne Säure 86 CP

Auch das Weingut Flick bot sehr schöne Weine an.

Silvaner trocken 2009 Siefersheim
N: Kochgemüse
N: cremig, volle Frucht, leichter Schmelz 86 CP

Chardonnay trocken 2009 Gau-Odernheim
N: blumig, steinig
M: cremig, würzig, buttrig, mineralisch 86 CP

Riesling trocken 2009 Westhofener Morstein
N: Zitrus, Graipefruit
M: füllig, fruchtig, schöne Säure, mineralisch 89 CP

Beim Weingut Gehring habe ich einen schönen Chardonnay verkostet
Chardonnay trocken 2009 Niersteiner Ölberg
N: Wachs, opulente Frucht
M: schöne Dichte, sehr fruchtig, kräftig 87 CP

An allen Rieslingen, wie z.B. dem vom Weingut Neumer bin ich dann doch nicht vorbei gekommen.
Riesling trocken 2009 Gau-Odernheimer Ölberg
N: sehr feine Rieslingnase, Aprikose, kräutrig
M: relativ leicht, rund, schönes Säure-Fruchtspiel 87 CP

Gewinner war mit dem Westhofener Morstein dann doch ein Riesling, aber an so einem Lagenwein kommt man ebenschlecht vorbei.

Schade, daß ich so wenig Zeit zum Verkosten hatte und zu einigen Winzern nicht gekommen bin und auch keinen einzigen Rotwein getrunken habe. Ein ander Mal.

Weinfrühling Hamburg

Dienstag, März 16th, 2010

Am vergangenen Wochenende fand die Weinmesse WeinFrühling im alten Börsensaal der IHK in Hamburg statt. Nach dem Besuch am Samstag habe ich mich dagegen entschieden auch am Sonntag hinzugehen. Das hatte verschiedene Gründe.

Zum Einen war es wirklich mal wieder an der Zeit, Ordnung in meiner Wohnung zu schaffen. Dazu kam, daß ich die einzige Regenpause des Tages um halb Fünf für den ersten normalen Lauf seit dem Beginn der Eiszeit genutzt habe und da ich zurück gegen den Wind laufen mußte auch entsprechend kaputt war, was aber weniger von Belang war, da die Messe schon um Sechs ihre Pforten schloß. Nach einem langen Weinwochenende zuvor und einem langen Weintag am Tag zuvor war ich doch etwas erschöpft und vielleicht sogar müde des Weins, aber: kein Alkohol ist auch keine Lösung, abends gab es zum Essen natürlich einen schönen Wein. Das Alles wäre aber vermutlich kein ausreichender Grund für mich gewesen, wenn nicht das Niveau der Aussteller doch als nur durchschnittlich erwiesen hätte.

Wie sich das Weingut Rinklin dorthin verirrt hatte, weiß ich zwar nicht, aber wahrscheinlich hat das badische Weingut trotz einer Bekanntheit bei Weinfreaks wohl noch nicht die garantierten Absatzkanäle, um losgelöst von solchen Werbeaktionen agieren zu können. Wie auch immer, sie fielen allein dadurch auf, daß sie eigenständige Weine vorstellten, die sich nicht im Mainstream einordneten.
Weißburgunder QbA trocken 2008
N: Stinker, würzig, pflanzliche Noten, blumig
M: kräftig, würzig 87 CP

Grauburgungder QbA trocken 2007 Barrique
N: Melisse, Eukalyptus
M: würzig, cremig, feine Mineralik, sehr eigen 90 CP

Das Rieslingweingut Rebenhof von der Mosel zeigte eine sehr ansprechende Kollektion, wie es auch bei dieser Messe kein Schaden war, sich an die Moselwinzer zu halten. Solche Pauschalurteile liegen mir eigentlich ziemlich fremd, aber auch das Bio-Weingut Dr. Pauly-Bohn zeigte einen sehr guten Wein
Schießpflug Riesling Auslese trocken 2007
N: reife Frucht, Bortrytis, Birne
M: cremig, dicht, leicht mineralisch 88 CP

Das Weingut Agritiushof von der Saar, also schon wieder Anbaugebiet Mosel, zeigte auch eine schöne Kollektion von Rieslingen.

