Archive for the ‘Deutschland’ Category

„Meine Damen, meine Herren, liebe Neger…“

Montag, Januar 30th, 2012

Um es auf den Punkt zu bringen: Christian Wulff ist nicht der erste Bundespräsident, für den wir uns schämen müssen. Doch ähnlich, wie man vom späten Papst Johannes Paus II. nichts mehr erwarten konnte, weil er zu sehr gehandicapt von seinen Krankheiten war, so musste man auch Heinrich Lübke seine Aussetzer krankheitsbedingt entschuldigen. Das im Titel verwendete Zitat soll er übrigens nie gesagt haben, aber die große Verbreitung, die es in Deutschland gefunden hat, spricht Bände über das Verhältnis der Bundesbürger zu ihrem Präsidenten.Sie haben ihn belächelt und über ihn gelacht.

Doch seitdem hatten wir zwei sehr ordentliche Präsidenten, bevor Christian von Weizsäcker kam und Deutschland international ein Gesicht gab, das wir sehr gerne sahen, auch wenn es vielleicht nicht der schonungslosen Realität entsprach, sondern dem eigenen Idealbild. Weizsäcker konnte als Präsident auch deutliche Worte finden, wenn sie denn nötig waren. Über Weizsäckers Vergangenheit und die seiner Familie kamen während seiner Amtszeit keine skandalösen Details heraus.

Kurz nach Weizsäckers Abgang musste sein Nachfolger in übergroße Fußstapfen treten, zumal die Union sich ein unwürdiges Spiel bei der Kandidatenaufstellung lieferte. Die Erwartungen an Roman Herzog waren daher sehr gering. Doch er strafte alle Kritiker Lügen. Seine Leistung war einfach nur phänomenal. Herzog schaffte es, dem Volk aus der Seele zu sprechen. Herzog las den Bürgern die Leviten und brachte Selbstverständlichkeiten zur Sprache, die leider verloren gegangen waren. Weil Herzog unangenehme Wahrheiten aussprach, schaffte er es zu dem vielleicht beliebtesten Bundespräsidenten aller Zeiten zu werden. Es entsprach Herzogs Volksverbundenheit und Bescheidenheit, dass er zu einer zweiten Amtszeit nicht antrat. Ob es dazu nicht gekommen wäre, weil die SPD eine Mehrheit in der Bundesversammlung organisieren konnte, sei dahingestellt. Seine Beliebtheit wurde dadurch nur noch gesteigert.

Johannes Rau, als sein Nachfolger, machte nicht unbedingt einen großartigen Job. Ihm haftete aus seiner Zeit als Ministerpräsident die Flugaffäre an. Gleichzeitig entsprach es Raus Biografie, dass sein Charakter und seine Intentionen außer Frage standen. Rau war ein Politiker, der sich um die Menschen gekümmert hat und den das Schicksal der Menschen gekümmert hat. Auch als Präsident war Rau nicht perfekt. Man denke an die parteipolitisch motivierte Unterzeichnung des Zuwanderungsgesetzes. Gleichzeitig gelang es Rau für eine Normalisierung des Verhältnis zu Israel sorgen. Seine Rede vor der Knesset und sein Besuch in Yad Vashem  waren Meilensteine. Dennoch war Rau unterm Strich ein eher mediokrer Präsident.

Seine Nachfolger, Horst Köhler, war daher eine willkommene Ablösung. Anders als Roman Herzog las er nicht dem Volk die Leviten, sondern den Politikern. Die unbequeme Art mit der er auftrat, seine Sachkenntnis in Finanzfragen und seine Offenheit machten ihn zu einem Wunschpräsidenten der Deutschen. Seine Kommentare zu Kriegsgründen waren einfach untragbar. Hier gibt es auch keinen Respekt vor dem Präsidentenamt. Im Gegenteil, gerade wegen der Bedeutung des Präsidentenamts dürfen solche Äußerungen nicht akzeptiert werden. Doch eine einfache Entschuldigung, eine deutliche Klarstellung hätten mir und wahrscheinlich den meisten anderen auch gelangt. Köhler entschied sich für die Flucht. Unterm Strich blieb das Bild eines hervorragenden Bundespräsidenten mit einem unwürdigen Abgang.

