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Archiv der Kategorie Dies & Das
Von Menschen und Wein
10.3.2010 von Clemens.
Einstmals als Krawatten
etwas Abstoßendes hatten
trugen wir statt Nadelstreifen
lieber bunt bemalte Schleifen
Dann kürzten wir unsere Matten
als Zeichen daß wir reifen
Wir begannen zu versteifen
Mit der Zeit bewegte sich nur unser Schatten
Mit Menschen verhälts sichs wie mit Wein
Selten setzt eine Entwicklung ein
Die meisten tun lediglich verblassen
Sie reihn sich ein ins Kollektiv der Massen
werden unbeweglich passiv wie ein Stein
Was tät das Kind das alte Ich doch hassen
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Eiszeit
21.2.2010 von Clemens.
Ich hasse Winter.
Wenn ich den eigenen Atem nach außen schweben sehe, verwandele ich mich in einen schnaufenden Drachen, dem die Lebensfreude abhanden kommt und dessen letzte Freude es ist, andere an der eigenen schlechten Stimmung teilhaben zu lassen und sie hinab in die kalte Hölle zu ziehen. Leider zieht der Winter niemand tiefer hinein als mich.
Wenn die Temperaturen mich dazu bringen, Handschuhe anzuziehen, von denen einer in jedem Winter garantiert auf der Strecke bleibt, was ein schönes Bild wild kombinierter Handschuhpaare ermöglichen würde, wäre es nicht immer der Rechte, der verloren geht, dann lege ich mir in der Kombination aus Handschuhen, Schal, Pullover, dick gefütteter Jacke Mütze und langen Unterhosen eine Rüstung gegen den Winter an, an der ich viel zu schwer trage. Je länger der Feind seine Truppen mit frostigem Nachschub zu versorgen weiß, desto schwerer wiegt die Rüstung und desto schwerer wird es für mich, ihm mit grimmigem Gesicht entgegen zu treten.
Nach und nach macht sich Verzweiflung bei mir breit, doch leider kommt ein Aufgeben nicht in Frage, da der Feind keine Gefangenen macht. Stattdessen verschanze ich mich in der heimatlichen Festung und lasse den Wind, der durch seine Geschwindigkeit die Kälte noch verheerender erscheinen läßt, nicht eindringen.
Leider muß ich die sichere Stellung hin und wieder doch verlassen und mich nach draußen begeben, wo ich die grausamen Belagerungswaffen erlebe, mit denen mein schrecklicher Gegner seit mittlerweile mehr als zwei Monaten bekämpft und immer schwerer verwundet.
Denke ich an die dicken Schneeflocken, die der Feind vom Himmel regnen läßt, die mit der Unterstützung seines Verbündeten Wind garantiert den Weg zu den ungeschützten Stellen meines Gesichts finden, dort mit voller Kälte aufschlagen und nur unter Einsatz all meiner Körperwärme zum Schmelzen gebracht werden, wonach sich ein kalter Feuchtigkeitsfilm als Erinnerung an die Attacke bildet, der durch die kalte Luft besonders unangenehm kalt wirkt, wünschte ich mir der Feind hätte stattdessen heißes Pech über mich ausgeschüttet.
Mit das Frustrierenste am Winter ist, daß er immer wieder angreift. Dieser elende Bastard hat keinen Funken Ehre in seinem Schneemannleib und hält sich an keine Waffenstillstandsabkommen. Ist er schließlich besiegt, zieht er sich nur in den Norden zurück, um dort seine Kräfte zu sammeln, bevor er einige Zeit später den nächsten Angriff startet, anstatt seine Niederlage wie ein Mann zu akzeptieren und den Frieden in Ehren zu halten. Diesmal ist es ihm gelungen besonders viele Truppen zu sammeln und mir viele neue Angreifer entgegen zu stellen, die mit Verbissenheit und hohem Durchhaltevermögen gegen mich kämpfen. Reichten sonst bereits Kälte und leichter Schneefall, um bei mir Angst und Schrecken zu verbreiten, erwies sich sein Arsenal diesmal als weitaus vielseitiger.
Ich lernte Schnee kennen, der auf dem Boden liegen blieb und sich 30cm hoch stapelte, der nachdem ich ihn wegschaufelte einfach wiederkam und sich nachdem er festgetreten wurde nicht mehr wegschaufeln ließ. Der eingefallene Schnee bildete die Basis für die nächste Welle des Angriffs, die Bildung von Eis, gegen das ich Salz in rauen Mengen streute, bis der Vorrat verbraucht war. Aber auch mit dieser Maßnahme ließ sich das Eis nicht bekämpfen, weil es von der alten Bekannten Kälte, die diesmal mit noch schlimmerer Vehemenz zuschlug und weder tagsüber noch nachts eine Pause einlegte, Unterstützung erhielt, die das Salz wirkungslos werden ließ. Der Winter provozierte mich weiterhin, indem er mich und mein Salz dadurch verspottete, daß er es erneut schneien ließ, wonach das Salz auf der Eisschicht von einer Schneeschicht vergraben wurde, bis sich der Schnee erneut in Eis verwandelte und das Salz endgültig im Eis eingeschlossen war.