Aus meiner Heimat darf ich das Weingut Petri hervorheben.
Kallstadter Saumagen Riesling Spätlese trocken 2008
N: mineralisch pflanzlich
M: mineralisch, kräftig, würzig 88 CP

Herxheimer Himmelreich Chardonnay Spätlese trocken Barrique 2007
N: Butter, Bortrytis, reife Frucht
M: kräftig, dicht, cremig, mineralisch, salzig 90 CP

Wenn ich die Veranstaltung jetzt insgesamt etwas kritischer beschrieben habe, möchte ich den Veranstaltern dennoch einen guten Job attestieren. Eine solche Menge von fast 90 Winzern in die Wein-Diaspora Hamburg zu bringen, ist erstmal eine Leistung an sich. Weiter stelle ich fest, dass der Börsensaal einfach hervorragend für solche Ereignisse geeignet ist, und vom Veranstalter auch optimal genutzt wurde. Durch eine Aufteilung der Winzer in Börsensaal und Commerzsaal, erschien der Raum großzügig zu sein, so daß man fast vergessen konnte, hier die gleiche Luft wie Finanzhaie einzuatmen. Der Zwischenteil zwischen den beiden Räumen, in dem die Stände der Makler untergebracht sind, erweist sich dabei als guter Rückzugspunkt, an dem man kurz innehalten kann, um z.B. das Programm zu studieren.

Wenn jemand in meiner Beschreibung die Rotweine vermißt, so muß ich diesen enttäuschen, da ich mir die Rotweine für den Sonntag aufgehoben hatte.

WineStyle Hamburg – Tag 3

Montag, März 8th, 2010

Am 3. Tag der Weinmesse habe ich nicht mehr so viel verkostet. Stattdessen habe ich mehr von den angebotenen Seminaren besucht, die von Rolf Klein in lockerem Stil ohne Rechthaberei moderiert wurden.
Das Seminar „Wanted – Piratenjagd per Steckbrief: Finden Sie den richtigen Wein?“ hielt  er mit einem humorvollen Augenzwinkern, ging es hierbei doch darum, verschiedene Weinbeschreibungen von Journalisten dem passenden Wein zuzuordnen. Er nutzte dies, um sich für die manchmal etwas ausdrucksvolle Weinsprache zu werben, gab aber auch zu, daß auch Profis einen Wein selten zweimal gleich beschreiben. Wer meine Verkostungsnotizen liest, wird verstehen, daß ich Verständnis dafür habe, viele Worte für die Beschreibung eines Weins zu verwenden.

Das zweite Seminar drehte sich um Öko- oder auch Bioweine. Rolf Klein ging nur kurz auf die einzelnen Spielarten biologischen Weinbaus ein und zeigte noch einmal kurz das Hauptdilemma der biologischen Zertifizierung von Wein auf, die sich eben nur auf dem Anbau im Wingert beziehen und den Bereich des Ausbaus im Keller außen vor lassen. Ich persönlich war nur in einem Punkt mit ihm uneinig, als er den biodynamischen Weinbau als die Spitze des biologischen Weinbaus bezeichnete. Einige Punkte in der Philosophie der Biodynamiker erscheinen mir doch weit mehr Aberglaube als Glaube an die Notwendigkeit in einen vernünftigen Umgang mit der Natur. Persönlich glaube ich auch, daß biologischer Weinbau nicht unbedingt die beste oder alleinige Lösung für einen nachhaltigen Umgang mit dem Boden darstellt. Die chemische Keule, mit der lange Jahre auf Reben und Boden eingeschlagen worden hat diesen aber derart kaputt gemacht, dass die Ökobewegung eine echte Rettung für den Weinbau darstellte, weil sie auch bei denen, die sich ihr nicht verschrieben haben für ein Umdenken sorgte.