Und jetzt? Christian Wulff hat als Ministerpräsident keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er mag das Image des perfekten Schwiegersohns bedient haben, aber im Prinzip wirkte er wie ein 08/15-Ministerpräsident, der am meisten durch Parteitreue auffiel, aber nicht durch persönliche Positionen. Als Bundespräsident fiel Wulff durch seine umstrittene Islam-Rede auf, doch das war auch schon alles. Über die Skandale muss ich hier nichts mehr sagen. Nur einen Schlussstrich ziehe ich noch. Wulff ist der schlechteste Bundespräsident seit Heinrich Lübke. Und der war, wie eingangs erwähnt zu entschuldigen und ließ sich doch noch zum Rücktritt bewegen. Doch wie soll man Christian Wulff entschuldigen?

Das System schlägt zurück

Sonntag, Januar 29th, 2012

Anfangs konnte ich noch denken, dass Christian Wulff Unrecht getan wird. Obwohl die Verheimlichung des Kredits vor dem Landtag von Anfang an bis zum Himmel gestunken hat, konnte ich noch glauben, dass er bei der Annahme des Kredits wirklich keine Hintergedanken hatte und nichts ferner von ihm lag, als dafür Vorteile zu gewähren. Es war für mich noch glaubhaft, dass es sich bei Herrn Gehrkens tatsächlich um einen väterlichen Freund handelte und nicht um einen politischen Freund. Die Mitnahme von Gehrkens auf Reisen war letztlich ein zu geringer Vorteil, als dass ich Wulff diesen vorhalten wollte.

Die Annahme des Kredits geziemt sich für einen Politiker dagegen schlicht und einfach nicht. Ja, für einen Politiker gelten andere Regeln! Ein selbstständiger Unternehmer vertritt zunächst mal die eigenen Interessen und darf dementsprechend auch Vorteile von anderen annehmen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ein Politiker vertritt dagegen die Interessen des Volks und darf sich bei der Vertretung der Interessen des Volks nicht von persönlichen Interessen oder Verpflichtungen leiten lassen. Insofern war das Kreditgeschäft ein kapitaler Fehler für einen Politiker, die Verheimlichung vorm Parlament eine Frechheit und das Rumlavieren vor der Presse ein Armutszeugnis.

Was die folgenden Enthüllungen offenbarten, waren drei wichtige Erkenntnisse über unseren Bundespräsidenten. Erstens, dass er keinen Respekt vor der Pressefreiheit hat, zweitens dass er eine sehr merkwürdige und übertriebene Rhetorik pflegt und drittens, dass die Annahme und Gewährung von Vorteilen bei Christian Wulff kein Einzelfall ist. Die Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit mit der Christian Wulff als gewählter Vertreter des Volks kleine Annehmlichkeiten von Interessenvertretern annimmt ist kein Zufall, sie hat System. Das System Wulff beinhaltet mächtige Freunde auch in der Industrie, mit denen er ohne seine politischen Ämter sicher nicht befreundet wäre. Das System Wulff besteht aus so vielen kleinen Gefallen, die er angenommen hat, dass es einfach nahe liegt zu glauben, dass er ebenso viele kleine Gefallen gewährt hat. Schlimm daran ist, dass es zu seinen Aufgaben als Amtsträger gehört, die Wirtschaft seines Landes zu fördern und Arbeitgeber zu unterstützen, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert werden können. Doch durch die Annahme der Gefallen wirken Gefallen seitens Wulff nicht als Wahrnehmung seiner Aufgaben als Landesvater, sondern als Zeichen der Bestechlichkeit.

Die Vielzahl der Gefallen, die Christian Wulff wie selbstverständlich angenommen hat, sorgen jetzt dafür, dass er für die Presse ein gefundenes Fressen ist. Sein langes Durchhalten sorgt nur dafür, dass die Journalisten nicht von ihm ablassen und immer mehr Peinlichkeiten des Systems Wulff zu Tage fördern. Auch wenn Christian Wulff bemitleidenswert lächerlich wirkt, so muss man dennoch kein Mitleid mit ihm haben. Er hat die Saat für den Spott, den er jetzt erntet, selbst gelegt.

