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Tokio Life

Mittwoch, März 23rd, 2011

Was für ein Gefühl ist es, in Tokio unter die Dusche zu gehen? Der von vermeintlichen „Angsthasen“ ausgehende Gestank erscheint doch als die geringste Sorge. Wie ist es, bei Regen sich nicht um die Frisur sondern um die eigene Gesundheit zu sorgen? Kann oder will sich jemand ausmalen, wie eine Metropole wie Tokio plötzlich menschenleer vor sich hin vegetiert, weil wir doch kein Glück haben und sie nicht verschont wird? 250 km Entfernung sind ein kosmischer Witz im Kampf gegen die Natur.

Das Erdbeben und der Tsunami haben die Macht und die Gewalt der Natur aufs Deutlichste gezeigt, doch jetzt sind es solche Banalitäten wie Wind und Regen, die Strömung des Flusses, die Millionen Menschen bedrohen. Ich finde es beklemmend zu sehen, wie die kurz-, mittel- oder langfristig tödliche Bedrohung der Radioaktivität in den Alltag von Millionen Menschen einzieht. Wie kann man die Gefühle der Menschen beschreiben, die damit leben müssen? Werden sie von der Angst gelähmt? Was treibt sie an, weiter zu machen und nicht aufzugeben, wo Flucht doch ein natürlicher Reflex zu sein scheint?

Schrecklich muss die Ungewißheit sein, die von der unüberschaubaren Lage im AKW Fukushima ausgeht. Nicht zu wissen, wie schlimm die Lage wirklich ist und welche Gefahren bei einer falschen oder sogar bei der richtigen Windrichtung auf einen lauern, scheint ein normales, unbeschwertes Leben nahezu unmöglich zu machen. Die Gefahr, die über allen schwebt,  erscheint nur schwer erträglich. Die Katastrophe, die Japan immer noch heimsucht, versetzt das Land in einen emotionalen Ausnahmezustand.

Die Bedrohung, die über den Japanern schwebt, kann ich immer noch nicht begreifen. Sie läßt mich sprach- und fassungslos bleiben. Es ist schwer zu verstehen, wie wir unser normales Leben weiter führen, während die radioaktive Gefahr immer noch Millionen Menschen bedroht.

Sprachlos – Ratlos

Montag, März 14th, 2011

Manche Ereignisse lassen einen ratlos zurück. Der Schrecken, den unfaßbare Ereignisse wie das Erdbebendesaster in Japan hinterlassen, macht manchen sprachlos. Andere leider nicht. Sie finden eine Sprache, die inadäquat ist, weil sie entweder vorschnell schwafeln, ohne tatsächlich etwas zu wissen, oder weil sie das dortige Unglück zu instrumentalisieren versuchen. In beiden Fällen ist es besser, sprachlos zu bleiben.

Gerade in dieser Situation fühle ich auf mulmige Art und Weise an meinen Leitspruch von Sokrates erinnert: „Ich weiß, daß ich nichts weiß“. Gerne ergänze ich diesen Satz mit: „und ich gehe davon aus, daß das auch für alle anderen gilt“. Sicher gibt es Experten, die die Situation deutlich besser als ich und viele andere einschätzen können, doch ich fürchte, daß niemand, auch vor Ort, weiß, wie kritisch die Situation des Unglücks wirklich ist.

Was ich jedoch bis zu einem gewissen Grad verwerflich finde und weswegen ich lieber sprachlos bleibe, ist die Geschwindigkeit, mit der wir uns von dem Leid, der Gefahr und den Sorgen der japanischen Bevölkerung entfernen und stattdessen versuchen, Projektionen in unsere eigene momentan nicht akut bedrohte Gesellschaft zu treffen.

Ich will keineswegs, eine grundsätzliche Diskussion über die atomare Energieversorgung verbieten, doch sind meine Gedanken und mein Mitgefühl bei den akut bedrohten Japanern. Ich wünsche Ihnen, daß das atomare Desaster so glimpflich abläuft, wie es irgend möglich ist und daß die Menschen in Japan nicht noch mehr unerträgliches Leid erfahren. Bezüglich allem anderen bleibe ich lieber sprachlos.