Das letzte Seminar „Schnäppchenmarkt: Unter 8 und gut gemacht“ war tendenziell weniger interessant, weil es „nur“ eine Verkostung von Weinen war. Es gab auch gut gemachte Dornfelder und Rivaner, aber echte Offenbahrungen waren für mich nicht unter den Weinen. Zu Überraschen wußte der Oveja Negra, eine Cuvee aus Riesling und Grauburgunder, der der erste brasilianische Wein war, den ich in meinem bisherigen Leben getrunken habe. Auf diesem Niveau kann man durchaus noch weitere Weine aus Brasilien trinken.

Von den bei den Ausstellern verkosteten Weinen konnten mich heute insbesondere zwei österreichische Weine vom Weingut Frauwallner aus der Südoststeiermark überzeugen.
Eruption weiß 2006 Chardonnay
N: sehr intensiv, Birne, Bortrytis, reife Frucht, filigan
M: mineralisch, fein, leichtfüßig, leichte Bortrytisnote, hoch elegant 93 CP
Eruption rot 2006
N: Kräuter, Eukalyptus, Melisse
M: sehr rund, fein, gute Dichte, harmonisch, gut ausbalanciert, mineralisch 91 CP

Chateau Peyraborn aus dem Bordeaux präsentierte ein paar sehr schöne Weine. Besonders gefiel mir der 2005er.
N: schöne kräftige Frucht
M: fleischig, saftig, volle Frucht 89 CP

Eine recht interessante Kollektion zeigte auch das Weingut Gehrig aus der nördlichen Pfalz, bei dem man sich auf Sauvignon Blanc und Merlot spezialisiert hat. Den Merlot erhält man hier auch weißgekeltert. Als ich anmerkte, daß der Merlot ja wirklich genauso farblos wie das Wasser sei, mit dem ich das Glas zuvor ausgespült hatte, lächelte der Winzer und erklärte mir, daß der Vorgängerjahrgang tatsächlich farblos gewesen sei, dieser aber eine leichte Lachsfärbung habe, da man ihn als Reaktion auf die anscheinend negative optische Wahrnehmung dann doch minimal länger auf der Maische gelassen habe. Die Lachsfärbung war übrigens tatsächlich festzustellen.

Ich muß den Veranstaltern attestieren, daß sie von Jahr zu Jahr professioneller werden. Insbesondere die Einbeziehung der Seminare in die Veranstaltung macht die WineStyle zu einer besonderen Weinmesse. Sicherlich ist die Qualität der Winzer auf der Anfang Januar von Scheuermann organisierten Messe etwas höher, doch der Charme der WineStyle liegt auch in der großen Bodenständigkeit der Aussteller. Auf jeden Fall hat mir die Messe wieder viel Spaß gemacht, und ich komme gerne im nächsten Jahr wieder.

WineStyle Hamburg – Tag 2

Samstag, März 6th, 2010

Heute war der 2. Tag der WineStyle in den Deichtorhallen. Das Seminar von Stuart Pigott zum Thema „Wein und Klimawandel oder: Zum Wohlsein, Kopenhagen“, war 10 Minuten vor Beginn derart überfüllt, daß ich es mir dann doch geschenkt habe und weiter verkostet habe. Ich muß dem Veranstalter aber ein Kompliment für die Seminare aussprechen. Waren diese im letzten Jahr noch versteckt in einem Hinterzimmer und eher schlecht besucht, so sind sie diesmal so präsent, daß sie eben auch von den Besuchern wahrgenommen werden.

Das Seminar von Jens Priewe zum Thema „Der Luxus des Einfachen“ war eher belanglos. Priewe gab zunächst das Ziel aus, große Weine für kleines Geld zu präsentieren. Im Laufe des Seminars wurde aber deutlich, daß es ihm nicht darum ging, sondern darum welchen Luxus der Genuß einfacher Weinen mit Herz darstellt und das dieser Genuß von den Weintrinkern nicht vergessen werden sollte. Wenn ich diese Botschaft in meinem einleitenden Satz als belanglos abtue, dann wohl auch, weil sie bei mir schon längst angekommen ist und diese Weine das Gros, der auf KeinAlkoholistauchkeineLoesung.de verkosteten Weine darstellen. Ich gehe davon aus, daß auch die Leser in dieser Welt leben. Ich muß Priewe jedoch leider etwas unterstützen, daß es tatsächlich notwendig ist, diese Botschaft zu verbreiten, da es Weintrinker gibt, die nur besonders teure und edle Weine trinken. Verrückterweise sind dies häufig Leute, die sich gar nicht allzu intensiv mit der Welt des Weins beschäftigen.