Oh Captain, my Captain

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Oh Captain, my Captain

ich danke Dir von ganzem Herzen
Die durch Dich verursachten Schmerzen
erregen die Gemüter der Meute
Deine Existenz als Beute
erfordert viel von ihrer Zeit
und bindet ihre Aufmerksamkeit
Die von dir gefüllten Klatschspalten
tun dermaßen viel Stoff enthalten
daß die Presse weniger über mich schreibt
weil für mich kein Platz mehr bleibt
Gerade dein groteskes Versagen
kombiniert mit deinen Klagen
wirkt dermaßen unverschämt
daß sich niemand mehr über mich grämt
Während Weihnachten und Silvester es nicht schafften
daß sich meine Probleme hinfort rafften
mußtest du nur ein Schiff zerstörn
und schon wollt niemand von mir mehr Ausreden hörn

Mille Grazie Capitano

Das geht (nicht nur) in Deutschland

Dienstag, Januar 24th, 2012

Im ganzen Land
bin ich bekannt
Als Mann ohne Anstand
steh mit dem Rücken an der Wand
hab mich vielleicht etwas verrannt
Doch seh ich das ganz entspannt
lächle weiter sehr galant
und ein wenig arrogant
hinterlasse Glaeseker als Pfand
streu in die Augen Sand
bis sich keines mehr auf mich bannt
Würde ist doch nur Tand
Jetzt bin ich zwar verbrannt
Doch weil die Wahrheit schließlich verschwand
werd ich weiter ins Ausland gesandt
und reiche Staatsgästen die Hand
Ich liebe dieses Land

Was zählt ist meine Unterschrift

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Habe ich einen Kredit verschwiegen
um keinen Ärger zu kriegen
Trotzdem hab ich mir nichts vorzuwerfen
so eine Anfrage geht schließich an die Nerven
gerade weil ich nichts zu verbergen habe
antwortete ich wahrheitsgemäß wie ein Rabe
Habt ihr es nicht gecheckt
Juristisch war alles korrekt
Statt von dem gefragten Mann lieh ich von seiner Frau
Ich bin doch nicht blöd sondern schlau

Wenn mir jetzt niemand mehr zuhört
heißt das dass sich keiner an mir stört
Wenn ich euch nichts mehr sagen soll
ist hoffentlich auch das Maß an Fragen voll
Vielleicht bin ich für euch nicht mehr wichtig
doch mein Rücktritt wäre wirklich nicht richtig
Auch wenn ihr nicht wollt dass ich bleibe
ist’s gut wenn ich Gesetze unterschreibe
Auch wenn mein Name nichts mehr gilt
Was zählt ist meine Unterschrift Unterschrift Unterschrift

Wenn ich brav vom Cover lache
ist’s doch egal wo ich Urlaub mache
Laden mich meine Freunde teuer ein
sag ich doch natürlich nicht  nein
Als Politiker gelten keine andren Regeln
ich darf mit reichen Kumpels auf ihrer Jacht segeln
Ein Mann des Volks muss das doch können
das Volk wird ihm das schon gönnen
Weder will Maschi von mir Gefallen
noch sieht er in mir seinen Vasallen

Wenn mir jetzt niemand mehr zuhört
heißt das dass sich keiner an mir stört
Wenn ich euch nichts mehr sagen soll
ist hoffentlich auch das Maß an Fragen voll
Vielleicht bin ich für euch nicht mehr wichtig
doch mein Rücktritt wäre wirklich nicht richtig
Auch wenn ihr nicht wollt dass ich bleibe
ist’s gut wenn ich Gesetze unterschreibe
Auch wenn mein Name nichts mehr gilt
Was zählt ist meine Unterschrift Unterschrift Unterschrift