In den folgenden Wochen lernte ich das Eis kennen und hassen. Ich entdeckte den Unterschied zwischen körnigem Eis und glattem Eis, zwischen brechendem Eis und stabilen Eis, zwischen Gesamteisstärke und Kerneis. Ich entdeckte Spurrillen, zwischen denen eine so hohe Eisschicht lag, daß der Einsatz unserer schnellen Eingriffsfahrzeuge verhindert wurde, weil sie aufgesetzt hätten. Das Verlassen der Spurrilen wurde für die Fahrzeuge, die noch einsatzfähig waren, immer schwieriger, was dazu führte, daß Frauen das Einparken endgültig aufgaben. Genauso wurde das Ausparken aufgrund durchdrehender Reifen unmöglich.
Nach dem Desaster mit dem Salz gelang es dem Winter einen weiteren meiner Verbündeten nich nur zu neutralisieren, sondern ihn sogar gegen mich einzusetzen. Als die Sonne anfing, das Eis zu tauen, bildete sich auf dem festen, glatten Eis ein kurz daruf wieder zufrierender Wasserfilm, der das Eis noch rutschiger und gefährlicher machte, als es ohnehin schon war.
Als ob das nicht genug war, verteidigte das Eis mit grimmiger Entschlossenheit seine Position oberhalb der Abflüsse, so daß das abtauende Wasser nicht abfließen konnte und bei erneut abstürzenden Temperaturen wieder gefror, diesmal nur noch eine Spur glatter.
Mal war es so, daß Salz und Sand erst dann eine Wirkung zeigen konnten, als das Eis leicht angetaut war und die darunter liegenden Sandkörner vom Schuhwerk erreicht werden konnten. Und mal wurde es durch das Abtauen gemeingefährlich. Besonders hinterhältig war es, wenn das vermeintlich sicherheitsspendende Salz zu sehen war, dies jedoch unter einem nicht zu erkennenden Eispanzer eingeschlossen war, so daß es statt Sicherheit nur Stürze und gebrochene Beine gab.
Bei diesem Feldzug erweist sich der Winter als überaus erfolgreich. Die überfüllten Krankenhäuser und KFZ-Werkstätten sind der beste Beweis für seine Erfolge.
Wenn ich daran denke, wie ich, da der rechte Handschuh abhanden gegangen war, und ich mir nur mit einem Handschuh angezogen doch etwas lächerlich vorgekommen wäre, mit bloßen Händen morgens zum Bäcker ging, und auf dem Rückweg vom Brötchenholen alle 50m die Brötchentüte von einer Hand in die andere übergab, während die andere dafür sich kurz in meiner Jackentasche ausruhen und erwärmen durfte, kann ich nur zu einem Fazit kommen.
Ich hasse Winter.
Geschrieben in Prosa, Allgemein, Dies & Das | Keine Kommentare »
Lieber Lord Chandos…
19.2.2010 von Clemens.
Ein paar Tage nichts geschrieben
Wo sind die Gedanken hängen geblieben
Wieso öffnete sich nicht die kreative Saat
Kein Antiklimax endete in Wort und Tat
Ich weiß nicht was nicht hat getrieben
drum such ich ja ihren weisen Rat
Wem kann ich die Schuld zuschieben
damit ein geistiger Frühling naht
Zum Glück hatte ich einen Vorrat angelegt
der die leeren Tage meines Blogs pflegt
Die Ideen gewonnen an fremden Stätten
tuen sich nicht in neue Reime betten
Und weil ich nicht sehe daß mein Füller sich bewegt
müßt Ihr lieber Lord Chandos mich gnädigst retten
Geschrieben in Lord Chandos, Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Der Optimist
17.2.2010 von Clemens.
Wenn dann auch der Optimist
schließlich die weiße Flagge hißt
steht niemand mehr auf dem Feld
Auch der große tapfre Held
wird seit Längerem vermißt
Als sich niemand mehr vor ihn stellt
ist es für ihn dann doch zu trist
so ganz allein auf der Welt
Die Klugen sind längst geflohn
Die Edlen erlegte der Feind schon
Die Leichtgläubigen erwischt es zu Letzt
Weil er sie nochmal auf den Feind hetzt
erntet nur dieser den Lohn
indem er alle blutig zerfetzt
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Helau! oder Humor ist wenn man trotzdem lacht
15.2.2010 von Clemens.