Da die Messe auch am Sonntag noch die Tore öffnet, kann ich anderen esuchern noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Das Weingut Loersch-Eifel stellte mir eine hervorragende Riesling-Kollektion vor. Besonders hervorheben darf ich:
Trittenheimer Apotheke, Riesling Kabinett trocken 2008
N: Graipefruit
M: Graipefruit, fruchtig, Pfirsich,sehr gut eingebundene Säure, harmonisch 87 CP
Trittenheimer Apotheke, Vogelsang Riesling trocken 2008
N: fruchtig, pflanzliche Noten
M: kräftig, feinwürzig 87 CP
Trittenheimer Apotheke, Alte Reben Riesling Auslese edelsüß 2007
N: Bortrytis, Aprikose
M: sehr dicht, gleichzeitig filigran und elegant, leichte Säure 91 CP
Trittenheimer Apotheke, Riesling Beerenauslese 2006
N: leichte Bortrytisnote, sehr dicht, cremig, elegant 91 CP

Erwähnenswert finde ich auch die Kollektion des Weingut Beiser. Ausnahmslos sehr gute Weine von weiß bis rot. Wenn ich einen Wein besonders empfehlen sollte, wäre es der 2008er Spätburgunder – S-

Vom Weingut Kranz-Junk kann ich einen edelsüßen empfehlen.
Brauneberger Juffer-Sonnenuhr riesling Auslese 2006
N: Bortrytis, Aprikose
M: extreme Dichte, fruchtig, massiv 88 CP

Die beiden Tage konnte ich im Übrigen dank Freikarten vom Österreichischen Weinhandel Roswitha Kappner aus Hamburg besuchen. Vier Winzer, deren Weine sie verkauft, waren auf der Messe.
Als echte Granate erwies sich ein Wein von Hannes Sabathi
Sauvignon Blanc Reserve trocken 2006
N: sehr fein und vielschichtig, Bortrytis, Banane
M: dicht, kräftig, würzig, mineralisch 92 CP

Ein von mir sehr geschätztes Weingut ist das Weingut Eugen Philippi. Hier hat man das Kunststück fertig gebracht in 2008 keinen einzigen trockenen Wein zu produzieren, nachdem in 2007 noch restlos trockene Diabetikerweine erzeugt wurden. Grund hierfür ist eine extreme Zurückhaltung, was Eingriffe im Keller anbelangt. Das Hefen je nach Jahrgang so extrem unterschiedlich sein können hat mich dann doch überrascht, aber bei der Spontanvergärung geht man halt gewisse Risiken ein, und wenn man dann auch nicht in den Gärprozess eingreifen will, kommen eben feinherbe und restsüße Wein heraus. Wenn man wie ich gerne restsüße trinkt, muß das ja kein Schaden sein. Die Weine haben mir denn auch wieder sehr gut gefallen.
Mehringer Blattenberg Riesling Spätlese 2008
N: Zitrus, Graipefruit
M: schöne Dichte und doch filigran, sehr feine Frucht, Säure gut eingebunden 90 CP

Abschließend empfehlen kann ich noch das Weingut Graf von Kanitz, die u.a. eine Auslese aus dem großen Jahrgang 1976 vorstellten. Bei solch alten Weinen kann auch ich nur Michael Broadbent sinngemäß zitieren „.. da gibt es keine guten und schlechten Weine mehr, sondern nur noch gute und schlechte Flaschen.“Ich hatte Glück und erwischte eine ordentliche Flasche, aus der mir ein lebendiger, dank seiner Säure sogar frisch wirkender Wein ausgeschenkt wurde. Allerdings war am Gaumen nicht mehr so viel Frucht erkennbar und er wirkte doch etwas fad.