Ihr alle verachtet Bild
und werdet auf einmal wild
weil ich deren Chef bedrohe
fürchtet dass der Präsident verrohe
doch ich war schon immer so
also seid besser froh
dass ihr mich an der Spitze habt
weil es sonst mit keinem klappt

Wenn mir jetzt niemand mehr zuhört
heißt das dass sich keiner an mir stört
Wenn ich euch nichts mehr sagen soll
ist hoffentlich auch das Maß an Fragen voll
Vielleicht bin ich für euch nicht mehr wichtig
doch mein Rücktritt wäre wirklich nicht richtig
Auch wenn ihr nicht wollt dass ich bleibe
ist’s gut wenn ich Gesetze unterschreibe
Auch wenn mein Name nichts mehr gilt
Was zählt ist meine Unterschrift Unterschrift Unterschrift

Auch wenn ich euch anlüge
heißt das nicht dass ich betrüge
Lasst uns über den Rubikon gehn
und Springer in die Augen sehr
Kein Stahlgewitter wird uns aufhalten
bis alle bei meinen Ansprachen abschalten
Bis sie sagen keine Zeit
sag ich „besser die Wahrheit“
Scheinheiligkeit ist doch kein Problem
Sie ist doch eher für uns alle bequem

Wenn mir jetzt niemand mehr zuhört
heißt das dass sich keiner an mir stört
Wenn ich euch nichts mehr sagen soll
ist hoffentlich auch das Maß an Fragen voll
Vielleicht bin ich für euch nicht mehr wichtig
doch mein Rücktritt wäre wirklich nicht richtig
Auch wenn ihr nicht wollt dass ich bleibe
ist’s gut wenn ich Gesetze unterschreibe
Auch wenn mein Name nichts mehr gilt
Was zählt ist meine Unterschrift Unterschrift Unterschrift

KT die 2.

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Er lässt mich nicht los.

Woran liegt das? Wahrscheinlich vor allen daran, daß ich ihm nicht verzeihen will. Wieso habe ich solche Schwierigkeiten ihm zu verzeihen, obwohl ich bereits geschrieben habe, daß ich es tue? Ich denke, zum Großteil ist es eine Stilfrage. Die Entschuldigung von KT, gerade weil er sich durch sie wieder als Musterschüler ins rechte Licht gerückt sieht, ist bestenfalls viertklassig. Ich vermisse das Eingeständnis des Offensichtlichen, das KT auch bereits zu Beginn der Affäre völlig klar gewesen sein muss, wenn er nicht unter arger Realitätsverzerrung leidet. „Ja, ich habe betrogen! Bitte verzeiht mir.“ Es sind diese Worte, die ich vermisse und wegen derer Abstinenz es mir so schwer fällt, ihm zu verzeihen. Gleichwohl verstehe ich, warum er sie nicht sagt. Das Eingeständnis des Betrugs scheint der Punkt zu sein, an dem er als Minister für seine Partei und die Öffentlichkeit nicht mehr tragbar erscheint.

Und genau das sehe ich anders. Ich halte einen ehrlichen reuigen Betrüger durchaus dafür geeignet, ein verantwortungsvolles Amt zu bekleiden, denn jeder hat eine zweite Chance verdient. Aber leider bleibt KT m.E. ein unehrlicher Betrüger, weil er den Betrug nicht gesteht. Genau deshalb wirkt seine Reue aufgesetzt. Da mein Herz dies erkennt und mein Verstand dem Herz recht gibt, ist es verdammt schwer, KT zu verzeihn. An dieser Stelle sehe ich auch den Vergleich zu Joschka Fischer als sinnvoll, dessen Reue für die Schläge gegen einen Polizisten echt wirkte. (Gleichwohl hätte er wegen der Visa-Affäre zurücktreten müssen – „Oberster Zuhälter der Nation“ war die eine Sternstunde von Michael Glos)