Der skurrile Film der sich Arbeit nennt
und so viel wertvolle Zeit verbrennt
kann einen immer wieder überraschen
- Der dicke Bernd füllt sich die Taschen
auch wenn er vor der Arbeit stets wegrennt
Der schöne Gustav tut die Mädels reihum vernaschen
wonach sich so manche beim fiesen Chef ausflennt
– und Clemens versteckt im Rollcontainer Flaschen
Wärn nur die Kunden nicht da
wär das Leben wunderbar
Doch die bestellen tatsächlich Sachen
Wer soll nur die Arbeit machen
Wer ist solch ein armer Narr
Der hat doch nichts zu lachen
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Aktuelle Fernsehempfehlung - Metropolis
12.2.2010 von Clemens.
Fritz Langs Klassiker als aktuelle Empfehlung zu nennen mag skurril erscheinen, ist es aber nicht. Heute Abend wird ab 20:40 auf Arte die Welturaufführung der rekonstruierten Fassung gezeigt.
Die Ufa ließ den Film nach der Premiere 1927 um über 30 Minuten kürzen, weil sich Metropolis als kommerzielles Desaster entpuppte. Lange Jahre galten die beim 2. Schnitt herausgeschnittenen Teile als verloren, bevor in Argentinien eine Originalfassung gefunden wurde. Diese wurde jetzt rekonstruiert und mit der Originalmusik aufgeführt. Anläßlich der 60. Berlinale wird der wiederbelebte Film nun zeitgleich in Berlin, in der Alten Oper in Frankfurt und bei Arte gezeigt. Ich wünsche viel Vergnügen.
Geschrieben in Film, Dies & Das | Keine Kommentare »
Die männliche Katze
9.2.2010 von Clemens.
Der langsame Alkoholabbau
gleicht einem zäh fließenden Stau
Natürlich will man daß es schneller geht
bis man wieder auf sicheren Füßen steht
Allzu lange fühlt sich der Magen flau
und man spürt daß er um ein gesünderes Leben fleht
Zwar ist man schon längst nicht mehr blau
doch die Welt bleibt seltsam verdreht
Im Kopf tut ein Hammer schlagen
Das ist fast am Schlimmsten zu ertragen
Man wartet viel zu lange Stunden
Warum kann der Kopf nicht schneller gesunden
Warum muß der Alkohol so lange an ihm nagen
Das sollte mal jemand erkunden
Geschrieben in Feiern, Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Kill all the snowmen
5.2.2010 von Clemens.
Macht die Schneemänner endlich platt
Ich hab ihre Rübenvisage mächtig satt
mit der sie uns grinsend hinter her sehn
während wir rutschend auf der Straße gehn
Diese Burschen sind echt eiskalt
Zögert also nicht und gebraucht Gewalt
Habt keine Angst vor diesem Krieg
Kamerad Frühling garantiert uns den Sieg
Geschrieben in Gedicht, Dies & Das | 2 Kommentare »
Manolos
29.1.2010 von Clemens.
Das rhythmische Absatzklacken
der edel beschuhten Hacken
läßt meinen Mund nicht geifernd schäumen
doch auch gezähmt tu ich ein wenig träumen
Energisch stellen sich mir die Haare in den Nacken
Nie wollt ich so ein Konzert versäumen
Ich vermag es kaum mich aufzubäumen
und interessiere mich auch nicht für ihre Macken
Wer glaubt er könnte diesen Stiefeln widerstehn
der hörte sie noch niemals gehn
Jedes Mal wenn sie auf den Boden prallen
bin ich ihnen ein wenig mehr verfallen
Wär ich doch blind und müßt nicht sehn
wessen Schuh hier durch die Gegend hallen
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »
Einfach mal nur so
26.1.2010 von Clemens.
Nur ein paar harmlose Worte
gelingen doch an jedem Orte
Schön müssen sie nicht sein
Hauptsache sie wahren den Schein
Klar wird daß ich sie nicht horte
Ich meißel sie auch nicht in Stein
Vielleicht gehörn sie nicht zur schönsten Sorte
doch sie reimen rein
Wichtig ist ihr steter Fluß
selbst ohne der Muße Kuß
Schließlich geht es nur ums Üben
Und klingt der Reim nicht nach Kraut und Rüben
akzeptier ich auch den größten Stuß
der hier entsteht aus wenig kreativen Schüben
Geschrieben in Sonett, Gedicht, Dies & Das | Keine Kommentare »