Auch der zweite Tag bot mir sehr interessante Weine und Gespräche, so daß ich gerne auch am Sonntag zu den Deichtorhallen marschiere, auch wenn es noch mehr schneien sollte.

WineStyle Hamburg – Tag 1

Freitag, März 5th, 2010

Der erste Tag der WineStyle in den Deichtorhallen ist vorüber, und ich kann ein paar kurze Berichte geben. Die Messe erscheint mir in diesem Jahr sehr professionell organisiert zu sein. Die geräumigen Deichtorhallen lassen viel Platz zum Manövrieren trotz knapp hundert Ständen. Es stehen ausreichend Spucknäpfe zur Verfügung, und man kommt sich selten in die Quere.

Es ist sicher nicht die crème de la crème der Winzer, die hier anwesend sind, dafür kann man sich auf eine schöne Entdeckungsreise begeben und dabei günstige Gelegenheiten entdecken.

Fündig wurde ich heute insbesondere beim Weingut Kranz Junk, das mich mit Mosel-typischen Rieslingen restlos überzeugte. Besonders hervorheben kann ich hier die Brauneberger Juffer Spätlese feinherb aus 2008, die für mich bisher den überzeugensten Wein darstellte.
N: fein, vielschichtig würzig
M: sehr schöne Frucht, cremig, dicht 89 CP

Das zweite Weingut, das mich überzeugte war das Weingut Gabel. Die Gründe hierfür sind ähnliche wie bei Kranz Junk. Familie Gabel erzeugt ehrliche echt Pfälzer Weine. Bei diesen kernig, knackigen Weinen fühle ich mich der Heimat nicht so fern.

Für ein anderes Weingut, das meinem Heimatort sogar noch näher ist, gilt dies nur bedingt. Auch wenn man beim Weingut Hollerith den Pfälzer Idiom nicht leugnen kann, so verstehe ich nicht den Tamtam, den die Herren veranstalten. Was der Besucher hier in den nächsten Tagen erleben kann, ist eine geile Show, aber gerade bei den teuren Barriqueweinen, kann ich einen solchen Hype ehrlich gesagt nicht verstehen. Sicher sind das gute Weine, aber diese Qualität gibt es anderswo auch ohne Show.

Empfehlen kann ich z.B. das Weingut Göhring aus Flörsheim-Dalsheim mit der Burgunder-Cuvee Adamah oder dem Muskateller.

Beim Weingut Schwahn-Fehlinger gefiel mir der „Alter Wingert“ Riesling sehr gut. Vielles Vignes auf rheinhessisch sozusagen.

Dem Weingut Brügel gelang es, mich mit sehr guten Spätlesen aus Silvaner und Riesling zu überraschen.

Ich hoffe, ich konnte den Lesern etwas Appetit für die restlichen zwei Tage der WineStyle machen. Hervorzuheben ist auch, daß die Seminare im Eintrittsgeld inbegriffen sind und morgen mit Stuart Pigott und Jens Priewe sehr bekannte Weinexperten die Leitung eines solchen Seminars übernehmen. Für Tips von anderen Besuchern bin ich natürlich dankbar.

Hamburger Weinmesse im Interconti

Sonntag, Februar 28th, 2010

Ganz abgesagt wurde die Hamburger Weinmesse dann doch nicht. Ein Dutzend Aussteller tat sich zusammen, um in der Lounge des Hotel Intercontinental ihre Weine zu präsentieren. Eintritt kostet das Ganze jetzt nicht mehr, aber leider ist auch viel Durchschnittsware dabei.

Empfehlenswert sind das Weingut Bergdolt Reif & Nett, Chateau Val Beylie. Am Stand von WineLink gab es einige Rotweine aus Frankreich zu trinken. Wer den schwachen Euro etwas unterstützen will, für den bietet die Cava Weinhandlung ein schönes Angebot an guten griechischen Weinen.

Das Beste ist dann aber doch der schöne Blick über die vereiste Alster.