Die Verteidigungsstrategie der Union macht es für mich zusätzlich schwierig. Die Union ist erpicht darauf, die Personalie Guttenberg zu einer politischen Frage zu machen. Das ist falsch. Hier geht es nicht um Macht, sondern darum, was sich eine Person als Politiker erlauben darf.
Daß die Strategie der Union beinhält, die Diskussion als eine Medienkampagne abzuwerten, führt deswegen in die Irre, weil es gerade das arrogante, herablassende Verhalten von KT war, das diese Diskussion immer weiter angeheizt hat. Genau deswegen ist die Frage auch jetzt nicht einzig: „Muß er zurücktreten oder nicht?“ sondern: „Was hat er alles angestellt? Und wann gibt er es endlich richtig zu?“
Daß die Union sich wie ein lebendes Bollwerk vor KT schmeißt, mag man ja als ehrenhafte Treue ansehen, doch gleichwohl sollte sich die Union fragen, welche Prinzipien sie gerade opfert, um ein unehrenhaftes Verhalten zu decken.

Genau hier möchte ich einmal ansetzen und betrachten, was der Verzicht auf echte Konsequenzen alles legitimiert. Gehen wir zur Casa Fischer bzw. der Visa-Affäre zurück. Wessen hatte sich Fischer schuldig gemacht? Fischer hatte sein Amt als Außenminister nicht mißbraucht, aber er war auch nicht seinen Amtspflichten nachgekommen und hatte sich bei der Aufklärung der Affäre höchst unkooperativ gezeigt. Ich werde nicht vergessen, daß Fischer nicht zurückgetreten ist, und es wird ewig ein Schandfleck auf seiner Weste bleiben. KTs Dissertation hat mit dem Verteidigungsministerium originär nichts zu tun. Insofern kann er die Casa Fischer abtun.

Gehen wir zu dem von mir über alles gehassten Roland Koch über. Was war Kochs Vergehen? Oder besser, was war das Vergehen, wegen dem er m.E. zurücktreten hätte müssen? Koch hat die Schwarzgeldkonten schließlich nicht selbst geführt und auch nicht beauftragt. Aber er hat davon gewußt und nichts gesagt. Schlimmer noch: Er hat sein Wissen geleugnet und sich unter Tränen für die „brutalstmögliche Aufklärung“ ausgesprochen, wodurch er sich als schlimmstmöglicher Lügner entlarvt hat. Lügen also – hier sind wir wohl bei KT an der richtigen Stelle. Und damit meine ich insbesondere die Lügen, nachdem der Verdacht hochkam. Dennoch sind KTs Lügen deutlich persönlicher, vielleicht menschlicher; und weil er sich zuvor deutlich weniger schlimme Skandale als Koch geleistet hat – kann man ihm vielleicht noch irgendwie verzeihen.

Die Union hat sich über Vergleiche mit Berlusconi beschwert. Sex mit Minderjährigen hatte KT nicht. Diese danach unter Zuhilfenahme seines Amts und dreister Lügen aus dem Polizeigewahrsam herausgeboxt auch nicht. Das Recht zu seinen Gunsten geändert, so daß frühere Vergehen nicht mehr strafbar sind, hat er auch nicht. Ich unterstelle KT mal, daß er anders als die meisten Bundesbürger seine Steuern ordentlich bezahlt hat und sich auch hier nichts zu vozuwerfen hat. Weiterhin unterstelle ich ihm mal, dass er kein Unternehmen unter dubiosen Umständen aufgebaut hat und keine Kontakte zur organisierten Kriminalität hat. Insofern ein klarer Punkt für KT, doch es geht bei den Vergleichen wohl auch eher darum, dass wir in Deutschland keine römischen Verhältnisse wollen (wie ja schon Westerwelle gesagt hat…) und es nicht ganz zu Unrecht heißt: „Wehret den Anfängen“.

Kommen wir zu einem möglicherweise überraschenden Vergleich, an den sich der Ein oder Andere vielleicht auch schon nicht mehr erinnert: „Der Briefbogen- oder Einkaufswagen-Affäre“. Es gab eine Zeit, in der Jürgen W. Möllemann Wirtschaftsminister dieser Republik war. In dieser Zeit empfahl er auf einem Briefbogen des Wirtschaftsministeriums Handelsketten, einen Chip als Pfandmarke für Einkaufswagen, der in der Firma eines angeheirateten Vetters hergestellt wurde. Skandalös war nicht die Empfehlung an sich, sondern daß durch die Verwendung eines offiziellen Briefbogens das Amt mißbraucht wurde, da Möllemann im Amt eine ihm nahe stehende Person begünstigt hatte. Hier werden wir auch bei KT fündig. KT hat sein Amt als Bundestagsabgeordneter mißbraucht, indem er beim Parlamentarischen Staatsdienst Gutachten beauftragte, die er privat für seine Dissertation verwendete. Was unterscheidet die beiden Affären? Zwei Fakten: Zum Einen kann man Möllemann unterstellen, daß in der Hektik des Büroalltags aus Versehen etwas abgezeichnet wurde oder aus Versehen auf dem falschen Briefbogen gedruckt wurde, während man bei KTs Beauftragung der Gutachten wohl doch von einer bewußten Handlung ausgehen kann. Es sei denn er leidet wie bereits oben geschrieben unter totalem Realitätsverlust, was ihn als Politiker untragbar machen würde. Gravierender ist aber der zweite Unterschied: Möllemann ist ohne allzu langes Wenn und Aber zurückgetreten.

Also liebe Union, bitte denkt noch einmal nach. Euer Festhalten an KT heißt, daß ihr einen Minister unterstützt, der weniger Anstand besitzt als Jürgen W. Möllemann…

Pfalz Spätburgunder** 2005

Mittwoch, September 1st, 2010

castel_peter_pinot_noir_2005.jpg

Der Wein hat eine grantrote Farbe. Die Farbtiefe ist ordentlich ausgeprägt und geht in ein Orangerot über. Anfangs duftet er mäßig intensiv nach Wald- und Brombeeren. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Ich rieche Beerenfrucht, Schokolade und Lavendel.

Der Wein besitzt viel Frucht, während der Körper von einer mittleren Schwere geprägt ist. Die Tannine verleihen dem Wein rauhen Charme und Charakter. Der Wein hat eine gute Länge und ist sehr extraktreich.

Mit Pinot ist es immer so eine Sache. Im besten Fall bestechen sie durch eine unvergleichliche Eleganz. Dieser hier hat eher einen lässigen Chic, ohne ein Modewein oder einfach ein lockerer einfacher Wein zu sein. Zum Emmentaler.

Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2005
Rebsorte: Spätburgunder
Erzeuger: Castel Peter
Ausbau: Qualitätswein trocken
Alkohol: 13,0

Birkweiler Rosenberg Sauvignon Blanc 2009

Mittwoch, August 25th, 2010

unterwegs verkostet:

Nase: grüne Noten, Apfel, Vanille
Mund: starke Säure, leichte Würze, mittelschwerer Körper, gute Länge, Gärkohlensäure, frisch, Apfel

sehr netter Wein, easy drinking, nicht unbedingt Sauvignon typisch, zum grünen Salat mit Räucherlachs in Joghurtsauce

Herkunft: Deutschland – Pfalz – Birkweiler Rosenberg
Jahrgang: 2009
Rebsorte: Sauvignon Blanc
Erzeuger: Siener Dr. Wettstein (nicht zu verwechseln mit Siener)
Ausbau:QbA trocken

Kraut Wine Riesling 2008

Dienstag, August 24th, 2010

tesch_krautwine_2008.jpg

Der nächste Wein, den ich wegen dem Etikett gekauft habe. Das Weingut Tesch widmet diesen Wein der Roten Gourmet Fraktion. So ganz erschließt sich mir der Zusammenhang zum Wein nicht, aber das Weingut ist für seine unkonventionale Namensgebung bekannt. Schon lange gibt es den „Riesling unplugged“ quasi Riesling pur, wenn man so will. Der „Deep Blue“ soll an die Urzeitmeere erinnern, von denen die Böden des Weinbergs geprägt sind. Vielleicht ist das der Brückenschlag zum „Kraut Wine“, der sich auf die Ernährung an Bord deutscher Seefahrer bezieht. Letztendlich kann man Etiketten natürlich nicht trinken, aber ich finde es durchaus schön, wenn sie zum Schmunzeln anregen.

tesch_krautwine_ruckseite.jpg

Der Wein hat eine glanzhelle Farbe mit gelbem Einschlag. Einige Perlen zeigen sich am Glasrand. Die erste Nase ist durchaus intensiv und duftet nach Kräutern. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Neben Kräutern duftet der Wein nach Tabak.

Der Wein besitzt viel Frucht, ohne dabei süß zu wirken. Ich schmecke Birne, Graipefruit und Pfirsich heraus. Er wirkt ziemlich saftig und verfügt über eine gute Dichte. Dazu ist er sehr würzig und leicht bitter.

Ein sehr schöner, charaktervoller Wein, der erstklassig gemacht ist. Ein unkompliziertes und doch zugleich hochwertiges Trinkvergnügen. Zum Kassler in Senfsauce – mit Sauerkraut…

Herkunft: Deutschland – Nahe
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Riesling
Erzeuger: Weingut Tesch
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 12,0%

Playboy Red Wine 2008

Montag, August 23rd, 2010

playboy_redwine_2008.jpg

Playboy ist unter die Weinproduzenten gegangen. Genauer gesagt produziert die große Kellerei Peter Mertes einen Wein, der mit dem Logo und Namen des Häschenblatts produziert wird. Den Wein gab es zum Einführungspreis von 2,99€  im Supermarkt. Bei Einführung und Playboy denke ich natürlich eigentlich an andere Praktiken. Wenn der Beitrag schon so anfängt, frage ich mich wie tief ich heute noch im Niveau sinken will. Besser ich widme mich dem Wein.

Der Wein hat eine helle kirschrote Farbe. Die Farbtiefe ist mäßig ausgeprägt und geht in ein Purpurrot über. Anfangs duftet der Wein nach Brombeeren, Cassis und Brotrinde. Nach dem Schwenken nimmt die Intensität weiter zu. Cassis, Paprika und Pfeffer kommen im Bukett vor. Die Viskosität ist ordentlich ausgeprägt.

Nachdem die Nase ja sehr ordentlich war, wirkt der Geschmack doch eher enttäuschend. Der Wein besitzt einen mittelschweren Körper. Eine leichte Säure paßt nicht gut zum bitteren Grundton. Auch die Frucht wird von den Tanninen, die einen merkwürdigen Gummicharakter haben, konterkariert. Der Nachhall besitzt eine ordentliche Länge.

Nach dem Riechen dachte ich, daß man hier tatsächlich Wert auf einen sehr ordentlichen Wein gelegt hat, doch ich muß gestehen, daß mir der Wein nicht gefällt. Profiköche sagen ja, daß man zum Kochen nur gute Weine nehmen soll, dennoch ist es der erste Verwendungszweck, der mir zum Wein einfällt.

Bei diesem Wein komme ich natürlich nicht umhin, noch einmal auf das Etikett einzugehen. Ich finde es ja erstaunlich, wie sehr sich Kleidung und weitere Accessoires mit dem Hasenlogo verkaufen. Interessanterweise sind die Käufer primär Frauen. Vielleicht ist das auch die Schnittmenge, in der dieser Wein einschlagen will, weil wohl vor allem Frauen die Käufer von Weinen im Supermarkt sind. Doch es wäre für den Playboy ein Einfaches, eine ganze Kollektion an Weinen an den Markt zu bringen mit dem Konterfei der Playmates des Monats. Männer würden sich um diese Flaschen reißen, und jeder Jahrgang hätte ein individuelles Bild. Mouton Rothschild würde vor Neid erblassen. Etiketten von Miro, Chagall, Warhol oder Picasso kann ja jeder entwerfen lassen, aber die Playmates hat nur der Playboy. Die Qualität des Weins wäre auch beinahe egal. Die Männer würden die Flaschen auch so sammeln. Aber das ist nur meine einfache Meinung.

Herkunft: Deutschland – Pfalz
Jahrgang: 2008
Rebsorte: Cabernet Sauvignon
Erzeuger: Peter Mertes
Ausbau: QbA trocken
Alkohol: 13,0%